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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-11-07 · 45 (7.11.1913) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
45 (7.11.1913)
Date
1913-11-07
Page
– (sequence 15)
Language
German
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5 Dr. Bkochs Wochenschrift. Eine antisemitische Drogenhandlung. Die Drogenhandlung „Zum gold. Einhorn", Strubecker und Holluber, Inh. Jos. v. Furtenbach u. Ad. Ohly, I., Licht?nsteg 3, erklärte, prinzipiell keinen Juden in ihrem Geschäfte anstellen zu wollen. Es war nämlich in dieser Drogerie ein Posten zu besetzen und es fand sich ein Bewerber, welcher dem Chef vollständig konvenierte. Als er indessen erfuhr, daß der Bewerber Jude sei, erklärte er rundweg, daß aus der Anstellung nichts werden könne, weil er einen Juden nicht akzeptiere. Wir bringen das zur Kenntnis unserer Leser. Austritte aus dem Judentum. Vom 26. Oktober bis inklusive 1. November 1913. Garai Eleonore, Private, geb. 2. Oktober 1892, Wien, IX., Günthergasse 3. Gottlieb Eduard, geb. 19. Oktober 1899 in Wien, Cbranow (Galizien). Langer Theodor, Kontorist, geb. 16. Juli 1881 in Olmütz, XVII., Hauptstrasse 113. Reisz Louise, Private, geb. 29. Mai 1874 in Grünau, XVII., Hormayergasse 7. Scheiner Franz, Privatbeamter, geb. 3. Februar 1888 in Wien, IX., Porzellangasse 44. Soffer Gisela, geb. 2. Dezember 1888 in Wien, II., Am Tabor 28. Weiss-Weiss Friedrich Pani, Student d. Medizin, geb. 4. April 1893 in Wien, IX., Thurngasse 11. Wilhelm Rachele, Private, geb. 13. Oktober 1870 in Wien, IX., Nussdorferstrasse 4. Brünn. Man berichtet uns: Der israelitische Kultusvorstand wählte an Stelle des verstorbenen Dr. Fialla den bisherigen Präsesstellvertreter Leopold Bauer. Tuchfabrikanten, zum Präses und den Landessanitätsreferenten Hofrat Dr. Salomen Spitzer zum Präsesstellvertreter. Pretzburg. (Trauung.) Am 9. November 1913, um 12% Ühr mittags, findet im Carlton-Hotel die Trauung des Fräulein Margit Gestetner, Tochter des Herrn Sandor Gestetner, mit Herrn Dr. jur. Heinrich Reif,.Hof- und Gerichtsadvokat in Wien, statt. Strakouitz. Herr Rabbiner Dr. B. Wolfs wurde zum Rabbiner nach Raudnitz a./E. bestellt und hat am 1. d. M. seinen Posten bereits angetreten. Nikolsburger israelitisches Versorgungshaus. Alontag erschien der t. k. Bezirkshauptmann von Nitolsburg, Herr Paul Kretschmer, in Begleitung des Bürgermeisters Herrn Franz Deutsch im israelitischen Versorgungshaus. Vorher hatten sich dort zum Empfange der Präses und Schriftführer des Vereines, die Herren Kultusvorsteherstellvertreter Jakob Spitzer und Handelskammerrat Samuel Krakauer, eingefunden, welche auch bei der vom Herrn k. k. Bezirkshauptmann vorgenommenen eingehenden Besichtigung der Anstalt und des Anstaltsgarlens die Führung übernahmen. Der Herr k. k. Bezirkshauptmann äußerte sich sehr befriedigt über das Gesehene, insbesondere sprach er über die zweckmäßige und praktische, den modernen hygienischen Anforderungen vollkommen entsprechende Einrichtung und Verwendung der .zahlreichen Räume der Anstalt seine besondere Anerkennung aus und schied mit der Versicherung, höheren Orts über diese so wohltätige und gemeinnützige Anstalt zu berichten. Podersam. (Silberne Hochzeit.) Am 1. Tage des 'vergangenen Laubhüttenfestes feierte unser langjähriger, verdienstvoller Kultusvorsteher, Herr Moritz Löwy, mit seiner Gattin das Fest der silbernen Hochzeit. Herr Moritz Löwy, der sich durch ein reiches profanes Wissen — er war viele Jahre Oberlehrer in Nachod — sowie auch durch eingehende Kenntnisse in der hebräischen Sprache und Literatur auszeichnet, bekleidet in unserer Stadt viele Ehrenämter. So ist derselbe Mitglied des Ortsschul- und des Bezirksschulrates; auch ist derselbe stellvertretendes Mitglied der Repräsentanz der Landesjudenschaft für den Saazer Kreis. Obigen Anlaß benützten daher die hiesigen Bevölkerungskreise, ohne Unterschied des Bekenntnisses, um dem Jubelpaare ihre Sympathien zum Ausdruck zu bringen. Beim Gottesdienste wurde Herr Kultusvorsteher Moritz Löwy als Maftir zur Thora aufgerufen, wobei Herr Rabbiner Ignaz Dufchak in einer aus innerster Ueberzeugung kommenden Ansprache an den Jubilar dessen unermüdliches Wirken und seinen nie versagenden Fleiß für seine Familie und für unsere Gemeinde in treffender Weise hervorhob. Am Nachmittage wurden dann dem Jubelpaare aus allen Bevölkerungsklassen die wohlverdienten Glückwünsche dargebracht. Seite 831 Feuilleton. Die überaus schönen Herbsttage verlängerten inoffiziell die Saison in den Sommerfrischen. Wessen Vermögens- und Berufsverhältnisse es gestatten, der beeilte sich nicht, in das lärmende, hastende, streitende, jagende Menschengewirre, genannt Großstadt, zurückzutehren. bevor er nicht die Herrlichkeit der Natur vollauf genoß. Langsam kehren sie nun heim, diese Glücklichen und Beneidenswerten. Wie sehen sie so befriedigt, sommerlich gebräunt aus, wie stramm und elastisch gehen sie daher! Aus ihren Gesichtszügen spricht eine gewisse Milde, man könnte sagen Mitleid mit uns armen Städtern, die wir unser Handwerk abhaspeln müssen, sei es im Bureau, in der Werkstätte, im Magazine. Wir kennen keine andere Erholung als das rauchige Kaffeehaus, wo wir, die Zigarre sutzelnd wie Kinder das Süßholz, den Kopf in die Zeitungen oder in die Spielkarten stecken, als ob es keine Fichtenwälder, keine Berge, keine Meeresküste gebe. Die freundlich lächelnden Augen der Glücklichen erzählen uns von den Reizen der Natur, wie sie die Herzen erhebt, die Nerven stärkt, die Köpfe klärt und aus uns bessere Menschen macht. Man bewundert, staunt, stildiert Land und Leute, das ist es ja. was man so sagt: reisen bildet. Man fühlt sich als ein ganz anderer. Mit einem gewissen Stolze kehrt man heim, aber herablassend begrüßt man alles Bekannte und Ostgesehene. Der Park, in welchem man im Mai den wunderbaren Fliederduft eingesogen, der ist schon alt geworden in der Zwischenzeit, aber noch schön gefärbt und anheimelnd lieb. Man ist geneigt, ihn mit einer Frau zu vergleichen, die in ihrer Frühlingszeit herrlich schön gewesen und noch in ihrem Herbste lieb und reizend bleibt. Der Dienstmann dort an der Ecke, die Sodawasserhütte. die Blumenverkäuferin, sie erregen das Interesse der Heimkehrenden. Arme Menschen! Ihr steht noch immer am selben Platze. Inzwischen sind tausende Meter hohe Berge bestiegen, Meere durchkreuzt, ferne Länder ausgesucht worden, neue Welten haben sich aufgetan und ihr haftet noch an der kleinen Scholle, müht euch ab für ein paar armselige Heller, während überall jauchzendes Leben, Lust und Vergnügen sozusagen in der Luft liegen. Und dennoch sehnt man sich wieder zurück nach dieser Scholle, man freut sich wieder zu Hause zu sein, in seinem Heim, seinem eigenen Bette zu schlafen. Man wird es schließlich müde, bloß eine Nummer im Hotel, ein Spekulationsobjekt auf Zahlungs- und Verdauungsfähigkeil zu sein. Der alte Schreibtisch winkt einem freundlich zu, man wirft sich gleich auf den Schreibtisch sessel, dem altgewohnten lieben Platz, und das Bild über ihn scheint zu schelten, daß man schon so lange nicht hier gesessen. Gott sei Dank, daß man wohlbehalten wieder heimkam! In einer solcher Freudenstimmung betritt Herr Kolben, ein sehr reicher Privatier, fein Stammcaff, Begrüßung von allen Seilen, Händeschütteln, Bewunderung seines „prachtvollen" Aussehens, selbstverständlich. Feierliche Begleitung von sämtlichen Marqueuren zu seinem kleinen Stammtische in der Lieblingsecke, im Nu liegen seine Leibblätter vor ihm, der dampfende kleine Mocca, die angezündete Virginia-Zigarre mit dem halben Strohhalm draußen lassen nicht lange auf sich warten und Herr Kolben lehnt sich behaglich in den Lehnstuhl zurück. Da fühlt er eine schwache Berührung an der Schiller. Er dreht sich um und vor ihm steht sein alter Bekannter und intimer Freund Pfeffer.

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