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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-06-27 · 26 (27.6.1913) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
26 (27.6.1913)
Date
1913-06-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 26 Dr. Blochs Wochenschrift Sette 479 Bad Pyrawarth in Niederösterreich, eines der ältesten natürlichen - Eisenbäder, nimmt seit einigen Jahren unter der Leitung eines tüchtigen Wiener Frauenarztes einen bemerkenswerten Aufschwung. Der Umbau und die moderne Einrichtung des alten Kurhauses und der eben vollendete Neubau einer mit allem Komfort ausgestatteten Dependance befriedigen bei mäßigen Preisen auch ein verwöhntes Kurpublikum. Die günstige Lage des Kurortes an einer Nebenbahn der Nordbahn (Landesbahn Gänserndorf—Mistelbach) ermöglicht dessen leichte Erreichbarkeit aus den angrenzenden Kronländern und bewirkt, daß es gerne an Stelle von Franzensbad, dem es an Heilwirkung gleichkommt, aufgesucht wird. Es dürfte auch interessieren, daß die rührige Direktion sich bemüht, den in anderen Kurorten mehr oder minder versteckt auftauchenden Antisemitismus von Bad Pyrawarth sernzuhalten. Für rituelle Küche ist durch den Verkauf von Koscherfleich gesorgt. Lobofitz a. E. (Böhmen). (R a b b i n e r w a h l.) Sr. Ehrw. Herr Dr. Salomon Frankfurter, derzeit Rabbiner der israelitischen Kultus gemeinde Lobvfitz a. E. (Böhmen) wurde zum Rabbiner der israelitischen Religionsgesellschaft „Adaß-Jisroel" in Königsberg i. Preußen berufen. Herr Dr. Frankfurter ist ein Schüler des Rabbiner-Seminars zu Berlin und hat vorher an dem jüdischen Lehrer-Seminar in Köln a. Rh. als Dozent für die hebräischen Disziplinen gewirkt. Bisenz. Bei der letzten Wahl der Chewra-Kadischa wurde Herr D. Sträußler, Kaufmann, zum Obmann gewählt. Eine jüdische Deputation bei einem Bischof. Man schreibt aus Z o m b o r: Dieser Tage besuchte der Kolocsaer Titularbischof Dr. Victor Horvüth auf seiner Firmungsreise auch die Stadt Obccse, bei welcher Gelegenheit er eine Deputation der jüdischen Gemeinde empfang, in deren Namen der Präses Josef Freund den Kirchenfürsten warm begrüßte. Der Bischof dankte der Deputation für das Erscheinen und wies auf die Nächstenliebe ohne Unterschied der Konfession hin. Im Laufe des Gesprächs hob Propstpfarrer Franz Jauch die Munifizenz des Gemeindepräses Freund hervor, der 40.000 Kronen zur Errichtung eines Armenasyls spendete. Der Bischof zollte dem edlen Wohltäter Worte warmer Anerkennung. Oderberg (Bahnhof). Am 18. d. M. wurde Fräulein Stefanie Schnitzer, Tochter des Herrn David Schnitzer aus Krakau, an der Aula der Jagel. Universität zum Dr. der Philosophie promoviert. Das Fräulein ist 23 Jahre alt, ein Beweis mit welchem Eifer sie ihrem Studium oblag, wir rufen ihr auf diesem Wege „viel Glück zu ihren ferneren Erfolgen zu". Aus Leyden wird gemeldet: Aus Anlaß der bevorstehenden Einweihung des Haager Friedenspalastes hat der Senat der Universität dem Wiener Schriftsteller Alfred H. Fried, der im vorigen Jahre durch den Nobel-Preis ausgezeichnet wurde, den Titel eines Doktors der Staatswissenschaften honoris causa verliehen. Dieselbe Auszeichnung wurde dem holländischen Staatsminister und Bölkerrechtsgelehrten Professor A s s e r zuteil. Köln. Das Rabbinat der Kölner Synagogen-Gemeinde hat an den neugewählten Erzbischof von Köln Dr. Felix von Hartmann ein Begrüßung?- und Glückwunschschreiben gerichtet und dabei auf die unter den früheren Erzbischöfen von Köln bestehenden friedlichen Beziehungen zu den Juden der Diözese hingewiesen. Darauf hat der Erzbischof folgende Antwort erteilt: Köln, 20. Juni 1913. Einem verehrlichen Rabbinat der Kölner Synagogen-Gemeinde beehre ich mich für das liebenswürdige Schreiben vom 17. d. M. meinen verbindlichsten Dank auszusprechen. Es wird stets mein Bestreben sein, soviel an mir liegt, dafür Sorge zu tragen, daß das friedliche Zusammenleben der Staatsbürger in meiner Diözese durch religiöse Streitigkeiten nicht gestört werde. Es gereicht mir zu nicht geringer Freude, aus Ihrem gefälligen Schreiben zu entnehmen, daß Sie sich mit mir in diesem Streben begegnen. Felix von Hartmann, _Erzbischof von Köln. zfeuMeton. Der jüdische Witz. Von kgl. Bibliothekar Dr. Heinrich Loewe, Berlin. (Fortsetzung.) Als der erste Schritt zur Taufe gilt mit Recht das Verlassen der alten Ueberlieferung, und wäre es auch nur mit einem i-Tüpfelchen. Denn weite 'Kreise haben es nicht verstanden, die uns so einfache, andern aber unendliche schwierige Vereinigung moderner Bildung mit dem alten angestammten Iudentume zu finden. Die überfrommen Kreise des östlichen Deutschland, die in dem kleinsten örtlichen Brauche ein Heiligtum sähen, weil sie, so viel sie sonst mit den Iuden Polens gemeinsani hatten, nicht wie diese über ein jüdisches Wissen verfügten, waren nicht imstande, ihre jüdische Gesinnung ihren Kindern einzuimpfen. Denn die große Verehrung, die die Juden „der Bildung" entgegenbrachten, ließ diese frommen Eltern den Kindern ungebildet erscheinen, und zwar um so mehr, als sie selber allerhöchstens zu den Halbgebildeten gehörten. Sie glaubten aber, um so mehr den Gipfel moderner Kultur erklommen zu haben, sahen in ihren Eltern gleichseitig die Vertreter der Unkultur und des Judentums, und um vollgiltige Bildungsmenschen zu sein, verließen sie das Judentum, das ste für zurückgeblieben hielten, eben weil sie es nicht kannten. Bei solchen Juden bildete die kleinste erste Abweichung vom uralten Herkommen, vom geringsten örtlichen Minhag (Brauch) den ersten Schritt zu einem unaufhaltsamen Abfall vom Iudentume. Die Söhne der seit Jahrhunderten wirklich gebildeten Familien dagegen halten es nicht nötig, um gebildet zu fein, das Judentum wegzuwerfen. Deshalb nimmt man ohne weiteres in West- und Süddeutschland an, daß der „Pollack", d. h. die aus Posen stammenden ostelbischen Juden, in ihrer alten Heimat fromm! sind, aber sich schmadden lassen, wenn sie ihre Heimat verlassen, wie die Made, die koscher ist. so lange sie im Käse sitzt, aber tteife wird, sobald sie aus ihrem Kees (Käse) herauskriecht. Zuweilen nimmt daher auch die Ablehnung der Assimilationsbestrebungen der Juden eine solche Form an, daß sie entweder über das Ziel hinausschießt, oder in einer bewußten jüdischen Handlungsweise, die aber modern isj eine Abkeh vom Iudentume sieht, die mit anderen Dingen zusammengestellt wird, welche wirtlich ein Perlassen alter jüdischer Tradition bedeuten. So wird in Kattowitz als Klimar der Assimilationsbestrebungen folgender niedliche Ausspruch überliefert: „Der Tate (Vater) Hot sich rasiert, der Sühn räuchert on Schabbes, der Einikel (Enkel) wird awadd-e (sicherlich) gor lernen Dikdek (Grammatik, natürlich hebräische)." In Schlesien, wo zuerst die deutschen Juden eine größere höhere Stufe deutscher Bildung in größerer Zahl einnehmen, von wo die Zedner und Loewe. Oetiinger und Sachs, Munk und Jeschaja Berlin ausgingen, wo der Kampf um die Bildung um ein Jahrhundert früher gekämpft wurde, als im übrigen östlichen Deutschland. hat man zuerst den witzigen Spott über komische Assimilationsversuche gefunden und mehrere Personen geschaffen, an die man die typischen Witze dieser Art antnüpft. Aber keiner von ihnen erfreut sich so allgemeiner Beliebtheit wie „Schottländer", der in Breslau lokalisiert ist und von dem eine ungeheure Menge von

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