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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-08-29 · 35 (29.8.1913) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
35 (29.8.1913)
Date
1913-08-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 624 Dr. Blvchs Wochenschrift. Nr. 3b Wie«. (Spende.) Der in München verstorbene Herr Louis Ortlieb hat dem „Vereine zur Bekleidung und Unter st ützung armer alter Männer israelitischer Konfession", Wien, II., Ferdinandsstraße 22, in Anbetracht seines außerordentlich segensreichen Wirkens ein Legat von 700 Mark vermacht. Wie«. Für das Bethaus VI., Stumpergasse, ist Herr Rabbiner F l e s ch zum Vereinsrabbiner gewählt worden. Derselbe wird Samstag den 30. d. M., vormittags 10 Uhr, im Bethause „Montefiore", II., Taborstraße 38, die Abschiedsrede halten. Wie«. Se. Majestät der Kaiser hat dem Religionsprofessor am akademischen Gymnasium in Wien, Dr. Adolf Weiß, anläßlich, seines Uebertrittes in den bleibenden Ruhestand, taxfrei den Titel eines Schulrates verliehen. Wie«. (Verlobung.) Fräulein Adele Keller hat sich mit Herrn Dr. L. B e r t i s ch, Rabbiner zu Ledec, verlobt. Wien. (Verein „Kinderstütz e".) Sonntag, den 10. August, ging die 2. Kolonie des Vereines „Kinderstütze" von 30 Kindern mit der Nord bahn in unsere Ferienkolonie Austerlitz in Mähren unter Führung des Kolpnialleiters, sowie Zweier Aufsichtspersonen, ab. Aus dem Bahnhof hatte sich der Vorstand mit dem Obmann Herrn Philipp Blau eingefunden. Der Verein hat in diesem Jahre zusammen 160 Kinder, darunter 40 Waisenkinder, durch 2 Monate in 3 Abteilungen in seiner Kolonie untergebracht. Diese Leistung, die einen Kostenaufwand von Kr. 8000 erforderte, war dem Vereine nur durch die Munifizenz seiner edlen Gönner und Förderer möglich, und gebührt diesen der wärmste Dank. Aastritte aas dem Judentum. Vom 17. August bis inklusive 23. August 1913. Bruckner Rudolf, geb. 18. August 1899 in Wien, XIX., Heiligenstädterstrasse 8. Geiger Wilhelm, Fabriksbeamter, geb. 10. April 1861 in Wien, VII., Lercbenfelderstrasse 191. Glaser Rosalie, Kleidermacherin, geb. 31. Mai 1892, Wien, XVIII., Tberesiengasse 47. Kätscher Berta, Private, geb. 15. Juli 1886, Wien, VI., Stumpergasse 47. Knlin Julie, Beamtin, geb. 1. April 1887, Wien, Fiinfhaus, II., Patzmanitengasse 28. Lederer Gisela, geb. 15. November 1888 in Nacbod (Böhmen), IX., Rothe Löwengasse 5. Lichtenstein Johanna, geb. 22. Juli 1892 in Stockerau, XV., Löhrgasse 11. Lnkasz geh. Szecsi Sasolta, Studentin, geb. 31. Mai 1892, Wien, VH., Mariahilferstrasse 47. Wertheimer Isidor, Privat-Beamter, geb. 3. Juni 1857, Wien, II., Darwingasse 11. Baden Sonntag den 17. d. M. fand hier die Trauung unseres Oberkantors Leo Zoldau mit Fräulein Bertha Geschür unter großer Beteiligung der Stadtbevölkerung statt. Die Trauung vollzog Se. Ehrwürden Rabbiner W. Reich. Die kantorale Funktion versah Herr Kantor Leo Finkelsteiu aus Wien, der für seine schöne gesangliche Leistung von allen Seiten Lob erntete. Radsatz. Das Geburtstagsfest des Kaisers wurde in besonders solenner und glänzender Weise in unserer Gemeinde begangen. Lange vor dem Beginne des Festgottesdienstes war die große Synagoge bis auf das letzte Plätzchen besetzt. Außer den Spitzen sämtlicher Behörden, sowie den Vertretern der Geistlichkeit und des Offizierkorps, die in offizieller Eigenschaft erschienen waren, waren die meisten hier domizilierenden höheren Beamten, sowie zahlreiche christliche Honoratioren und viele hundert jüdische Gemeindemitglieder anwesend. Nach der Rezitation der Königspsalmen hielt unser hochverehrter Rabbiner, Herr Jakob Hoffmann, eine großzügige und gedankenreiche Festpredigt. Es ist hervorzuheben, daß sich diesmal fast die gesamte Beamtenschaft und christliche Intelligenz in der Synagoge einfand. Mit einem in hebräischer und deutscher Sprache gesprochenen Gebet für Kaiser und Vaterland schloß die wahrhaft erhebende Feier. llng.-Ostra. Die Ostraer Jugend veranstaltete am 24. d. M. in Pattlochs Restaurant (vormals Panzer) eine Theatervorstellung mit anschließendem Tanzkränzchen. Das Arrangement hiezu besorgte unser beliebter Freund und Kollege H. Karl Frank. Nebst humoristischen Vorträgen wurden ausgeführt: „Der Mustergatte, „Der Dienstmann Nante im . Verhör", „Mein Papa". Der Saal war bis auf das letzte Plätzchen besetzt, und ist alles zur vollsten Zufriedenheit aller Anwesenden ausgefallen. Das Reinerträgnis, welches zirka 90 Kronen beträgt, fällt zu gleichen Teilen den Ortsarmen und dem jüdischen Nationalfonde zu. Nagy-Kanizsa. Am 10. August wurde hier Dr. Albert Siklosi s. A., einer der angesehensten und beliebtesten Aerzte des Somogyer Komitates, zu Grabe getragen. Der Verstorbene war in Siklos geboren als Sohn des damaligen Präses der dortigen israelitischen Kultusgemeinde, weiland M. Käufer. Früh seinen Vater verloren, hatte der Verewigte unter großen Entbehrungen sich dem Studium der Medizin gewidmet, worauf er sich dann in Barcs als Arzt niederließ und nach kaum zweijähriger Praxis war er der gesuchteste Arzt der ganzen Gegend. Ja, selbst nach, dem benachbarten Slavonien und Kroatien bis Belovar wurde er zu Patienten gerufen. Arme, mittellose Kranke hat Dr. Siklosi in der Regel unentgeltlich behandelt. Das Volk, ohne Unterschied des Glaubens, hat ihn daher geradezu vergöttert. Der Verstorbene war ein begeisterter Jude und er gab sich viel Mühe zur Erlernung der hebräischen Sprache. Durchreisende Talmudjünger aus den ungarischen Talmudschulen unterstützte der Verewigte reichlich und unterhielt sich mit ihnen stundenlang über talmudische Themata. Mit einer Schwester der angesehenen Brüder Maulwurf, deren einer Konsul ad honores und Besitzer hoher in- und ausländischer Orden in Saloniki ist, war Dr. Siklosi vermählt, mit der er in glücklichster Ehe lebte, bis der Tod, der den Verewigten im 50. Lebensjahre hinwegraffte, dieses Band des Glückes zerriß. Der letzte Wunsch des Verstorbenen war, daß Rabbiner Dr. Kaufmann aus Virovitica ihni am Grabe einen Nachruf halten soll. Dr. Kaufmann eilte denn auch nach Kanizsa und hielt seinem verstorbenen Freund Dr. Siklosi einen warmen Nachruf, in welchem er beit Verstorbenen als Arzt, Menschen und Juden würdigte. Feuilleton. Gelte Mock. (Eine Federzeichnung.) Mein Galantha ist fast schon eine Stadt. Es besitzt ein Kasino, eine Sparkassa, über ein Dutzend Straßenlaternen: nur fehlt ihm eins noch — was das kleinste ungarische Städtchen hat — ein Lokalblatt. Aber wozu braucht es ein solches? Es hat eine lebende Zeitung, die anstatt einmal in der Woche, wie die Lokal-- blättchen anderswo, täglich zweimal erscheint und bei außerordentlichen Fällen sogar in Ertra-Ausgaben. Diese lebende Zeitung Galanthas heißt: Gelle Glock. Warum ihre Eltern ihr als Kind den Namen Gelle geben ließen, weiß ich nicht. Wahrscheinlich hat ihre Groß- oder Urgroßmutter oder irgend eine Tante einmal so geheißen. Ich kenne ihren Stammbaum nicht. Daß ihr aber die Leute später den Namen Glock gegeben, ist ihr eigenes Verdienst. Der Volksmund bewahrt mit seinen Spitznamen noch das Andenken an die Urzeit der Menschheit, wo man mit dem Namen Wesen und Charakter der Person bezeichnete. Kann es für eine professionelle Neuigkeitsausträgerin eine passendere Benennung als Glock geben? Sagt man doch für eine Sache publik machen, sie „an die große Glock hängen". Gewiß hat Gelle im Zivilregister einen anderen Zunamen. Aber es kennt ihn niemand und wer ihr höflich tun will, sagt zu ihr: Frau oder Madame Glock, ohne dabei an einen Spott zu denken. Die Zusammensetzung Gelle Glock klingt übrigens auch so harmonisch, daß zu glauben ist, sie könne nicht anders heißen. Das musikalische Gefühl des Volkes mag zum großen Teil dazu beigetragen haben, just für Gelle den Namen Glyck zu schaffen. Im Grunde genommen, ist Gelle bloß der Typus der ganzen Geschäftsbräuche, der sie angehört. Sie ist „Milchjüdinne", die Gasse hat nämlich ihren eigenen Gewerbsschematismus. Die Milchjüdinne kauft die Milch von den Oekonomiebesitzern des Ortes und trägt sie zu ihren Kunden von Haus zu Haus. Dazu gehöxt nicht nur der Eewerbsschein allein, sondern auch die religiöse Vertrauenswürdigkeit, daß sie „bei der Melk" ist. Bei diesem Geschäfte muß man unbedingt zur lebenden Zeitung werden, denn in jedem Hause oder vielmehr in jeder Küche, in die sie mit ihrem Milchkühe! des Morgens eintritt, ist die erste Frage an sie: „Was gibt's Neues?" Sie muß doch etwas mehr als andere Menschenkinder wissen, weil sie am frühesten ausgestanden und schon in so vielen

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