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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-09-12 · 37 (12.9.1913) · page 21

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
37 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Dr. Blochs Wochenschrift Sette 873 Nr 37 schienen, stehen, und zwar gerade unter der Lampe. Der eine von ihnen, der den Worten des andern gespannt zu lauschen schien, warf einen Blick auf den Rabbi. Unter der Einwirkung dieses Blickes war es dem Unglücklichen, als ob er schon von glühenden Zangen gefoltert würde. Die Qual sollte also von neuem beginnen! Halb ohnmächtig, kaum zu atmen wagend und mit gesenkten Augenlidern lag er heftig zitternd da, als das Gewand des Inquisitors ihn leicht streifte. Aber seltsamer- und doch vielleicht ganz natürlicherweise war der Inquisitor so ganz vollständig von dem Inhalte seines Gespräches in Anspruch genommen, daß seine Augen auf dem Rabbi ruhten, ohne ihn doch zu sehen. Nach einigen Minuten setzten die beiden düsteren Gestalten ihren Weg fort und gingen eifrig und leise miteinander sprechend, dem Kreuzgange zu, aus dem der Gefangene gekommen war. Man hatte ihn nicht gesehen! . In dem furchtbaren Aufruhr seiner Sinne durchkreuzte der Gedanke sein Hirn: „Sollte ich schon tot sein, da man mich nicht mehr sieht?" Eine entsetzliche optische Täuschung ritz ihn aus seiner Lethargie. Als sein Blick aus die Mauer fiel, schien es ihm, als ob aus derselben, ganz nahe seinem Gesichte, zwei wilde Augen ihn beobachteten. Aufs äußerste bestürzt, in wahrer Todesangst, warf er den Kopf zurück, sein Haar sträubte sich! » . . . . Aber neich nein, er überzeugte sich von der Täuschung, indem er langsam mit der Hand über die Steine fuhr. Es waren nur zwei große weiße Flecken an der Mauer! Vorwärts! Er mußte sich eilen, das Ziel zu erreichen, das ihm die Erlösung bringen sollte. Er war noch etwa dreißig Schritte von einem Punkte entfernt, wo der Gang sich in völlige Dunkelheit zu verlieren schien. Auf dem Bauche liegend und auf Händen und Füßen rutschend, nahm er seinen beschwerlichen Weg wieder auf. Er erreichte bald den dunkelsten Teil des schrecklichen Ganges. Da fühlte er plötzlich einen kalten, und scharfen Luftzug. der unter der kleinen Tür herkam, auf welche die beiden Mauern mündeten. O Gott! Wenn diese Pforte sich öffnen sollte. Das ganze Sein des beklagenswerten Flüchtlings wurde von einem Schwindel der Hoffnung ergriffen. Er versuchte die Ursache des Dunkels zu ergründen. Er tastete umher, kein Schloß, kein Riegel! Eine einfache Klinke! Er richtete sich aus. Die Klinke gab dem Drucke seiner Hand nach: die kleine Pforte öffnete sich vor ihm. . * „Halleluja!" murmelte der Rabbi mit einem tiefen Seufzer der Dankbarkeit, als er aufrecht in der Tür stehend hinausblickte. Die Pforte ging auf weite Gärten, über denen der Sternenhimmel sich ausspannte. Um ihn war Frühling, war Freiheit, war Leben! Die Gärten führten auf das nahe Feld und zogen sich bis zum Gebirge hin. dessen wellenförmige Züge sich bläulich vom Horizont abhoben. — Da, da war das Heil! O fliehen! Er würde die ganze Nacht durch die Zitronenwälder laufen, deren Duft ihm entgegenkam. Einmal in den Bergen, war er gerettet. Er atmete die köstliche, heilige Luft ein. Der Wind belebte ihn, seine Lungen dehnten sich! Und um Gott für die unendliche Barmherzigkeit zu danken, breitete er in inbrünstigem Gebet seine Arme weit aus und erhob die Augen zum Firmament. Er war in 'Verzückung. Da plötzlich wak es Ihm, als tauche ein Schattenbild vor' ihm auf und dann, bann glaubte er zu fühlen, wie ein Schattenarm ihn zärtlich umschloß, sich fest an ihn klammerte, — er fühlte sich liebevoll an die Brust eines andern gedrückt — und wirklich, eine hohe Gestalt stand vor ihm! Vertrauensvoll richtete er das Auge auf diese Gestalt, dann zuckle er zusammen, ihm war, als habe er den Verstand verloren, eiskalter Schauer überrieselte ihn, der Schaum trat vor seine Lippen. — Entsetzen! Er lag in den Armen des Großinquisitors, des ehrwürdigen Pedro Arbuez d'Espila, der ihn liebevoll anblickte,' große Tränen füllten sein Auge, er betrachtete den Rabbi mit der Miene des guten Hirten, der sein verlorenes Schäfchen wiedergefunden hat. Der finstere Priester drückte den unglücklichen Juden mit einer solchen Inbrunst an sein Herz, daß die härenen Spitzen des Büßergewandes, das er unter der Kutte trug, seine eigene Haut ritzten. Und während der Rabbi Äser Abarbanell zuckend und mit verdrehten Augen schreckenschaudernd in den Armen des asketischen Arbuez lag. wurde ihm klar, daß alles, was er an diesem Abend erlebt, eine ihm vorher bestimmte Folter war, die Folter der Hoffnung. Der Großinquisitor jedoch flüsterte ihm mit sanfter Miene und vorwurfsvollem, mildem Tone die Worte ins Ohr: „Was denn, mein Kind, am Vorabende des Heils wolltest du uns verlassen?" — — Literatur. Dr. Max Crnnwald: Samuel Oppenheimer und sein Kreis. (Ein Kapitel ans der Finanzgeschichte Oesterreichs.) Von der Kappaportstiftung gekrönte Preisschrift. Wien und Leipzig 1913. Wilhelm Braumiiller, k. u. k. Hof- und Universitäts-Buchhändler. _ „Jnng-Juda“. Illustrierte Zeitschrift für unsere Jugend. XIV. Jahrgang. Kr. 16. Prag, den 15. August 1013. (12. Ab 5673.) Inhalt: Max Viola: Schweigen. — Ben Jehuda. — Josef Hart: Ferien (Fortsetzung). — Die Pilgerfahrt zum Grabmal des Propheten Ezechiel. — Dr. Otto Gott hilf: Wunderbare Selbsthilfe unseres Körpers gegen Krankheit und Tod (Fortsetzung und Schluß). — Tel-Awiw (2 Illustr.). — Ida Rück: Wieso die Elstern das Stehlen lernten (Fortsetzung). — Die Tragödie zweier jüdischer Knaben. — Albert Löw: Die Vergänglichkeit. — Kol Jehuda. — lei wese tzuugs-Aufgabe und Rätsel. — Frage und Antwort. — Redaktion und Administration: Prag, II., Stefansgasse 629 Kriefkaste«. D. 8. in Bielitz. Auch dann nur 11 Monate. G. Lemberg. 1893 fiel das Schewuoth-Fest auf Sonntag den 21. und Montag den 22. Mai. Der 12. Juni war Samstag. K. F. Daß die Leute, welche S o m b a r t bejubelten und mit Gekeul und Gebrüll in Schutz genommen, den armen Adolf Böhm so schmählich im Stich gelassen, darf Sie nicht Wundern, der Sie doch diese Herren auch innerlich kennen. Mehrere Einsender. Wegen Ueberfülle des Stoffes mußten die Berichte Zurückbleiben. _ Notizen. Jüdische Bühne. Dir. M. Siegler. Hotel Stefanie, II., Taborstraße 12. Freitag, den 12. und Samstag, den 13. Sept.: „S ch i r H a s ch i r i m", Operette von A. Schorr. — Sonntag, den 14. und Montag, 15. Sept.: „Ben Haber", Operette von Horowitz. — Sonntag, 14. Sept., nachmittag halb 4 Uhr: „Die goldene Hochzeit", von I. Latainer. — Ab Dienstag, den 16. Sept., täglich: „Die Weibe r", Operette von A. Schorr; im Programm Konzert am Violoncello vom Kapellmeister Ch. Wolfsthal. — In Vorbereitung: „Die 3 Matunes". Als Geschenk für unsere Leser versendet die bekannte Firma Teppichhaus-Möbelhaus S. Schein, k. u. k. Hof- und Kammerlieferent, Wien, I., Bauernmarkt 10, 12 und 14, das neu erschienene, diesmal besonders vornehm ausgestattete Album für Innendekoration vollkommen gratis und franko. Eine Korrespondenzkarte mit genauer Adreßangabe und ausdrücklicher Berufung auf unser Blatt genügt. Zur gefälligen Beachtung! Wir ersuchen diejenigen nnserer Abonnenten, welche noch mit der Abonnementsgebühr im Rückstände sind, die zur Einhebnng derselben von uns versendeten Postaufträge gefälligst honorieren zu wollen. Die Administration.

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