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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-08-29 · 35 (29.8.1913) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
35 (29.8.1913)
Date
1913-08-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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- -iMTTiTifn— Nr. 35 Dr. Bloch’s J*4t#wtm Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums« Wim. 29. August 1913 : Lrscbeint jeden Freitag.i Brief-Adreffe: Wien» ll/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. O er-- =0 O p Vrrrrgsprris für VrsterrrUH: Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplars 50 Heller. Für's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die nalgespal» H tene Peltlzeile 4,i Heller. oO - --Oo N. k. PofispsrkaffrnLMf Clearing-Verkebr «r. 810.976. Redaktion und Administration. <x W i * « U/i, Praterstraße 9 Telefon 14847 Inhalt: Leitartikel: Beilis. — Der Wiener zionistische Kongreß. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Eine allgemeine Beisteuer zum Bodenerwerb in Palästina. Ueber die physische Anpassungsfähigkeit der Juden in fremden Klimaten. Befähigungsnachweis im Handelsgewerbe. Die Chalukah. Juden im Sport. Die Zukunft der Juden in Mazedonien. Rumäniens Dankbarkeit. Rumänische Versprechungen. Eine Sammlung der Artikel Luzzatis über Rumänien. Professor Elias Melschnikoff. Jüdisches Handwerk in Lemberg. Die Kriminalität der Juden in New-Aork. — Bibel oder Gebetbuch? Der Brünner Zensurstreit vom Jahre 1755. — Korrespondenzen: Konferenz der „Organisation für hebräische Sprache und Kultur". Eine Weltkonferenz der sephardischen Juden in Wien. Landes-Kongreß der ungarländischen Jtoisten. Oberbürgermeister Franz Heltai als Jude. Oderberg-Bhf. Die italienische Regierung über das Blutmärchen von Eritrea. Der Ritualmordprozetz in Kiew. Achtung, die Missionäre kommen! — Vermischtes. — Feuilleton: Gelle Glock. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Keilis Von Dr. I. Ziegler, Karlsbad. Am Mittwoch, den 20. August, war in den Tageszeitungen folgendes Telegramm zu lesen: „Die Gerichtsbehörde in 5tiem hat den Beginn des Prozesses gegen den seit zwei Jahren verhafteten Beilis offiziell auf den 8. Oktober festgesetzt. Die Anklage lautet auf Ermordung des Knaben Justschinsky aus religiösem Fanatismus zu rituellen Zwecken." Wenn sich das bewahrheiten sollte, und allem Anscheine nach wird es dazu kommen, steht die russische Judenheit, und mit ihr die gesamte Judenheit der Welt, vor einer der schwersten Katastrophen in ihrer langen Leidensgeschichte. Man weise nicht hin auf den Fall Hilsner-Polna. Gewiß haben wir es auch da mit einem offenen Justizmord zu tun. dessen Sühne angestrebt werden mutz, der ein Schandfleck ist auf dem sonst blanken Schilde der österreichischen Rechtspflege. Aber der Staatsanwalt, also der Vertreter der Regierung, hat sich doch gehütet, Hilsner des Mordes zu rituellen Zwecken anzuklagen. Man unterschätze das nicht. Ob ein Ereignis zu einem historischen Dokument von staatswegen für alle kommenden Zeilen erhoben wird, oder nur als ein Zeichen der von Demagogen aufgewühlten und.irregeführten Volksleidenschaft zu betrachten ist, muß wohl auseinandergehalten werden. In Kiew erhebt der Staat, die offizielle Behörde, die Blutanklage. Wenn Beilis verurteilt wird, welche Konsequenzen müßte der Staat, der Vertreter der Anklage, aus dem Urteile ziehen? Kann der Staat eine Gemeinschaft noch weiter in seinem Lande dulden, die er selber des Mordes zu rituellen Zwecken überwiesen hat? Angenommen, der Staatsanwalt stelle die Behauptung, Juden brauchen Christenblut, nur gegen eine dunkle, verborgene Judensekte — man liebt ja auch bei uns von einer solchen zu munkeln —, muß der Staat nicht alles daransetzen, diese Sekte ausfindig zu machen, um sie mit Stumpf und Stiel auszurotten? Ein drittes bleibt Rußland nicht übrig. Entweder erklärt es mit der Verurteilung des Angeklagten, daß die jüdische Religion Christenblut fordere, dann muß es mit aller Macht gegen die Bekenner dieser Religion vorgehen: oder die russische Regierung will nur irgend eine geheime Sekte treffen, dann muß sie dieselbe zu finden suchen, ihrer habhaft werden. In beiden Fällen stehen die Juden Rußlands vor einer beispiellosen Katastrophe. Aber auch die Judenheit der ganzen Welt. Wir erklären uns in dieser Sache mit unseren russischen Glaubensbrüdern rückhaltlos solidarisch! Wem werden nun die Staaten, wem wird die Christenheit Glauben schenken, uns oder der russischen Regierung? Europa kann über diese Frage unmöglich stillschweigend hinweggehen, muß zu ihr Stellung nehmen. Wird dem Kiewer Gericht geglaubt, wie müßte dann die außerrussische Christenheit gegen uns vorgehen?! Ist aber Europa und Amerika überzeugt, daß in Kiew der Gerechtigkeit ins Gesicht geschlagen wird, wäre dann nicht die ganze Christenheit verpflichtet, — so sie noch einen Funken wahrer religiöser Sittlichkeit besitzt, — demonstrativ gegen den Prozeß in Kiew zu protestieren? Und wir selbst? Genügt es, in Zeitungsartikeln nachzuweisen, daß wir es hier mit einer Beschuldigung zu tun haben, deren Verlogenheit jedem Einsichtigen klar ist? Der Nachweis ist leicht erbracht. Wie mir mitgeteilt wurde, ist als einziger jüdischer Experte Herr Rabbiner Maze aus Moskau berufen. Jedoch wurde ihm, wie man mir weiters berichtet hat, der strikte Auftrag erteilt, ausschließlich aus nichtjüdischen Schriften die Anklage zu entkräften. Also eine Religion, die des Scheußlichsten. das es gibt, bezichtigt wird, darf nicht aus ihrem Wesen, ihrem eigenen Schrifttum heraus sich verteidigen! Wenn zum Beispiel in China die Christen von der Regierung angeklagt würden, ihre Religion gestatte oder gebiete gar, jeden Heiden, der nicht Christ werden will, erbarmungslos niederzumetzeln und seiner Habe zu berauben, würden nicht die Vertreter des Christentums vor allem aus den Evangelien, den Schriften der Kirchenväter, Bischöfe und Päpste die Gegenbeweise erbringen? Welcher Schrei der Entrüstung ginge mit Recht durch alle Lande, wollte die chinesische Regierung diese Beweise nicht zulassen, nur chinesische Gutachten und Urteile

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