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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-08-22 · 34 (22.8.1913) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
34 (22.8.1913)
Date
1913-08-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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memmm mm Seite 598 Dr. Mochs WochEuMrfft. Nr. 34 Jetzt werden vielleicht doch die politischen Kreise anfangen zu denken, namentlich wenn eine klare und vernünftige, dabei fleißige Propaganda auf sie einwirken wird. Nun kann man sehen, wer die Macht in Oesterreich eigentlich besitzt und in welchem Sinne er sie ausübt. Die antisemitische Presse möchte das gern verdecken und schreit: „Hallet den Dieb!" Sie will das Publikum glauben machen, daß in Wirklichkeit die Juden dirigieren und daß deren Egoismus keine Grenzen kennt. In Wahrheit treiben aber bei uns die Agrarier das gleiche böse Spiel wie in Deutschland und England und bezahlen eine ergebene antisemitische Presse von dem Geld, das sie der Bevölkerung in schrankenloser Gier erpreßt haben. In Wahrheit kennen auch bei. uns die Klerikalen kein anderes Ziel als ihre Macht, so wie sie auch in Spanien,. Italien und Portugal immer bereit sind, den Staat zu verderben, wenn nur sie gewinnen. Die Vorkämpfer dieser beiden Gruppen aber sind die Christlichsozialen. Der Wiener Bürgermeister hat zwar noch ein Stückchen Popularität davongetragen, als er in einer Phase der Aufregung einen politischen reinen Tisch verlangte. Aber niemand anderer hat alles am Tisch verwirrt und besudelt, als die Christlichsozialen agrarischer Kulör und klerikaler Kulör. Das sollte »ie Bevölkerung merken und endlich energisch umkehren, bevor sie ihre Ausbeuter und Verführer in einen Abgrund zerren. Are Jude« in Rumänien. Von Ernst Klebinder. Der blutige Kampf, dessen Schauplatz der Balkan war, ist vorüber. Tausende und Abertausende bedecken das Schlachtfeld, und die hohen Berge und liefen Täler sind mit dem Blute von Vätern und Söhnen gedüngt, die bisher die Ernährer ihrer Familien gewesen. Das Schwert ruht wieder in der Scheide, der Friede ist geschlossen, nur in den Häusern der Balkanvölker ist es ruhiger geworden. Eines unterbricht die traurige Stille: Es ist das Wehklagen der Gattinnen und Mütter, der Söhne und Töchter. Als ich jüngst in Letinje weilte, da glaubte ich in einer Stadt der Witwen zu weilen. Keine einzige Frau traf ich, von deren Haupt nicht der schwarze Trauerflor wallte, und in den Augen der bedrückten Armen, die nun bei den leitenden Stellen wegen Almosen vorsprechen, sieht man nur Tränen über das unwidereinbringlich Verlorene. Man muß nicht den Beruf eines Friedensapostels in sich fühlen, nicht den Kampf um jeden Preis scheuen — wer die Schlachtfelder des Tarrabosch und Stoj gesehen, wer die furchtbaren Verwüstungen, die die Granaten und Bomben in Skutari angerichtet, wahrgenommen, wer diese halbwüchsigen, kaum mannbar gewordenen Jünglinge, denen ein Geschoß Beine oder Hände genommen, auf Krücken einherschreitend oder aus einem Schubkarren geführt, und die unglücklichen Frauen oder Kinder gesehen, — der wird aus tiefster Seele ein persönlicher Feind des Krieges. Mögen nur alle jene, die da die Austragung aller politischen Schwierigkeiten mit dem Schwerte wünschen, die mit Toten bedeckten Schlachtfelder besehen, mögen sie das grausame, in seinen Folgen gar nicht zu schildernde Unglück, das mit einer Schlacht verbunden ist, betrachten — der Krieg wird ihnen alsdann als die ultima ratio erscheinen. Der Krieg ist nun vorüber und das Hauptverdienst an der Beendigung desselben gebührt zweifellos Rumänien, das nicht nur durch die exakte Ausführung der Mobilisierung, durch die vorzügliche Haltung seiner Offiziere und der Mannschaft, sondern auch, und zwar in erster Linie, durch die weise Politik seines Königs und des leitenden Premiers Mayorescu, eines durch Bildung und Geist ausgezeichneten Mannes, in allen Staaten imponierend gewirkt hat. Als das Läuten der Glocken und das Schlagen der Trommeln die Wehrhaften Rumäniens zu den Fahnen rief, als es die Meldung der Freiwilligen galt, — da war die jüdische Bevölkerung in erster Reihe und die Zeichen des aufopfernden Patriotismus, den die Juden an den Tag legten, standen in keinem Verhältnisse zu der Behandlung, die sie bisher in diesem Lande erfahren haben. Als der Kriegsruf ertönte, sammelten die Juden Geld für die öffentlichen Zwecke, boten ihre Schulen für die Kranken, meldeten sich zur Pflege der Verwundeten, und ein armes jüdisches Mütterlein, das fünf Söhne hatte, von denen zwei als wehrpflichtig zu ihren Regimentern eingerückt waren, sandte seine drei übriggebliebenen als Freiwillige. Der Opfersinn, der die jüdische Bevölkerung erfüllt hatte, war rührend mitanzusehen, und mit herzlichen Worten gedachte jüngst der Minister des Innern Take Jonescu der jüdischen Bevölkerung. Welch' guter Geist, welcher Heller Patriotismus muß doch in diesen rumänischen Juden leben, die all das Unbill, all' die Kränkungen, die sie in ihrem Vaterlande wegen ihrer Zugehörigkeit zu ihrem Glauben erdulden mußten, vergessen hatten, als es sich um die Ehre ihres Vaterlandes handelte. In der Sitzung der rumänischen Kammer fand sich nun ein Mann, der die Iudensrage aufs Tapet brachte. Die Juden sollen nicht weiter entrechtet bleiben, und wer im Ernstfälle für das Vaterland sterben soll, der soll auch das Recht haben, in seinem Vaterlande zu leben. Das Ministerium, das sich durch seine weise Politik eine hervorragende Stellung in der Geschichte gesichert, das dem brennenden Morden und Schlachten ein Ziel gesetzt und den Frieden herbeigeführt — möge es nun auch seinen jüdischen Mitbürgern nach einem langen Kampfe um seine verbrieften Rechte den Frieden geben. Mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgen die Glaubensgenossen der jüdischen Rumänen deren Bestrebungen um ihre Bürgerrechte. Möge dieses so begünstigte Land nun auch in der Iudensrage den hohen Stand seiner Kultur und Zivilisation zeigen! * * * Hiezu liegen folgende telegraphische Meldungen vor: Bukarest, 19. August. Der rumänische Minister des Innern Take Jonescu erklärte gestern, daß alle rumänischen Staatsmänner einstimmig die patriotische Haltung der Juden während der Mobilisierung loben. Jonescu schlägt vor, das Bürgerrecht nur den mobilisiert gewesenen, nicht aber allen jüdischen Soldaten zu geben. Bukarest, 17. August. Bei Anordnung der allgemeinen Mobilisierung hatten sich 500 jüdische Freiwillige beim Kriegsministerium zur Dienstleistung gemeldet und sind von diesem auch in das Heer eingereiht worden. Nunmehr haben diese Freiwilligen die amtliche Verständigung erhalten, daß das Kriegsministerium nicht berechtigt war, jüdische Freiwillige in das Heer aufzunehmen. In Rumänien werden Ausländer — und als solche werden auch die in Rumänien geborenen Juden betrachtet — als Freiwillige nicht in das Heer ausgenommen. Bekanntlich war amtlich verlautbart worden, daß den im Heere dienenden Soldaten jüdischer Konfession nach Beendigung des Feldzuges die rumänische Staatsbürgerschaft verliehen werden wird. Die Emanzipation der rumänischen Juden. Rom. Der frühere Ministerpräsident Luzzatti hat die Gründung eines internationalen Komitees angeregt, das im Namen der Zivilisation Rumänien die endliche Emanzipation der Juden aufnötigen soll. Dem Komitee sollen angehören B a l f o u r, Professor Eucken, Visconti Venosta, Martini und andere hervorragende Männer, unter ihnen in erster Linie Präsident Wilson. Einem solchen derartigen moralischen Drucke werde Rumänien schließlich nachgeben müssen.

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