Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 5 (30.1.1914)
- Date
- 1914-01-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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krr. 5 Ishrgang XXXI Dr. Bloch’s Lentralorgan für die gesamten Interessen des Zudentums. o ^— - --o o ' A. ft. Pvstspnrkassrnarnt C aleartng--Verk ebr «r. 810.976. Redaktion und Administration. c. Wien U/i, Praterstraße 9 L> Telefon 14847 <1 nP ■ ■ - -- ■ On Wien, BO, Jänner 1914 : Erscheint jeden Freitag.: Brief-Adreffe: Wien» ll/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. c? -~~D -? Bejugaprsia Tue valbtdnrtg s Kronen: Stnzslerernvlare 56 Heller. Für'« Aualsnd: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig JO Kronen. Anzeigen: Die nal gespal- H tene Pelttzetle Heller. oP — - -—-0 Jnyatt: Lerlartlket: Saisonantisemiten. —- VomJahr markt desLebens: Das Ende der deutschen Judenschulen in Böhmen. — Eine interessante Resolution der Qphtalmologen in Moskau. — Ein merkwürdiger Mesusah Streit in Palästina. — Ausgrabungen jüdischer Altertümer in Palästina. — Esraim Israel Blücher 1813 1913. — Bau einer Wasserleitung in Jerusalem. — Beilis letzter Gruß an Rußland. —Kampf der deutschen Juden um ihre wirrschaftliche Existenz. — Eugenik und Antisemitismus. — Russisches, allzu russisches. — Die Ost-Juden in Amerika. — Der Verein »Lemaan Zion. — Korrespondenzen — Aufruf! — Hundertfünfzig Jahre Chewra-Kadljcya. — Dem Andenken Friedrich Jodl's. —Professorenernennungen an der Wiener medizinischen Fakultät. — Der a»tljüdische Boykott in Galizien. — Wien. — Talmudisten an der Hobelbank. — Das Andenken des Professors Dr. Bacher. — Troppau. - Drohobycz. — Die Handelskammerwahlen in Bulgarien. — Dank der bulgarischen Prinzessinen an den Großrabbiner. — Der Großrabbuier von Algier gestorben. — Der sechzigste Geburtstag Leo Brodzkys. — Ernw' duna eines jüdischen Knaben im Gouvernement Kiew. — Nledergebrochen. — Judt n in den russischen Aktiengesellschaften. —Eine jüdische Universität in Europa. — Ein neuer hervorragender Wohllätigkeitsakt der Newyorker Judenschoft. — Die Chanukafeier der jüdischen Polizeimänner in Newyork. — AntrsemltischeRoheit. — „Relrgiöse Bedürfnisse. — Von den buccharischen Juden. — Vermischtes. Feuilleton: Der Zuddik als Seelsorger. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Saisonantisemite«. Es ist eine sehr erfreuliche Erscheinung, daß sich die Juden in so stattlicher Anzahl in allen Zweigen des Sportbetriebes betätigen und es wäre nur zu wünschen, daß diese Beteiligung noch ständig wächst. Denn dem Wahrwort: Eine gesunde Seile in einem gesunden Körper/ haben schon die gewaltigsten Erscheinungen im nationalen Leben der einzelnen Völker zur Bestätigung und Illustration gedient. Die Turnerbewegung ist im Anfang jeder politischen Erhebung gestanden und wir Juden, die wir unter so schwierigen politischen Verhältnissen■ leben, haben es besonders notwendig, über mutige, disziplinierte und ausdauernde Personen verfügen zu können, wie sie von den Sportplätzen ins öffentliche Leben kommen. Davon abgesehen sind die Folgen von Jahrhunderten des Ghettolebens wettzumachen und die kommende Generation zu stärken. Es ist also vielfacher Grund zur Genugtuung, daß der jüdische Prozentsatz, im Sport so hoch ist, und aller Grund fstr den Wunsch, daß die kompetenten Faktoren in ihrem Machtbereich alles tun, um die gesamte jüdische Jugend körperlich zu erziehen. Auch jetzt im Winter sind viele Iuden eifrig dabei, sich beim Schneesport aller Arten Körperkraft, Widerstandsfähigkeit und Elastizität zu holen. Zu diesem Zwecke suchen sie eine Reihe von Orten auf, an denen die Gele^ genheit günstig für gute Fahrbahnen und gute Unterkunft gesorgt ist. Man möchte nicht glauben, daß man ihnen dabei etwas in'den Weg legt, nachdem das aber der Fall ist, so ist es notwendig, den Ausführungen der antisemitischen Presse einige Beachtung zu schenken. Ein Hauptplatz für den Wintersport ist unter anderen Mariazell. Dieser Markt'hat eine berühmte Wallfahrtskirche und daraus leiten die Antisemiten eine geharnischte Forderung ab, daß die Iuden nicht in den Ort kommen sollten. Erst in den jüngsten Tagen hat wieder der Fundep in diese Kriegstrompete gestoßen und allerlei Beschwerden vorgebracht, die jedes katholische Herz empören und deren Tatbestand erlogen ist. Wer jemals in Mariazell war, wird überhaupt nichts Auffälliges und Aufregendes bemerkt haben. Das jst auch gar nicht müglich. Denn die Sportsleute befinden sich ja den ganzen Tag auf freiem Feld und, wenn sich ein Antisemit über jüdische Rodler und Skifahrer aufregen will, so muß er ihnen stundenlang nachlaufen. Daß die jungen Leute dann am Abend in guter Laune beisammen sitzen, ist nur natürlich und ein Faktum, das mit dem speziellen Charakter des Ortes in gar keinem Zusammenhang steht. Es liegt also nicht der mindeste Grund zu den ^uden-i feindlichen Angriffen und zu der Beschränkung der gesetzlich gewährleisteten Freizügigkeit vor, zumal die Iuden in ihrem eigenen Kreise streng darauf achten, den Katholiken ja kein religiöses jAergernis zu geben. Ein anderer und triftiger Grund Aes Ausbleibens aber wäre die politische Haltung der Bevölkerung. Man muß sich als vernünftiger Mensch vor Augen halten, daß man durch den ergiebigen Goldstrom des .Fremdenverkehrs die wirtschaftliche Macht eines Wahlkreises stützt, in welchem die erbittertsten Antisemiten und ihre Presse ungehindert das große Wort führen dürfen. Sie führen es allerdings nicht, wenn die Saison aus einem Höhepunkt angekommen ist, oder sich gut zu gestalten verspricht. In den Wochen, in welchen die Fremden der verhaßten Konfession kommen, wird mit deren Geld auch der Antisemitismus in die Tasche gesteckt. Da ist es nun sehr die Frage, ob man diesen schönen und edlen Charakterzug durch häufige Wiederkehr belohnen soll. Das gleiche Bedenken gilt noch für einige andere Orte, von denen wir die markantesten hervorheben wollen. Da ist vor allem der bekannte Wintersportplatz Kitzbühel zu erwähnen. Hier ist man den Iuden bis vor kurzem noch offen begegnet und in den Prospekten des mit Steuergeldern subventionierten Verbandes für Fremdenverkehr in Tirol wie in den lokalen Ankündigungen war der Vermerk enthalten, daß jüdischer Besuch nicht erwünscht sei. Nun hat aber Kitzbühel seine früher privelegierte Stellung verloren und zahlreiche Konkurrenz erhalten. Seit dieser Zeit hat man es wieder vorgezogen, den Iudenpassus aus den Prospekten und Einladungen zu streichen und die ungebetenen Gäste doch wieder gna-. denweise über die Schwelle von Kitzbühel zu lassen. Ob die Begnadigten aber wiederkommen sollen und werden ist eine andere Frage. Denn sie kommen doch eigentlich zu ihrem Vergnügen und dieses ist recht mäßig, an