Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 48 (28.11.1913)
- Date
- 1913-11-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3022035-3022084--22676-3047834- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 48 Iichr-img xxx Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentumso<>- —o o r L. h. Postsparksst'rnsmt Slearlng-Verkebr «r. 810.976. RedaMon und Administration. c Vien H/i/ Praterstraße 9 5 Telefon 14847 qo - -n . "iip- Wien, 28. November 1913 : Brscbetnt jeden Freitag.: Brief-Adresse: Wie», ll/i, Praterstrafie 9 Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wie«. O 0'~ .—=&n D-Mgsprri« für Vrstrrrrich: *7 Halbjährig 8 Kronen: Sinreleremplare 50 Heller. Für's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die mal gespal» j texte Petitzeile 4b Heller. O oP —■■■■■ - ■ ■ —Q o Inhalt: Leitartikel: Bei Exzellenz Henry Morgentbau, dem Botschafter der Vereinigten Staaten bei der Hohen Pforte. — Angola. — Vom Jahrmarkt des Levens: Der Prozeß Hitsner auf dem 31. Deutschen Juristentag. Sensationelle Aeußerung des rumänischen Ministers des Aeußern. Bukarest. Politische Rechte für die Juden Rumäniens. Aufführung des „Manasse". Litauische Studenten gegen ihren Landsmann Pranaitis. Stipendien zur Ehrung der Verteidiger. Die Regie des Beitis-Prozesses. Eine Sammlung für Beilis. Alfred Dreyfus über den BeiUs-Prozeß. Der Redakteur des „Hasman" gegen Pranaitis. Der Gouverneur von Phitippopel über die Juden. Eine Rede des Lord Oberrichters Sir Rufus Jsaacs. Ein wertvolles Sefer Thora auf den hawaiischen Inseln. Zur Geschichte des Wuchers. — Korrespondenzen: Vorbereitung für den Generaldirektorposten der Länderbank. Vortrag über „Moderne jüdisch-soziale Frauenarbeit". Kaiserin Elisabtth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim. Die erledigte Stelle des Schulleiters an der Werdertorschule. Der Ritualmordaberglaube, seine Quellen und Abgründe. Verein der Sabbatfreunde „Schomre Schabbos". Zur galizischen Finanzkrise. Dr. Schemaija Levin in Pilsen. Karlsbad. Trauerfeier für kaiserlichen Rat Moritz Hahn. Nachod. Religiöse Reformen in der Türkei. Russischer Einfluß in Palästina. Eine halbe Million für das Rote Kreuz. Ein Studentenstreik wegen der hebräischen Sprache. — Vermischtes. — Feuilleton: Judentypen. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Kei Grellen; Henry Morgenthaudem Botschafter der Vereinigten Kraalen dei der Hohen Pforte. Ein schlanker Mann von biegsamer Gestalt, mit einem klugen, durchgeistigten Gesicht, verrät der neue Botschafter der Vereinigten Staaten für Konstantinopel bei der ersten Begegnung eine starke Persönlichkeit von durchdringendem Intellekt. Sein Auge ist voller Energie und Tatkraft und lafet die Ueberlegenheit ahnen, welche diesen Mann zu einem der einflußreichsten und prominenten Persönlichkeiten im Staatsleben der Vereinigten Staaten gemacht hat. Von einer bezaubernden Liebenswürdigkeit in der Unterhaltung, offenbart auch seine Rede jene strenge Logik und Zähigkeit, die ihm seine politischen Erfolge gesichert haben. Bei einem Besuch, den.ich Exzellenz Morgenthau im Hotel Bristol abgestattet habe, war mir Gelegenheit geboten, mit dem neuen Mann im amerikanischen Botschaftshotel von Konstantinopel über vielerlei Fragen zu plaudern, und er hatte die Liebenswürdigkeit, mir in kurzen Zügen auch das interessante Bild seines Werdeganges zu entwerfen. Geboren in Mannheim am 26. April 1856 als Sohn des Herrn Lazarus und der Frau Babette Morg enthau, geborenen Guggeritz e im, ist er schon als Kind mit seinen wohlhabenden Eltern nach Newyork ausgewandert. Er besuchte die öffentliche Schule und mit dem 15. Lebensjahr verweigerte er, jede Unterstützung von seinem Vater anzunehmen. Er erhielt sich selber und besuchte die Columbia-Universität, von welcher er im Jahre 1878 das Diplom eines Rechtsanwaltes erhielt: ein Jahr später trat er in die Rechtsanwaltfirma Lachmann, Morgenthau und Goldschmidt ein. Sein Kompagnon Lachmann war ein Neffe seines Vorgängers im Botschafterhotel der Ver. Staaten in Konstantinopel, Exzellenz Hirsch, mit dem ihn intime Freundschaft verband. Der verewigte Botschafter, Exzellenz Hirsch, hatte wiederholt Gelegenheit ergriffen, der „Oesterr. Wochenschrift" von Konstantinopel aus seine Sympathien zu bekunden, und es war uns eine hohe Freude, auch bei Herrn Marge n 1 h a u dasselbe Wohlwollen vorzufinden. Herr M o rg e n t h a u ist seit vielen Jahren Präsident der Freien Synagoge in Newyork, Direktor des Mont-Sinai Hospital. sowie der vereinigten jüd. Wohltätigkeitsanstalten. Er ist auch einer der energischesten Förderer künstlerischer Interessen, einer der Präsidenten der Conried Metropole Opera in Newyork. Während der letzten Präsidentenwahl- Campagne war Herr Morgenthau Vorsitzender des demokratischen Nationalkonventes, welcher zur Präsidentschaft seines Freundes Woodrow Wilson geführt hat. Unser Gespräch knüpfte zunächst an gemeinsame Bekannte an. ich erwähnte den Philanthropen Herrn Jakob Schiff, in dessen Heim ich Gastfreundschaft genossen, und sprach von dem berühmten Montefiore Hoom, dem Herr Schiff so viel Interesse zuwendet. In Begleitung des Herrn Morgenthau befindet sich aber seine reizende und liebenswürdige Tochter Helene, sowie deren Gatte, Architekt Mr. Mortimer Fox, welcher der Erbauer dieses berühmten Montefiore Hoorns war. Ich wiederholte meine Bewunderung für die großherzige Munifizenz der amerikanischen reichen Juden und Se. Erzeller^ bemerkte: „Unser Ansehen und unser Einfluß, der keineswegs gering ist, haben ihren Grund in unserer sozialen Hilfstätigkeit und der steten Opferbereitschaft für große öffentliche Zwecke.; ' Das ist die Rechtfertigung und Erklärung der rapiden Fortschritte unserer öffentlichen Geltung. Das Ausmaß der Fortschritte des amerikanischen Judentums im Laufe eines Menschenalters kann nur der ermessen, der die Wandlung genau beobachtet und mit erlebt hat. Juden fitzen im Senat und im Repräsentantenhause, Juden bekleiden die höchsten Vertrauens- und Ehrenstellen. Denken Sie nicht, fügte der Botschafter hinzu, daß dies Juden, die im öffentlichen Leben „von ihrem Judentum keinen Gebrauch machen", wie man hier zu sagen Pflegt; nein, das find gerade Juden, die fich öffentlich als solche geben und bekennen. Der reiche Jude, der bei uns in Amerika eine soziale Stellung erreichen will, muß zunächst durch Opferwilligkeit und soziale Arbeit