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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-10-31 · 44 (31.10.1913) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
44 (31.10.1913)
Date
1913-10-31
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 810 Dr. Vlvchs Wochmfchrist. Nr. 44 Aasiritie aas dem Judentum. Vom 19. Oktober bis inklusive 25. Oktober 1913. Deila Torre Marie, Bankbeamtin, geb.l. September 1882 in Wien, XV., Mariahilferstrasse 121 Epstein Benno, Beamter, geb. 15. Juni 1884 in Wien, IX., Marktgasse 58 Fisclier Antoinette, Private, geb. 27. Juli 1892 in Olmütz, IT., Taborstrasse 49 Banner Mayer, Geschäftsdiener, geb. 24. Jänner 1893 in Luka (Galizien), II., Novaragasse 5 Hernier Antoinette, geb. 19. Mai 1889 in Budapest, II., Untere Donaustrasse 33 Hitschmann Stella, Advokatensgattin, geb. 10. Jänner 1886 in Wien, I., An der Hülben 4 Langer Theodor, Kontorist, 16. Juli 1881 in Olmütz, XVII., Hernalser Hauptstrasse 113 Lasker Hermann, geb. 21. Oktober 1873 in Breslau, XIII., Zehntengasse 15 Lasker Maria, Privatbeamtensgattin, geb. 1. Dezember 1872 in Breslau, X4II., Zehntengasse 15 Bappaport Adolf, Bankbeamter, geb. 1. November 1836 in Lemberg, I., 8i hotten ring 3 Schild v. Friedrich Mathilde, geb. 30. Dezember 1886 in Wien, XXI., Ostmarkiasse 43 (Pfarre St. Jacob N.-Oe.) Schlesinger Eduard, Privatbeamter, II., Castellezgasse l-> Strasser Regine, geb. 2. November 18« 1 in Prag, VI., Magdalenenstrasse 1 Linz. (50jäHriges Gründungsfest des Frauenvereines — Festakademie.) Der Israel. Frauenverein Linz- Urfahr beging Heuer sein fünfzigjähriges Gründungsjubiläum und veranstaltete aus diesem Anlässe am 25. Oktober 1913 im großen Volksgartensaale eine Festakademie, die einen äußerst würdigen und erhebenden Verlauf nahm. Trotz der Größe des Saales, war derselbe von einem sehr distinguierten Publikum dicht gefüllt. Vertreten waren auch die Repräsentanz der Kultusgemeinde Linz und alle daselbst befindlichen israelitischen Humanitätsanstalten, sowie auch Gäste aus Salzburg, Gmunden und Steyr. Nachdem der Direktor des israelitischen Frauenvereines Herr Rudolf Ksfko im Namen desselben die zahlreich erschienenen Festgäste, insbesondere Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner Friedmann, den Präses der Kultusgemeinde Herrn Bened. Schwager, die Vertreter der übrigen Humanitätsanstalten, sowie die zwei Damen, die bereits seit Gründung dem Vereine angehören, Frau Fanny Gans und Frau Kraus, aufs herzlichste begrüßte, hielt dann Herr Dr. Schneeweiß die Festrede, in welcher er die Geschichte des Vereines seit der Gründung bis auf die Gegenwart in trefflichen Worten schilderte, und schloß mit dem Wunsche, daß dieser humane Verein stets wachsen, blühen und gedeihen möge. Herr Benedikt Schwager, der Präses der Kultusgemeinde, sprach in äußerst wirkungsvollen Worten den Kaisertoast, worauf die Musikkapelle die Volkshymne intonierte, die von dem Publikum stehend angehört wurde. Hierauf hielt unser ehrwürdiger Rabbiner Herr Moritz Friedmann eine sehr gediegene, mit feinem Humor gewürzte Ansprache, in welcher er besonders die Verdienste der Frau Marie Heller, die bereits seit dem Fahre 1893 dem Vorstande des hiesigen Frauenvereines angehört und trotz ihrer vielen Aufgaben als Gattin, Mutter und Geschäftsfrau die Pflichten der Nächstenliebe stets in den Vordergrund stellt, und schloß seine Ansprache mit einem Toast auf den Frauenverein und die Vorstandsdamen Frau Marie Gans, Maier Heller und Johanna Töpfer. Es folgten nunmehr Gesangs- und deklamatorische Vorträge der Damen Frau Franzy Breth, Fräulein Emma Klauber, Frau Mila Pollak und Fräulein Erete Gans, sowie , der Herren Oberkantor Löwensohn, Heinrich Heller, Dr. Morgenstern und Herrn Mar Adler, und mußte jeder der Mitwirkenden, insbesondere Herr Oberkantor Löwensohn, infolge des rauschenden Beifalles viele Zugaben bringen. Die Klavierbegleitung besorgt^ in liebenswürdiger und exakter Weise Fräulein Erle. Zum Schluß folgte ein gemütliches Tanzkränzchen, das bis zum frühen Morgen währte. — Die beiden Eefelligkeitsvereine „Gleichheit" und „Anitas" stellten ihre besten Kräfte dieser Festakademie zur Verfügung. Friedek. (Auszeichnung.) Herr f. k. Kommerzialrat, Handelskammerra', k. u. k. Hoflieferant, Großindustrieller Jakob Munk wurde durch das Ritterkreuz des Franz Joseph- Ordens ausgezeichnet Mahrisch-Ostrau. Mittwoch den 22. und Donnerstag den 23. d. M. weilte Se. Erzellenz der Statthalter von Mähren, Doktor Oktavian Regner Freiherr von Bleyleben, in Mährisch-Ostrau zum Besuche der Stadt. Am 2. Tage seines Aufenthaltes eröffnets er die Reihe der Besichtigungen mit dem Besuche der Gotteshäuser. Programmgemäß um 9 llhr vormittags kam Se. Erzellenz der Statthalter in Begleitung des k. k. Bezirkhauptmannes von Mähr.- Ostrau, Edler v. Gschmeidler, des Bürgermeisters Dr. Gustav Fiedler u. a. m. vor dem Tempel vorgefahren, woselbst er im Vestibül von dem Ausschüsse der israelitischen Kultusgemeinde erwartet und von dem Präsidenten, Herrn Dr. Alois Hilf, wärmstens begrüßt und zur Besichtigung des Tempels eingeladen wurde. Se. Erzellenz dankte für den herzlichen Empfang und erkundigte sich eingehend über die Größe der Kultusgemeinde und deren Gedeihen. Im Tempel selbst, der bis auf das letzte Plätzchen gefüllt war, wutde der Statthalter von Ehrw. Rabbiner Dr. Spira empfangen, der seiner Freude über den hohen Besuch Ausdruck gab und über Se. Erzellenz den Segen des Himmels für ein langes Leben zum Heile der engeren Heimat und des ganzen Vaterlandes herab-» flehte. Hierauf stellte Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. Spira dem Statthalter die Herren Oberkantor Löwy und Kantor Kläger vor. Se. Erzellenz dantte nochmals für den freundlichen Empfang und äußerte sich sehr befriedigt über die Schönheit des Gotteshauses. Hierauf verrichtete Rabbiner Dr. Spira vor offener Bundeslade!ein Gebet für Se. Majestät den Kaiser, nach welchem vom Tempelchore und sämtlichen Anwesenden die Volkshymne gesungen wurde. Nach einigen anerkennenden Worten über die loyale und kaisertreue Gesinnung der Judenschaft verließ der Statthalter das Gotteshaus. — Bei dem am Mittwoch den 22. d. M., 6 Uhr abends, im großen Saale des „Deutschen Hauses" stattgehabten Empfange der deutschen sticht Politischen Vereinigungen von Mährisch-Ostrau wurden u. A. Sr. Erzellenz auch die Vertreterinnen des israelitischen Frauen- Wohltätigkeitsvereines, die Vertreter des Vereines Jüdische Volksschule, des Krankenvereines Bikur Chaulim, des Vereines Eemiluth Ehasodim, des Hilfsvereines Jüdischer Handwerker, des Jüdischen Turnvereines, des Vereines Beth-Hamidrasch, des jüdischen Volksvereines Zion und des Jüdischen Handlungsgehilfenverbandes vorgestellt. _ Feuilleton. Die Großmacht. Von Max Nordau. (Aus dem „Pester L<oyd".) Nicht: eine Großmacht, sondern die Großmacht. Ich sage es mit gutem Bedacht. Sie ist nicht eine mit den anderen, neben den anderen, sie ist über den anderen, die größte, die stärkste, die erste von ihnen. Brauche ich es erst ausdrücklich zu sagen? Ich meine die Presse. Deutsche haben aus ungenügender Kenntnis der Sprache und Einrichtungen Frankreichs ein französisches Wort falsch übersetzt und einem Minister "der Iulimonarchie den Ausspruch in den Mund gelegt: „Die Presse ist die sechste Großmacht." Ein geeinigtes Italien gab es nämlich damals noch nicht. In dieser unrichtigen Form wird die Aeußerung seit achtzig Iahren im deutschen Sprach- und Kulturgebiet fortwährend wiederholt. Tatsächlich hat der Minister Ludwig Philipps gesagt: „La presse est le qnatrieme pouvoir“, „die vierte Gewalt im Staate". Das ist etwas ganz anderes. Die Verfassung des Bürgerkönigtums errichtete drei Gewalten, die nebeneinander, doch streng getrennt, in sorgfältig umgrenzten gesonderten Machtbezirken wirken sollten: die gesetzgebende, die in der Hand der beiden Kammern und des Königs lag, die vollstreckende, die sich im verantwortlichen Ministerium und der ihm unterstellten Verwaltung verkörperte, und die rechtsprechende, die von unabsetzbaren Richtern geübt wurde. Neben diesen drei rechtmäßigen Gewalten aber erhob sich damals eine andere, die keine Begründung in einem Gesetze hatte und von der die Verfassung nichts wußte,- und die dennoch den stärksten Einfluß auf die öffentlichen Angelegenheiten gewann und die entscheidende Rolle in der Staatsordnung für sich forderte. Das war die Presse, und der französische Minister konnte ihre Bedeutung nicht klarer bezeichnen, als indem er sie die vierte Gewalt im Staate nannte, die sich dem König und Parlament, den Ministern und Staatsbeamten, den Gerichtshöfen gleichwertig beiordne. Nun denn: der Uebertrag ungsschnitz er, der pcravoir mit ptiissance verwechselte und folgerichtig statt des störenden ..quatrieme“ das frei, doch sinngemäß erfundene „sechste" hinzufügte, ist für die Entwicklung prophetisch gewesen. Heute ist die Presse in der Tat sowohl eine der Gewalten im Staate, als auch eine der Großmächte im internationalen Gefüge und sie zeigt gerade in diesem Augenblick der Welt,- welche Kraftwirküngen von ihr ausgehen können.

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