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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-12-12 · 50 (12.12.1913) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
50 (12.12.1913)
Date
1913-12-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Br. 50 Qpa Bloch’s I«hrg«ng xxz Zeittralorsan für die gesamten Interessen des Zudentums. Wien, 12. Dezember 1913 : Br scheint jeden Freitag.: Brief-Adresse: Wien. II/i. Praterstraße 9 Telegramm-Adrefse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. Inhalt. jJeuactitsi E ne unerhörte Fcev.ltal. — Die Landtagswahlriform in Galizien und die Jntntssi-n der jüdischen Lunvesbtvölkerung. — Blitzlicht. — Vom Jahrmarkt des Levens: Nach dem Prozeß. — Gründung einer jüdischen Eniigrantenban in Rußland. — Juden die größten Förderer des Pasteur-Jnstilu es in Paris. — England und der Scdntz dei Bolk^nrmn'0"iä'er — Korrespondenzen: Baden. — Györ-Raab. — Das vierügjahrige Jubiläum des Bukarest«- R'bbners Dr. M. B»ck — Eme Jüdin d plomierte Chemikerin. Mmister al» Gäste der Mischer. Pedoler. Autor tat've Gesamtor amsak'ou der I «den Italiens. König Alfons Gast im Hause Rothschild. Raubanfall auf ein Kraf.nschloß Furchtbare Bluttaten tn Rußland. @tie S ene rm P rrser Tubunal. — Vermischtes. — Fe tlleton: Zu Nr alität der Jü'ln Llteratur. — Briefkasten. — Notizen — Inserate. o o~ —o O p Stftt08pcei* Tür Vesterrrirst: Halbjährig 8 Kronen; Linzelexemvlare 50 Heller. Für'» Lu»t«nd: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die »algespat» 2 tene Petttzetle 4« Heller. < <^p ■ ■■ -Q %G \>o c M. K Postsparünffeinttnr Llearing-Verstedr «r. 810.976. Redaktion und Administration; , »Ir« li/i, Praterstraße 9 w Telefon 14847 OP - ■■ ■■ --Of Gine unerhörte F eu Ltut I. Herr Dr. Funder, Komtur des Franz Joseph- Ordens, hat in der Abendausgabe der „Reichspost" vom 2. Dez., dem Erinne.ungstag der Thronbesteigung unseres erhabenen Kaisers, eine Freveltat sich geleistet, welche eine scharfe öffentliche Züchtigung dringend herausfordert. Um seinen Hatz gegen Juden und Judentum zu befriedigen, hat er jene äußersten Grenzen dreist durchbrochen, welche jeder treue Oesterreicher voll Scheu und Ehrfurcht respektieren mutz. Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, hat in der „Neuen Freien Presse" einen Appell zur Revision des Hilsnerprozesses veröffentlicht. Datz der Schuldspruch gegen Hilsner ein Fehlurteil war, hervorgerufen durch die Macht der Suggestion, durch Einflüsse autzergerichtlicher .Machtfaktoren, ist heute die allgemeine Rechtsüberzeugung in Oesterreich. Wiederholte Gesuche um Wiederaufnahme wegen neu aufgefundener Spuren, welche auf andere Täter Hinweisen, sind abgelehnt worden. Aber ein Novum ist seither eingetreten. Die auf wissenschaftlicher Basis begründete Erkenntnis, datz der „jüdische Ritualmord" in das Gebiet der Fabel gehöre, ist Gemeingut der gebildeten Welt geworden. Die gesamte tschechische Intelligenz, die Intelligenz jenes Volkes, in dessen Mitte der letzte derartige Prozetz zu einer Verurteilung führte, hat laut und öffentlich den begangenen Irrtum anerkannt. Sollte da nicht gleich, so fragt Dr. Alfred Stern, dem Novum in Tatsachen auch das Novum in der menschlichen Erkenntnis eine Wiederaufnahme des Verfahrens zur Berichtigung eines anerkannten Irrtums begründen? Um nun gegen die Wiederaufnahme des Prozesses Hilsner einen starken Coup auszuführen, bereitet Herr Dr. Funder, Komtur des Franz Joseph-Ordens, den Lesern eine sensationelle Enthüllung: „Wir -werden dem Dr. 8>1ern, der bisher vielleicht gemeint hat, so etwas wie ein Heiligtum zu Ehren eines Ritualmordopfers, wie eines in Rinn im Unterinntal besteht, sei nur im „finsteren Mittelalter“ und im doppelt „finsteren“ Tirol möglich, zur „Beruhigung“ etwas erzählen. Anno 1890 am 10. November fand in Gegenwart unseres Monarchen,;r Minister, zahlreicher sonstiger Zelebritäten und einer gewaltigen Volksmenge die feierliche Weihe und Eröffnung der Pfarrkirche in Rudolfsheim statt. Das schöne dreiteilige Altarbild dieser Kirche zeigt im rechten Feld unter anderem den seligen Märtyrer Rudolf, also auch ein Ritualmordopfer, das Schächtmesser in der linken Land und mit der rechten Hand auf die Mordwunde am Halse zeigend. Das Bild, das über Bestellung und Anordnung des Unterrichtsministeriums gemalt wurde, dessen Allmächtiger damals der „unintelligente“ Hartei war, eine liberale Leuchte, fand allgemeinsten Beifall. Na sehen Sie, Herr Dr. Stern! Es tut nicht gut, die „Intelligenz“ für die Judenschaft mit Beschlag zu legen.“ Die Bilder, welche in Wiener Kirchen die Altäre schmücken, standen nicht zur Discussion. Um aber der Ritualmordlüge die höchste, ehrwürdigste Autorität in Oesterreich dienstbar zu machen, wird so ganz nebenbei der O Öffentlichkeit eine Mitteilung geboten, als ob die feierliche Weihe eines dreiteiligen Altarbildes. das ein „Ritualmordopfer" darstellt, „in Gegenwart unseres Monarchen" stattgefunden. Die jedem treuen Oesterreicher kostbare Autorität des erhabenen Monarchen wird solcherart für die abscheulichste Iudenhetze mißbraucht. Welche Pietät- und Taktlosigkeit gehört zu diesem dreisten Unterfangen, Herr Komtur! Der Pöbel soll für den Glauben an den jüdischen Ritualmord gewonnen werden, durch die Mitteilung: Das Bild eines Ritualmordopfers sei in der Rudolfsheimer Kirche in Gegenwart Sr. Majestät eingeweiht worden. Zu dieser „Enthüllung" wählte sich Herr Dr. Funder, Komtur des Franz Joseph-Ordens, das Datum des 2. Dezember. Dieses Attentat ist schlimmer als die Schändung eines Heiligtums. Herr Funder rüstete, ein neues Heim zu beziehen, einen Prachtpalast, erbaut aus den gewinnreichen Erträgnissen seiner skruppellosen judenhetzerischen Betriebsamkeit Zur würdigen Weihe des neuen Hauses galt es eine Weltsensation im Judenschimps in Szene

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