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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-09-26 · 39 (26.9.1913) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
39 (26.9.1913)
Date
1913-09-26
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 39 Dr. Blochs WoHrnfchrift. Seite 713 uns bisher völlig verschlossen war, von dem wir nur weniges und nicht immer richtiges wußten, und der außerdem bei allen literarhistorischen Darstellungen deshalb sehr zu kurz kam, weil einmal Carl Ooedele, einseitiger Beurteilung nicht immer abhold, ein höchst ungünstiges, auf keinerlei Quellenmaterial basierendes Urteil über ihn gefällt hat. Nun ist Schiff die längst notwendige, gründliche Ehrenrettung von einem Wiener Literarhistoriker, Professor Friedrich Hirth, zuteil geworden, und man darf dieser gründlichen Untersuchung gerade in jüdischen Kreisen die denkbar weiteste Verbreitung wünschen. Und zwar deshalb, weil damit einem der ersten Erzähler von Ghettogeschichten in deutschen Landen das gebührende' Denkmal zuteil geworden, er aus dem Leben im Dunkeln, das er bisher zu führen verurteilt war, befreit wurde und wir bei seiner Betrachtung die Bekanntschaft eines höchst originellen und anziehenden Geistes machen, der, in bessere Zeit und günstigere Umstände gestellt, befähigt gewesen wäre, das Größte zu erzielen. Unter dem Titel „Lebensbilder von Balzac. Aus dem Französischen übersetzt von Dr. Schiss" hat Hirth eines der wichtigsten Werke Schiffs aus dem Schutte heroorgezogen, es mit einer sehr wertvollen Geschichte dieses. Neudrucks und einer instruktiven Biographie Schiffs versehen. Hermann Schiff, ein Stiefvetter Heinrich Heines — ihre Väter waren Stiefbrüder — stammte aus Altona und war ein Neffe des damals noch dänischen dortigen Rabbiners, de» sogar die Ehre genoß, vom dänischen König seiner Hoftafel beigezogen zu werden. Schiffs Vater war sehr reich, verlor aber bald sein Vermögen, und diesen Schlag konnte der junge, sehr begabte und leider stark schrullenhaft veranlagte Sohn nie verwinden. Durch sein, ganzes Leben blieb grenzenloses Elend sein steter Begleiter; er war zwar Doktor der Philosophie, lebte aber gerne unter Stromern und Landstreichern, hungerte sich sein ganzes Leben lang durch, wurde einmal sogar ins Armenhaus ausgenommen, aus dem er zwar, als die ganze literarische Welt sich in Entrüstung darüber nicht genug tun konnte, befreit wurde, ohne sich aber von diesem Schicksatsschlage mehr erholen zu können. 10 Jahre darnach starb Schiff einsam. Für unsere Leser kommt er hauptsächlichst als Erzähler von Geschichten aus dem jüdischen Leben in Betracht, und er hat sich darin als wirklicher Meister bewährt, als ein Künstler realistischer Darstellungsart, die nichts gemein hat mit der verschwimmenden Sentimentalität Auerbachs oder Komperts. Schiff, der. in seiner Jugend die entscheidenden Kämpfe zwischen deutscher Romantik und französischer Realistik durchgemacht hatte, war zwar in seinen Märchen, Novellen usw. durchaus deutscher Romantiker, der sogar für christlichen Mystizismus schwärmte, in seinen Ghettogeschichten bewährt er sich als kraftvoller Realist, der das Leben so schildert, wie er es sieht, ohne Beschönigung, ohne Ausschmückung. Ein brutaler, kraftvoller Zug geht durch alle seine Erzählungen aus dem jüdischen Volksleben, namentlich durch sein Hauptwerk, das von Heinrich Heine in seiner Matratzengruft immer wieder laut gepriesene und bewunderte „Schies-Levinche mit seiner Kalle". Schiss hat in diesem Werke, das zu lesen heute noch den größten Genuß bereitet, einen der besten deutschen komischen Romane geschaffen, ein Werk voll barocken Humors, der wie der Sternesche oder Jean Panische unter Tränen lachen macht. Hoch anrechnen muß man es Schiff, daß er zu einer Zeit, als die Reform des jüdischen Kults in Hamburg und Berlin Fortschritte machte, unermüdlich darin war, seinen Glaubensgenossen — er blieb bis 1841 Jude — zuzurufen, daß sie sich zunächst aus ihrem Ghetto befreien müßten, um als vollwertig anerkannt zu werden. Schiff schmeichelt den Juden niemals, er hält zornige Strafpredigten, befehdet unduldsam Zelotismus und Engherzigkeit und sucht damit für seine Glaubensgenossen eine bessere und glücklichere Zukunft vorzubereiten. In allen. seinen vielen Erzählungen aus dem jüdischen Leben kehren diese Gedanken wieder. Mit einem Temperamente ohnegleichen, in oft flammenden Worten, trägt Schiff seine Reformgedanken vor. Er hat die Schäden, die dem jüdischen Leben vor 80 und mehr Jahren anhafteten, deutlich gesehen und war nimmermüde, zu ihrer Abstellung aufzumuntern. Hirths Biographie, die sehr fleißig gearbeitet ist, auch ein sehr wertvolles Verzeichnis aller Schriften Schiffs bringt, legt all dies mit überzeugender Klarheit dar. Wir gewinnen aus seiner lebendigen Darstellung einen fesselnden Einblick in ein bisher unbekanntes Stück deutscher Geschichte, das aufzurollen heute mehr als je am Platze war. Die Novellen Schiffs, die mitgeteilt werden, sind sehr lesenswert; sie sind Fälschungen Balzacscher Originale und zeigen, wie Schiss bemüht war, einen der echtesten Realisten in einen deutschen schwärmenden Romantiker zu verwandeln. Es war eine gelungene Mystifikation des deutschen Publikums, das jahrelang glaubte, in Schiffs Ilebersetzungen den echten Balzac erhalten zu haben, und erst viel später erfuhr, wie schwer es getäuscht wurde. Unreelle Motive leiteten Schiff dabei nicht, sondern nur künstlerische. Ihm war es nur um eine Belebung der deutschen Romantik zu tun, und er wollte mit seinen Umdichtungen den Deutschen zeigen, daß eigentlich die Franzosen dieselben literarischen Ideale verfolgten, wie die deutschen Romantiker. Erfolg war diesem Bemühen keiner beschieden, wie überhaupt Schiffs Leben durchaus erfolglos verlief. Jetzt, da ihm eine umfassende Ehrenrettung zuteil wurde, darf man hoffen, daß sich namentlich die jüdischen Leser eines der besten Erzähler aus ihren Kreisen warm annehmen und zu der wichtigen Publikation Hirth-s begierig greifen werden. Sie werden daraus einen der originellsten Schriftsteller, einen wirklichen Künstler mit vielem Genuß kennen lernen. Die schöne Ausstattung, die der bekannte Verleger Georg Müller in München dem Werke gegeben hat, verdient besonders rühmend anerkannt zu werden. E. O. Stromer. Zeitschrift Tür Demographie uml Statistik der .Juden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden. Berlin C. 2, An der Spandauer Brücke 15. Schriftleitung Dr. Bruno Blau. Berlin. 9. Jahrgang. Heft. Xr. 9. September 1918. Inhalt: I. Abhandlungen: Dr. oec. publ. Jacob Segall, Berlin: Die Berufszählung in München im Jahre 1907. — Dr. IV. Hanauer, Frankfurt a. M.: Die Sterblichkeit der Juden in früheren Jahrhunderten. — AVI ad. AV. Kaplun- Kogan, Köln: Die jüdische Einwanderung in die Vereinigten Staaten von Amerika im Jahre 1911—12. — II. Statistisches Archiv: Die Bewegung der jüdischen Bevölkerung in Preußen in den Jahren 1910 und 1911. Ein Imlizdenprozeß. Der Fall Sautner. (Die Rannersdorfer 'Mordaffäre.) Nach amtlichen Quellen von j 11 Dr. Heinrich Herbatsdhek, Hof- und Gerichtsadvokat. Wien 1918. Im Selbstverlag. III., Marxergasse 17. Walter von Molo. Im Titanenkampf. Ein Schiller- Roman. Zweiter Teil. 1.—10. Auflage. Berlin und Leipzig 1918. Verlegt bei Schuster & L o e f f 1 e r. Muskete - Kalender 1914. Wien, 1918. Moritz P e r 1 e s. K 1 20. Mit Befriedigung können wir feststellen, dass unter diesen Pfeffernüssen die Juden verhältnismässig gnädig davonkommen. An ihnen selbst liegt es, auch für diese harmlosen Karrikaturen die Modelle durch Selbstbeobachtung und Selbstzucht auszumerzen. Das Heftchen bedeutet einen Extrakt der besten Treffer der »Muskete«. L. Jang-Juda. Ilustrierte Z itschrift für unsere Jugend. XIV. Jahrgang. Nr. 18. Prag, den 19. September 1913. (17. Elul 5673.) Inhalt: H. h. K o h n. — Ben J e h u d a. — Prof. Dr. Nathan Grün: Die Prager israelitische Gemeinde im 18. Jahrhundert.— Ida Bock: Seit wann der Hase mit offenen Augen schläft. — Eine Megilia (Illustration). — Josef Hart: Ferien (Forts.) — Die Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem (Illustration). — Die russischen Juden in Amerika. — Dr. Otto Gotthilf: Unsere Nase als Wächter der Gesundheit (Schluss). — Rätsel-Auflösungen. — Uebersetzungs-Aufgabe und Rätsel. — Frage und Antwort. — Redaktion und Administration: Prag, II., Stefansgasse 629. Krirfkaste«. Cafe Central, Prag. Rabbiner-Seminar (Direktor Prof. Schächter) Rew-Pork. I L. Wien^ Wie Mr. H. Morganthau einem Wiener Freunde, Herrn Ignaz L ö w y, brieflich mitteilt, gedenkt der neue amerikanische Botschafter auf seiner Reise nach der Türkei nächstens Wien zu besuchen. Mit der Ernennung des Mr. Henry M o r g a nt h a u zum Botschafter der Vereinigten Staaten in Konstantinopel ist nicht, wie in den Zeitungen gemeldet wurde, „zum zweitenmal" einem Juden die diplomatische Vertretung Amerikas bei der Pforte anvertraut worden. Sein Vorgänger war Mr. Oscar Straus. Allein vor ihm bereits fungierte als amerikanischer Botschafter in Konstantinopel Herr Salomon Hirsch, ein Freund und engerer Landsmann des Herrn Morganthau. Dr. K. in V. Die eingesendete Rezension kommt nächstens; die neu angebotene müssen wir dankend ablehnen. Was man nicht tadeln darf, kann man unmöglich objektiv beurteilen. H. V. Die Züchtigung des „kabbalistischen Börsenmannes", der die Religion schändlich mißbraucht und dem Judentum zur Ilnehre gereicht, ist nur allzu gerechtfertigt, und die Zeitschrift „Finanzielle Praris" hat sich damit ein Verdienst erworben. Diesem Schädling muß das Handwerk gelegt werben. Notiz. Jüdische Bühne. Direktion: M. Siegler, Hotel Stefanie, II., Taborstraße 12. Täglich Schlager der Saison: „Die Amerikanerin" oder „Dus Mädel von der West", komische Operette in 4 Aufzügen von A. S ch o r r. — Sonntag den 28. September, halb 4 Uhr nachmittags, bei halben Preisen: „Herzale MejicheS von M. Richter. — Im Studium: „Borg mir dein Weist." — In Vorbereitung: I. L. Peretz's „Die drei Matnnes", Musik von Ch. Wolfsthal.

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