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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-08-15 · 33 (15.8.1913) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
33 (15.8.1913)
Date
1913-08-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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SS Kt. 33 es wie eine Shakespear'sche Stimmung, die aus den dieser Ankündigung vorangeschickten Klagelauten so unheimlich spricht. Dem ironischen Zuruf (II. B. M. 2, 14): „Wie konntest Du Dich unterfangen, da auch Deine Stimme hören zu lassen?" kann mit den schon zitierten Rückerischen Entrüstungsversen erwidert werden: „Wer eine Zunge hat und svricht nicht, Wer eine Feder hat und ficht nicht. Was ist der, wenn ein Wicht nicht?" Wer weih, wie bald es sich auch offenkundig erweisen wird, wo die stählernen Fäden sich zu einem Netze von Rücksichten verflochten, in welchen sich selbst geschickte, von reinem Wohlwollen geleitete Diplomatenhände verfingen, verfangen muhten. Ungeheuerlichkeiten solcher Art fordern ein allgemeines Aufgebot heraus, einen Generalweltsturm.... Wie bald wird man erkennen, was unser allgeliebter alter Kaiser für die Erhaltung des Weltfriedens zu ringen und zu kämpfen hatte, er, dessen Herzkammern wahre Schazkammern sind der herrlichsten Regententugenden, von unerschütterlicher, mit den Jahren sich steigernder Friedensliebe, von der Kunst, zu vergeben und zu vergessen, von unwiderstehlichem Drange, nur moralische Eroberungen zu machen, so erfüllt, daß darin kein Raum geblieben für Groll und Bergeltungstrieb, von Schadenfreude. Scheelsucht und expansiven Gelüsten. Wie kaum ein anderer, verdient er den Titel „König von Jerusalem" (Jeruschalajim oder Jeruschalem bedeutet „Stätte des Friedens") zu führen. Wer war nicht, um nur ein kleines Beispiel statt vieler bedeutungsvoller Beweise anzuführen, tiefbewegt, zu hören, dah der alte Kaiser einem Justh mit väterlicher Innigkeit die Hände drückte? — Wer ist würdiger, als er, das Psalmwort 120, 7 zu wiederholen: „Ich will den Frieden, was ich auch sagen mag und wie sehr auch die anderen zum Kriege treiben"? Der Ausspruch Ciceros: „memini quae volo, oblivisci non possnm quae nolo“ kann unser erhabener Monarch zum Leitmotiv (Leidmotiv?) seiner glorreichen Regierung variieren: „memini qnae volo. oblivisci possum quae nolo~. Bedenkt man dies und sonst noch mancherlei, werden unzählige inbrünstige Regungen flügge, den Monat, der durch das Geburtsfest unseres Kaisers eine höhere Weihe erhielt, stimmungsvoll e'mzuleiten.... Einige Strophen aus meinen im Jahre 1871 erschienenen Gedichten „Der gröhte Sieg" und „Zwei Küsse" sollen hier, obiges illustrierend, folgen: Der gröhte Sieg. Nennt mir den grötzten Sieg, Der in dem letzten Krieg Von tapsern Männern ward erfochten, Der um ein edles Haupt, Von Lorbeer reich umlaubt, Den schönsten Kranz noch hat geflochten? Sagt an, war's bei Sedan? Wo ganz vergebens rang Der Franken Kaiser zu entfliehen, Wo ein gewalt'ges Heer Trotz aller Gegenwehr In die Gefangenschaft muht ziehen. Hat vor Paris vielleicht Das Gröhte man erreicht, An dessen mächt'gem Riesenwalle? Da Moltkes Feldherrnblick Und Preußens Kriegsgeschick Die stolze Stadt gebracht zum Falle. O nein! der größte Sieg Ward in dem letzten Krieg Auf Frankreichs Boden nicht errungen; «eile 593 Der schönste Lorbeerzweig Gebührt wohl Oesterreich, Weil es sich selber hat bezwungen! Es überwand den Groll, Der ihm zum Herzen schwoll; Die Hand auf seinem Schwerte ruhte. Es hielt, dem Haß entrafft, Getreue Nachbarschaft Dem alten Feind mit edlem Mule. Ob auch die Wunde brannt', Durchwühlt von Frevler Hand, Es könnt' vergessen und vergeben. Die hohe Stirne neig', Mein trautes Oesterreich! Du sollst sie ruhmbekränzt erheben . . . Zwei Küsse. (1865—1871.) Erreicht hat der Alte, was er gewollt, Nach wunderbaren Siegen. O wenn sie auch dem Völkerwohl Ergiebige Früchte trügen! .Wo fand' er auch außer Oesterreich Genossen mit treuerem Sinne, Fest in der Freundschaft, versöhnlich im Haß, Bescheiden beim Gewinne?! Was immer bei der Umarmung gedacht Die Häupter der beiden Häuser, O möchten die Völker der Reiche doch Befolgen das Beispiel der Kaiser! Zusammengehen zu gleichem Ziel Und Frieden für lange Zeilen Und deutscher Stämme Einigkeit — Das soll der Kuß bedeuten! — 8. August. „Per tot discrimina rerum!“ Also Friedensschluß! Es soll nur nicht der farbenprächtige Schmetterling Friede sich in die häßliche Raupe rückbilden: zu einem dritten Balkankriege, zu einem erneuten verdammenswerten Feldzug gegen die höchsten, edelsten, beglückendsten Ideen und Güter der Menschheit und Menschlichkeit! — Noch ist eine „Revision" in Sicht. „Der Friede von Bukarest!" Das tönt aus jüdischem Munde wie ein tiefer schwerer Seufzer. Juda's Kinder können dort ein Lied davon singen: unter blutigen Tränen herzzerreißende Klagelieder, wie am 9. Ab. In den „Randglossen" hieß es: „Diplomaten sind jenseits von Ja und Nein." Richtiger soll es lauten: Diplomaten hängen an jedes Ja ein Nein und an jedes Nein ein Ja — nur zu ihrer Rückendeckung, damit ihre Unfehlbarkeit nicht in die Brüche gehe, um durch die Ereignisse nicht desavouiert zu werden. Sie machen es wie manche Aerzte, denen es nicht so sehr darum zu tun ist, den Patienten zu heilen, sein Leid zu lindern, vielmehr daß ihre Diagnose Recht behalte. Sie können es ihrem leichtfertig aufgegebenen Kranken nicht verzeihen, daß er es gewagt hat, ihrer Prognose zum Trotz weiter zu leben und gesund zu werden. Der unerhörte jähe Zusammenbruch Bulgariens ist darauf zurückzuführen, daß seinem Wahnsinn ohne Methode eine Methode ohne Wahnsinn entgegentrat. Wird dem „Wehe dem Besiegten" des ersten Balkankrieges und dem „Wehe dem Sieger" des zweiten Balkankrieges ein „Wehe beiden" folgen? Indes soll man nicht Wermutstropfen in den Friedensfreudenkelch mischen — wer weiß, wie bald er geleert wird —, vielmehr den Balkaniern, welche zähneknirschend Grimm und Empörung hinunterwürgen und heiser in sich hinein grollen: Kommt Zeit, kommt Rache, eine alte kaum bekannte Parabel zu Gemüte führen: Neben einer Grobschmiede steht die Werkstätte eines Dr. Blochs Wochenschrift

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