Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 24 (13.6.1913)
- Date
- 1913-06-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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©eut 430 Dr. Blochs vierten Gesetzen regierter Kulturstaat sei. Wir verweisen darauf, daß wir bei der allseits gezeigten Reichsverdrossenheit den loyalsten, staatstreuest,en Teil der Bevölkerung darstellen. Wir verweisen darauf, daß der Antisemitismus sich, uns gegenüber auf der ganzen Jßtntje als die schmutzigste und verlogenste Kampagne gezeigt hat. Wir konstatieren, bah wir in der Redlaffäre den patriotischen Schmerz aller Bürger gezeigt und trotz aller Ungerechtigkeit die Armee in Schutz genommen haben. Um so weniger können , wir uns das. von jeder Moral, jeder Männlichkeit verlassene Vorgehen schändlicher Iugendbildner. gefallen lassen. Wir dürfen nach allen Tatsachen der letzten Zeit dem Antisemitismus überhaupt mutig den Krieg erklären und gar fernen schärfsten Auswüchsen. Eewih werden sich noch Abgeordnete und Advokaten finden, die uns vertreten, Richter und Staatsmänner, die Kr uns urteilen werden. Es wäre unerträglich, wenn jeder Bube, wenn irgendwo und irgendwann ein schändliches Verbrechen geschieht, uns damit beleidigen, uns in den Kot zerren und sogar die Kinder gegen uns aufhetzen könnte. Die Abstammung des Obersten Redl. Die Erhebungen der „Oesterr. Jfr. Union" im magistratischen Konskriptionsamt Lemberg und bei der Staatseisenbahndirektion Lemberg haben folgendes amtliches Resultat ergeben: Der Vater des Obersten Alfred Redl hieß Franz Redl, war Bahnerpedient, römisch-katholischer Religion, geboren 1820 in Wien und nach. Wien zuständig. Die Mutter hieh Mathilde, geb. Chitil, römische katholischer Religion. Da Franz Redl 1820 in Wien geboren, nach Wien zuständig war, so konnte auch sein Vater (der Großvater des Obersten Alfred Redl) kein Jude gewesen sein, denn zu jener Zeit durften wohl einzelne Juden periodisch, in Wien sich, aufhalten, niemals aber Zuständigkeit in Wien erlamgen. Die Behauptung, dah der Oberst Alfred Redl ein „IudenstämMling" und seine Mutter eine „geborene Sternberg" gewesen wäre, stammt offenbar aus der Feder eines infamen ehrlosen Lügners. Die Arbeit im Achte der Thora. Von Oberrabbiner Dr. M. Güdemann in Wien. (Schluß.) VI. Es ist aber vornehmlich der Ackerbau, den die Thora unter Arbeit versteht. Von dem Sabbatgebot, von dem weiter ausführlicher die Rede sein wird, heiht es: „Sechs Tage sollst dp arbeiten, aber am siebenten feiern, in der Pflügezeit und der Ernte sollst du feiern" (II. B. Mos. 34, 21). Damit wird vorausgesetzt, dah die Bodenarbeit die eigentliche und verbreitetste Arbeit ist. Auch Belohnung und Bestrafung beruhen auf . dieser wirtschaftlichen Tatsache. Wenn Gott dem Volke Belohnung für seinen frommen Wandel in Aussicht stelltdann verheiht er ihm: „Ich werde euch Regen geben zu rechter Zeit" (III. B. Mos. 26, 4), während er für den Fall der Widersetzlichkeit des Volkes droht, dah er Len Regest zurückhalten werde (V. B. Mos. 11; 17). Wettere Beispiele anzuführen ist überflüssig, sie drängen sich dem Leser an zahlreichen Stellen auf. Indem aber die Thorä den Ackerbau in den Mittelpunkt des Lebens stellt, bringt sie gerade die schwerste Arbeit, die damals der Ackerbau war, zu Ehren, und eröffnet in ihr die Qüelle der Sittlichkeit und Religion. In dem Ackerbau zeigt sich der Mestsch in seiner innigsten Buchung zur Natur und in seitter ursprünglichen Verbindung mit dem Erdboden, wie GchMer dWs Verhältnis ttn „Sstaziergäng" geschildert hat: Wochenschrisl ylu?4 -„Nachbarlich wohnet der Mensch noch mit dem Acker zusammen, Seine Felder umruhn friedlich sein ländliches Dach, Traulich rankt sich die Reb' empor an dem niedrigen Fenster, Einen umarmenden Zweig schlingt um die Hütte der Baum." Weist aber .erscheinen in diesen Versen nicht die landschaftlichen Bilder der Thora und der anderen biblischen Schriften wiester! „Der da bindet an den Weinstock sein Füllen, und an die Rebe das Junge seiner Eselin, er wäscht im Weine sein Kleid und im Blute der Trauben sein Gewand" heißt es im Segen Jakobs' (I. Buch Moses 49, 11). Josef ist in seinem Traume, der nur ein Abbild der Wirklichkeit ist, im Verein mit seinen Brüdern damit beschäftigt, auf dem Feiste Garben zu binden (das. 37, 7). In Friedenszeiten wohnt jeder unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum (I. Kön. 5, 5), und so wird es auch in den Zeiten des Messias fein (Micha 4, 4). Die trauliche Häuslichkeit wird in folgendem Bilde geschildert: „Dein Weib ist wie ein fruchttragender Weinstock im Innern deines Hauses, deine Kinder find wie Oelbaum-Sprößlinge um deinen Tisch" (Ps. 128, 3). Auch die Abwechslung von Trauer und Freude spiegelt sich in den Schicksalen des Landmanns. „Die mit Tränen säen, -mit Jubel werden sie ernten. Weinend geht, der den Wurf des Samens trägt, heimkehrt er mit Jubel, seine Garben tragend" (Ps. 126, 5, 6). Allerdings liefert der Ackerbau auch die Bilder, um das Leist zu schildern, das Feinde und Bedränger dem Menschen zufügen: „Auf meinem Rücken haben Pflüger gepflügt, lang gezogen haben sie ihre Furchen" (Ps. 129, 3). So innig verwachsen ist in der Bibel das Leben mit dem Ackerbau, daß ihm die Bilder entlehnt werden, um alle Erfahrungen des Lebens zu veranschaulichen. Aber der Ackerbau ist es .auch, der in feiner Abhängigkeit von Einflüssen, die außerhalb der Machtsphäre des Menschen liegen, in diesem selbst das Bewußtsein der Abhängigkeit von einer höheren Macht Hervorrufi, mit anderen Worten ihn Gott erkennen, lieben und fürchten, und gemäß dem in der Natur waltenden Gesetz auch das menschliche Leben von einem Sittengesetz durchdringen und ordnen läßt. Ganz besonders ist es Psalm 104, den man das Urbild von Schillers „Spaziergang" nennen könnte, der die religiöse und moralische Seite des Ackerbaues beleuchtet. Mit dem Sonnenaufgang beginnt die Arbeit des Landmanns. „Der Mensch geht aus zu seinem Werke und zu seiner Ackerarbeit bis zum Abend" (Vers 23). Aber der Psalm beginnt und endet mit dem Ausruf: „Preise, meine Seele, den Ewigen!" Gott ist der Anfang und das Ziel der Arbeit. VII. Damit betreten wir die Brücke, über welche die Arbeit in die Religion als ein konstitutives Element derselben eingeführt wird. Diese Einführung erfolgt in dem Sabbatgebot der beiden Dekaloge, und zwar sowohl durch die Exemplifikation der schöpferischest Atbett Gottes wie durch den Hinweis auf die Erlösung des Volkes aus der sklavischen Arbeit in Aegypten.. In dem ersteren Dekalog wird der Sabbat auf die Basis der schöpferischen Arbeit Gottes gestellt, in dem letzteren auf die Tatsache der Befreiung des Volkes aus der ägyptischen-Sklaverei. Beide Gesichtspunkte mußten, wie sich aus den vorstehenden Ausführungen ergibt, gewürdigt werden, um Wesen und Wert der Arbeitjn ihrem vollen religiösen Lichte erscheisten zu lasten, die Dekaloge leisten sich daher gegenseitig den Djenst einet notwendigen Ergänzung, doch wirst sich schwerlich jemals ergründen lassen, welche Absicht dazst führte, die erwähnten Gesichtspunkte nicht gleichmäßig in beiden Dekalo gest zu betonen, soststein sie auf dieselben zst verteilen, und zwar so zu verteilen, wie es der Fäll ist. Ich wage ist-