Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-10-03 · 40 (3.10.1913) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
40 (3.10.1913)
Date
1913-10-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3022035-3022076--22517-3047667
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 722 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 40 brLischer Unterrichtssprache von nichtzionistischer Seite ganz wesentlich beigesteuert wird, so sind das sehr bescheidene Leistungen für die gesammelten Millionen. Für die Aufnahme dieser Zeilen dankend, sendet Ihnen, Herr Redakteur, sowie den fteundlichen und unfteundlichen Lesern herzlichen Neujahrswunsch Ihr ergebener Spectator. Nachschrift der Redaktion. Zur bevorstehenden Zuschrift möchten wir hinzufügen, daß Herr Dr. Schemarjah Lewin, Mitglied des E. A. G, über „Zionistische Kolonisation in Palästina" bei Gelegenheit des böhmischen Distrikttages einen Vortrag angekündigt hat und er wird sich gewiß nicht versagen, auf diese dem Jahresbericht der „Jca" entnommenen Ziffern näher einzugehen. Zur Affäre Böhm-Struck. Der geschäftsführende Ausschuß des Westösterreichischen Zentralkomitees (gez. Dr. Jakob Ehrlich, Dr. Fritz Eckstein, Dr. Leopold Meisel, Dr. Emil Stein, Obering. Robert Stricker, Dr. Egon Zweig) veröffentlichte am 19. September die folgende Erklärung: „Am letzten Sitzungstag des Zionistenkongresses hat der Vizepräsident des Kongresses, Dr. G a s t e r als Vorsitzender, im Laufe der Universitätsdebatte im Anschluß an eine Polemik des Delegierten Hermann Struck gegen den Delegierten Adolf Böhm folgendes enunziert: »Ich muß Herrn Struck erinnern, daß 'wir hier einen Generalredner zur Präge der Universität in Jerusalem vor uns haben und nicht zur Frage der persönlichen und irreführenden falschen Anschauungen irgend eines Mitgliedes des A. 0., von dem wir uns absolut lossagen und dessen Anschauungen wir absolut nicht teilen.« Da die Geschäftsordnung des Kongresses infolge Abbruches' der Debatte es unmöglich machte, gegen diese Kundgebung des Vorsitzenden auf der Kongreßtribüne Stellung zu nehmen, erklären wir in Vertretung der Zionistischen Organisation Westösterreichs: Wir sprechen Herrn Dr. Gaster das Hecht ab, vom Präsidententisch des Kongresses aus in vollständiger Mißachtung aller Regeln einer objektiven Verhandlungsleitung seine private abfällige Meinung über ein Mitglied unserer Organisation auszusprechen, das er überdies als Delegierten und als Mitglied des A. 0. zu respektieren hatte, und diese seine private Meinung als Anschauung der Partei hinzustellen. Wir protestieren gegen diesen groben Uebergriff des Herrn Dr. Gaster. Wir sagen uns von Herrn Adolf Böhm nicht nur nicht los, sondern schätzen ihn nac'h wie vor als Verdienten und bewährten Parteigenossen und Mitarbeiter. Um allen Ausstreuungen entgegenzutreten, stellen wir schließlich fest, daß Gg. Adolf Böhm schön mehrere Monate vor dem Kongresse dem Aktions'.-Komitee die Mitteilung machte, daß er aus sachlichen Gründen eine Wiederwahl ins Aktionskomitee nicht annehme, daß er diese Erklärung während des Kongresses vor dem Zwischenfall Gaster schriftlich wiederholte und daß der Verzicht Böhms auf eine Wiederwahl mit dieser Angelegenheit in keinem Zusammenhänge steht.“ War diese Erklärung auch deutlich genug, so konnte man sich nicht enthalten, die Bemerkung hinzuzufügen: „Einzelne antizionistische Blätter, welche seit Jahren bei jeder Gelegenheit die zionistische Organisation gegen deren Angehörige auszuspielen pflegen, haben mit Vergnügen die Märe in die Welt gesetzt, daß die Wiener Zionisten Herrn Böhm infolge des Angriffes Strucks fallen gelassen haben.“ Nun kommt noch Dr. Emil Margulies aus Leitmeritz, 1. Vizepräsident des w.-ö. Z.-K. und gibt bekannt, daß auch er die „Erklärung des geschästsführenden Ausschusses des w.-ö. Zentralkomitees in der Affäre Vöhm-Gaster" sich vollständig aneigne und. auch er fühlt sich gedrängt, hinzuzufügen: „Diejenigen aber, welche schadenfroh (!!};, glauben, wir hätten Herrn Böhm pfäffischen Anfeindungen zuliebe „fallen gelassen“, haben sich etwas zu früh gefreut. Was uns Herr Böhinj ist, darüber jwirjd der jiächste Parteitag seine und unsere Feinde belehren.“ Die „Österreichische Wochenschrift" Hat über diese Episode rein sachlich berichtet, eine Erklärung des Herrn Adolf Böhm unverkürzt ohne jede kritische Randbemerkung abgedruckt und wir hätten die Sache auf sich beruhen lassen. Indes angesichts der wiederholten Anzapfungen und depilierten Anremplungen sehen wir uns genötigt, die Unterstellung zurüchuweisen, als ob bei uns gegen Ad. Böhm irgend eine besondere Animosität vorwalte. Seine Weltanschauung, seine Meinungen über Politik und Religion teilen wir gewiß nicht: allein er ist ein Mann von Geist und der Mut, mit welchem er seine Gedanken vertritt und die Konsequenzen seiner Ueberzeugung trägt, muß auch dem Gegner ein gewisses Maß von Sympathie und Respekt abnötigen. Diesen Meinungsmut, welcher Herrn Böhm sympathisch macht, haben seine Gesinnungs- und Parteigenossen' im geeigneten Moment allerdings vermissen lassen. Während der Redeschlacht. standen sie sprachlos, um nach Verabschiedung des Kongresses beredt zu werden. Dieses Schweigen beim Anhören der Rede Strucks, dessen Ausführungen ebenso wie die Bemerkung des Vorsitzenden nicht nur widerspruchslos aufgenommen, sondern mit demonstrativem Beifall begleitet waren, hat naturgemäß bewirkt, daß für das bleibende Protokoll diese Rede zu einer Meinungsäußerung des Kongresses wurde. Daß Herr Struck bei Abschluß der Debatte als Generalredner sprach, ist für das Verhalten der Parteigenossen keine hinreichende Auftlärung. Herr Dr. Emil Margulies hat während der Kongreßtagung gezeigt, daß es ihn nicht geniert, Redner noch während ihrer Ausführungen durch Zwischenrufe und Widerspruchskundgebungen zu unterbrechen. Auch ohne Gewohnheiten des österreichischen Parlamentes anzuwenden, bietet jede Geschäftsordnung die Möglichkeit, selbst nach Abschluß einer Debatte, wenn in den Ausführungen eines Generalredners gegen ein zur Teilnahme an den Verhandlungen berechtigtes Mitglied schwere Angriffe erfolgen, in gehöriger Form solche Angriffe zurüchuweisen. Die verspätete Erklärung des geschäftsführenden Ausschusses des w.-ö. Zentralkomitees hätte vor dem versammelten Kongreß in Gegenwart des Herrn Dr. Ga st ex und des Herrn Hermann Struck zu erfolgen gehabt — etwa geradeso wie die Erklärung des Herrn Simon im Namen des Herrn Adolf Böhm. Das Schmähwort: „Pfäffische Anfeindung" — gegen wen es gerichtet ist, bleibe ununtersucht — ist doch wohl kein gleichwertiger Ersatz dafür, reicht kaum hin, die Blößen eigener Unzulänglichkeit hinreichend zu verhüllen. Luzzattis Reise nach Amerika. Newyorker Blätter bringen die Meldung, daß der gewesene italienische Ministerpräsident Luigi Luzzatti in nächster Zeit den Vereinigten Staaten von Amerika einen Besuch abstatten werde. Wie die Newyorker „Times", die aus diesem Anlasse dem großen italienischen Staatsmann einen Leitartikel widmet, erfährt, ist der Zweck dieser Reise Luzzattis hauptsächlich, um in Amerika zugunsten der rumänischen Juden propagatorisch tätig zu sein. Luigi Luzzatti, der Ende September in Newyork.ankommt, wird in einem in der Cooper Union abzuhaltenden Massenmeeting ein Referat über die rumänischen Juden und die rumänische Regierung Hallen. Ein Bericht Wer den Veikis-Prozetz an den Zaren. Wie die mit den Regierungskreisen in Verbindung stehende „Rußkoje Znamja" in Petersburg berichtet, hat der Justizminister Szczeglowitow über allerhöchsten Auftrag einen eingehenden Bericht verfaßt, der die Beilis- Angelegenheit behandelt und dem Zaren unterbreitet

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.