Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 6 (6.2.1914)
- Date
- 1914-02-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 92 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 6 torium einer Operation unterziehen, aber plötzlich ereilte sie dortselbst der Tod im Alter von 67 Jahren. Hohe Bildung und erstaunliche Wohltätigkeit zeichneten die Verstorbene aus und die imposante Kundgebung des Trauerzeichens aller Schichten der Bevölkerung und aller Spitzen' der Stadt- und Komitatsbehörden zeugten von dem Bewußtsein des schweren, unersetzlichen Verlustes. An der Bahre sprachen vor einer nach Tausenden zählenden Menge der Oberrabbiner Dr. I. Steinherz und der Bruder der Entschlafenen, Schriftsteller Dr. Arthur Kohn aus Berlin. Schließlich sei noch erwähnt, daß Herr Jakob Hahn ein angesehener und gebildeter Kaufmann, in den Achzigerjahren des vorigen Jahrhunderts freundschaftliche Beziehungen zur „Oesterreichischen Wochenschrift" unterhielt. Semlm. (Jüdischer Leseverein). Im Rahmen einer Hausunterhaltung veranstaltete dieser Verein dem scheidenden Oberkantor eine Abschiedsfeier, welche animiert und begeistert verlief und den Beteiligten unvergeßlich bleiben wird. Abwechselnd unter Vorträgen der Herren Armin Singer und Simon Spitzer, sang Herr Cernowski Dawid, Arien aus Rubinsteins Jüdin, Troubadur rc. und zum Schlüsse einen wundervollen Mischeberach. Jede Arie entfesselte einen Beifallssturm. Inmitten dieser von Begeisterung durchglühten Stimmung erhob sich der Vizepräses des Vereines, Herr M. Reiter zu einer eloquenten stürmisch begrüßten Abschiedsrede. Er sagte zum Schlüße: „Wir freuen uns daher doppelt seiner Karriere, denn es gibt nicht nur ein Mitleid, es gibt auch eine Mitfreude. Semlin mag auch stolz sein, daß es eine Voretappe dieses märchenhaften Aufstieges bildet. Wir Hunderte hier bilden die Avantgarde der Gemeinde und ihren Kern, tvir können daher füglich Oberkantor Cernowsky die Versicherung mit auf den Weg geben, daß er uns allen lieb und unvergeßlich bleiben wird. Sodann hielt noch Herr Oberrabbiner Dr. H. Urbach als Präses des Vereines eine Ansprache, worauf der scheidende Oberkantor mit einem Abschiedsliede und bewegten Abschiedsworten dankte. Sophia. Vor einigen Tagen wurde der Grand-Rabbiner von Bulgarien, Dr. Ehrenpreis von König Ferdinand in einer über zwei und einhalbstündiger Audienz empfangen. Während der Audienz wurde auch die Beilis-Affäre berührt. Der König äußerte sich, daß er den Verlauf des Prozesses mit großem Interesse verfolgt habe und sehr erfreut war, über das günstige Urteil. ..Bei uns in Bulgarien", — endete der König. — „wäre ein solcher Prozeß, der sich auf Lügen des Mittelalters stützte, unzulässig." Feuilleton. Schleswig Holstein 1864. Von Moritz Frühling In diesen Tagen, da in Schleswig die Veranstaltungen zum würdigen Empfange der österreichischen und deutschen Kämpfer aus dem Feldzuge gegen Dänemark im Jahre 1864 getroffen werden, spinnen sich natürlicherweise Gedanken der Erinnerung an das vergossene Blut unserer Soldaten, und an den Ruhm, den sie dort erworben haben. So manche von denen, die dorthin frohen Mutes zogen, blieben in fremder Erde, so mancher mußte sich durch das ganze spätere Leben als Krüppel durchhinken. Soldatenlos treu den Gesetzen des Landes und gehorchend dem Rufe des obersten Kriegsherrn! Es mag gewiß nicht unangebracht sein, in diesem, sowohl den aktuellen Interessen unseres Volkes dienenden, als auch pietätvollem Gedenken an die würdigen Söhne desselben gewidmeten Blatte mehrere Namen der Vergessenheit zu entreißen, die. schlechthin nur als österreichische Soldaten, in den Lorbeerkranz, den sich unsere brave Armee damals gewoben, so manches schöne Blatt miteinflechten halfen. Wer will es uns verdenken, daß neben der dankbaren Anerkennung für die Leistungen des österreichischen Soldaten im allgemeinen, noch ein zweites befriediaendes, aus der Stammeszugehörigkeit mehrerer dieser Braven fließendes Gefühl sich regt? Jüdischen Soldaten werden ja seit mehr als anderthalb Jahrtausenden keine Kränze mehr geflochten,- den Manen österreichischer Soldaten jüdischen Stammes seien, wenigstens gelegentlich, einige Erinnerungen gewidmet. Auf einem in der k. u.k. Hofburg hängenden. Seiner Majestät gehörenden Oelgemälde sehen wir eine Gruppe verwundeter Offiziere aus dem Jahre 1864 in dem zum Offiziersspitale eingerichteten Palais Colloredo-Mannsfeld in Teplitz dargestellt. An einem Tischende die Fürstin Colloredo-Mannsfeld, an ihren Sessel gelehnt, Fürst Auersperg, neben ihm rechts Herzog von Würtemberg und noch vier andere Offiziere, die alle teilnahmsvoll zu dem im Krankenstuhle sitzenden Hauptmanne Samuel Tarler des 30. Inf.-Regts. hinübersehen. Er wurde im Gefechte bei Oberselk am 3. Februar schwer verwundet; für sein besonders tapferes Verhalten wurde er am Tage nach dem Gefecht vom Oberleutnant zum Hauptmann befördert. Er hatte breits drei Feldzüge hinter sich und nahm noch an dem späteren des Jahres 1866 teil. Geboren 1821 zu Niemirow in Galizien, gestorben 1875 in Prag, diente er von seiner im Jahre 1842 erfolgten Assentierung vom Gemeinen bis zum Hauptmann im Lemberger Hausregimente. mit dem er sämtliche Feldzüge, an denen dieser Truppenkörper Anteil nahm, mitmachte. 1848/49 kämpfte er als Feldwebel in Ungarn, wird am 27. Juni 1849 im Gefechte bei Ihaszi verwundet, worauf kurz darauf. seine Ernennung zum Leutnant erfolgte. 1859, nachdem er im Mai zum Oberleutnant avancierte, zog er in den Krieg gegen Piemont und Frankreich, 1864 — wie bereits erwähnt wird er schwer verwundet und tritt nach Beendigung des Krieges 1866 als Invalide in den Ruhestand. Kwei besonders hervorragende Gestalten aus Sr. Majestät Kriegsmarine, die es beide zu (Obersten)Rang brachten, sind die Linienichiffskavitäne Moritz Ritter von Funk und Friedrich V i ck Edler von S e e w a r t. Ersterer machte als Schiffsleutnant, letzterer. als Marinekadett die maritimen Operationen des Jahres 1864 mit und beide hatten sich ausgezeichnet. Funk erhielt das Militärverdienstkrem und das Kommandeur-Kreuz des königlich hannoverschen Guelfen-Ordens. Pick die große silberne Tanferkeitsmedaille und das königl. preuss. Ehrenzeichen erster Klasse. Funk.' geboren 1831 in Wien, gestorben Sevtember 1905 in Triest, trat nach Absolvierung der Marine-Akademie im Dezember 1848 als Seekadett in die Kriegsmarine ein. machte auf S. M- Fregatte ..Bellona" die kriegerischen One'-ationen 1848/49 mit. absolvierte dann viele Einschiffungen, war als Schiffsleutnant im Kriege 1859 und 1864. beteiligte sich an senem des Jahres 1866 als Freoattenkanitän. war dann von 1868 —1871 Ehsf der 5lentralkanzlei bei der Marine-Sektion des Kriegsministeriums. rückte 1871 zum Linienschiffskaviton vor und wurde als Kommandant S. M- Kornette . Fasana" emoeschifft. Juli 1879 wurde ihm für seine besonders verdienstvolle Leistung bei der Ausarbeitung des Dienstrealementc; für die Kriegsmarine das Komturkreuz des Frgm Ins-nb.Ordens verliehen: am 1. Mai 1881 trat er in den Ruhestand. Eine erg östliche Enisode knüvft sich an die Verleihung des oben ermähnten Guelfen-Ordens. Es mar nach dem glücklichen Abschlüsse des schleswig-holsteinischen Feldzuges. da sowohl österreichische, wie auch ureuss.che Offiziere und Snldaten. die sich in dielen Kamvaone verdient gemalt, nnn den gegenseitigen Monarchen mit Orden nusaer-ichnet wurden, als in Hannover etwas gH.hergrdentliches vastierte. Dem inzwischen . zum Freggttenfnnitän guggrierten österreichischen Marinenffirier Mgrit? F n n k wurde das Kommändeurkrenz des Guelfen-Ordens verliehen. Bereits war das Diplom ausgefertigt, der Orden an den Empfänger ge-