Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 2 (9.1.1914)
- Date
- 1914-01-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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iafergntg XXXI Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Anteressen des Judentums o o - - —u o? M. ft JPoRIparftaflTrnatnf Q Clearing^ id er hebt «r. 810.976. Redattion und Administration: , Lvirn tt/i. Praterstraße 9 l) Telefon 14847 ^1 o O - -PO -czrro- Wim. 9. Jiilmer 1914 : Erscbetnt jeden Lrettsg. i Brief-Adresse: Wie«. II/i. Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift. Wien. p Verugsnrrks für JE»»!!-er riet: p ra!bjLvrig 8 m! > Einzelerenwlare%>cde\. I Sür’a BnnLuiä: Halbjährig 10 Kronen.! Ganzjährig A i^ronrn. J Anzeigen: Die irnl gelxal- I H lene Pelilzeile 4>< Heiler. C CO ....9 Inhalt: ei 1* rtitel D r Sprachenkaaflkt in Palästina. — Vom Jahrmarkt des Lebens: D e ch stl ck'o.ialeu Mo a päckt r. — Der Kieiver P ojeß uno de Ot» aaa. De oolnuchrn Sobald mokrat n P euqen^ geaen den Jnoeuvty on. — El» Äuir f des Berte'diqers Z iravai. — E»e kil lilDnsche E l n rung an oen B: 1 s P ozeß. — Pail D svanel vel der Me> fai>ann-Zs ae- Ule. — Ein jli scher R chter in Brituck Kolumbien. — K o r r e f p o u o e u \ t a: Aur oer off ntlulj.’« st enirsitz l g des W rnec is'-aelltiickeu Kaltnsooistaudes. — Die 40. o dentlicke Generalversammlung des israei. Teap io.reines fii ore wejtl>chen Bezi k: in W en. — Generalversammlung des „Mrsrachr". — G ne a v.rsammlung des BerdandeS der israelitischen Religiouslehrer. — B er mlschtes. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Der Sprachenkovflilrl in Palästina. Der Konflikt, der zwischen dem „Hilfsverein der deutschen Juden" und seinen Lehrern in Palästina wegen der Unterrichtssprache in den Hilfsvereinsschulen ausgebrochen, be.ührt aucy insofe.ne äste re chi,che Juden als die „Lämelschule" welches ein österreichisches Institut ist, in den Konflikt einbezogen wurde. Aus beiden Lagern der streitenden Parteien gingen uns wieoe hilt öufa> i/ten und Berichte zu, die selbstverständlich einander widersprechen- Wir geben nachstehend zur Information unserer Leser je eine Zuschrift aus beiden Lagern: Von einer Herrn Dr. Paul Nathan und Herrn Direktor Ephraim Cohn nahestehenden Seite wird uns geschrieben : „ Ungeheuerliches hat sich in den letzten Wochen in Palästina erreinet. Ein Schülerstreik, hinter dem Lehrer standen, ein Lehrers treik von Demagogen angefacht und angeführt. E ii Kampf quasi um die hebräische Sprache, dem aber, wie Eingeweihte wissen, nicht lautere Motive zugrundelagen. D i<- Gärung datiert nicht von gestern, der Streit um die Hegemonie zwischen dem hebräischen Gynm-i-ium den Hilfsvereinsschulen ist älter! Das hebräische Gymnasium in Jaffa behauptet dort insofern das Feld, als die S.hülerzahl eine recht große ist, wenn auch die Zahl der Schüler aus Jaffa selbst kaum 10 Prozent der Gesamtschülerzahl ausmacht, ln Jerusalem nehmen die Hilfsvereinschu en mit der österreichischen Lämelschule als Mittelpunkt, und Seminar und Handelsrealschule als Oberbau, Kinie gärten a s Unterbau mit ihren 2000 Zöglingen eine prädominierende Stellung ein. Dieses Schulwerk soll seine Krone erha'ten durch das Technikum in Haifa. Der Streit um die Sprachenfrage im Technikum ist ebenfalls nicht von gestern. Es hat sich darum gehandelt, ob der Lehrplan des Hilfsvereins oder des hebräischen Gymnasiums maßgebend sein sein sollte. Der erstere ist im Prinzipe zweisprachig, wenn auch in der Praxis der hebräische Charakter desselben sehr i offenkundig hervortritt. Achad Haam, Dr. Lewin, Tschlerioff haben bis vor kurzem die hebräischen Leistungen der Lämelschule und der Hilfsvercinsschulen gerühmt und änderten ihren Standpunkt erst jüngst infolge von stürmischen Agitationen der Vertreter des Gymnasium--. Ins Gewicht fiel auch der Umstand, daß der Zionismus in seinen industriellen und kolonisatorischen Unternehmungen (Kiaereth, Bezalel, Spitzenschule) schwere Erschütterungen erlitten und nun aus politischen Gründen nach Ersatz suchen mußte.- Nationale Kulturarbeit sollte aus der Verlegenheit heraushelfen. Die Parole war die Gründung von nationalen reinhebräischen Schulen. Gegen solche Bestrebungen hätte niemand etwas einzuwenden. Nun standen aber die Hüfsvereinsschulen mit iluem he..träi.sehen Charakter ohne Chauvinismus und ihren Leistungen, die setost im RemäUchen nicht denen des heoräischen Gymnasiums nachstehen, im \v eg. Infolge Bestehens dieser Anstalten war es nicht leicht, die Gelder für gleiche rein zionistische Institute zu erlangen. Nun kam die Entscheidung des Technikerkuratoriums zu Gunsten des Hilfsvereinsprogramms. Das war eine willkommene 'Handhabe, um den Kampf zu proklamieren- Es gelang Dr. Lewin noch zwei andere Herren vom Kuratorium, die eine weit größere Autorität als er in Parteikreisen besitzen, mit zum Austritt aus dem Kuratorium zu bewegen und der gefallenen Entscheidung eine hebräisch-feindliche Deutung zu geben. Das Signal zum Protestieren ging durch die Lande und fand in Jaffa, dem Zentrum der zionistischen Heißsporne eine kampfbereite Gefolgschaft. Ein Kampfkomitee trat schnell zusammen und ein jeder, der in der zionistischen Organisation nicht ganz für voll galt, hatte jetzt Gelegenheit, sich zu rehabilitieren. Die Beamten der Anglo-Palestino-Company wetteiferten mit denen des Palästinaamts und die Lehrer der Chowowezionsehule mit denen iles Gymnasiums, um ihre Loyalität für die zionistische Sache an den Tag za legen, da es nun galt, gegen den Hilfsverein vorzugehen. Innerhalb der Lehrerschaft des Hilfsvereines und der Schüler fanden sich bald willige He’.fer und der Beiz, gegen die Vorgesetzte Behörde zu wühlen, hat auf die Jugend besonders gewirkt und unbefriedigte Ambitionen bei den älteren Lehrern haben diese zu willigen Werkzeugen des Kampfkomitees gemacht. Angeführt vom Kampfkomitee kam nach dem Schillerst re dt eine Verschwörung von Hilfsvereinslehrern zustande, welche mit dem führenden, de facko aber geführten D. Yellin an der Spitze, Herrn Dr. Nathan, der gerade zum Besuche hier war, ein Ultimatum überreichten, in welchem das absolute Verschwinden des Deutschen als Unterrichts - spräche gefordert wurde. Das „irrevokatle“ Ullimatumm gab dem zweiten Vorsitzenden des Hilfsvereines fünf Tage Frist zu seiner Entscheidung. Als Gnadenfrist für ihr Austreten aus dem Amte gewährten sie zwei Monate. Die Absicht war klar. Während dieser Zeit sollten die Schüler und Schülerinnen weiter verhetzt und Vorbereitungen getroffen werden zur Ueberführung derselben in neu eingerichtete Schul lokale. Der Notschrei des Kampfkomitees war in alle Welt gedrungen und telegraphische Geldzusagen von Parteigenossen und Parteiführern mehrten sich von Tag zu Tag. Zionistische und semizionistische Organisationen, die sonst das Geld nicht so flüssig haben, votierten erhebliche Geldbeträge, um den Hilfsvereinsschulen-den Garaus zu machen. Das Ultimatum wurde durch Demonstrationen aller Art. durch eine skrupellose Parteizeitung, durch Drangsalierung