Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 26 (27.6.1913)
- Date
- 1913-06-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 26 Dr. Vlochs Wochenschrift. Seite 477 Rosenthal 20.—, Arnold Schmeichler 20.—, Familie Specht 10.—, Alphonse Neumann, Berlin 10.—. Zusammen Kr. 950.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Sofie Freund: Oberstabsarzt Dr. Scheff und Frau Kr. 10.—, Sandor Funk 10.—. Zusammen Kr. 20.—. Talmud-Thora, Wien, XV. Als Kranzablösung bei dem Leichenbegängnis des Herrn Isidor Gehlbard gingen genanntem Vereine von Herrn Redakteur Philipp Herzog 50 Kronen zu. Aufruf zur Gründung einer jüdischen Verlags gesellschaft auf genossenschaftlicher Basis. Und es, verwundet durch unsere Vergehen, gediückt durch unsere Sünden, — deinen h unseres Frhdens- Einigungsband auf ihm und in seiner Gemeinschaft wird uns Heilung werden. Jesuh 58, 5. Juden! Es ist eine ernste, dringende und heilige Sache, in welcher wir uns heute an Euch wenden. Es gilt, unseren enormen Geistesschatz, unsere einzig dastehende jüdische Literatur vor sicherem Untergänge zu bewahren. Während jedes Volk sein geistiges Eigentum hütet und pflegt, während jede menschliche Organisation die Erzeugnisse ihres psychischen Schaffens allen ihren Mitgliedern zugänglich zu machen strebt, lassen wir unser hehres jüdisches Schrifttum, das viele Tausende von hervorragenden, erlesenen .Werken umfaßt, vergilben und zugrunde gehen, lassen wir das Leoenswerk unserer Größten unbarmherzig der Vergessenheit und Verschollenheit anheimfallen. Gehet nur einmal in eine der größeren jüdischen Bibliotheken und haltet dort Umschau auf diesen Friedhöfen unserer jüdischen Literatur. Ihr werdet dann das schmerzliche Wunder erleben, zu sehen, wie die im Eolus mühsam gesammelten Schätze versinken und in Staub zerfallen, während draußen der Abfall grassiert, während unsere Jugend täglich mehr und mehr dem Judentum entfremdet wird — weil sie es nicht kennt. Diesen Zuständen zu steuern, haben wir uns die Erhaltung und Verbreitung unseres jüdischen Schrifttums zur Ausgabe gesetzt. Unserer Heranwachsenden Jugend, welche von einer mächtigen religiösen Bewegung erfaßt ist, die sich mit allen Fibern nach nach dem verlorenen religiösen Glück zurücksehnt, die den Glauben besitzt, der jedoch die Kunde fehlt, wir wollen ihr den Rückweg zum alten ewigen Judentum ermöglichen unb ebnen. Wir werden unser Augenmerk auf zwei Ziele konzentrieren,- einmal wollen wir unser jüdisches Schrifttum durch systematische Verbreitung gediegener und billiger Volksausgaben dem jüdischen Publikum — soweit es noch für Judentum Interesse bekundet — näher bringen, wollen wir unsere nationale Literatur aus der Diaspora der Bibliotheken und des privaten Besitzes sammeln, sichten und einem möglichst weitem Kreise vertraut machen; andererseits soll den jüdischen Autoren zu günstigsten Bedingungen Gelegenheit geboten werden, diese nationale Literatur zu bereichern und zu befruchten. Beide Ziele sind von gleicher Bedeutsamkeit, von gleicher ethisch-jüdischer Höhe und von zu zwingender Notwendigkeit, als daß derselben das Wort geredet werden müßte. Es handelt sich hier keineswegs darum, die Liste der Verlagsgefe.lschaften um eine zu vermehren oder die unübersehbaren Bücherkataloge zu bereichern, sondern es handelt sich um Sein oder Nichtsein, um Bestand oder Unbestand Eures Judentums. Solange das Ghetto uns umfing, solange seine Mauern auch die Grenzen unserer Gedankenwelt bedeuteten, waren wir vor Entfremdung und Assimilation geschützt. Heute, da uns ein ganz und gar unreligiöses, unjüdisches Leben umbraust, kann uns nur ein eiserner Wille, ein starkes jüdisches Innenleben und Selbstbewußtsein, die Sättigung mit jüdischem Wissen dem Judentum erhallen. Wenn Ihr nicht wollt, daß die ehrwürdige Reihe der Ahnen, die vor Gott und im Judentum lebten, gerade bei Euch und durch Euch unterbrochen werde und sich in einer unjüdischen, thorasremden Jugend in das ertreme Gegenteil ihrer Lebensbestimmung umkehre; wenn ihr nicht wollt, daß in fünfzig Jahren Eure Tempel als Pagoden der ausgestorbenen „Frommen" gezeigt werden, daß Eure Gebetbücher, Eure Tefillin und Mesusoth Euren Kindern nichts mehr als pietätvolle Andenken bedeuten; wenn Ihr nicht wollt, daß Eure Kinder und Enkel gedankenlos das zerstören, was unser Volk in zwei Jahrtausenden mit seinem Leben aufgebaut, mit seinem Herzblut, mit seinen Tränen und Seufzern besiegelt und geheiligt hat; dann dürft Ihr nicht länger teilnahmslos mitansehen, wie unsere Jugend ihrem jüdischen Sein entwurzelt und um. ihr Judentum betrogen wird, wie sie heranwächst, ohne von demselben eine Ahnung zu haben, ohne hebräisch lesen zu können. Dann zeigt dieser Jugend, was sie mit ihrer Religion verliert, was sie mit ihrem Judentum aufgibt und wenn sie es dennoch verschmäht, werdet Ihr wenigstens Eure Pflicht erfüllt haben. Deshalb appellieren wir an dieses jüdische Pflichtbewußtsein, uns in dem Bestreben, den jüdischen Bevölkerungsschichten, vor allem der jüdischen Jugend, ein tiefes Erfassen und Eindringen ins Judentum zu ermöglichen, nach Eurem besten Können zu fördern. Um Großes leisten zu können, brauchen wir Eure finanzielle und geistige Mithilfe. Eure Ermutigung und Euer stetes Interesse. Wir fordern jedermann zur Zeichnung von Anteilscheinen der Jüdischen Verlagsgesellschaft auf, die im Betrage von 48 Kronen ausgegeben werden und denen eine sehr günstige Verzinsung mit Bestimmtheit vorausgesagt werden darf. Es ist begreiflich, daß unser Werk, wenn es vor Störungen bewahrt werden soll, aus solider finanzieller Grundlage fundiert sein muß. Also nochmals: wir wollen keine Mildtätigkeit, sondern Eure freudige Mitarbeit, kraftvolle Betätigung Eures jüdischen Pflichtgefühls. Anmeldungen und Vorschläge sind an Zeichner dieses zu richten. Für das vorbereitende Komitee: Mar H i ck l, Redakteur, Brüuu, Adlergasse Nr. 9. Wien. (Trauung.) Sonntag den 22. Juni, halb 3 Uhr nachmittags, fand im Kaiser Franz Josef-Jubiläums- Tempel, V., Siebenbrunnengaffe 1 a, die Trauung des Fräulein Else Gutmann, Tochter des Herrn Leopold Gutwann, mit Herrn Julius Krauß, Sohn des Herrn Samuel Krauß, statt. Wien. (Trauung.) Sonntag den 29. Juni 1913, um 3 Uhr nachmittags, findet im Tempel, XVIII., Schopenhauerstraße 39, die Trauung des Fräulein Emmy N o s s i g, Tochter des Herrn Josef N o s s i g, Vorsteher des Währinoer Tempels, mit Herrn Otto W a l d n e r, Sohn des Herrn Gabor W a l d n e r, statt. Mädchen Unterftütznngsverein. IX.. Seegasse 16. An den Anstalten dieses humanitären Vereines werden die Einschreibungen sür das Schuljahr 1913/14 Dienstag den 24 d. M. für die zweiklasfige Handelsschule und den einjährigen Bürokurs von 2 Uhr nachmittags an und Mittwoch den 25. d. M. für die Frauengewerbeschule (zwei Jahrgänge und Atelier) von 3 Uhr nachmittags an vorgenommer^. Zur Aufnahme zulässig find mittellose israelitische Mädchen, die das 14. Lebensjahr erreicht haben; beizubringen find Geburts- Jmpf- und letztes Schulzeugnis. Der Unterricht wird durchaus unentgeltlich erteilt. Die Aufnahmspcüfungen finden am 25. und 26. d. M. nachmittags statt. Wiener Spar- und Kredit-Gesellschaft. Wien, I, Franz Josefs-Kai 48. Die XII. ordentliche Generalversammlung findet Montag, den 30. Juni 1913, 7 Uhr abends, in den Räumen der Genossenschaft, Wien, I., Franz Josefs-Kai 43, statt. Tagesordnung: 1. Verlesung des letzten Generalversammlungs-Protokolles; 2. Rechenschaftsbericht und Bilanzvorlage für das Jahr 1912; 3. Verlesung des staatlichen Revifionsberichtes; 4. Bericht und Antrag des Auffichtsrates; 5. Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes; 6. Ergänzungswahlen in die Direktion und in den Ausfichtsrat; 7. Anträge und Interpellationen der Mitglieder. Saisonschluß im „Indischen Museum". Montag den 30. d. M. wird, wie alljährlich, das „Jüdische Museum", II., Malzgaffe 16, für die Zeit der Sommerferien, d. h. für die Monate Juli und August, geschlossen. Die beiden letzten Besuchstage find also noch Samstag und Sonntag, an denen jedermann bei freiem Entree in der Zeit von 11—1 Uhr die außerordentlich reichen Sammlungen befichtigen kann. Die Wiedereröffnung wird Sonntag den 31. August d. I. stattfinden. Elternverein „Pestalozzi", I, Eßlinggasse 1». Der Elternverein „Pestalozzi" bringt hiermit zur Kenntnis, daß die Aufnahme schulpflichtiger Kinder in die Fürsorge des Vereines nur mehr in beschränktem Maße stattfinden kann. Eltern oder deren Stellvertreter, welche um Beköstigung und Bekleidung ihrer Kinder ansuchen wollen, müssen dies bis 15. Juli d. I. tun, und zwar haben sie die Gesuchssormulare des Vereines zu benützen, welche im Vereinsheim, II., Herminengasse 21, jeden Tag von 5—7 Uhr erhältlich sind.