Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-08-08 · 32 (8.8.1913) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
32 (8.8.1913)
Date
1913-08-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3022035-3022068--22361-3047503
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Sette 574 au. 32 Dr. Plochs Wochenschrift Zuckerlfest i« Savanyukut (Sauerbrunn). Der Mädchen- und Frauenverein „Krankenbesuch" (Bikur Chanlim) I., Seitenstettengafse 4, veranstaltet am Sonntag den 10. August l. I. in Savanyukut (SauerLruun) ein Zuckerlfest mit abwechslungsreichem Programm. Mit Rücksicht auf den Umstand, daß das Reinerträgnis dieser Veranstaltung, den eminent Humanitären Zwecken des Vereines zugeführt wird, erhofft der Vereinsvorstand eine rege Teilnahme an diesem, der Fürsorge der jüdischen bedürftigen Krauken gewidmeten Festivität. Zuaim. Sonntag, den 3. August fand die Wahl des zweiten Wahlköipers der hiesigen Kultusgemeinde unter einer bis jetzt unerreichten regen Beteiligung der ganzen Wählerschaft statt. Gewählt wurden in den Kultusausschuß: Heinrich Lauser, Philipp Much, Josef Tandler, Samuel Scheuer, Karl Minkus. Als Ersatzmänner: Arnold Zweigenthal, Josef R o s e n f e l d. In den verstärkten Ausschuß: Aron Scheuer, Ignaz W a l l i s ch, Jakob Schön, Johann Wertheimer, Friedrich Haas. Chrzanow. Am 17. Juli fand hier die Hochzeit der Tochter unseres Vorstehers der hiesigen israelitischen Gemeinde statt, welches Fest die ganze Gemeinde mitseierte, da sich Vorsteher Perlbergcr allgemeiner Achtung erftent. Der als Gast hier weilende Schwiegersohn des Festgebers, Oberkantor Giblichmann vom neuen Kaiser Franz Josef-Huldigungstempel, hielt am darauffolgenden Samstag im Tempel einen Vortrag, welcher von Seite des zahlreich erschienenen Publikums mit großem Beifall ausgenommen wurde. Austerlitz. Am 22. Juli d. I. wurde Herr zur. cand. Rudolf Strach, Sohn des Herrn Josef Strach, Vorstehers der israelitischen Kultusgemeinde, nachdem er die Prüfungen mit Auszeichnung bestanden hat, an der Wiener Universität zum Doktor der Rechte promoviert. Hoftulliguar Albert Pollak. Salzburg, den 4. August 1913. Herr k. n. k. Hofantiquar Albert Pollak, der Nestor unserer Kultusgemeinde, der erste Glaubensgenosse der Neuansiedlung der Juden in Salzburg, hat dieser Tage in seltener geistiger und körperlicher Frische sein 80. Wiegenfest gefeiert. Aus bescheidenen Anfängen hat er es im Laufe der Jahre nicht nur zu Wohlstand und Ansehen als Kaufmann gebracht, sondern sich auch die Hochachtung der nächsten und weitesten Kreise errungen. Unter den denkbar schwierigsten Verhältnissen schlug er vor zirka 50 Jahren sein Domizil in dem bis dahin den Juden gänzlich verschlossenen salzburgischen Gebiete auf. Durch sein taktvolles, konziliantes Benehmen hat er es dahin gebracht daß er schon vor 40 Jahren Bürger der Landeshauptstadt Salzburg, Ehrenmitglied einer großen Anzahl von Vereinen und Körperschaften werden konnte und — als Hofantiquar Sr. Majestät, unseres Kaisers und anderer Souveräne — die Anerkennung und Auszeichnung hoher und höchster Kreise erreichte. Welcher Wertschätzung er sich erfreut, haben die seltenen Gratulationen bewiesen» die ihm zu dem in Rede stehenden Anlaß zugekommen sind, so ein überaus warmes Telegramm von Sr. kais. Hoheit Erzherzog Ludw. Viktor in Kleßheim, dem Bürgermeister und der Stadtgemeinde-Vorstehung Salzburg u. a. m. Die Salzburger Tagespresse hat gleichfalls den würdigen Achtziger nach Gebühr gefeiert. Wahrlich ein Hid.iusch Haschein um so eher, als Herr Hofantiquar Pollak nicht nur der erste Jude, sondern auch der erste Gründer einer jüdischen Gemeinschaft in Salzburg ist, deren Wohl und Wehe stets als seine innigste Herzenssache betrachtet hat. Nicht unverdient hat Sr. Ehrwürden, unser Rabbiner Dr. Altmann, in seinem jüngsthin erschienenen Werke: „Geschichte der Juden in Stadt und Land Salzburg" den Namen des Gefeierten in sinniger Weise verewigt und ihm, wie wir hören, außerdem noch im 2. Bande seines Buches die gebührende geschichtliche Würdigung Vorbehalten. Die Gratulation des Herrn Erzherzogs Ludw. Viktor lautet: Herrn Hof-Antiquar Albert Pollak Schloss Klessbeim. Westbahnstrasse S. Seine kaiserliche und königliche Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog Ludwig Viktor beauftragt mich, Euer Wohlgeboren zum 80. Geburtstage höchsthesten Glückwünsche zu übermitteln. K a d 1 i c, erzherzogl. Sekretär. Der Herr Bürgermeister schrieb: Salzburg, den 2. August 1913. Oer Bürgermeister der Landeshauptstadt Salzburg. Seiner Wohlgeboren Herrn Albert Pollak k. u. k Hof-Antiquar in Salzburg. Ihr bevorstehendes 80. Wiegenfest nehm^ ich mit Vergnügen zur Gelegenheit, um Ihnen aus diesem Anla-se die besten Glückwünsche zu übermitteln. Es ist als seltene Gunst des Schicksals zu bezeichnen, wenn es, wie Ihnen, einem Manne vergönnt ist, im Vollbesitze geistiger und körperlicher Frische den 80. Geburtstag zu feiern. Möge Ihnen das Bewußtsein, dass Sie als einer der ältesten Geschäftsleute in der Landeshauptstadt Salzburg, sich im Laufe Ihrer Tätigkeit einen ehrengeachteten Ruf und die allgemeine Wertschätzung erworben haben, zur besonderen Genugtuung und Freude gereichen. Der Bürgermeister: M. Ott. Herr Erzherzog Eugen hat sich nicht nehmen lassen, iden greisen Jubilar persönlich zu beglückwünschen. Cellist Hofrat Popper, Aus Budap.st, 6. d., wird telegraphiert: Der Kaiser hat dem berühmten Cellisten und Professor an der ungarischen Landesmufikakademie David Popper in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um die Musik und die Musikpädagogie den Titel eines königlich ungarischen Hosrates taxfrei verliehen. Ein arisch-christliches Knlturbild. Aus Trcncsin wird telegraphiert: Der beim Trencsiner Honvedinfanterieregiment Nr. 15 eingeteilte Hauptmann Josef Zsitvay ging heute zeitlich früh in der Umgebung der Gemeinde Tornyos in Zivilkleidern botanisieren. Plötzlich stürmte eine Schar von mit Sensen, Aexten, Schaufeln usw. bewaffneten Bauern gegen den Offizier und schlug den Wehrlosen nieder. Ec wurde in die Gemeinde geschlrppt und hier ihm vorgehalten, daß er „sicherlich für die neue Synagoge in Trencsin — christliche Opfer gesucht" hatte. Er bewies den Fanatisierten, daß er kein Jude sei, worauf man ihn freiließ. Hauptmann Zsitvay verband seine blutenden Wunden und ging zur Gendarmerie. Diese verhaftete sogleich sechs Burschen. Statistisches aus der größten Judengemeinde in Europa. Laut den soeben veröffentlichten statistischen Daten des Warschauer Oberpolizeimeisters haben am verflossenen Neujahrstage in Warschau insgesamt 317.817 Juden gewohnt, und zwar 156.941 Männer und 160.876 Frauen. Die Juden bilden in Warschau 37.61 Prozent der Gesamtbevölkerung, Änräer wurden im ganzen 52 gezählt, und zwar 30 Männer und 22 Frauen. . Feuilleton. Preßkurg und Frankfurt. Von Dr. Alfred Fürst. Nicht verklungen ist in unseren Ohren noch der Schrei, der vor Wochen durch den nicht bloß jüdischen Blätterwald schallte: „Das Preßburger Ghetto ist abgebrannt!" Ein Schrei wie aus dem Mittelalter und die Rettungsaktion doch so demokratisch neuzeitlich! Bis heute krümmen sich langgezogene Spendenkolonnen durch die Zeitungen verschiedenster Ordnung und Orte für die Hab und Haus, Existenz und Erwerbsmöglichkeit Verlorenen. Große Listen mit kleinen Beträgen, zum großen Teile von „gewesenen Preßburgern", die jetzt nach Möglichkeit der liebgewordenen Stätte Dank und Hilfe zollen. Ob wohl daraus ein neues Ghetto sich' wieder erheben wird? Das Preßburger Ghetto, die „Gaffe", war — wie jedes ähnliche Quartier — ein Erzeugnis seiner Zeit. Von der Stadt bis an und außer die Grenzmauern gewiesen, lehnte und klammerte es sich den Schloßberg, den Sitz der Könige und Magnaten hinan, um dort im Schatten der Mächtigen sein mehr bewegliches als beschauliches Leben zu führen. Die Herrlichkeit ging dahin. Die pittoresken Schloßruinen der Maria Theresianischen Königsburg blickten manchmal wohl sinnend in die zu ihren Füßen lagernde Judenstadt hinab, die ohne

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.