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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-06-06 · 23 (6.6.1913) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
23 (6.6.1913)
Date
1913-06-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 420 Dr. Vlochs Wochenschrift. ’Ju. 23 Wien. Am 7. Juni veranstaltet der israelitische Frauen- WohltätigkeitSvrrem für den XIX. Bezirk sein erstes Sommerfest im schönen Mirabellgarten, XIX., Sievringerstraße 135, und ladet hiezu alle Freunde und Gönner des Vereines herzlichst ein. Trotz seines kurzen Bestandes hat der Verein, der, seinen Tendenzen gemäß, bestrebt ist, die traurige Lage der armen Kranken und Notleidenden des Bezirkes zu lindern, bereits sehr segensreich gewirkt. Bon diesem Sommerseste mit sehr interessantem Programm (Militärkapelle, Vorträge der Praterspatzen, reiche Tombola, Tanz usw.), an dessen Gelingen das Komitee eifrig arbeitet, erhofft der Verein eine neue Einnahmequelle, welche es ihm ermöglichen wird, seinen humanen Aufgaben und Zielen in erhöhtem Maße nachzukommen. Anfang 5 Uhr. Karten für Erwachsene X 1.—, für Kinder 50 d. Wien. (Todesfall.) Montag den 2. Juni verschied in einem hiesigen Sanatorium Herr David Löwenthal, Begründer und früherer Besitzer des „Hotel Walhalla" in Marienbad. Derselbe erkrankte vor 8 Wochen hier, auf seiner Rückreise aus dem Süden, woselbst er auf ärztliche Anordnung zur Erholung seiner seit Jahren angegriffenen Gesundheit die rauhe Jahreszeit verbrachte. Der Verstorbene erreichte ein Alter von 72 Jahren und erfreute sich nicht blos in allen Kreisen der Marienbader Bevölkerung, sondern auch bei den zahlreichen Kurgästen, welche seit vielen Jahrzehnten im „Hotel Walhalla" verkehren, ob seiner vorzüglichen Charaktereigenschaften besonderer Wertschätzung. Die sterblichen Ueberreste des Dahingeschiedenen wurden Dienstag den 3. Juni nach Marienbad überführt, woselbst die Beerdigung am 4. Juni stattfand. Herr David Löwenthal hinterläßt außer der schwer geprüften Witwe 3 Söhne und 2 Töchter; das „Hotel Walhalla" wird schon seit einigen Jahren von einem Sohne im gleichen Betrieb wie zur Zeit des Begründers fortgeführt. 3. 3. Wien. Am Mittwoch wurde Frau Charlotte L ö w- Beer im Alter von 71 Jahren bei großer Beteiligung ihrer Verwandten und Bekannten zu Grabe getragen. Nach wirkungsvollst vorgetrageuem Hazzur-Gebete durch Oberkantor Fuchs und Tempelchor schilderte Herr Rabbiner Dr. Grunwald die Frömmigkeit und seltenen Vorzüge dieser edlen, wahrhaft vornehmen Dame, die nach dem Tode ihres verehrten und verklärten Gatten Nathan Löw Beer sel. Andenkens den Kindern ihres Bruders Herrn Bernhard Bachrach eine zweite Mutter wurde und dieselben im religiösen Sinne erzog. In der Zeremonienhalle sprach noch namens der Heimatgemeinde Boskowitz der dortige Rabbiner Dr. F u n k, den guten Namen und die guten Werke der Verblichenen hervorhebend, die als wahrhafte Wohltäterin gegenüber den Greisen und Waisen der Vaterstadt sich bewährte und deren gesegnetes Andenken in Ehren dort fortleben wird. — n. Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender in Wie». Sonntag den 8. Juni 1913, 5 Uhr nachmittags findet im Vereiusbethause II., Malzgasse 1, unter Mitwirkung des ehrwürdigen Herrn Rabbiner M. L. G o l d st e i n und Oberkantor Mayer S ch o r r die feierliche Einweihung einer neuen Sefer Thora statt. Humamtaver Verein zur Unterstützung Mischer Kurbedürftiger Wien, II., Er. Stadtgutgasse 7. Am 28. Maß l. .I. fand im Restaurant Herlinger die Generalversammlung des Humanitären Vereines "zur Unterstützung jüd. Kurbedürftiger statt. Der Obmann, Herr Dr. Isidor L. Braun, hob in seinem Berichte die eminent humanitäre Tätigkeit des Vereines hervor, der im abgelausenen Jahre seinen Schutzbefohlenen nicht allein Freiplätze verschafft, sondern auch Kurbeiträge, Kefirmilch und Badekosten angewiesen hat. Seit seiner Gründung hat der Verein 30.000 Kronen an Kurbeiträgen ausgezahlt. Hieraus hielt der Obmann den verstorbenen Mitgliedern und Gönnern des Vereines, Herrn Ritter v. Auspitz, Herrn Hermann Beck und der Frau Antoinette Schwarzmann einen ehrenden Nachruf. Herr Professor Salzmann gedachte hierauf t>er Verdienste des verstorbenen Protettors und Gründers des Vereines, des Herrn Lektors Friedmann sei. Andenkens. Zum Schlüsse stellte er den Antrag, den Obmann Herrn Dr. Isidor L. Braun zum Ehrenmitgliede zu ernennen, welcher Antrag von der Generalversammlung einstimmig angenommen wurde. Schriftführer Herr S. Sperling erstattete den Rechenschaftsbericht. Herr Revisor Isidor Kerner stellte hierauf den Antrag, dem Vorstande das Absolutorium zu erteilen. Hieraus fand die Neuwahl des Vorstandes statt. Jüdischer Handlungsgchilsen-Verband, Ortsgruppe Wien II., Taborstraße 11 B. Sonntag, den ß. d. M., präzise 10 Uhr vormittags, findet im großen Saale des Restaurants „Zum König D av id", II., Untere Augartenstraße 8, eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: Unsere Stellung zur 7 U h r- G e schüfts sp err e. Referent: Kollege Benno Deutsch. Gäste willkommen! David Kolieb Diese Woche verschied David Kolieb, Vorsteher der polnischjüdischen Synagoge Beth-Jsrael. Der Verstorbene — so still und lautlos sein Wirken war — war eine monumentale Säule des polnischjüdischen Lebens in Wien. Sticht einnial saß ich mit ihm am Beratungstische des Synagogenvorstandes. So ruhig er sonst war, ein heiliger Zorn übermannte ihn, wenn jemand an den Fundamenten der Organisation rüttelte. „Diese Synagoge ist mein Leben", rief er einst in einer Sitzung aus. Allein er sprach eigentlich kein Wahrwort; die Synagoge war ihm nicht das Leben, sie war ihm mehr als das Leben. Hoch über alles stand ihm die Tradition. Am Herzen.lag ihm der finanzielle Unterbau der Synagoge. Tag und Nacht — schon als auf seinen Zügen der Tod gezeichnet war und der Todesschweiß von ihm rann — machte er Projekte, wie man die Synagoge vor dem drohenden Defizit retten und sie unabhängig von Subventionen gestalten kann. In allen Folianten forschte er — wie ein gewiegter Historiker in Quellen — um aus Anlaß des Jubiläums der Synagoge durch Dokumente mit Stolz festznstellen, wie erbgesessen die polnische Synagoge iit Wien ist. V n der Schönlaternschule führte er uns in die Obere Donauschule — dieses große Mißgeschick der polnischen Judengemeinde — bis zum jetzigen Bau. Er war nicht Vorstand, nein Wächter, Diener und Sklave der Synagoge. Er stieg in den Kanal, als er eines Tages einen feuchten Fleck auf den Steinfliesen bemerkte, er stieg auf den Boden, wenn er einen Mangel in der Leitung nur befürchtete. Sommer und Winter, in Hitze und Frost, bei Schnee und Regen, als. schwer kranker Mann war er der erste beim Oeffnen, der letzte beim Schließen der Synagoge. Daß er auch materiell nach seinen Kräften durch eigene Spenden die Synagoge förderte, wird niemandem unbekannt bleiben. Sie wurden ja öffentlich anfgerufen; — allein eine Spende, ein großes Opfer, das bei der Thora nicht mit dem »boavir« verkündet wurde, sahen wir ihn darbringen, das war das Opfer seiner Gesundheit. Ein gut Stuck seines Leidens wurde durch seine schwere, aufopferungsvolle und fanatische Arbeit im Dienste der guten Sache gefördert. Eine Synagoge ist eine menschliche Einrichtung und daher nicht ftei von Mängel, Spitzen und Reibungen. Und wenn hie und da eine solche Spitze in seinen siechen Leib gedrungen, er ertrug sie wie ein Märtyrer, er nahm sie, wie ein Opfer für seine Synagoge. „Er gab eine herbe Antwort, seine Züge wurden düster und sonnenlos, sie belebten sich manchmal mit fanatischer Erregtheit, allein hinter denselben waren feurige und stolze Werte verborgen". Dieses Dichterwort paßt auf David Kolieb. „Die Synagoge ist mein Leben" rief er aus, er hat zwar sein Leben verloren, jedoch nicht die Synagoge. In der Synagoge wird sein Name unvergeßlich bleiben. Hingegen hat die Synagoge ihn verloren. Sein Fanatismus für die gute Sache, seine Aufopferung stand einzig da. Er ist und bleibt uns unvergeßlich. Mir wird er nie aus dem Sinn kommen. Dr. Carl L i f c z i s. Die sterblichen Reste des Heimgegangenen wurden von Baden hierher gebracht. Vom Trauerhause, II., Kleine Schiffgasse, bewegte sich der imposante Trauerzug zum Gotteshause in der Leopoldsgasse, wo Rabbiner Mayersohn dem Verewigten einen tiefempfundenen Nachruf widmete. Oberkantor Schorr trug das „El mole rachamim" in ergreifender Weise vor, ebenso in der Zeremonienhalle des Zentralfriedhvfes das Hazzur lomim, nach welchem Herr Rabbiner Mayersohn nochmals Worte des Trostes an die Trauernden richtete. Namens des Vereines „Liwias Chen", dessen Obmann der Verewigte war, sprach der Maggid des Vereines, Herr Landmann, für den Vorstand des Vereines „Beth Israel" Herr Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Leon Landau. Sodann hielten am Grabe kurze Ansprachen im Namen der Angestellten des Hauses Herr Isidor Körner, die Herzensgüte und Humanität des Chefs hervorhebend, und für den humanitären Verein „Zuflucht" Herr S. Blüh. Nach der Rezitation des „El mole rachamim" durch Herrn Kantor Feuer fielen die letzten Schollen auf den Sarg. In Vertretung der Kultusgemeinde erschienen Vorsteher Adolf Schramek und S. Steiner. Die Eesamtvorstände von Beth-Jsrael, Schiffschul und zahlreichen Vereinen erwiesen dem Verblichenen die letzte Ehre.

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