Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 33 (15.8.1913)
- Date
- 1913-08-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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'Jir. 33 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 589 her begann er — es waren inzwischen Amnestierungen erfolgt — von neuem eine agitatorische Tätigkeit in Russisch-Polen, Littauen und Galizien, fand aber dort, weil er die sozialistischen Theorien auf jüdisch-nationalen Boden übertrug, bei seinen früheren Freunden keine Gegenliebe mehr. Er widmete sich darauf der Journalistik und schrieb unter den Pseudonymen Sigma, Meta, Zaleski für Warschauer, Lemberger und Posener Blätter. Schließlich wurde der frühere Revolutionär auch ständiger Mitarbeiter konservativer polnischer Zeitungen. Die Verschärfung der Iudenfrage in Polen veranlaßte ihn dann noch zur Gründung seines eigenen Blattes, als dessen Herausgeber er gestorben ist. Stanislaus Mendelsohn war ein Bruder der verwitweten Frau Dr. Anna Karpeles und ein Schwiegersohn des Redakteurs der „Hazefirah", Rahum Sokolow. Der arabische Kongreß und die Juden. Bekanntlich hat vor kurzem in Paris eine Delegiertenkonferenz der Araber aus Syrien und Palästina stattgefunden. Der Hauptzweck dieses Kongresses war, vor ganz Europa die Forderungen der Araber an die türkische Regierung wegen Einführung von Verwaltungsreformen in Syrien und Palästina auseinanderzusetzen. Der Konstantinopler Korrespondent des „Haint" teilt nun ein Gespräch mit dem Präsidenten des Kongresses Zuhrawi mit, in welchem dieser aus die Frage, weshalb während der ganzen Kongreßdebatte immer bloß vom friedlichen Einvernehmen zwischen Arabern und Christen und nicht auch von den Juden die Rede war, die folgende Erklärung abgab: „Wenn die Juden hieraus irgend welche Schlüsse in der Richtung ziehen wollten, daß die Araber den Juden keine Sympathien entgegenbringen, so wären sie ungerecht. Wenn wir in unseren Resolutionen von den Rechten und Pflichten der Syrier sprechen, so sind die Juden schon inbegriffen, denn sie sind unsere Rassenbrüder. Ja, wir betrachten sogar alle Juden als Syrier, die einst das Land verlassen mußten, aber ihr Herz schlägt noch zusammen mit dem unseligen, wir sind sogar sicher, daß unsere jüdischen Brüder in der ganzen Welt stets bereit sein werden, uns darin zu helfen, daß unsere gemeinsame Sache gelinge und unser gemeinsames Land materiell und wirtschaftlich in die Höhe gebracht werde. Und ich kann Sie versichern, daß der größte Teil der aufgeklärten Araber genau so denkt wie ich." Mit Recht setzt der Korrespondent des „Haint" Zweifel in die Ehrlichkeit dieser Worte, indem er seine Korrespondenz mit den Worten schließt: „Inwieweit diese schönen Worte auf Wahrheit beruhen, wird natürlich die Zeit lehren." Jüdische Hoflieferanten des Königs Konstantin. Aus Saloniki wird berichtet: König Konstantin von Griechenland beauftragte dieser Tage den jüdischen Uniformschneider Abram Ergas mit der Lieferung zweier Uniformen. Der König war von der Ausführung dieser Ordrefo. sehr befriedigt, daß er Ergas den Titel königlich-griechischer Hoflieferant verlieh. Aus diesem Anlasse wird berichtet, daß auch der Leibfriseur König Georgs während seiner Residenz in Saloniki ein Jude war. Ausschluß der jüdische Architekten von einem Kongreß. (Ein preisgekrönter jüdischer Architekt.) In Moskau wird demnächst ein Kongreß' russischer Architekten statffinden. Die Regierung hat den jüdischen Architekten aus dem Ansiedlungsrayon, die in Moskau kein Wohnrecht haben,'die Teilnahme an^Wm^HM gresse verboten. Im Zusammenhang, yrjh gewinnt eine andere Nachricht besonderes Interesse. Hiernach hat der jüdische Architekt Nachmann bei der Preiskonkurrenz für den besten Plan eines Romanow-Jubiläums-Versorgungshauses für Adelige den ersten Preis errungen. Auszeichnung eines jüdischen Gekehrten in Rußland. Der bekannte russisch-jüdische Gelehrte I. B. Markon, der, wie erinnerlich, vor kurzem die europäischen Hauptstädte bereiste, um Mitarbeiter für seine in Gemeinschaft mit Dr. I. L. Katzenelsohn herauszugebende hebräische Enzyklopädie zu sichern, wurde, wie uns aus Petersburg berichtet wird, zum ordentlichen Mitglieds der kaiserlichen Archäologen-Gesellschaft ernannt. Es sei bei diesem Anlasse erwähnt, daß die Arbeiten für die Enzyklopädie bereits so weit vorgeschritten sind, daß im Jahre 1914 die ersten zwei Bände dieses Monumentalwerkes erscheinen werden. Der neue Bürgermeister von Odessa. Die Juden von Odessa gehen abermals sehr traurigen Zeiten entgegen. Einer der gefährlichsten Pogromhelden, der aus der Schreckensherrschaft des Generals Tolmatschew bekannte Pelikan, wurde zum Bürgermeister der Stadt gewählt. Pelikan hat sehr viele Ausschreitungen gegen Juden auf dem Gewissen, und die Juden von Odessa fürchten mit Recht, daß für sie jetzt abermals eine Schreckensära herangebrochen ist. Mehrere Odessaer Blätter, welche die Erinnerung an die frühere Pogromtätigkeit Pelikans wachriefen, wurden konfisziert und die Redakteure verhaftet. Für die Erhaltung der Judengemeinde in Serres. Die uralte Judengemeinde von Serres, welche, wie berichtet, der Schauplatz furchtbarer Greueltalen seitens der Kriegführenden gewesen ist, droht vollständig zu zerfallen. Die Juden, welche bekanntlich großen Schaden erlitten haben, flohen panikartig aus der Stadt und wunderten nach Saloniki, manche auch nach Konstantinopel aus. Die Juden in Serres bildeten stets eine wichtige Handelserpositur des Hinterlandes von Saloniki, deren Existenz und Weiterbestand gerade bei der künftigen Gestaltung der Verhältnisse in Saloniki für die dortigen Juden und die Aufrechterhaltung ihrer Handelsbeziehungen mit dem Hinterlande geradezu ein Lebensinteresse bilden. Aus diesem Grunde haben die Salonikier Juden an das Rabbinat in Serres den dringenden Appel gerichtet. die Auswanderung der Juden von dort mit allen Mitteln hintanzuhalten, und gleichzeitig versichert, daß alles aufgeboten werde, um die Häuser der Juden wieder aufzubauen und ihnen die Fortsetzung ihres bisherigen Berufes zu ermöglichen. Die Aktion in dieser Richtung, insbesondere die Wiederheimbeförderung der flüchtigen Juden aus Serres ist bereits energisch begonnen worden. Vermischtes. Der Geburtstag des Kaisers. - t$mvw ..ioirtuioo 'Mutt, Anläßlich des A l l e r h ö ch