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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-11-28 · 48 (28.11.1913) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
48 (28.11.1913)
Date
1913-11-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 886 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 48 1)16 vvüLf, vohin teil Den Schritt muß lenken — Den Schritt muß lenken. Dich Mutter, hat man Zur Ruh' dort gebracht! — — In Avüsten Sorgen Und einsamer Nacht, Wenn ich mein Leben Durchdenke wieder, Auf jenes Grab fällt Manch' Träne nieder — Manch' Träne nieder. (Uebersetzt vom Verfasser des Artikel:.) Wer würde im Sänger solch zarter, rührend einfacher Worte den prkräftigen Balladendichter Wiedererkennen? Riss Balladen sind von einer Lebhaftigkeit der Geschehnisse, von einer Kraft der Konsequenzen, von einer Wucht der Sühne, wie wir \\t nur noch in den Balladen seines Meisters, Johann Aranys, und in denen der schottischen Volkspoesie finden. Auch da ist der Stoff zum großen Teil aus dem Leben jenes jüdischen Volksmilieus genommen, in dem er aufgewachfen. Der alte Rabbi, der dem Weibe, das sich einmal vergessen, das Recht des Mutterkusses entzieht (Judith Simon), der arme jüdische Hausierer, der auf der Landstraße von Wegelagerern beraubt und erschlagen liegt, derweil seine Braut daheim aus dem Scheine der Sabbathkerzen den Tag ihrer Hochzeitsfeier erfahren will (das Lied vom armen Arft), der fromme Krämer, der vom Verlangen nach einem Christenweib überwältigt wird und die sündhafte Begehr mit dem Leben bezahlt (Klara Batö), sind Charaktere, die ihrem Gestalter mit Recht einen Platz neben den ersten Balladendichtcrn der Weltliteratur einräumen. Doch auch die Eefühlslyrik hat in ihm einen Meister gefunden. Manch unvergänglich schönes Lied trägt seinen Namen (De pro- Mudis. Noemi), und gar manches ging dem liederkundigen ungarischen Volke ins Blut über (Warum so spät? . . .). Es wäre das Bild, welches wir von dem Diä)ter entwerfen, nicht vollkommen, täten wir nicht noch einer seiner Eigenschaften Erwähnung, die in ihrer Art wohl auch als spezifisch jüdisch bezeichnet werden darf: seines Witzes. Es ist der Witz des Ueberlegenen. In den letzten Jahren greift Josef Kiss allmählich seltener zur Laute, doch was er zu sagen hat, spricht ein tiefer, abgeklärter Geist, der seine 'Nahrung von einem edlen, kindlich-reinen Herzen und Eemüte erhält. Jedes seiner Worte wird gleich einem unschätzbar wertvollen Geschenke von seinem Volke ausgenommen. Die Liebe, welche ihn umgibt, möge ihn überzeugen, daß „seine Flügel nicht gebrochen und daß er seine verflogenen Träume nicht zu beklagen habe". Ueber wie viele schwere Stunden der Wirklichkeit haben uns seine Träume hinweggeholfen! Und manche Aehre reift auf seinem Felde, und wenn seine Ernte auch mir schlichte Blumen, es sind solche, denen ein ewiger Frühling beschieden, ein Nieverwelken. Krlrfkaste«. „Goetheforscher". Richard Meßleny, der Genfer Literarhistoriker, hat in Nr. 7 der „Grenzboten" festgestellt, daß das achthunderteinundfünfzig Seiten starke Buch Chamberlains den Titel „Goethe" mit Unrecht trägt; „denn zu einem Drittel ist dies Werk eine Streitschrift über Rassenpolitik, Rassenhygiene, Rassenwertung unter dem Gesichtspunkt monomaner Judäophobre". Chamberlain erwähnt mit keinem Worte, welche begeisterte Verehrung Goethe für das Alte Testament gehegt hat. Um die Bibel im Grundtexte zu studieren, hat er Hebräisch gelernt, obgleich ihm das Studium dieser Sprache sauer genug geworden ist. Sein ganzes Leben hat er sich mit der Absicht getragen, die Gestalt Moses zum Mittelpunkt eitles Epos zu machen. Der Plan ist nie ausgeführt worden. Wohl aber hat der Faust des zweiten Teils Züge der Mosesgestalt aufzuweisen und das Vorspiel dieser Dichtung ist durch das Eingangskäpitel des biblischen Hiob beeinflußt. „Wahrheitsfreuud". Die Nummer des „Kikeriki" hat der k. k. Staatsanwaltschaft ohnehin Vorgelegen und wenn behördlicherseits nicht eingeschritten werden will, so ist es lächerlich, die „Führer der Juden' darob zu beschuldigen. Welche Zwangsmaßregcl stehen denn den Juden zur Verfügung. Diejenigen, welche solche Gelegenheiten benützen, um sich in die Büsche zu schlagen, gleichen den Streitern, die während der Schlacht aus den Reihen sich flüchten und zum Feinde überlaufen. H. L., Berlin. Ihre Mitteilung, daß die Maggi-Gesellschaft mit beschränkter Haftung grundsätzlich keine Juden anstelle, muß auf Irrtum beruhen, denn unsere Erkundigungen haben diese Behauptung in keiner Weise bestätigt. A. I. in K. Wir haben an zuständiger Stelle Erhebungen veranlaßt. Z. Beim Leichenbegängnis des Herrn Ritter "von Gomperz auf dem Döblinger Friedhof hat der Herr Qberrabbiner gesprochen. G. in Vnkovar. Ein Siechenhaus befindet sich Wien, IX., Secgasse 11. Jüdische Würze». Der Herr Abgeordnete Rudolf Hein e, der es mit seiner politischen deutschnationalen Rührigkeit glücklich zum Oberbaurat gebracht, ist ein antisemitischer Hauptagitator in den Wiener Wählerversammlungen. Daß er gegenüber den Juden in seinem Wahlbezirk seine Gesinnung verbirgt, entspricht nur dent Charakter jener, germanischen Treue, welche ein Merknral der antisemitischen Rasse bildet. Bekanntlich haben auch die Abgeordneten von Leitmeritz und Komotau, die Herren Mag. pharm. Hummer und Rafael Pacher erklärt, diese Anfrage nicht unterschrieben zu haben. Aufrechte Männer das! Die jüdischen Wähler aber sollen bedenken: „Nur die allergrößten Kälber wählen ihre Metzger selber." Druckfehler in dem Artikel „Der neueste Schilleret o m a u u n d der I u b e". Ans Seite 809, Schlußzeile heiße es: »6onlradictio»in adjecto«. Die Worte sind zum Nonsens entstellt. Ans Seite 870, Zeile 8 von oben, „H e i 1 s botschaft der Humanität", statt des unsinnigen „Hilfsbotschaft". Notizen. (Subskription auf K. 25,000.000 — fünfprozentige steuerfreie Teilschuldperschreibungen der königlichen Hauptstadt Prag vom Jahre 1913.] Die Subskription findet am 2. Dezember statt. Der Sublkeiption-Preis beträgt 85% Prozent für freie und 9574 Prozent für bis 2. Juni 1914 gesperrte Stücke, was einer Verzinsung von zirka b'U Prozent entflicht, und außerdem einen Kapitalgewinn von 4V2 Prozent, beziehungsweise is/4 Prozent bei Auslosung al pari biet.’t. Zeichnungen auf Sperrslücke werden besonders berücksichtigt. Das Anlehen, das baupttächlich Assanierungszwecken dient, ist, wie schon erwähnt, mit 5 P ozent pro Jahr in halbjährigen, am 1. Februar und 1. August im nechhinein fälligen Raten verzinslich und in längstens 50 Jahren vom 1. Februar 1915 angefangen durch jährliche Auslosungen mittelst einer für Zinsen und Kapitalsrückzahlung ungefähr gleichbleibenden Annuität nach Maßgabe des den Schuldverschreibungen beigedruckten Tilgungsplanes zum Nennwerte rückzahlbar. Die Verlosung der Schuldverschreibungen erfolgt vom Jahre 1914 ab am I. August eines jeden Jahres. Die Rückzahlung der Teilschuldverfchrerbungen erfolgt zum vollen Nennbeträge sechs Monate nach deren Auslosung oder etwaiger Kündigung an den. Ueberbringer gegen Rückstellung der Schuldverschreibungen und der dazu gehörigen, bis zum festgesetzten Rückzahlungstermine noch nicht fälligen Zinsscheine und deren Erneuerungsscheine. Die königliche Hauptstadt Prag behält sich jedoch das Recht vor, vom Jahre 1924 angefangen, in dem einen oder dem anderen Jahre des planmäßigen Tilgungszeitraumes wann immer auch einen größeren Betrag von Schuldverschreibungen, als nach dem Tilgungsplane entfallen würde, auszulosen oder auch sämtliche noch nicht ausgelosten Schuldverschreibungen halbjährig aufzukündigen und zum vollen Nennwerte an den Ueberbringer zurückzuzahlen. Sowohl Kapital als Zinsen der Schuldverschreibungen werden frei von jedem Abzüge und jeder gegenwärtigen und künftigen Steuer ausbezahlt und die Königliche Hauptstadt Prag trägt alle solche Steuern, insbesondere die Rentensteuer, nebst allen Zuschlägen aus eigenem. Die Stempel und unmittelbaren Gebühren für diese Schuldverschreibungen und deren Zinsscheine werden von der Stadtgemeinde entrichtet. Subskriptionsstellen sind: Filiale der Anglo-Oesterreichischen Bank in Prag, Böhmische Eseomptebank in Prag, K. k. priv. Böhmische Union- Bank in Prag, Filiale der k. k. priv. Oesterreichischen Credit- Austalt für Handel und Gewerbe in Prag, Filiale der kais. kön. privilegierten Oesterreichischen Länderbank in Prag, Wiener Bank-Berei«. Filiale Prag. Zivnostenskü banka p Praze in Prag. Anglo-Osterreichische Bank in Wien, Nicderösterreichische Escompte-Gesellschast in Wien, K k, priv. Oefterre chische Credit-Anstalt für Handel und Gctverbe Wien, Kais. kön. priviligierte Oesterreische Länderbank, Wien, Wiener Bank-Verein in Wien, Filiale der Zivrostenskü banka v Praze in Wien. Jeder Subskeplionsstelle ist die Befugnis Vorbehalten, die Höhe des Betrages jeder einzelnen Zuteilung nach ihrem Ermessen zu bestimmen. Jüdische Bühne. Direktion: M. Siegle r, Hotel Stefanie, II. , Taborstaße 12. Freitag den 28., Samstag den 29., Sonntag den 30. November: Neu! Zum crstenmale: „Jakob und Essow", biblische Operette in 4 Auszügen v. Prof. Hör o w i tz, Musik v. P e r l ui u t1 e r und W o h l, Sonntag derr 30. November, halb 4 Uhr nachmittags bei halben Preisen: „Der Emes und Schecker", komische Operette von I. Lataiuer. Montag den 1. und Dienstag den 2. Dezember: „Jakob und Cffow", präzise halb 9 Uhr : „Opfer des Fanatismus", Drama in 1 Aufzug vom großen jüdischen Gelehrten E m a n u e 1 Stein, unter persönlichem Auftreten des Autors. Mittwoch den 3. Dezember, zu Gunsten des Vereines der Rzeszover: „Chussen Kale", Operette in 4 Anfzügeir von I. L a t e i n e r. Donnerstag den 4. Dezember, zrr Gunsten des Vereiires Ausche Dath Wo-Zedek: „Schir Haschicim", komische Operete in 4 Aufzügerr von S ch o r r.

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