Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 39 (26.9.1913)
- Date
- 1913-09-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 39 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 890 Der Beschluß, eine hebräische Universität in Palästina zu gründen, eine medizinische Fakultät mit hebräischer Unterrichtssprache, bildet eine weitere Etappe in dem Prozeß zur Hebraisierung des Zionismus. Daß dieser Gang der Entwicklung von der „Oesterreichischen Wochenschrift" mit Wohlwollen begleitet wird, entspricht ichren Traditionen. Das bedeutet indes nicht, daß sie gesonnen wäre, ihre Unabhängigkeit, ihre bevorzugte Stellung außerhalb aller Parteien aufzugeben. Wir suchen keine „Annäherungen" und sind' so frei, frei bleiben zu wollen. Gleichwie in der Vergangenheit Männer wie Oberrabbiner Dr. Güdemann, Präsident Dr. Alfred Stern — neben Dr. Theodor Herzl, Dr. Leopold Kahn, Architekt Dr. Marmorek, Dr. Heinrich Löwe in der „Oesterreichischen Wochenschrift" zur Oeffentlichkeit gesprochen haben, .so bleibt sie auch in Zukunft ein Organ der 'Gesamtheit, eine freie Tribüne für Angehörige aller Parteien. Es wäre vielleicht angebracht, daß ich Ihre Klageschrift und meine Erwiderung der Oeffentlichkeit zugänglich mache. Ich setze Ihre Zustimmung voraus und zeichne usw. Wir erhielten ferner von Herrn IUDr. Izydor Daniel, Landes-Advokat in Wadowice, folgende Zuschrift : An die Redaktion der „Oesterreichischen Wochenschrift" in Wien. Ich habe mich seinerzeit an der Diskussion über den Wert und die Bedeutung der Assimilation der Juden lebhaft beteiligt. Heute ist diese Frage ganz obsolet geworden, da es heute jedem noch so kleinen Kinde bekannt ist, daß die Anhänger der Assimilation, die sogenannten Assimilanten, die wahren Feinde und Hochverräter des Judentums, oder, wie sich laut Ihrem zum Nutz und Frommen aller Gerechten in der letzten Nummer' abgedruckten Berichte ein gewisser Franz Psempert so schön und prägnant ausgedrückt hat, feige Hunde find. Ob zwischen dieser Berserkerwut der Syonisten, Agudisten und anderer Utopisten, die so tutl, als ob sie das.Judentum um 2000 Jahre zurückschrauben könnten, und Ihren Wochenausweisen über die Austritte aus dem Judentume nicht doch irgend ein Zusammenhang besteht, das überlasse ich Kennern. Zu verwundern märe es nicht, wenn so mancher Assimilant, angefeindet von den Antisemiten, und angeekelt von der Intoleranz und Verfolgungswut der eigenen Brüder, zur Taufe griffe, um sich endlich Ruhe zu verschaffen. Nun möchte ich aber eine Frage an Sie richten. Sie verfechten die „Gesamtinteressen" des Judentums. Sind in diesen Eefamtinteressen auch die Interessen der Kulturjuden, genannt Assimilanten, inbegriffen, oder sind dieselben aus dem Gesamtinteresse des Judentums auszuschalten? Seit einigen Jahren finde ich Sie immer mehr und mehr in den Reihen jener Juden, die für die Kultur der Menschheit gar kein Verständnis haben. Die Syonisten, Agudisten und last vot least die „berühmten"'Wunderrabbis Galiziens, ihre herz- und geisterquickenden „Responsen" und „Höfe" nehmen in Ihrem Blatte so viel Raum ein, daß für das wahre Lebensinteresse des Judentums, für Religion und Kultur, kein Plätzchen übrig bleibt. Ich frage, ob dies Zufall oder Absicht ist. Wadowice, 20., IX. 13. Hochachtungsvoll Dr. I. Daniel. Antwort der Redaktion: Der Mißmut und die Erregung des Herrn Einsenders rühren offenkundig von Mißverständnissen her. Daß „Assimilanten" keine Juden oder gar Feinde sind — das war doch in der „Oesterr.' Wochenschrift" wohl niemals zu lesen, und es wäre auch ein krasser Verstoß gegen alle historische Wahrheit. Männer wie Gabriel Riesser, Adolf Cremieur, Josef Ritter von Werthenner, Jgn. Kuranda, ja der jüdische Philosoph Philo sind unsterbliche Zeugen dagegen. Der Schriftsteller Franz Psempert, aus dessen Aufsatz in der letzten Nummer der „Oesterr. Wochenschrift" ein kurzer Ausschnitt zitiert worden, hat sich nicht gegen die deutschen Juden als „Asfinnlanten" gewendet (der Ausdruck kommt im ganzen Aufsatz nicht vor) sonderir seinem Erstaunen Ausdruck gegeben, daß innerhalb des deutschen Judentums wenig starke seelische Teilnahme für das traurige Geschick der russischen Glaubensgenossen sich zeigt. Er pries den wunderbaren staunenswürdigen Märtyrermut des russischen Judentums und findet gegenüber der sich hier offenbarenden Größe des Opfermutes die Juden im Westen kaum auf der gleichen Höhe. Die Bewunderung für die jüdischen Märtyrer in Rußland wird auch der geehrte Einsender, Herr Dr. ^ydor Daniel, wie wir ihn kennen, von Herzen mit empfinden. Der gewesene italienische Ministerpräsident Luigi Luzatti und der Philosoph Geh. Rat Hermann Cohen sind ebenso wie Herr Dr. Daniel „Assimilanten", aber sie wissen sich stammesverwandt mit dem Judentum vor zwei Jahrtausenden und schickfalsverwandt mit den orthodoren Brüdern in Rußland, Galizien und Rumänien, deren Los für die jüdische Gesamtheit und somit auch für die jüdische Presse unmöglich gleichgültig sein kann. Das Bewußtsein unlöslicher Zusammengehörigkeit lebendig zu erhalten, erachten wir allerdings als unsere Aufgabe. Die Inden im statistischen Jahrbuch» der Stadt Wir« für da» Jahr 1911. Von kais. Rat Dr. Arnold Ascher. (Fortsetzung.) Im Abschnitte XIV über das Bildungswesen sind folgende Daten anzutreffen: es studierten an der Wiener Universität im Schuljahre 1911/12 . . 2586 Iuden und zwar an der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät. . 1024 medizinischen Fakultät. . 923 philosophischen Fakultät. . 639 „ weiters studierten im Schuljahre 1911/12 an der technischen Hochschule .... . 747, an der Hochschule für Bodenkultur . . . 29 an der israel.-theologischen Lehranstalt . . 25 pp an der Akademie der bildenden Künste . . 16 an der Graveuru. Medailleurhochschule 1 an der tierärztlichen Hochschule . . . . 39 „ an der Akademie für Brauindustrie . . 2 ,, an der Erportakademie. . 189 „ Ueber die Anzahl jüdischer Mittelschüler finden sich nachstehende Ziffern: In Gymnasien. - - 7 2065 in Reformrealgymnasien. 25 in Realgymnasien. . . 7 595 in Realschulen. . 7 V 1718 im Freien Lyzeum. Von höheren Mädschenschulen besuchten 15 sechsklassige Mädchenlyzeen . . . . 779 Mädchen zweiklassige Fortbildungskurse .... 137 ,, Anders organisierte Kurse. 130 „ In den Lehrerbildungsanstalten findet sich kein jüdischer Schüler, in der k. k. Lehrerinnenbildungsanstalt und der Lehrerinnenbildungsanstalt des k. k. Zivil-Mädchenpensionates befand sich je 1 jüdische Schülerin, in der Privatbildungsanstalt für Kindergärtnerinnen 8 Mädchen. Ueber das Glaubensbekenntnis der Schüler in der k. k. Akademie für Musik und darstellende Kunst und den Militär-Vorbereitungsschulen sind keine Daten zu finden. Zweifellos sehr erfreulich ist es, daß an allen gewerblichen Lehranstalten jüdische Schüler mit Erfolg studieren: