Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 41 (10.10.1913)
- Date
- 1913-10-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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N 41 Dr. Vkochs Wochenschrift. seire 743 vollen Aberglaubens öffentlich anzuschließen und hiedurch einem Justizmorde entgegen zu treten, der auf das Schicksal von Millionen Unschuldigen die verhängnisvollsten Folgen haben mutz. Israelitische Kultusgemeinde-Repräsentanz Prag. Das Präsid ium: Dr. Arnold Rosenbacher." Prag: „Prager Oberrabbinat schließt sich dem Protest gegen die empörende Ritualmordlüge an. Oberrabbiner Dr. Brody." Kultusgemeinde Königl. Weinberge: „Der Vorstand der zweitgrößten, fünftausend jüdische Seelen zählenden Kultusgemeinde Böhmens, begrüßt die heutige Protcstversammlung gegen den Ritualmordprozeß Beilis und schließt sich der zur Annahme gelangenden Resolution vollinhaltlich an. Vorstand der israel. Kultusgemeinde Kgl. Weinberge: Vorsteher Dr. Skall." Holleschau: „Rabbinerverband Mährens und Schlesiens schließt sich Ihrer Protestkundgebung gegen die schmachvolle Verunglimpfung der Lehre und Ehre des Judentums an mit dem innigen Wunsche: »üwuiu malkenu' sessaum pijaus mastinenu umekatregenu«. Rabbiner Dr. Freimann, Präsident." Kultusgemeinde Brünn: „Zu der für den 6. Oktober l. I. einberufenen Protestversammlung gegen die wahnwitzige Blutbeschuldigung im Kiewer Beilis- Prozeß delegieren wir als unseren Vertreter Herrn Dr. Hermann Fialla, Advokaten in Wien und sprechen gleichzeitig im Namen des Kultusvorstandes, wie unserer ganzen Gemeinde zu der in dieser Versammlung zu fassenden Resolution unsere volle Zustimmung aus, indem wir zugleich unserem Schmerze darüber Ausdruck verleihen, daß das Volk der Bibel im 20. Jahrhundert gezwungen ist, sich gegen eine solche Ausgeburt des Religionshasses zu verteidigen. Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Brünn: Dr. H. Fialla." Kultusgemeinde Lemberg: „Infolge erst heute erhaltener Einladung bedauern wir, wegen Kürze der Zeit' keinen Delegierten zur Protestversammlung entsenden zu können, und ersuchen gleichzeitig Herrn Regierungsrat Dr. Salomon Frankfurter dort um unsere Vertretung. Selbstverständlich protestieren wir aufs energischeste gegen das in den heiligen Satzungen unserer Religion völlig unbegründete Märchen von einem jüdischen Ritualmord und treten allen, von der dortigen Protestversammlung diesbezüglich zu fassenden Beschlüssen und Resolutionen bei. Lemberger Kultusvorstand: Dr. Schaff." Lemberg: „Das Zentralkomitee der galizischen Zionisten verurteilt mit Ihnen aufs schärfste die schändliche Anklage des Kiewer Prozesses, welche einen Schandfleck der gesitteten Menschheit des zwanzigsten Jahrhunderts bildet. Der jüdische Mut und das «elbstbewußtsein des jüdischen Volkes dürfen durch derartige antisemitische Ausbrüche nicht im geringsten geschwächt, sondern viel eher zur tapferen Gegenwehr gestählt werden. Durch aufrichtiges, zielbewußtes Schaffen wollen wir ein Bollwerk aufrichten gegen jede Art von Barbarei und allen Kreisen die uns gebührende Achtung abgewinnen. Adolf Stand. Dr Mar Geyer." Kultusgemeinde Krakau: „Die jüdische Gemeinde Krakau schließt sich dem feierlichen Proteste gegen die schandhafte Blutlüge des Kiewer Antisemitenpöbels an. Möge Ihr Wort der Entrüstung und Abwehr weithin dringen zu den Herzen aller gesitteten Menschen, die wir anrufen, mit uns zusammen gegen Wahnglauben und Bosheit zu kämpfen. Für den Kultusvorstand: Der Präsident Dr. S. Tilles. Rabbiner Pinkas Dembitzer. Rabbiner Dr. Thon." * Synagogengemeinde Krakau: „Die fortschrittliche Synagogengemeinde Krakau drückt Ihnen zu Ihrer feierlichen Protestkundgebung ihre herzlichste Sympathie aus. Mögen Sie starke Worte finden, die die scheußliche Blutlüge zertrümmern für alle Ewigkeit. Präsident Dr. Rafael Landau." Israelitische Kultusgemeinde Czernowitz: „Wir billigen vollkommen Ihre energische öffentliche Stellungnahme gegen die Ritualmordlüge und die furchtbare scheußliche, dem Rassenhaß gegen uns entsprungene Ritualmordanklage gegen den unglücklichen Beilis; wir stimmen Ihrer Resolution vollinhaltlich zu und ersuchen Vorsteher Oberingenieur Stricker, als unser Delegierter zu fungieren, auch hallen wir am Vorabend des Versöhnungsfestes Protestversammlung ab. Mit brüderlichen Grützen namens der Judengemeinde Czernowitz Dr. Straucher." „Beruflich am Erscheinen verhindert, verbinde ich mit dem Proteste gegen den Wahnsinn des Ritualmordglaubens die Erinnerung an das letzte Opfer böswilliger Volksverhetzung Leopold Hilsner, welcher auf Grund eines ungerechten und formell nichtigen Urteils seit 15 Jahren schuldlos im Kerker schmachtet. T r o p p a u. Dr. Wilhelm Schneeberger." Kultusgemeinde Marienbad: „Die israelitische Kultusgemeinde des internationalen Wellkurortes Marienbad bedauert lebhaft, aus wichtigen Gründen nicht teilnehmen zu können, nimmt jedoch regen und innigen Anteil an der heute stattfindenden denkwürdigen und für das Judentum äußerst wichtigen Protestversammlung. Einimütig und vor der ganzen zivilisierten Welt erheben wir unsere Stimme und verwahren uns entschieden gegen die gewissenlose, wahnwitzige und unheilbringende Agitation russiAer Reaktionäre, die ein wehrloses und unschuldiges Opfer ihrer fürchterlichen Waffe einem staatlichen Gerichtshöfe ausliefern, der eine schnöde Vergewaltigung des Rechtes befürchten läßt. Wir erheben noch im letzten Augenblicke Worte des Protestes gegen die Unterstützung des fürchterlichen Ritualmordmärchens durch die staatliche Gewalt, protestieren dagegen, daß wegen politischer Agitation Millionen unserer Glaubensgenossen einer Inquisition im 20. Jahrhundert schutzlos ausgesetzt sind und verkünden unter dem Banner des Idealismus, im Signum der heiligen 10 Gebote und der Heiligen Schrift die gegen uns erhobenen Anklagen als ruchlose Lüge, als Ausgeburt der Hetze der auf der niedrigsten Stufe stehenden reaktionären Kreise und protestieren gegen einen Aberglauben, der alle Gefühle der zivilisierten Welt untergräbt. Möge die heutige Protestkundgebung einen donnernden und warnenden Widerhall dort erwecken, wo ein nackter Rechtsbruch vorbereitet wird und ein unschuldiges Opfer dieses religiösen Fanatismus der härtesten Aburteilung harrt. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Marienbad: Otto Wolfner, Vorsteher. Gustav Grmnn, Sekretär." Kultusgemeinde Agram: „Dem Entrüstungsruf der heutigen Versammlung über die an das Scheiterhaufen-Zeitalter gemahnende, aller Kultur Hohn sprechende, der niedrigsten Eier nach Rassenverhetzung entspringende' Ritualmord lüge schließt sich an Israelitische Kultusgemeinde Agram. Präsident: Dr. Siebenschein." Kultusgemeinde Bischofteinitz: „Wir sind mit der am 6. Oktober 1913 zu fassenden Resolution betreffend die Anklage gegen Beilis wegen „Ritualmordes" einverstanden. Wir müssen nur noch die Ueberzeugung aussprechen, daß die ganze Welt, auch die Ritualmordmärchenerfinder wohl wissen, daß ein Ritualmord — ein Gebrauch des christlichen Blutes zu religiösen Zwecken — nicht eristiert, daß auch unsere Feinde in Kiew wohl wissen, daß dieses Ritualmordmärchen eine elende, verbrecherische Lüge ist und daß dieses Märchen nur deshalb verbreitet wird, um die Juden zu unterdrücken, herabzusetzen, ja, sie vogelfrei zu erklären. Diese Verbreiter des Ritualmordmärchens sind selbst Mörder, da sie Urheber und Anstifter von Morden an Juden sind. Ich zeichne hochachtend Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Bischofteinitz: Dr. Arnstein." Israelitische Kultusgemeinde Böhm.-Leipa: „Möge die heutige Protestversammlung allen Dunkelmännern, welche es noch wagen, der zivilisierten Welt das Ritualmordmärchen aufzutischen, das verdammende Urteil ihres schändlichen, scheußlichen Treibens aussprechen, der Aufklärung und Wahrheit zum Siege verhelfen. M. Gans." Kultusgemeinde Bochnia: „In der Versammlung vom 5. Oktober d. I. hat die israelitische Kultusgemeinde in Bochnia einstimmig folgende Resolution beschlossen : „Auch wir erheben anläßlich des nahenden Jom Kippurs, an welchem nach unserem heiligen Glauben Gott mit uns ins Gericht geht und unsere Taten, Worte und Gefühle prüft, einen flammenden Protest gegen jene fluchwürdige, von Fanatismus, Unwissenheit und Böswilligkeit gezeugte und genährte Beschuldigung, daß das Judentum oder irgend eine seiner Sekten jemals den Genuß von Christenblut geboten oder erlaubt. Wir kennen alle einen „Ritualmord", aber das ist jenes Verbrechen, das auch nach den Zeugnissen edler Kirchenfürsten und den Gutachten wahrheitsliebender christlicher Gelehrter, infolge dieser wahnwitzigen Beschuldigung an unschuldigen — Juden verübt wurde, deren Blut