Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 23 (6.6.1913)
- Date
- 1913-06-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 418 Nr. 23 Dr. BLochs Wochenschrift. stelle nicht nur über einen guten, sondern über den besten Kataster verfügen müffe, bittet Redner das Kuratorium, dasselbe möge, . falls die Mitwirkung der Vereine versage» sollte, einen anderen Weg zur Einholung der nötigen Recherchen wählen. Nach durchgeführter Debatte über diesen Punkt erklären sich mehrere Delegierte und Einzelpersonen zur Uebernahme von Recherchen bereit. Dr. Jul. F l e s ch bezieht sich auf die Mitteilungen des Berichtes betreffend den Abtransport von zugereisten Kranken, verweist ans die Tätigkeit seines Vereines auf diesem Gebiete und stellt bei den diesbezüglichen Organisationsbestrebungen der Zentralstelle die Mitwirkung desselben zur Verfügung. Es sprachen weiter noch kais. Rat Dr. Krüger und die Damen Frau Franziska Biermann und Frau Doktor Frischauer und nach Erledigung der Tagesordnung wird hierauf die Versammlung vom Vorsitzenden unter Ausdruck des Dankes für die Erschienenen geschloffen. Verein zur Unterstützung armer kranker Israeliten in Wien, Kanzlei: II., Untere Augartenstraße 17. Die Generalversammlung des Vereines zur Unterstützung armer kranker Israeliten fand Sonntag, den 25. Mai 1913 im Saale des Bethamidrafch, II., Große Schiffgasse 8, statt. Der Vereinspräsident, Herr Markus Bondi, eröffnete die Versammlung, begrüßte die zahlreich erschienenen Vereinsmitglieder, insbesondere den Delegierten des Kultusvorstandes, Herrn S. Brod, und erstattete den Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Jahr. Er verwies auf die mißliche finanzielle Lage des Vereines, in welche derselbe durch allzu starke Inanspruchnahme seitens unserer armen kranken Glaubensgenossen geraten ist. Dem verehrlichen Vorstande der Kultusgemeinde dankte er für die Erhöhung der Subvention. In rührenden Worten gedachte er des großen Verlustes, den der Verein durch das Ableben des verdienstvollen Vorstandsmitgliedes, Herrn Simon Buchwald, erlitten hat. Dem Porstandsmitgliede, Herrn Isidor Frommer, der das Kontrollwesen in musterhaftester Weise besorgt, zollte er Worte der Anerkennung. Herr Arnold Rosenseld erstattete den Reoisionsbericht, worauf dem Vorstände das Absolutorium erteilt wurde. Die Herren Mar Wickenfeld, Joses Stern, Gabriel Fischer und M. Klein machten Anregungen, um die Vereinseinnahmen vergrößern zu können. Kultusoorsteher Herr S. Brod sagte, daß es ihn freue, der Versammlung beizuwohnen. In schönen Worten würdigte er die Tätigkett des Vereines, er versicherte, daß der Kultusvorstand dieselbe anerkennt und dem Vereine stets wohlgeneigt sei. Er verspricht, für den Verein beim Kultusvorstande stets einzutreten. Nachdem bei der vorgenommenen Wahl der bisherige Vorstand, und zwar die Herren Markus Bondi, Ignaz Back, Philipp Back, Adolf Bernfeld, Adolf Fischer, Isidor Frommer, Bernhard Hofbauer, Wilhelm Kohn, Ignaz Schiff, Adolf Schramek, Adolf Singer, Dr. Markus Spitzer, Aron Weil wiedergewählt wurde, richtete der Vorsitzende an die Versammlung den Appell, dem Vereine durch Anwerbung neue Mitglieder zu ermöglichen, getreu seiner bisherigen Humanitären Mission, auch fernerhin seine hehre Aufgabe zu erfüllen, und erklärte die Versammlung für geschlossen. Beitrittserklärungen sowie Spenden werden in der Vereinskanzlei, II., Untere Augartenstraße 17, sowie von den obengenannten Vorstandsmitgliedern entgegengenommen. Thora Ez Ehajim. Am 18. Mai fand die Generalversammlung des Beth-Hamidrasch-Dereines im eigenen Hause, II., Große Schiffgasse 8, statt. Obmann Philipp Back begrüßt die zahlreiche Versammlung, speziell den Vertreter der Kultusgemeinde, Herrn Vorsteher Em. Grünwald. — Der Jahresbericht wird ohne Debatte genehmigt und die Beftiedigung über den nach, allen Richtungen sich erweiternden Wirbmgskreis des Vereines ausgedrückt. Die Kreierung neuer Lerngelegenheiten, die Fortschritte der Jassode Hatorah und der Religionsschule werden mit Freude begrüßt, und gibt auch die finanzielle Lage des Vereins ein gutes Bild. Nach dem vorliegenden Ausweis datiert die älteste Jahrzeitstistung aus dem Jahre 1664 und hat die Vereinstätigkeit sich in diesem halben Jahrhundert ohne jeden Rückschlag stets in aussteigender Richtung bewegt. Der Verein verbrettet Thora-Kenntnis vom zarten Kindesalter an für alle Schichten der jüdischen Bevölkerung, und sind die zahlreichen Schiurim immer gut besucht. Kultusvorsteher Herr Grünwald drückt dem Verein sowohl im Namen des Vorstandes als in seinem eigenen die wärmsten Sympathien aus, wofür Vorsitzender herzlichst dantt. — Die anwesenden Vorstandsmitglieder Adolf Bernfeld, Isidor Frommer und Wilhelm Kritzler werden wiedergewählt. Eine neue Volkszählung in Lemberg. Die letzte Volkszählung im Jahre 1910 hlat, wie man uns aus Lemberg berichtet, dort nicht zu dem gewünschten Resultate geführt. Nach dreijähriger Arbeit muhte das statistische Bureau von Lemberg schließlich erklären, dah das zur Verfügung stehende Material so mangelhaft und konfus fei, dah es unmöglich die Grundlage für eine verläßliche Statistik bilden könne. Aus diesem Grunde hat der Lemberger Stadtmagistrat verfugt, dah 'am 28. Mai auf dem Gebiete der Stadt Lemberg eine neuerliche Volkszählung durchgeführt werde. Dies ist auch tatsächlich geschehen. Von zionistischer Seite Mrde die jüdische Bevölkerung von Lemberg durch Aufrufe auch diesmal aufgefordert, bei der Volkszählung als Umgangssprache „jüdisch" zu bezeichnen. Der Schülerstreik von Vroczyn. In der galizischen Stadt Vroczyn beschäftigt die Bevölkerung seit.fast zwei Jahren ein ganz merkwürdiger Schülerstreik. In der, dortigen Volksschule wurden nämlich vor ungefähr zwei Jahren eines schönen Tages in sämtlichen Lehrzimtnern Kreuze angebracht, trotzdem nahezu 90 Prozent der Schüler Juden sind und die Schule von der Stadtgemeinde erhalten wird. Die jüdischen Schüler antworteten auf diese Verfügung mit einem Streik, der durch einen Protest her Eltern unterstützt wjurdle. Der Ortsschulrat,, an den der Protest zunächst gerichtet wurde, da seinerzeit die Verfügung von -ihm ausgegangen war, erklärt nun, dah feine Verfügung auch, weiter aufrecht zu bleiben habe. Wohl, heißt es in der Entscheidung, ist die Schule keine konfessionelle Schule, doch stütze sich! diese Verfügung auf 8 72 des Volksschulgesetzes, der bestimmt, dah die Schule die Kinder moralisch und religiös zu erziehen habe, damit die Kinder sowohl in konfeMoneller, wie in nationaler Hinsicht zur Toleranz erzogen werden. Um nun diese Absicht des Schulgesetzes zu verwirklichen, habe der Ortsschulrat die Anbringung der Kreuze in den Lehrzimmern verfügt. Dah sich die jüdischen Eltern mit dieser jesuitischen Auslegung des Schulgesetzes nicht zufrieden geben konnten, ist klar, ebenso, dah sie gegen diese Ent-, scheidung die Berufungsinstanz anriefen. Es steht nun zu befürchten, dah bei der bekannten galizischen Raschheit der Erledigung von Akten ein Jahrzehnt darüber vergehen wird, bis in Vroczyn die Frage gelöst sein wird, ob das interkonfessionelle Schulgesetz nicht nur für die Juden, sondern auch für die anderen Konfessionen bindend ist. Die Restaurierung der alten Krakauer Synagoge. Die historische Krakauer Synagoge wird seit mehreren Jahren einer gründlichen Restaurierung unterzogen. Zu diesen kostspieligen " Arbeiten haben bisher sowohl der galizische Landtag, als auch die Krakauer Sparkassa und die Krakauer Kultusgemeinde Subventionen bewilligt. Da jedoch diese Geldmittel nicht ausreichten, um die begonnene Restaurierungsarbeit zu Ende zu führen, geriet diese vor anderthalb Jahren in Stockung. Die österreichische Regierung hat sich über Ansuchen des Krakauer Restaurierungskomitees zur Leistung einer entsprechend hohen Subvention unter der Bedingung bereit erklärt, daß der Arbeitsplan, auf Grund dessen die Restaurierung bisher vorgenommen wurde, im Sinne der Forderungen der Zentralkommifsion zur Erhaltung historischer Denkmäler in Wien abgeändert werde. Nach langwierigen Verhandlungen ist nun, wie wir erfahren, eine Einigung zustande gekommen, so daß die österreichische Regierung sich nunmehr bestimmt sah, eine Subvention von 15.000 Kronen zu bewilligen. Aus solche Weise erscheint die Erhaltung dieses berühmten jüdischen historischen Baudenkmales gesichert. Jlldenausweisungen in Saloniki. Die griechischen Behörden von Saloniki haben, wie uns von dort berichtet wird, eine bisher nur in Rußland geübte Methode ersonnen, sich derjenigen Juden zu entledigen, die ihnen aus «irgend einem Grunde nicht passen. Ein großer Teil der nach Saloniki geflüchteten Juden aus den früheren türkischen Provinzen wie auch die Salonikier Juden selbst, die infolge der Krise wirtschaftlich zugrunde gegangen sind, werden im Sinne der Gesetze