Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 7 (13.2.1914)
- Date
- 1914-02-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Bi. 7 I«tzr-«ig xxxi Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Ifnteressen des Zudentums —- Wien, 13. Februar 1914 : LrscveLnt jeden FreLtsg.: Brr.i-Ävresie: Wien, ll/i, Praterftraße 9 Telegramm.Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. O (J--: ~ - -O c "p Vrprgsprri« für Vrft-rrriri,: Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 56 Helle:. Für's Ausland: Halbjährig 16 Kronen. Danzjährtg 26 Kronen. Anzeigen: Die «al gespal. j tene Pertlzeile in Heller. C nO --- ' O QCF=^.? A. ft. Postfparft»lsrnamt =00 9 Cleartngs>\t) erhebt fit. 810.976. Redaktion und Administration: r, llv 1 rn b OG: >•/1. Praierslrafie!> Telefox? S4H47 o o Inhalt Lenanikei: Las Berrranen vcr Zwayierscyup. — Zj.ael. Zangw.ll. — teine L-llfumg für das jUdljche Kleingewerbe. — Jahrmarkt des Lebens: Henri Bergson. — Rücktritt Dr. Simons und Dr. Nathans. — Die nnerträgliche Lage der Juden in Rumänien. — Theodor Roosevelt und die Juden von Buenos-Aires. — Korrespondenzen: Ter Kampf um die Palästina- Kommission. — Abschied des Herrn Rabbiners Dr. Grunwald von seinem bisherigen Amtsbezirk. — Generalversammlung des Tempelvereins Hietzing. — Die 40. ordentliche Generalversammlung des israelitischen Tempelvereins Wieden-Margarethen. — Legate des Präsidenten Karl vo Morawitz. — Die neue Leitung des Budapester Rabbinerseminars. — Vermischtes. — Feuilleton: Zur Geschichte der Juden in Belgien. — Briefkasten. — Notizen. — Jnserate._ Aas Pertranen der Wählerschaft, Damit der Prinz von Wied den Thron Albaniens besteigen kann, wird sich eine albanische Deputation zu ihm nach Schloß Neuwied begeben, um ihm die Krone Albaniens anzutragen. Seit Monaten ist dieser Kandidat für den wacklichsten Thron Europas bemüht, seine Residenz in Durazzo aufschlagen zu können und es wird ihn Mühe genug gekostch haben, gegen Geld und gute Worte diese Deputation aufzutreiben, aber wenn diese kommen wird, so werden salbungsvolle Worte mit einem Unterton von Ueberraschungstönen im Manifest erscheinen, in welchem ein neuer König von Gottes Gnaden und durch die Liebe des Volkes verspricht, sein Glück dem Glücke seines Volkes uniterzuordnen. Es liegt ein gewaltiges Stück Satyre in diesen Formalien, aber sie scheinen nun einmal notwendig zu sein, wenn es sich um die Installierung eines Würdenträgers handelt, auch wenn es sich um etwas Geringeres handelt, als eine Königskrone. Da soll zum Beispiel im ersten Wiener Bezirk ein neuer Gemeinderat gewählt werden: die Lederindustrie macht dabei günstige Geschäfte, denn die Kandidaten und ihre freiwilligen oder bezahlten Agenten laufen sich seit Wochen die Schuhe durch. Zum Schlüsse aber wird sich eine mühselig gefundene Deputation zu dem Kandidaten begeben und ihn bitten, dem Vertrauen der Bevölkerung zu entsprechen. Das ist ein amüsantes Verfahren, aber das Resultat ist weniger amüsant. Denn schließlich handelt es sich da um eines der wenigen Mandate, welche den Juden zur Verfügung stehen, nicht mit einem verdienten Wahlmacher u. Parteiknecht zu besetzen, sondern mit einem Menschen, welcher die Wünsche der Wähler befriedigt und nicht seinen eigenen höchst überflüssigen Ehrgeiz. Deswegen ist es angezeigt, zu sagen, in welcher Weise jetzt nach albanischem Muster das Vertrauen der Bevölkerung fabriziert wird. Die wirkliche Bevölkerung ist leider nicht organisiert, dagegen ein paar .Cliquen, welche sich Parteien nennen und welche die willenlose Masse nach ihrem Gefallen dirigieren. Denn, wenn es am Tage der Entscheidung heißt: Hier Freisinn, hie Antisemiten, dann wählt man schon den Mann, welcher auf den vorderhand unbezahlten Plakaten des Wahlkomitees angepriesen wird. Den Cliquen kommt es nun absolut darauf nicht an, einen Kandidaten zu präsentieren, welcher sich durch hervorragende Eigenschaften auszeichnet, auf welchen sich alle Augen vertrauensvoll richten. Sondern die zusammengetrommelte Kaffeehausgesellschaft, glücklich darüber, ein paar Wochen hindurch einige Wichtigkeit zu besitzen, hebt einen aus ihrem Kreise auf den Schild, macht gut vorbereitete Wählerversammlungen. kauft Drucksorten und Portomarken, versucht es überhaupt wie ein Kaufmann, schlechte Ware durch gute Reklame an den Mann zu bringen. Wäre von einem wirklichen Wahlkomitee die Rede, so könnte es nur aus den angesehensten Bürgern des! Bezirkes bestehen, welche nach ihrem besten Gewissen für den besten Mann entscheiden und in der weitesten Oeffentlichkeit verhandeln. Die Wahlkomitees, wie sie jetzt bestehen, fürchten sich jedoch, daß man einfach gegen den belanglosen Kandidaten entscheiden könne, welchen sie präsentieren, daß man sie überstimmt und aus diesem Grunde schließen sie sich einfach ab. Sie machen öffentliche Meinung in der Art, daß keiner an ihren Beratungen teilnehmen darf, der nicht von vornherein ihrer Meinung ist und sich verpflichtet, für den bereits vorhandenen Kandidaten zu bestimmen. Die Beratungen gelten nicht dem Wohl und Wehe des Bezirkes sondern dem Wohl und Wehe des Bewerbers. Aus den Wahlkomitees sind Personen-Komitees der schlimmsten Art geworden. Versammlungen von Verschworenen und Eingeschworenen, weh che sich darauf verlassen, daß sie die Wählerschaft auch dann terrorisieren werden, wenn sie wie Lueger auch nur Barrierestöcke für die Wahl aufstellen. Wenn nun persönliche Freunde zu einem „Wahlkomitee" mit idem Vorsatz zusainmentreten, ihren Günstling durchzusetzen, und ihm von vornherein in dieser kleinen Gesellschaft der „Intimen" eine starke Majorität sicherten, noch überdies die Heuchelei so weit treiben, Kandidaten aufzufordern, ihre Kandidaturen anzumelden, mit der Verpflichtung, sich der Entscheidung dieses sogenannten Wahlkomitees zu unterwerfen, so ist das nichts anderes, als ein unmoralischer Trick, lästige Konkurrenten fern zu Hallen. Man hat nun in dem fraglichen Wahlbezirke solche Husarenstücke schon oft versucht, und dabei kein