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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-11-21 · 47 (21.11.1913) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
47 (21.11.1913)
Date
1913-11-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 868 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 47 Schönwald Franz, Privatbeamter, geb. 16. Juli 1885 in Wien, 11., Obere Donaustraße 45 a. Schutzmann Bernhard Aron, Hutmachergehilfe, geb. 28. November 1888 in Sofia, V., Wimmergasse 8. Tauber geb. Schmidt Else, Private, geb. 27. April 1886 in Wien, VIII., Florianigasse 54. Wollenberg Anton, Techniker, geb. 8./20. November 1889 in Warschau, VI., Gußhausgasse 20. Jüdischer Volksvereiu Zrraim. Ausschußwahlen: Obmann: Dr. S. Rosenfeld; Obmannstellvertreter: Arthur Pächter; Kassier: Josef Rosenseld; I. Schriftführer: Ernst Gütig; II. Schriftführer: Emil Grünwald; Beiräte: Heinrich Fischl, Moritz Fried. Preßburg, 11. November. (Trauung.) Unseres allseits hochgeachteten Mitbürgers, des Präses der orth. isr. Äultusgemcindc, Lazar Gestcttuer reizende Enkelin, Frl. Margit Gestcttuer, Tochter des Großkausmauucs Saudor Gestcttuer und dessen Gattin geb. Paula Spitzer, heiratete gestern den Wiener Advokaten Dr. jnr. Heinrich Reif. Die Trauung vollzog Oberrabbiner Ak»ba Schreiber unter Assistenz des Rabbiners Friedman» im „Hotel Earlton". Nach altisraelitischer Sitte fand die Trauung in den prachtvolltdckoriertcn Hosrämnlichkeiten des erwähnten Hotels, also unter freiem Himmel, statt. Dieser Trauungszeren onie wohnten als Beistände für die Braut Herr Dr. Leopold Gullmauu und als Beistand für den Bräutigam Herr Albert Gestrtlncr bei. Sehr zahlreich war die Hochzeitsgesellschaft, sie bestand außer den distinguierten Familienmitgliedern aus zusammen 800 Personen. Aus dieser Ursache ist es wohl unmöglich, alle Namen zu nennen, um sich keiner Hintansetzung schuldig zu machen. Korporationen waren seitens der Knltnsgemeindc der orth -israelitischen und israelitischen Richtung, letztere unter Führung des Oberrabbiners Dr. Samuel Funk anwesend. Alle hier ansässigen israelitischen Zelebritäten, ferner Korporationen von nahezu allen Wohltätigkeits-Institutionen, Deputationen seitens der Wiener und Budapester Börsenkammer, des Budapester Mühlenverbandes, mehrere Generaldirektoren hervorragender Etablipcments, ebenso Finanzkapazitäten Eis- und Transleithaniens. Auch von allen anderen Konfessionen waren Nvtabilitäten bei dieser vornehmen Hochzeit vertreten. Das Diner war ebenfalls im „Hotel Carlton". Die Pozsonyer Firma Prnger hat alles aufgeboten, nur ihrem im In- und Auslande berühmteil Namen wieder nemn Glanz zu verleihen. Die rituellen Speisen bereitete der hiesige Restaurateur I. Fischer zur höchsten Zufriedenheit zu. Das herrliche Blumenarrangement besorgte die Flrnia Horvath. Das junge Paar begab sich nur dem 5 Uhr-Eilzug über Wien nach Italien ' auf die Hochzeitsreise. Von den vielen prachtvollen Hochzeilsgeschenkcn sei speziell jenes erwähnt, welches Oberrabbiner Tr. Samuel Funk, ein prachtvolles Gebetbuch mit herrlicher Widmung, spendete. Prestburg. (Leichenbegängnis des Chefarztes Tr. Karl Glase r.) Der allgemein sehr geachtete Arzt Dr. Karl Glaser wurde am 10. d. M. unter kolossaler Beteiligung aller Gesellschaftskreise ans dem Friedhofe der is aelitischen Religionsgemeinde zu Grabe getragen und der durch die Vorstandsmitglieder der Chewra Kadischa, der Herren Jgna; Jellinek und Max Reiß würdevoll geleitete Kondukt gab auch einen sprechenden Beweis, das; der Tod Dr. Glasers eine tiefe Lücke in unserem gesellschaftlichen Leben zurückgelassen har. Jnr Trauerhause sahen wir Oberbürgermeister Theodor Brolly. 'Oberstadthauptmann Stefan Kutsera. kgl. Rat Dr. W Lövruger. Sigmund Fischer. Primararzt Dr I Fischer, kgl. Rat Primararzt Dr. M. Dobrovits, den Chefarztstellvertreter Dr. Förster, Obersiskal Dani Molcc. Chefredakreur Karl Augcrmayer jun., Rechtsakademie-Pro fessvr Dr. Alex Vutkovics. die Abordnung der Bezirksarbciter-Versicherungskassa, deren hingebungsvoller Chefarzt der Verblichene war, unter Führung des Präsidenten Heinrich Kalmar und Vizepräscs Emerich Thalluer. das gesamte Aerzlekvrps der Krankenkassa, die Stadtrepräsentanz, die ganze Mannschaft der hiesigen freiwilligen Feuerwehr mit der Trauerfahne, unter Führung des Oberkommandamcn Johann Seudlein. da Dr. Glaser Korpsoffizier der Feuerwehr war und stets mit vollster Hingebung den Kurs für die erste Hilfe geleitet hat. Die Bertretrtngen der israelitischen Religionsgcmeinde und der orthodoxen israelitischen Kultusgcmeinde, Post- und Telegraphendirektion, Verein der kaufmännischen Angestellten, die gesamte Pozsonyer Kaufmannschaft, vom Verein ' Wohltätigkeit A. Günsberger. Am Friedhofe gab Oberrabbiner Dr. Samuel Funk in gewähltem' Ungarisch ein eindrucksvolles Bild des von allen betrauerten Hiugcgangenen. Wie der Prophet Elischa das tote Kind dadurch neu belebte, indem er seine Hände ans die des Kindes legte, mit seinen Lippen den Mund des Kindes berührte und seine Augen auf die des Kindes drückte, so hat das liebevolle Auge Dr. Glasers, seine wohltätige wanne Hand und der Wohlwollen für den Kranken hauchende' Mund bester gewirkt, als die teuerste Medizin, und das Wirken Dr. Glasers ist ein Beweis dafür, das; der Berns des Arztes einer der vornehmsten ist, weil er in des Wortes buchstäblichem Sinne, um mit Friedrich Paulsen zu sprechen, die gesellschaftliche Seelsorge zu vertreten hat. Richrcnde Worte sprachen noch im Namen der Krankenkassa Emerich Thalluer. im Namen des Aerztekorps der Krankenkassa Dr. Oehter und Worte des innigsten Dankes Oberkommaudant der Feuerwehr Johann Seudlein. Mit Dr. K. Glaser ist ein gediegener Charakter uns entrissen worden. Dauernde Ehre seinem Angedenken. Teltsch. In der am 15. d. M. vorgenommenen Neuwahl der Vereinssunktionäre des hiesigen Frauen-Wohltätigkeitsvereines wurden folgende Damen in den Vorstand gewählt: Frau Lotte Frischer, Präsidentin; Frau Med.-Dr. Else N e u m a n v, V zepräsidentin; Frau Jost fine Spitz, Kassierin; Frau Charlotte Schreker, Kontrollorin; Frau Marianne Hahn, Schriftführerin. — d. Eger. Am 16. ds. wurde Herr Michel Kohorn, Besitzer von Optiker-Geschäften in Eger, Marienbad und Franzensbad, zu Grabe getragen. Der Verblichene war einer der Frömmsten und Wohltätigsten unserer Gemeinde, der oft mehr gab, als seine Verhältnisse es erlaubten, der im jüdischen Sinne stets gab: Malta» b^sseser. Er trug sein Judentum mit Offenheit und Stolz und trotzdem war er auch ungemein beliebt bei den nichtjüdischen Mitbewohnern unserer Stadt, wovon der ihm folgende ungeheure Leichenzug beredtes Zeugnis gab. Se. Hochwürden Herr Dechant CiLek aus Marienbad kam eigens hieher, um seinem bewährten, langjährigen Freund die letzte .Ehre zu erweisen. Am Grabe sprach Herr Rabbiner Dr. Erünfeld Worte des Trostes. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor Wilkowitsch, assistiert von Herrn Kantor Lederer. Professor Dr. August Wüusche. Der berühmte Theolog und Orientalist Prostssvr August Wünsche ist in Dresden im Alter von 75 Jahren gestorben. Professor Wünsche galt als einer der hervorragendsten Kenner des jüdischen Schrifttums und seine Werke auf diesem Gebiete werden in th.ologischen Kreisen hoch geschätzt. Er war der Herausgeber der zwölsbändigen „Biblioteca rabbinica“ und hat mehrere Partien des Talmud ins Deutsche übersetzt. Ec gehörte zu jenen christlichen Orientalisten, die das Ritualmordmärchen auf das entschiedenste bekämpften. In dem Prozesse Rohling—Bloch war er einer der vom k. k. Landesgericht bestellten Sachverständigen und sein Gutachten ist ein glänzendes Zeugnis seiner W.ssenschaft und seines Meinungsmutes. Dem Herausgeber dieses Blattes hat der Verewigte durch Jahrzehnte eine aufrichtige Freundschaft bewahrt und sein Heimgang bedeutet einen Verlust für die jüdische Wissenschaft. Männer von der Charaktergröße, Wahrheitsliebe und wissenschaftlichen Gründlichkeit eines Dr. Aug. Wünsche, weiß die Zeitgeschichte nicht viele aufzuzählen. Innerhalb der Freunde der hebräischen und jüdischen Literatur wird der Name des Verewigten stets in hohen Ehren gehalten werden. Feuilleton. Kettis dankt . . . In Kiew sitzt im verfallenen, ärnilichen Häuschen ein Mann; müde, abgehärmt, krank an Leib und^ Seele. Die stärksten Lustgefühle sollten sein Inneres in maßlose Schwingung »ersetzen; noch langer Hast ist ihm die, seit Unfreiheit besteht, als das höchste Gut gepriesene Freiheit wiedergegeben worden. Alle Bitterkeit, alles unverdiente Leid, alle sinnverwirrende Angst vor dem Laus der irdischen Ungerechtigkeit sollten wie Nebel unter dem Strahl der Sonne von ihm weichen und einem einzigen Jubelgesühl Platz machen, das der namenlosen Freude Florestans nicht nachzustehcn brauchte. Aber seiner Seele hat das Erlebte die Elastizität genommen; sie ist zu müde, um rasch zu schwingen und hoch zu fliegen. Und, wer weiß, vielleicht bringt der Morgen neue Oual, neue Angst. Jetzt schon fliegen Steine durch das Fenster, von der Straße tönt dumpf das Grollen einer unzufriedenen Menge, er und die Seinen sind vor ihrer Wut nicht übermäßig sicher geschützt. Der Mann sitzt bleich, mit gebeugtem Racken und gefurchtem Antlitz in seinem Ärmlichen Zimnrer. Da klopft es an die Türe und herein tritt — der Impresario. Der Westen kommt zu dem Osten, das zwanzigste Jahrhundert zum Mittelalter. „Komm," spricht der Impresario, „ich führe dich fort von hier und wandte dein Leid in Gold. Dein Name, grau zuerst, dann von blutigem Schimmer .beschienen und durch die Weit gellend, wird dir und mir metallisch glänzen. Dein Schicksal ist Eeldeswert, dein Martyrium eine Goldgrube." Und Beilis dankt. Still und müde. Der Osten lehnt den Westen ab. Aber auf, dem Tisch in der armen Liewer Vorstadtstube häufen sich die Briefe und Depeschen aus dem Westen,

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