Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 31 (1.8.1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Br. 31 Bloch’s Fichrglmg xxx Zentraloroan für die gesamten Unteressen des Judentums, o<? (? <S : --~"—Ü O Ä. k PoWPcsrkaffrMMk Q leartngk-Verkebr «r. 810.976. RedaMon und Administration. (. W i x n ll/i, Praterstraße 9 l, Telefon 14847 oP .- - -- O DO Wien- 1. Anglist 1913 : Brscbetnt jeden Freitag, i Brief-Adiesse: Wien» ll/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adreffe: Bloch's Wochenschrift, Wien. oo ■ ■ p Verugsprria Tür Vrstrrrrirtz: Haldjäbrig d Kronen: Linzeleremplare 56 Hellem. Für'» Ausland: Halbjährig 16 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die nal gespal» lene Pelilzeile 4h Heiler. C oP — .-Q o Inhalt: Leitartikel: Das Bürgerrecht der jüdischen Soldaten Rumäniens. — V om Jahrmarkt des Lebens: Ernst Schneiders selige Erben Ein Kongreß sür die Menschenrechte der nrssischen Juden. Geheimrat Profesior von Wassermann. Staatsminister Asser. Von den finnländischen Inden. General Lambert. Von den Sabbatariern in Sibirien. Eine Synagoge aus dem Jahre 1579. Priester- Vergötterung. Opfer van Anstvanderungsagenten. Katholische Zwangstaufen in Rußland. Eine Hilfsaktion sür die Opfer des dritten Balkankcieges in Saloniki. Jüdische Karikaiuren aus dem Jahre 1848. — Korrespondenzen: Jüdische Ehrlichkeit. Humaner Akt eines Fürsterzbrschofs. Keine Reklame für Karlsbad. Eine interessante Stiftung. Ter Mohr hat seine Pst cht getan . . . Ein Ritualmordmärchen in Ungarn. Eine überfallene jüdische Deputation. Casablanca. Vergewaltigung jüdischer Mittelschulen. Russische Brürkierung eines Mitgliedes der Petersburger Kaiserlichen Oper. Ein Rtsüs des Odessaer Gemeiuderates. Sollen jüdische Gelehrte zu Kongressen nach Rußland gehen? Der neue Bürgermeister von Odessa. W,nn die russisch-jüdischen Emigranten frei werden. Amerika. Juden in der Verwaltung am Kap der guten Hcffiung. In der Galvestoner Emigration. Eine jüdische F.eiwilligenbrigade in Amerika. — Vermischtes. — Feuilleton: Der jüdische Witz. — Literatur. — Briefkasten. — Aufruf. — Inserate. Das Bürgerrecht der jüdischen Soldaten Rumäniens. Bei der kriegerischen Umwälzung ist auch eine jüdische Sonderfrage aufgetaucht. Juden kämpfen in allen Heeren der Balkanstaaten in großer Menge und ihre begeisterte patriotische Beteiligung widerlegt wieder einmal historisch und heroisch alle schmutzigen antisemitischen Lügen vom Separatismus, von der Solidarität und der Feigheit der Juden. Das betrachten wir als selbstverständlich und davon würden wir nicht einmal reden. Die Juden genießen in den Balkanländern bürgerliche Rechte und erfüllen daher auch ihre patriotischen Pflichten. Die Ausnahme, die festzuhalten ist und noch weitere Folgen haben soll, findet allein in Rumänien statt. Hier leben bekanntlich die Juden in einem erbarmungswürdigen Ausnahmszustand und werden künstlich im moralischen und materiellen Elend erhallen. Trotz aller Verpflichtungen im nun schon berüchtigten, weil brüchigen Artikel 44 des Berliner Vertrages hat die rumänische Regierung ihre Juden nicht emanzipiert, ihnen keine Spur von Recht gegeben. Die Juden werden vor dem Gesetze als Ausländer betrachtet und behandelt, dürfen weder Ackerbau noch die Gewerbe betreiben, können keinen liegenden Besitz erwerben und müssen sogar als Zeugen in einer demütigenden Weise schwören. Wenn die Bauern mit der Politik oder der Ernte unzufrieden sind, so werden ihnen einfach die Juden preisgegeben und die Chronik der letzten Jahre enthält massenhaft blutige Vorfälle, welche der Kultur unseres Jahrhunderts spotten. Trotz diesen Zuständen und der Sklavenbehandlung müssen die Juden natürlich nicht nur Steuern entrichten, sondern sie werden auch zu Kriegsdiensten, herangezogen. Diesmal durchaus nicht das erstemal. Schon bei den Kämpfen gegen die Türken an der Seite der Russen war das jüdische Aufgebot im siegreichen rumänischen Heere sehr stark und seine Tapferkeit hat alle Anerkennung gefunden. Das Lob hat jedoch durchaus keinen Lohn gebracht. Rach wie vor können die jüdischen Soldaten im rumänischen Heere auch nicht den niedrigsten Chargengrad erreichen und Leute mit akademischen Graden müssen ohne jede Aussicht auf Beförderung als Infanteristen dienen. Noch unter den Fahnen tobt sich nach zuverlässigen Berichten die antisemitische Laune der Offiziere und Kameraden an ihnen aus, und wenn dann die Juden wieder ins bürgerliche Leben zurückkehren, so sind sie entrechtete Sklaven in der Hand jedes Buben wie zuvor. Daran hat man jetzt gedacht, als Rumänien mobilisierte, um bei dem bedrängten Bulgarien seine Ansprüche durchzusetzen. Bis jetzt war es ein Marsch und kein Krieg, aber es hätte auch anders kommen können, und es kann noch anders kommen, wenn die Drohung gegen die Türken wegen der Besetzung Adrianopels zur Wahrheit werden sollte. Jeder Soldat im rumänischen Heere muß darauf gefaßt sein, daß ihn die Kugel des Feindes erreichen kann. Natürlich auch die Juden. Man hat nun das furchtbare Mißverhältnis zwischen der patriotischen Leistung der mobilisierten jüdischen Soldaten und ihrer bürgerlichen Stellung erkannt und ist wenigstens in der Theorie darauf zu sprechen gekommen, vielleicht in der Absicht, dah sich die jüdischen Kämpfer für Rumänien nicht ganz als mißhandelte Schlachtopfer fühlen. Im Senate hat der Beisitzer Lahovarp über die Stellung der Juden in der Armee und in der inneren Politik des Landes interpelliert und der Finanzminister Marghilaman hat namens der Regierung darauf eine Antwort gegeben. Er hat gesagt, daß man es den aus dem Kriege heimgekehrten jüdischen Kriegern möglichst leicht machen werde, die rumänischen Bürgerrechte zu erlangen. Das ist natürlich eine nichtssagende Aeußerung, von welcher man nur allzu wenig praktische Folgen erwarten darf. Wenn es der rumänischen Regierung auch nur ein bißchen Ernst mit der einfachsten Gerechtigkeit wäre, so würde man nicht sagen, daß man den Uebertritt der gewesenen Soldaten erleichtern wird, sondern man hätte angeben müssen, daß eine diesbezügliche Gesetzvorlage in Vorbereitung ist und daß man diese in der nächsten Zeit einbringen werde. Dann hätte man ge-