Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 34 (22.8.1913)
- Date
- 1913-08-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 3i Dt. Blochs Wochenschrift. Seite 601 scheu, daß in den Kreisen, die moralisch unter den Beleidigungen der deutschnationalen Studenten leiden, deren Stellung aber eine bedauernswert schwierige ist, bei den jüdischen Hochschullehrern, ein energischeres Auftreten auch langsam Platz greifen möge. C. Benedikt. Pairsschub in Ungarn. Neue jüdische Magnatenhausmitglieder. In der letzten Zeit sind vier jüdische Magnaten Hausmitglieder, und zwar die Barone Alexander und. Iosef Deutsch-Hatvany, der Chefredakteur des Pester Lloyd Siegmund Singer und der Ober bürg erm eist er von Budapest Dr. Franz Heltai mit dem Tode abgegangen. Wie verlautet, dürfte die Regierung in allernächster Zeit die Ernennung neuer jüdischer Magnatenhausmitglieder in Vorschlag bringen, und zwar werden genannt: der bekannte Industrielle Theodor Wolfner, der Großindustrielle Manfred Weisz und der ehemalige Reichstagsabgeordnete Dr. Moritz Mezey. . Entdeckung eines neuen Schachtes in der Allofenet Tropfsteinhöhle. Aus Budapest wird telegraphiert: In der Altofener Scholzschen Tropfsteinhöhle ist vor einigen Tagen ein neuer Schacht entdeckt worden, der zahlreiche prachtvolle Steinbildungen aufweist. Aus diesem Anlaß fand in der Höhle, die sich noch im Gebiete der Hauptstadt befindet, eine Feier statt, bei welcher der neu entdeckte Schacht nach seinem Entdecker Dr. Daniel Brody getauft wurde. Der acht Kilometer lange Gang ist zum größten Teil noch unerforscht. Der Aerztekongreß gegen den Kiewer Ritualmordwahn, Aus London wird telegraphiert: Die vereinigten Sektionen der gerichtlichen Medizin und der Psychiatrie am Londoner internationalen medizinischen Kongreß haben eine scharfe Resolution gegen den Kiewer Ritualmordwahn gefaßt. Beim Thema über die Psychologie des Verbrechens sprach der Königsberger Professor der gerichtlichen Medizin Puppe über den Fall Iustschinski. Ihm sekundierten der Vorsitzende der Sektion für gerichtliche Medizin Harvey Littlejohn und der Vorsitzende der vereinigten Sektionen Christon Browne. Die Protestresolution wurde einstimmig angenommen. Im Namen der russischen Gelehrten verurteilte der Moskauer Professor Baschenow das berüchtigte Gutachten des Kiewer Psychiaters Sikorski und sagte sich von ihm los. Der Meisterfchwimmer Simon Orlik. Angesichts der häufigen abfälligen Anspielungen antisemitischer Zeitungsschreiber über die minderwertigen Leistungen jüdischer Sportmänner, ist es von gesamtjüdischem Interesse, hervorragende jüdische Sportsmänner dem Gedächtnis der Zeitgenossen in Erinnerung zu bringen. Als Meisterschwimmer ersten Ranges ist Simon Orlik zu nennen, lieber ihn entnehmen wir der „Allgemeinen Sportzeitung" vom 9. August 1913 nachstehende Daten: Im Schwimmen „Quer durch Wien" am 29. Juni hat der 35jährige Simon Orlik von der Wiener „Austria" untdr allen Teilnehmern, zu denen Ausländer ersten Ranges gehörten, mit 35:17 die beste Zeit erzielt, er steht in der Gesamtplazierung an der Spitze. Mit dieser ausgezeichneten Leistung trifft zusammen, daß Orlik in seiner schwimmerischen Tätigkeit Heuer eine aus diesem Gebiete in Oesterreich einzig dastehende Jubiläumsziffer erreicht hat: Er ist jetzt 20 Jahre lang Wettschwimmer. ' Am 2. August 1893 errang er seinen ersten Sieg in der Meisterschaft von Mödling. Anfangs 1898 wurde der Wiener Schwimmklub „Austria" gegründet, und Orlik trat nun in diesen ein. Bis zum heutigen Tage gehört er ununte.brochen zu den Zierden dieses Vereines. Mit dem Eintritt in die „Austnnä" begann er sein rationelles Training, und zwar verlegte-, er sich hauptsächlich' auf lange Distanzen. Im Jahre 1895 versuchte er sich zuerst wieder in kleineren Konkurrenzen; im folgenden Jahre nahm er bereits an großen Meisterschaften teil. In den Meisterschaften von Oesterreich, Böhmen und Ungarn konnte er wohl nur zweite Plätze besetzen, in der Meisterschaft der Sahkammergutseen in Gmunden aber feierte er einen überlegenen Sieg gegen den ersten österreichischen Olympioniken Paul Neumann. Im „Schwimmen um das blaue Band", dem „österreichischen Schwimmerderby", wurde er guter Dritter hinter dem damals berühmten Berliner Meister Töpfer. Das Jahr 1897, das zehnte des Wiener Schwimmsports, bedeutete einen Höhepunkt in der Geschichte unserer Schwimmkunst. Das Dreigestirn der „Austria", Orlik, Wahle und Ruberl, gewann alle klassischen Konkurrenzen, die in Wien ausgetragen wurden. Orlik errang in beherztem Kampfe die Meisterschaft von Deutschland über die lange Strecke, der Europameister Töpfer aus Berlin, der bis dahin unbezwungene Beherrscher der langen Strecken, hatte ln dem jungen Wiener seinen Besieger gefunden. Nun startete Orlik in den Meisterschaften von Europa und von Oesterreich, und wurde knapp Zweiter hinter seinem Klubkameraden Wahle. Besonders großer Sympathien erfreute sich Orlik auch stets in Ungarn, und die Erfolge, die er 1897 in der Donaumeisterschaft von Ungarn und in der Meisterschaft des ungarischen Schwimmvereines in Budapest, sowie im St. Anna-Preis zu Siöfok am Plattensee erzielte, erweckten die lebhafteste Begeisterung seiner ihm auch persönlich zugetanen ungarischen Sportfreunde. Seinem Bestreben ist es zu danken, daß sein Freund, der verstorbene ehemalige Präsident der „Austria", Alerander Tauschinsky, sich in London mit dem Wasserballspiel befaßte und es nach seiner Rückkehr im Vereine mit Orlik in Wien einzubürgern begann. Natürlich war Orlik der erste Wasserballspieler, und ihm hatte die „Austria" die Siege in den 1897 das erstemal ausgeschriebenen Wasserballmeisterschaften von Oesterreich und von Wien zu danken. In allen Wasserballkämpfen und Meisterschaften des In- und Auslandes, an denen die „Austria" seither teilnahm, und es sind deren viele, spielte Orlik als der „gefürchtete Stürmer", und die vielen Erfolge sind zweifellos zum großen Teile seiner Balltechnik, sowie seiner Mitarbeit im Training zuzuschreiben. Im Jahre 1897 wurde Orlik zum Militärdienst einberufen und der Militürschwimmanstalt als Oberschwimmlehrer in Wien zugeteilt. Er bewährte sich als vortrefflicher Schwimmlehrer, machte Tausende von Militär- und Zivilpersonen mit dem nassen Elemente vertraut und erhielt vielfache Belobungen. Fast bei keinem Meeting fehlte Orlik beim Start. Als 1912 die Schwimmer der Royal Life Saving Society mit Iarvis und Mr. Henry in Wien starteten, besetzte Orlik nach drei Stechen hinter den Meistern Iarvis und Milella im Kampf um den Ehrenpreis unseres Kaisers den dritten Platz, siegte im Rückenschwimmen und entschied durch sein bravouröses Spiel den internationalen Wasserballwettkampf zwischen den repräsentativen Mannschaften von Wien und London zugunsten Wiens. Seit langem u>ar Or'ik unga».;cher Donaumeister, aber erst das Jahr 1904 beschied ihm endlich auch den Sieg in der österreichischen Donaumeisterschaft. Leopold Mayer, der Donaumeister vom Jahre vorher, wurde Zweiter, und Edmund Bernhard Dritter, der ungarische Meister E6za Kitz hatte aufgegeben. Im Jahre 1906 vertrat Orlik mit Sheff» Mayer und Bernhardt Oesterreich in der Länderstafette der Olympischen Spiele in Athen. Leider blieb der Erfolg aus. Im nächsten Jahre kam durch seine Initiative ein großes Schwimmen ftn Gmunden zustande, bei welchem Orlik das „Schwimmen quer durch Gmunden" gewann. Bald daraus wurde er Zweiter in der Moldaumeisterschaft zu Prag und beteiligte sich noch im selben Jahre mit abwechselndein Erfolg an verschiedenen Konkurrenzen in Wien, Totis und Budapest. Im darauffolgenden Jahre 1908 siegte er in verschiedenen Schwimmkonkurrenzen und nahm an den Wasserballsiegen der „Austria" in Wien, Brünn, Budapest und Totis bedeutenden Anteil. In den letzten Jahren Ist Orlik vorwiegend als Wasserballspieler hervorgetreten, als einer der korrektesten und zugleich besten Spieler der „Austria", ja Oesterreichs überhaupt. Er fehlte außer in Stockholm, wohin er beruflich nicht abkommen konnte, in keiner repräsentativen österreichischen Mannschaft. Ein steter Teilnehmer an den Meisterschaften der Donau und jenen über lange Strecken, beteiligte er sich auch oftmals bei Wettkämpfen in allen schwimmsportlichen Disziplinen, und es gibt fast kein Schwimmprogramm der letzten 20 Jahre in Oesterreich, auf dem der Name Orlik fehlen würde. Sein letzter Start am 29. Juli l. I. km „Schwimmen quer durch Wien", wobei er seine Seniorklasse gewann, als erster Schwimmer überhaupt das Ziel passierte und eine bessere Zeit als der ungarische Meister Las Torres, ja die beste Zeit des Tages überhaupt erzielte, war die Krönung dieser außerordentlichen Schwimmerlaufbahn. Mehr als 500mal hat Orlik an Wettkämpfen teilgenommen. Er errang 58 erste Preise, silberne, goldene Medaillen und Ehrenpreise, 29 zweite und 17 dritte Preise, gewann 20 Meisterschaften, und zwar von Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Wien, Gmunden, Mödling, sowie 11 Wasserballmeisterschaften von Oesterreich und Wien.