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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-01-23 · 4 (23.1.1914) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
4 (23.1.1914)
Date
1914-01-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Bloche Wochenschrift. Seite 61 Klattau. Am 16. d. M. fand hier das Leichenbegängnis des im 56. Lebensjahre verstorbenen Landesadookaten Herrn JUDr. Isidor Fleischer unter seltener Beteiligung aller Bevölkerungsschichten statt, stand doch der Verblichene bei Vornehm und Gering um seines Charakters, seiner reichen Erfahrung und seiner persönlichen Liebenswürdigkeit willen in hohen Ehren. Durch viele Jahre bekleidete er das Amt des Kultusvorstehers unserer Gemeinde in der uneigennützigsten Weise; sein Bestreben war jederzeit darauf gerichtet, das Niveau der Gemeinde zu heben, ihre Institutionen zu fördern, und den Frieden zu erhalten, was ihm auch in vorzüglicher Weise „gelang. Er war ferner ein langjähriges tätiges Mitglied der Landesjudenschaftsrepräsentanz für das Königreich Böhinen und fehlte bei keiner Sitzung, solange ihm sein Gesundheitszustand dies gestattet hatte; auch dem Stadtverordnetenkollegium Klattaus gehörte er durch eine Reihe von Jahren an. Im schwarz drapierten israelitischen Gemeindehause, wo die Leiche aufgebahrt war, trug Oberkantor Herr R o s e n s ch e i n, begleitet vom Tempelchore, die Trauergesänge ergreifend vor, worauf sich der Zug in Bewegung setzte. Fast alle Mitglieder her Kultusgemeinde, geführt von dem Obmann-Stellvertreter, Fabrikanten Josef F e i g l, sowie die der Chewra-Kadischa, geleitet von dem Obmanne Großhändler Simon Hahn, und deren Damen, nahmen an dem Kondukte teil. Unter den Trauergästen bemerkte man ferner: den k. k. Bezirkshauptmann V y s o k y mit dem k. k. Oberkommissär W a g n e r, den Bürgermeister und Bezirksobmann JUDr. H o st a s mit den Mitgliedern der Stadtvertretung, die die Großindustriellen mit dem Kammerrate M a s e k und dem kaiserlichen Rate Rosenbaum, sämtliche Advokaten Klaattaus, die Vertreter der lokalen Vereine und aller Kultusgemeinden der Umgebung. Die Loge B'nai Brith, Pilsen, der der Entschlafene angehört hatte, war durch zwölf Brüder unter der Führung des Kultusvorstehers Advokaten JUDr. S ch a n z e r und des kaiserlichen Rates Schließer erschienen. Es ist unmöglich, alle hervorragenden Trauergäste zu nennen; von nah und fern waren sie herbeigeeilt und wohnten der Leichenfeier bis zum Schlüsse bei. Auf dem Friedhöfe widmete Rabbiner Dr. S. Brei dem Verblichenen Worte innigen Gedenkens, die ob ihrer Wahrheit alle ergriffen. Am offenen Grabe nahm Herr Fabrikant Heinrich Singer im Namen des Kultusvorstandes und Herr Prof. Pollak (Pilsen,) für die Loge B'nai Brith Abschied von dem Verewigten, dem die Erde leicht sein möge! . V. An unsere Leser! Infolge des im Druckereigewerbe herrschenden Setzerftreiks muhten Feuilleton, Literatur und zahlreiche Korrespondenzen aus dieser Nummer weqbleiben Literatur. Wilhelm Raabe. Sämtliche Werke, 1. Serie, 1 Band »Die Chronik der Sperlinggasse«. »Der Hungerpastor«. Berlin-Grunewald, Verlagsanstalt für Literatur und Kunst, Herrn. Klemm. Eine herrliche Gabe an die große Gemeinde der Raabe- Verehrer ist diese prächtige Gesamtausgabe seiner Werke. In der »Chronik«, seinem er-ten Werk, schreibt Raabe von den Juden: »Als die Juden an den Wassern Babels saßen und ihre Harfen an den Weiden hingen, weinten sie, aber sie riefen »Vergesse ich dein. Jerusalem, so werde meiner Rechten vergessen.« Diese Worte genügten, um dieses heimatlose, in alle Welt verstreute Volk als einen Körper zusammenz' halten.« Seinen Deutschen, denen damals noch ein geeintes Vaterland als ein Traumbild vorschwebte, stellt Raabe diese Stammestreue der Juden als Muster vor Augen. Im »Hungerpastor« zeichnet er in Moses Feuerstein die Tragödie des haltlosen jüdischen Strebers, in dem das Gefühl der Rache für die Mißhandlungen, die er als Knabe von den Christenbuben erleiden mußte, als vergiftender Stachel nachwirkt und der sich dunh die Taufe in gewisse exslusive Kreise hinaufschwindeln möchte, aber Überall eifriger Verachtung begegnet. Welch ein Schatz von Gemüt, welch ein seelenläuterndes und — stärkendes Bad, diese treuherzige Raab’sche Art! Nicht nur aus der erstaunlichen Anzahl der Auflagen, aus jeder Zeile seiner Werke wird man sich bewußt, daß er unter die Klassiker der Deutschen Aufnahme gefunden hat. x- Briefkasten. L. B. Laut einer jüngst veröffentlichten offiziellen Statistik hat sich die Zahl der Juden in Budapest in den letzten 42 Jahren verfünfacht. Im Jahre 1869 wohnten in Budapest insgesammt 45.000 Juden, während heute die Zahl der Juden in Budapest rund 204.000 Seelen beträgt. Allerdings muß gleichzeitig konstatiert werden, daß die Zahl der Juden in den Dörfern und Landgemeinden Ungarns keine Steigerung aufweist,, und daß auch in Ungarn wie überall das christliche Genossenschaftswesen die Juden immer mehr vom flachen Lande den Städten tzudrängt. O. R. in Lemberg. Wir haben veranlaßt, daß kompetente Ortes gegen den Mißbrauch der k. k. Postamtsorgane zur Verbreitung gemeiner Verleumdungen und lügnerischer Anschuldigungen gegen den Talmud nachdrücklichst protestiert werde. B. L. S. Infolge des Setzerstreiks können nur dir allerwichtigsten Mitteilungen und dringendsten Kundmachungen Aufnahme finden, und abgedruckt werden. Notizen. Indische Bühne. Direktion: M. Siegler. Hotel Stefanie, II.. Tabo'ft--aße 12. Nur 7tägiges GUUviel von Herrn und Frau Direktor Ebel. Freitag den 23. Jänner: „Snlamtth". Frau Dir« k or Ebel als Gast. Samstag den 24. Jänner: „Das Tojrale". Frau Direktor Ebel als Gast. Sonntag den 25. Jänner. %4 Ubr nachmittags : Auftreten von Frau Direktor Ebel, „Dwojrale MejicheffeS" Sonntag den 25. Jänner 8 Uhr abends: Aufireien von Frau Direktor Edel, „Ben Hador" Montag den 28. Jänner: Herr Direktor Ebel als Gast. „Die Weiße Sklavin". Dienstag den 27. Jänner: Frau Direktor Ebel als Gast, „Mammon". Mittwoch den 28. Jänner: „Bar KochbaDonnerstag den 29. Jänner: Herr Direktor Ebel als Gast, „Kreuzersouate" Vorbereitung: „Chasse die Jeseume" von Gordin. „IehudaHalewy" von Wolfslhal. „L.bretto" von Auerbach. Israelitische Kultusgemeinde Wie«. Kundmachung. __ Die Religionsprüfungen für Mittelschüler finden im l. Semester dieses Schuljahres am Donner st ag den 2 9. Jänner 1914 von 4- 6 Ahr nachmittags in der Religionsschule, (I., Seitenstettengasse 2, II. Stock) durch Herrn Professor Dr. Heinrich P o l l a k statt. Wien, int Jänner 1914. Der Vorstand der israel. Kultusgeineiade, Wien. Kundmachung. I n der V e r s o r g u n g s a n st a l t der i r a e 1. Kultusgemeind e, Wien, IX., Seegasse 9, ist an einen armen oder gebrechlichen, den im Organisationsstatute dieser Anstalt festgesetzten Bestimmungen entsprechenden Verwandten des am 18. Oktober 1907 in Wien verstorbenen Herrn Donat T a u s z i g ein Freiplatz eventuell an Stelle dieses Freiplatzes ein Jahresbetrag von 320 Kronen bis auf weiteres zu verleihen. Als Verwandte des Herrn Donat T a u s z i g sind in Hinsicht auf diesen Freiplatz diejenigen Personen anzusehen, welche nicht über den 6. Grad hinaus .miUdeml genannten Erblasser verwandt find. Bewerber um diesen Freiplatz bezw. um den ausgeschriebenen Jahresbetrag haben ihre mit den erforderlichen Beilagen belegten Gesuche bis 2». März 1914 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde, Wien, I., Seitenstettengasse 4, 2. Stock, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Ahr vormittags zu überreichen. Sachdienliche Auskünfte werden im Stiftungsamte der israelitischen Kultusgemeinde, Wien, I., Seitenftettengasse 2, 2. Stock, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags erteilt. Kundmachung. Im Sinne der Bestimmungen betreffend den von Herrn Donath T au sz i g sel. And. im Sp ita le der israelitischen Kultusgemeinde in Wien begründeten Bettplatz hat auf diesen bezw. im Falle des Platzmangels auf den Betrag von täglich einer Krone in erster Linie ein um die Aufnahme daselbst ansuchender armer m i t dem obgenannt ep Stifter verwandter Kranker ohne Unterschied der Konfession Anspruch, vorausgesetzt, daß er den für dieses Spital gellenden Aufnahmsbedingungen entspricht. Als Verwandte des Herrn Donath Tauszig sind in Hinsicht auf diesen Bettplatz Personen anzusehen, welche mit demselben nicht über den 6. Grad der Seitenverwandtschast hinaus — von dem Erblasser an gerechnet — verwandt sind. Unter mehreren Verwandten entscheidet der nähere Grad, unter gleich nahem Grad die Abstammung von väterlicher Seite des Erblassers. Bewerber um diesen Frekplatz, bezw. um den angegebenen Geldbezug, haben ihre mit d en erforderlichen Beilagen versehenen Gesuche bis 20. März 1914 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenftettengasse 4, 2. Stock, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Sachdienliche Auskünfte werden im Stiftungsamte der israelitischen Kultusgemeinde, Wien, I., Seitenftettengasse 2, 2. Stock, während der Amtsstunden erteilt. , Wien, 20. Jänner 1914. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde, Wien.

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