Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 26 (27.6.1913)
- Date
- 1913-06-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I«hrg«n» xxx Dr. Bloch’s O Zentralorgan kür die gesamten Ilnteressen des Judentums« -C3z=n- Wien, 27. Juni 1913 : LrscdeLnt jeden Freitag.: Brief-Adresse: Wien» ll/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wie«. OG - ■ =DC p 9tpxgxtpvti» Tür Vrstrrrrirh: Q Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 56 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die Nalgespa!» 3 lene Petttzeile 4a Heller. C DO - ■■■- -Oo O i^— - —-x) o r S, ft. VostsparftaflrNÄnrk Q Sleartng-Verk ebr «r. 810.976. Redattion und Administration. S Virn U/i, Praterstraße 9 J> Telefon 14847 <1 nO ■ — —r -Oo Inhalt: Leitartikel: Eine merkwürdige Tatsache. — Die Juden in Rumänien. — Die antisemitische Gesinnung des Abgeordneten Dr. Gustav Groß. — Die Mädchenkonfirmation. — Korrespondenzen: Ueberfall während einer Andachtsübung. Jüdische Feigheit. Troppau. 80 jährige Geburtstagsfeier des Herrn Ludwig Moser, Vorsteher der Israel. Kultusgemeinde in Karlsbad. Verzeichnis getaufter jüdischer Kurärzte. Eine scharfe Zurückweisung antisemitischer Angriffe. Berlin. Der Verband der Arbeitsnachweise der Grotzloge. Konferenz in Angelegenheiten der jüdischen Emigrationsbank. König Konstantin und die Familie Modiano. Vom russischen Medizinallongreß. Eine neue antijüdische Aktion des heiligen Synods. Ein Mittel gegen jüdischen Fleiß. üO jäbriges Dienstjubiläum eines jüdischen Polizisten. Landankauf in Texas für rumänische Juden. Von der jüdischen Abteilung der New-Dorker Bibliothek. Eine Beratung über jüdische Tagesfragen in Amerika. — Vermischtes. — Feuilleton: Der jüdische Witz. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Eine merkwürdige Tatsache. Man hatte in den letzten Tagen Ursache, sich über einen Beschluß des Wiener Gemeinderates zu wundern. Es handelte sich um den Bau des städtischen Museums, bei welchem aus dem Wettbewerb zwei Projekte in die engere Wahl kamen, und zwar eines von dem bekannten gefeierten Künstler Oberbaurat Wagner und eines von einem bisher unbekannten Architekten Tranquilini. Von sachverständiger Seite wird uns gesagt, daß das Wagnersche Projekt künstlerisch bedeutend großzügiger war, der Entwurf Tranquilinis in den Fassadenlknien weit zurückstand, dagegen die Grundrißlösung, die Forderungen wegen Unterbringung der Bibliothek genau gelöst hätte. Letzterer Umstand kann nicht bedeutend ins Gewicht fallen. Denn nach dem gegenwärtigen Bibliothekar kommt ein anderer, der eine andere Einteilung der Räume gewünscht hätte. Die Hauptfrage bleibt der künstlerische Entwurf, und nach diesem hätte man sich vor allem richten sollen. Selbst aber, wenn die Projekte vollkommen gleichwertig gewesen wären, so hätte man noch andere Umstände in Betracht ziehen müssen. Oberbaurat Wagner hat seine Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit bei Dutzenden großer, öffentlicher Bauten bewiesen. Tranquilini jedoch hat bisher praktisch noch gar nichts in seinem Fache durchgeführt und ihm als erstes Experiment den Bau eines großen städtischen Museums übertragen heißt wirklich, eine bedeutende Ueberschreitung der Millionenkosten heraufbeschwören und. was noch mehr ins Gewicht fällt, die Sicherheit des ganzen Baues gefährden. Es wäre wirklich ein lächerlicher Standpunkt, das Emporkommen eines jungen Talents nicht zu begrüßen. Aber ihm gleich zum Eintritt in die Praxis den Vau eines Monumentalwerkes anvertrauen, ist eine Kühnheit, die sich nur allzu bitter rächen kann. Man war also erstaunt über den Mut der Majorität im Gemeinderate, den man sich nicht r.echt erklären konnte. Da wurde nun eine Rede gehalten, welche zum Nachdenken anregt und mindestens einen höchst merkwürdigen Zufall enthüllt. Der Bürgermeister Dr. Weiskirchner, der eben nur bei den Christlich-Sozialen möglich ist, war bei einem Kommers der katholischen Studentenverbindungen und hielt dort nicht nur eine Rede, sondern sogar zwei. Die zweite war die kürzere, aber sie hatte den weitaus größeren Inhalt. Es hieß darin, der Bürgermeister freue sich, daß Tranquilini als „alter Herr" einer katholischen Studentenverbindung angehöre und nun auf Jahrhunderte den Ruhm besitze, das Museum der Stadt Wien gebaut zu haben. Wir glauben nicht, daß Weiskirchner für seine höchst bemerkenswerte Feststellung bei seinen Parteigenossen im Rathaus den gleichen Beifall finden wird wie bei den Kommersstudenten. Er will die Zugehörigkeit des Architekten erst bei der Kommerstafel erfahren haben. Nun bleibt noch die Frage übrig, ob die Einpeitscher der Majorität bei der Abstimmung ebenfalls von der gleichen glückseligen Ahnungslosigkeit beseelt waren. Beweisen läßt sich allerdings nichts, nicht einmal behaupten. Bloß einige Tatsachen stehen fest. Die eine der Zugehörigkeit des Architekten zu einer katholischen Verbindung hat der Bürgermeister bereits zugegeben. Die anderen werden wohl er und seine Parteigenossen leugnen, ohne sie jedoch darum aus der Welt zu schaffen. Trotz allen Protesten steht es fest, daß bei den Christlich-Sozialen die Freunderl- und Verwandtenwirtschaft so arg ist, daß man immer den größten Verdacht haben darf. Hraba, Hatzl und andere haben die Korruption dieser Partei so kraß und groß gezeigt, daß man von dieser Seite eigentlich immer die Unschuld erst beweisen müßte. Die eine Praxis wird jedenfalls ungescheut betrieben, daß die Stellungen auf dem Gebiet der Kunst und Wissenschaft nicht nach Kenntnissen und Tüchtigkeit, sondern nach der Gesinnung vergeben werden. Was dabei herauskommt, merkt man an dem allgemeinen Niedergang des ganzen geistigen Lebens. Sollte es nun in der Museumsfrage auch so gehen? Auf diese Frage soll keine Beschuldigung zur Antwort gegeben werden. Man darf nicht mit christlichsozialen Waffen kämpfen und etwa wirklich vorhandenes Talent und Verdienst zu schmälern suchen. Aber ein höchst merkwürdiges Zusammentreffen von Umständen bleibt es doch, daß Tranquilini Mitglied einer katholischen Burschenschaft ist und gegen einen so