Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 1 (2.1.1914)
- Date
- 1914-01-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Lehrgang XXXI Nr. I Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Ilnteressen des Judentums- -giiiz^d- Wien, 2. Jänner 1914 : Lrscbetnt jeden Lrettsg. : Brief-Adresse: Wien» U/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. OCF.■'.. ■ ■ =oo? Brrugsprri» Mr Vastarrrtttz: Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare SO Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die malgespal» j tene Petttzeile 48 Heller. C, nO --Oo A. K. Poflfparksffenamr 21eartng--Verk ebr «r. 810.9 7 6. Redaktion und Administration: k Wir« U/i, Praterstraße 9 Telefon 14847 Inhalt: Leitartikel: Dreißig Jahre „Oesterreichische Wochenschrift". — Eine antisemitische Preßbüberei. — Die fGalizianer. — Dr. Wilhem Bacher. — Oberkantor May:r Scharr s. A. — BomJahrmarktdesLebens: Antisemitischer Betrug. — Offiziers-Maccabäerfeier in London. — Das aufgesessene Antisemitenblait — Eine unbeachtete Aeußerrung Goethes. — Die griechische Sprache in den jüdischen Schulen Neugriechenlands. — Jüdische Auswanderung in Monate September. — Jüdische Wohltätigkeit. — Große Rabbinerkonferenz in Kischencw —Korrespondenzen: Jüaelitische Kultusgemeinde Wien. — Ehrung eines Rabbiners. — Jüdisch: Frauenarbeit. — Israelitischer Humatäts-Verein für die westlichen Bezirke Wiens. — Kreisturntag der jüdischen Turnerschaft. — Ein jüdischer Ministerialrat. Protest gegen die Haltung des Grafen Berchtold in der rumänischen Judenfrage. — Die Führerschaft im Judentume. — Diskussion über aktuelle Religionsfragen in Paris. — Der erste jüdische Kammerdeputierte in der Türkei gestorben. — Nrch dem Beilis-Prozeß. — Uebertritt von Juden zur luterischen Kirche in Rußland. — Vermischtes. — Feuilleton: Interkonfessionelle Wohltätigkeit. — L iteratur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Dreißig Jahre „Oesterreichische Wochenschrift." Heule tritt die „Oesterreichische Wochenschrift" in das einunddreißigste Iahr ihres Bestandes. Das ist im allgemeinen gewiß ein Anlaß, Feste und Iubiläen zu feiern. Aber die ernste Lage, in welcher sich das Judentum befindet und die ernste Aufgabe, welcher sich uufer Organ gewidmet hat, sind nicht geeignet, für eine fröhliche Stimmung und eine frohe Rückschau, welcher in diesem Fall voll ist, von Schwierigkeiten und ernsten Zwischenfällen. Immerhin möge es uns gestaltet sein, für unsere vielen und lieben Freunde, die wir uns erworben haben, ein Stück Geschichte der „Oesterreichischen Wochenschrift" an uns vorüberziehen zu lassen und daran zu ermessen, ob wir in der guten Richtung weitergegangen sind. Die „Oesterreichische Wochenschrift" wurde von ihrem jetzigen Herausgeber gegründet in einer Zeit, in welcher der kurze Traum der Judenemanzipation zu Ende ging und die Vorzeichen sich häuften, daß wie ein strenger Winter auf einen farbenfreudigen, fruchtbringden Herbst die eisige Reaktion allen Hoffnungen auf dauernde Gleichberechtigung folgen werde. In der Tat hat es während der letzten drei Jahrzehnte so schwere Stürme auf dem jüdischen Gebiete gegeben, daß auch der Mutigste zuweilen verzagen konnte. In dieser ganzen Zeit hat es sich als höchst vorteilhaft, ja notwendig für das ganze Judentum erwiesen, — wir können das ohne Ruhmredigkeit, aber auch ohne falsche Bescheidenheit behaupten, — daß die „Österreichische Wochenschrift" überhaupt existierte. Sie war es, welche wie die Spitze eines Wellenbrechers die ärgsten Stöße der feindlichen Brandung auszuhallen hatte, und ihr Herausgeber hat weder persönlich noch publizistisch gewankt, als diese furchtbaren Angriffe kamen. Immer war es die „Oesterreichische Wochenschrift", die nicht neben oder links der freisinnigen Presse der Welt gestanden ist, sondern ihr vorausging, ihr die Pläne, Programme und Stichworte brachte und so in erster Linie half, das Furchtbarste vom Judentum abzuwenden. Das ist noch heute so der Fall, aber es ist geradezu historisch geworden bei den großen Affairen, welche der stampf gegen den Pfarrer Deckert und gegen Professor Rohling, gegen die Anklage von Tisza Eszlar, von kanten und von Polna, bedeuten. Es war eine gewaltige Aufgabe, die Verurteilung eines Wiener Pfarrers durch Wiener Geschworene durchzusetzen, einen Pseudogelehrten auf einer Lehrkanzel zu entlarven und in seiner Iudenfeindschaft unschädlich zu machen. Ein Kampf der Wellen wurde es gar, als die Ritualmordprozesse anfingen, und alle Mächte der Finsternis in einer grandiosen Verschwörung ihr Aeußerstes einsetzten, um durch eine furchtbare Beschuldigung die niedersten Instinkte des Volkes gegen die Juden zu entfesseln. Nur in einem einzigen Falle gelang es nicht, ihre niedrigen Bestrebungen zu vereiteln, aber auch in diesem Falle, hat die „Oesterreichische Wochenschrift" in gewohnter Weise den Kampf nicht mit weichlichen Mitteln geführt, und wenn es durch ihre direkten Angriffe gegen hochstehende und hochmögende Personen nicht gelungen ist, dem Judentum Satisfaktion zu verschaffen, ist das wahrlich nicht ihre Schuld. Die „Oesterreichische Wochenschrift" war es dann wieder, welche die Kampagne für Beiliß eröffnete, hat und der von ihr ausgegebenen Parole ist der große Erfolg beschießen gewesen. Außer in diesen historischen Zeiten aber hat unser Blatt unabläßig seine Aufgabe erfüllt, für das bedrohte und bedrängte Judentum einzutrten. Bringt doch leider jeder Tag neue Versuche, dem gesamten Judentum oder dessen einzelnen Gruppen oder Personen Schaden zuzufügen. Stets war die „Oesterreichische Wochenschrift" ohne jedes Bedenken auf dem Platz und sie hat so manchem Gegner für immer die Lust vertan, seinem Antisemitismus freien Lauf zu lassen. Diesen ständigen Kampf/ sozusagen, den Krieg des täglichen Lebens, hat die freisinnige Presse zum Teil aufgegeben, weil sie bei ihrem Publikum nicht in den gefährlichen Verdacht der Verjudung kommen wollte. Aber unter der Kontrolle und dem Antrieb der „Oesterreichischen Wochenschrift" geschieht in den entscheidenden Momenten doch das Notwendigste, wenn auch unser Organ oft genug allein in der Debatte