Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 30 (25.7.1913)
- Date
- 1913-07-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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pgwjttjwwfpthrn r^»fT^iHiiTririiifiTirrirfiiiinriiiaf nn« »- - - - Nr. 30 Oß», Bloches Irchrg-ng XXX Zentralorgan für die gesamten tinteressen des Judentums -„ □- Wim- 25. Jnli 1913 : Lrscbetnt jeden Fretlsg. i Brief-Adresse: Wien, llji, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wie«. Inhalt: Leitartikel: Ernst Schneider. — Der antisemitische Schulverein. — Trauermusik. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Sand in die Augen. Baden. Der Familienname Weil. Sind die Juden eine kriegerische Rasse? Professor Metschnikoff Refus. Die „christliche Synagoge". „Wäre ich Jude." Masfenauswanderungen der Juden ous Saloniki. — Korrespondenzen: Fünfzigjähriges Doktorjubiläum des Präsidenten JUDr. Arnold Rosenbacher. Ein ganzes Dorf trauert um einen Juden. Ein Bischof über die Marmoroser Juden. Aufruf. Großherzoglich Hess. Bad Nauheim. Alliance. Protest gegen die Ritualmordlüge in Rußland. Preisgekrönte Schrift. Das französische Parlament für die Juden in Marokko. Die polizeiliche Judenhetze in Kiew. — Vermischtes. — Feuilleton: Der jüdische Witz. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. 0 0 - .- ' - .-=1?C O Vexugsprri» für Drkkrrrrirh: C Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig lü Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die mal gespal» ö tene Pelitzetle 4» Heller. nP . - — 0 3 M. K Vostsparkaffrnnml Slearlng-Verk ebr «r. 610.976. Redaktion und Administration. <s wir« 9/i, Praterstraße 9 Telefon 14847 Ernst Schneider. Mit Ernst Schneider, der als kleiner Agitator angefangen und als reicher Fabrikant und als wohlbestallter Schulreferent des niederösterreichischen Landesausschusses gestorben, ist einer der Schöpfer der antisemitischen Partei zu Grabe gebracht worden. Er war eine der widerwärtigsten Erscheinungen im politischen Leben Oesterreichs. Allein die Partei, die er wesentlich mit hatte schaffen helfen, konnte nur durch solche Persönlichkeiten ins Leben gebracht werden. Jahrelang hat er in den Wirtshäusern der Vorstädte die antisemitischen Hetzereien betrieben, bis feudale Aristokraten sein Talent erkannten und ihn als Agitator für ihre Zwecke verwendeten. Er wurde der vertraute Freund des Grafen Egbert Belcredi und des Prinzen Alois Liechtenstein, er kam in den niederösterreichischen Landtag und in den Reichsrat. Im offenen Parlament ergötz sich der Strom des Unflates auf Parteien, blassen, Rassen. Und die liberalen Schafe duckten die Häupter, drängten sich, dicht aneinandergepaart, zur Türe hinaus zum ruhigen Buffet, in den lauschigen Rauchsalon und Netzen Ernst Schneider einen guten Mann sein. Wir erinnern an die Zeit, wo es einzig und allein Doktor Bloch war, welcher den Mut hatte, dem Ernst Schneider gegenüber zu treten und Schlag auf Schlag, das was dieser Mensch in seiner Unverfrorenheit vorbrachte, sofort zu berichtigen. Schneider ging so weit, die Einführung eines Schutzgeldes für Juden in Oesterreich vorzuschlagen. Als „einzig richtiges Rezept in bezug auf die Behandlung revolutionärer Erscheinungen in Rußland" erklärte er: „So oft in Rutzland ein Attentat im Interesse der .Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit verübt wird, zerniere man irgend eine Juden st adt und schietze in dieser Stadt alles zusammen, was jüdisch ist. Nicht nur Rutzland, die ganze Welt würde daran profitieren, und die ganze Welt wird dem Zaren, der dies versuchte, zum ewigen Danke verpflichtet sein." Allein in den Anfängen seiner Agitation unterhielt er selber intime Verbindungen mit den Anarchisten. Aeltere Zeitgenossen erinnern sich vielleicht an die Ermordung des Wechselstubeninhabers Eisert durch Stellmacher, an den Mord des Polizeibeamten Blöch in Floridsdorf, an die Mordtaten eines Kämmerer, an die von Anarchisten gelegten Brände in der Rossau, an den Prozeß gegen den Anarchisten Peukert, von dem die Geschworenen sich haben düpieren lassen. Die ganze Sippe bestand durchwegs aus arischen Verbrechern, und eines Tages brachte der damalige Reichsratsabgeordnete Dr. Bloch im Parlament eigenhändige Briefe des Ernst Schneider zur Verlesung, aus welchen hervorging, datz dieser mit Anarchisten aller intim ste Beziehungen unterhielt. In einer Wählerversammlung der fünften Kurie in Meidling versprach er den Wählern (Jänner 1897) im künftigen Reichsrat einen Gesetzentwurf einzubringen, datz den Juden das aktive wie das passive Wahlrecht zu nehmen sei und datz jede Beteiligung von Juden bei der Wahlhandlung mit dem Tode durch den Strang zu ahnden wäre,' datz er selbst solle zum Urteilsvollstrecker bestimmt werden. „Mich selbst soll man aufhängen," fuhr Schneider fort, „wenn ich nicht mit vollem Eifer meines Amtes walten werde." Er erklärte sich bereit zur Henkersarbeit. Dabei hatte er am 23. Jänner 1894 im n.-ö. Landtag den Antrag gestellt, das „Schächten" der Tiere nach jüdischem Ritus zu verbieten — wegen Tierquälerei. Seine Agitationen überschritten alle Grenzen der Gesetze und Dr. Bloch rief ihm einmal zu, datz er es lediglich „der Nachsicht des österreichischen Staatsanwaltes zu danken habe, datz er frei herumlaufe". Er gehöre nicht „in das Hohe Haus, sondern in das Graue Haus", und als Schneider einmal die Pretzleute ordinär beschimpfte, erhielt er von Dr. Bloch zur Antwort: „Ja, meine Herren, sehen Sie sich um unter den Koryphäen der antisemitischen Partei — wie viel sitzen nicht schon drin? (Lebhafte Heiterkeit.) Glauben Sie ernstlich, meine Herren, daß dies Ihr Privilegium ist? „Es mögen ja in der Presse schlechte Individuen sein, aber kann denn ein Stand dafür? Ist denn überhaupt ein Stand in der Lage, einzelne schlechte Individuen abzustoßen?