Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 41 (10.10.1913)
- Date
- 1913-10-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 41 Dr. Blochs Wochenschrift Gelte 745 Mlr eristiert haben und noch existieren, uw aus Grund derselben vor aller Welt öffentlich und unter Schwur feierlich zu erklären, daß „einestl Juden — welcher Partei immer er angehöro — es von religionswegen strengstens verboten sei, einen Menschen zu morden; ebenso wie es demselben auch strengstens verboten ist, das Blut eines lebenden Wesens überhaupt, geschweige denn eines Menschen, zu genießen. Die Beschuldigung irgend eines' Juden, einen Ritualmord verübt zu haben, ist eine freche Lüge. Noe Rost, Präsident." Pribram: „Der Genius der zivilisierten Menschheit hüllt sein Angesicht in Trauer über den beklagenswerten, rückschrittlichen Barbarismus, und wähnt man sich schier ins grausame Mittelalter versetzt, wenn unsere heilige Religion der Blutlüge bezichtigt wird, die direkt gegen die sinaischen Gebote, sowie gegen die talmudische und nachtalmudische Literatur verstößt. Möge der gesunde Menschenverstand noch in letzter Stunde über den Fanatismus des Ostens siegen. Das walte Gott! Professor Dr. Carl Kohn." Kultusgemeinde Probuzna: „Der gefertigte Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Probuzna (Gahzien) bedauert tief, bei der am 6. Oktober in Wien tagenden Protestversammlung nicht vertreten sein zu können. Wir erklären uns aber einmütig mit dem Beschlüsse unserer dort versammelten Glaubens- und Volksgenossen einverstanden und unterzeichnen vollinhaltlich jede Resolution, die sich gegen jene empörende und nicht länger zu duldende Blutlüge wendet. Wir stimmen laut ein in den Entrüstungsruf der Protestversammlung und erklären, daß wir uns eins fühlen mit denen, die jetzt von uns die böswilligste Verleumdung abzuwehren suchen. Der Sekretär: Moses Mosner. Der Rabbiner: A. Jacob Horowitz. Der Vorstand: M. Weitzberg." Israelitische Kultusgemeinde Reichenberg: „Ihre machtvolle Kundgebung für die unantastbare Reinheit unseres Glaubens findet auch im Norden unseres Reiches begeisterten Widerhall. Prof. Dr. .Hofmann, Rabbiner in Reichenberg." Rzeszow: „Gefertigter, dem babylonischer, wie jerusalemischer Talmud in allen Teilen bekannt sind, protestiert gegen die freche Lüge eines jüdischen Ritualmordes, erklärt unter Eid, daß sowohl Dekalog als selbst der letzte der Dezisoren jeden Mord als gräßliches Verbrechen betrachten und ist jede Blutanschuldigung eine böswillige Verleumdung. Rabbiner Lewin, Rzeszow." Israelitische Kultusgemeinde Sambor: „Die heute hier tagende Versammlung der Samborer Judenschaft schließt sich vollinhaltlich der Resolution der Wiener Judenschaft an und erhebt feierlichen Protest gegenüber der Verunglimpfung unserer Religion, als ob es einen jüdischen Ritualmord gäbe oder als ob irgendwo eine jüdische Sekte wäre, der man solche Scheußlichkeiten zumulen dürfe. Meilech Goldberg, Kultuspräsident. Aron Lewin, Rabbiner." Kultusgemeinde Skole: „In der Woche des diesjährigen hohen Feiertages, des Versöhnungsfestes, findet in Kiew eine Gerichtsverhandlung gegen einen Juden wegen des sogenannten jüdischen Ritualmordes statt. Gegen diese infame und längst widerlegte Verleumdung des ganzen jüdischen Volkes erhebt die gefertigte israelitische Kultusgemeinde im Namen aller ihrer Glaubensgenossen den flammendsten Protest und schließt sich allen in der heute in Wien stattfindenden Diesbezüglichen Protestversammlung zu fassenden Resolutionen vollinhaltlich und rückhallslos an. Der Präsident der israel. Kultusgemeinde in Skole (Galizien): Dr. Eichel." Israelitische Kultusgemeinde Strakonitz: „Möge der mächtige Protest gegen die wahnwitzige Ritualmordlüge. dem wir uns voll und ganz anschließen, auch jenseits unserer Grenzen erfolgreichen Widerhall finden. Otto Sarl, Vorsteher." Teplitz: „Der Verein freisinniger Juden in Teplitz-Schönau schließt sich dem Proteste gegen den böswillig gezüchteten Wahnglauben eines Ritualmordes an und hofft, daß Wahrheit und Menschlichkeit trotz aller Feinde endlich siegen werden. Der Obmann: Dr. Karl Kraus." Kultusgemeinde Triesch: „Die israelitische Kultusgemeinde zu Triesch schließt sich der von der Wiener israelitischen Kultusgemeinde in der Beilis-Angelegenheit einberufenen Protestversammlung und der zu erbringenden Resolution voll und ganz an. Sie weist die Beschuldigung, als würde die jüdische Religion — deren Sittengesetze den höchsten Forderungen der Menschlichkeit entsprechen — von ihren Bekennern das Verbrechen des Mordes verlangen, mit Entrüstung zurück und erblickt in der Blutlüge ein Produkt der böswilligsten Verleumdung und der infamsten Niedertracht. Mit Hochachtung Nathan Meißner, Vorsteher." Israelitische Kultusgemeinden Tysmienica und Tlumacz: „Gegen das aus der Dunkelkammer mittelalterlichen Aberglaubens mit cynischer Frechheit in Kiew hervorgeholte Blutmärchen, gegen diese verleumderische, unsere heilige Religion verunglimpfende Lüge eines sogenannten jüdischen Rituakmordes protestieren wir feierlichst, indeiN wir uns der auf der montägigen Protestversammlung dort zur Annahme gelangenden Resolution zustimmend an- - schließen. Leon Morgenstern, Vorsteher, Tysmienica. Vorstand und Rabbinat Tlumacz."' Kultusgemeinde Wal.-Meseritsch: „O Herr und König, verschließe den Mund unserer Verleumder!" Bei diesem Gebete, das wir in diesen Tagen wiederholt Vorbringen, denkt jeder Jude an den verbrecherisch heraufbeschworenen Ritualmordprozeß in Kiew. Wir stimmen selbstverständlich der feierlichen Kundgebung der israelitischen Kultusgemeinde Wien bei. Möge die Stimme der Wahrheit die ägyptische Finsternis, unter welcher nur eine solche Beschuldigung möglich ist, durchdringen! Für den Vorstand der israel. Kultusgemeinde: Samuel Berger." * -i- * Die englischen Bischof; gegen das Blutmarchen. Die englische Geistlichkeit erhebt am Vorabende des Kiewer Prozesses nochmals ihre Stimme, um gegen die Vlutbeschuldigung zu protestieren. Erzbischöfe, Bischöfe, Peers und die hervorragendsten Vertreter der Wissenschaft Unterzeichneten das Manifest, worin erklärt wird, die ganze Angelegenheit sei eine Frage der Menschlichkeit und Zivilisation. Die Blutanklage sei ein Ueberbleibsel aus der Zeit der schwarzen Magie und Zauberei, eine grausame und grundlose Verleumdung des Judentums, eine Beleidigung der Kultur des Westens, eine Schande für die Kirchen, in deren Namen sie von Fanatikern erhoben wurde. Massenprotestoersammkungen in Lemberg. Dienstag abend fand hier eine Massenprotestversammlung gegen den Ritualmordprozeß Beilis statt, die von der jüdisch-sozialistischen Partei „Poale Zion" einberufen worden war und von über 5009 Personen besucht wurde. Der Referent Dr. Schitlowsky schilderte den politischen Hintergrund des Prozesses und die Rolle, welche die zarische Regierung in dem Prozeß, spielt. Es sprachen noch Abgeordneter Breiter, Redakteur Laskownicki, Adolf Stand und die Vertreter der Arbeiterpartei „Poale Zion" Dr. Rosenfeld und Kandel. Die polnische Schriftstellerin Gräfin Wielopoiska hatte ein Zustimmungsschreiben gesandt. Die der Versammlung vorgelegte Protestresolution wu.rde mit Begeisterung einstimmig angenommen. Der Zenlralverem zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag hat in seiner letzten Versammlung, entsprechend seiner auch in der s. Z. Hilsner-Affäre bekundeten offiziellen Abwehr, eine Protestresolution gefaßt, in der die Entrüstung gegen die Neuerweckung der von den ersten kirchlichen und wissenschaftlichen Autoritäten aller Konfesiionen oft und nachdrücklich genug gebrandmarkten, nicht nur die gesamte Judenheil, sondern die ganze Menschheit schändenden Ritualmordlüge ausgesprochen und der Hoffnung Ausdruck verliehen wird, daß dieses Werk blinden Irrglaubens und unmenschlicher Gehässigkeit — diesmal im fernen Rußland gereist — dank dem Eingreifen aller Gerechten und Vorurteilslosen zu Schanden