Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 2 (9.1.1914)
- Date
- 1914-01-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 26 Dr. Mochs Wochenschrift. Nr. 2 und -er Kultusvorstand gewinnt eine Handhabe auf miseve'inneren Angelegenheiten z. B. die Ordnung des Gottesdienstes eine Ingerenz auszuüben, was uns einmal recht unbequem werden kann. Kaiser!. Rat Friedrich Pollak befürwortet nachstehende Resolution: „In Erwägung, daß die Vereins-Rabbiner die gleiche Funktionen wie die von der Kultusgemeinde angestellten Rabbiner, auszuüben haben; in weiterer Erwägung, daß die beschränkten Einnahmen der Bethaus-Vereine für eine entsprechende. Altersversorgung der Vereinsrabbiner nicht ausreichen, ersucht die Generalversammlung den Vorstand des Mariahilfer-Tempelvereines die Initiative zu einer Aktion zu ergreifen, dahin gehend, daß die Kultusgemeinde für die Altersversorgung der Vereins-Rabbiner, respektive die Versorgung deren Hinterbliebenen in der gleichen Weise wie bei den von der Kultusgemeinde angestellten Gemeinde- Rabbiner Vorsorge treffe.“ Bereinsmitglied Grünfeld stellt den Antrag dahin zu wirken, den Vorstand der isr. Kultusgemeinüe zu verpflichten, bei Neuwahl von Rabbinen, die amtierenden Vereinsseelsorger in erster Linie zu bestellen. Der Vorsitzende Herr Dr. Jakob Engel verweist darauf, daß für die Wahl neuer Rabbinen des Statut her Kultusgemeinde genaue Bestimmungen enthält, die nicht umgangen werden dürfen. Nachdem der Resolutionsantrag des Herrn kais. Rat Pollaik zum Beschlüsse erhoben worden, verliest Herr Moritz Mantler den Bericht der Revisoren und beantragt die Genehmigung des Rechnungsabschluß und den Dank der Versammlung an die Vereinsleitung. Der Antrag gelangt einstimmig zur Annahme. Bei Punkt 6 der Tagesordnung: „Wahlen in den Vorstand" ist eine Neuwahl für die scheidenden Vorstandsmitglieder Heinrich Bäck, August Fischel, Friedrich Pollak und kais. Rat Josef Toffler vorzunehmen. Im Namen des abwesenden Vizepräsidenten Herrn Friedrich Pollak erklärt der Vorsitzende Dr. Jakob Engel daß derselbe bereit sei, neuerdings ein Mandat zu übernehmen und befürwortet in warmen Worten dessen Kandidatur. Vorstandsmitglied Heinrich Bäck bemerkt, mit doppelter Begeisterung ist er in die Vereinsleitung eingetreten, nicht Eitelkeit habe ihn beseelt sondern Liebe zum Judentum. An allen Agenden des Vereines habe er regsten Anteil genommen und wenn nicht alle Anregungen, die er geboten hat, zur Ausführung gelangten, so waren daran lediglich die geringen Mittel schuld, die dem Vereine zur Verfügung stehen. Wenn die Bereinsgenossen mit seinem bisherigen Wirken zufrieden waren, so stelle er sich neuerdings zur Verfügung und bitte wiederum um das Vertrauen. (Lebhafter Beifall.) Herr August Fische! verweist aus sein bisheriges Wirken. Wenn die Generälversammlung mit diesem Wirken zufrieden wär^ sö will er in Zukunft derselbe bleiben unü in gleicher Treue dem Verein dienen. (Lebhafter Beifall.) Kais. Rät Toffler verweist aus seine vieljährige Tätigkeit im Bereinsvorstanüe und erzählt eine Anekdote. Ein Bauer hat an einem Postschalter hundert Gulden einzukassieren. Der Beamte nahm ein Paket Einser und fing an dem Bauern vorzuzählen: 1, 2, 3, — 24, 25 26—daraus siel der Bauer ihm ins Wort indem er sägte: „Lassens nur gut sein, Herr Beamter, wenns bis jetzt gut war, wird das Andere auch schon gut sein." Redner fügt hinzu: Wenn ich bis jetzt gut war, so werde ich mich in der Zukunft nicht ändern und wenn Sie derselben Ansicht sind, dann erbitte ich um Erneuerung Ihres Vertrauens (Lebhafter Beifall.) Bei der hierauf vorgenommey Wahl wurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder einstimmig miedergewählt. Nachdem noch ein Antrag Fischmann, alljährlich einen gedruckten Jahresbericht an die Vereinsmitglieder zu versenden bei der Generalversammlung nicht die erforderliche Majorität erhielt erklärt der Vorsitzende mit einem Dank an die erschienenen Bereinsgenossen die 40. Generalversammlung für geschlossen. Generalversammlung des „Misrachi." Die am 21. Dezember im Turnsaale der „Thalmud Thora" aögehaltene erste Generalversammlung hat einen geradezu glänzenden Verlauf genommen. Präsident, Herr Isidor Austerlitz, eröffnete präzise 5 Uhr die Sitzung, begrüßt mit Genugtuung die sehr zahlreiche Versammlung von Damen und Herren, insbesondere Herrn Rabbiner Dr. Mar Grunwald und Gemahlin. Hierauf gibt der Präsident einen kurzen Abriß der Geschichte des Vereines während seines neunmonatlichen Bestandes bis zum laufenden jüdischen Kalenderjahre und konstatierte mit Befriedigung, daß der Verein in Anbetracht des kurzen Zeitraumes und der den Tendenzen des Vereines nicht eben günstigen Dispositionen der hiesigen jüdischen Gesellschaft immerhin sehr beachtenswerte Erfolge erzielt habe. Misrachi bildet heute einen Faktor in der hiesigen jüdischen Gesellschaft. Hierauf erstattete der Kassaverwalter, Herr Iul'us L ei ln er den Kassabericht, der, in hebräischer Sprache eingeleitet wurde. Der Bericht wurde einstimmig genehmigt und der Vorstand dechargiert. Herr Rabbiner Dr. Grunwald bringt dann die Vorgänge in Palästina, insbesondere den gegenwärtig im heiligen Lande lodernden Sprachenkampf zur Diskussion. Der „Hilfsverein der Deutschen Juden", dem ja derneue Jischub zahlreiche Erfolge verdankt, die man mit Dank anerkennen muß, hat Schritte unternommen, welche man als eine schwere Schädigung aller Bestrebungen zur Hebraisierung des heiligen Landes bezeichnen muß. Die Einengung und Verdrängung der. hebräischen Sprache durch die Statuierung des Deutschen als Unterrichtssprache hat naturgemäß sowohl in Palästina als auch in zionsfreundlichen Kreisen außerhalb Palästinas äußerstes Befremden erregt und zu den Vorgängen geführt, welche überall das größte Aufsehen erregen und tiefstes Bedauern erwecken. Wenn Männer wie David I e l l i n und die jüdischen Lehrer in Palästina dazu übergegangen sind, einen Streik zu. proklamieren und Gründung neuer Schulen zu beschließen, so muß das Vorgehen des „Hilfsvereines" in der Tat alle Gemüter aufs Aeußerste empört haben. Allein der Hilfsverein har auch mit seinem Beschluß in einen Interessenkreis eingegriffen, der uns sehr nah liegt und die Wiener Kultusgemeinde berührt und ihre Verantwortlichkeit belastet. Die ..Lämelschule", bekanntlich eine Gründung eines österreichischen Philantropen, und welche sehr namhafte Subventionen von der Wiener Kultusgemeinde bezieht soll, wie es heißt, ebenfalls von den Maßnahmen des „Hilfs-Vereines" betroffen worden und der deutsche Generalkonsul soll gegen Lehrer und Schüler dieser Anstalt mit Polizei eingeschritten sein. Gegen dieses unbegreifliche Vorgehen haben namentlich wir als Mitglieder der Wiener Kultusgemeinde, unter deren Patronnanz die „Lämelschule" steht, die Pflicht, entschieden Verwahrung einzulegen. Ich möchte die Anregung bieten, an den löblichen Vorstand unserer Kultusgemeinde heranzutreten, unser Recht auf die ..Lämelschule" zu reklamieren, und Lehrer wie Schüler gegen unberechtigte Uebergriffe des deutschen Generalkonsuls in Schutz zu nehmen. Die von Herrn Rabbiner Dr. Grunwald empfohlene Resolution wurde nach einer kurzen Debatte an der sich Rabbiner M. Kramer, Obmann I. Austerlitz, I. Goldschmied, Dr. Benzion (Monastir), beteiligten, in nachstehender Form einstimmig angenommen wurde: