Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 23 (6.6.1913)
- Date
- 1913-06-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3022035-3022059--22188-3047321- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 410 Nr. 23 Dr. Bwchs Wochenschrift. Agitation unter sich geblieben sind. Die Familie Redls, die natürlich für ihn nicht im geringsten verantwortlich gemacht werden darf und kann, ist das typische arische Haus mit den Beamten- und Offizierstraditionen. wo Vater und Söhne den goldenen Kragen erstreben und missen, was ihre unzweifelhafte Konfession wert ist. Redl selbst hat ja auch .begriffen, was die Macht des Feldepffkopats für das Avancement bedeutet, hat notorisch die Kirche fleißig besucht und wir könnten der „Ostdeutschen" sagen, wie vorsichtig oder glücklich er bei der Wahl eines Beichtvaters war. Aber es fallt keinem Vernünftigen ein, daraus ein Argument gegen Religiosität zu schmieden. Ein Manifest der Christliche Sozialen könnte allerdings dcyu reizen, weil es im Falle des frommen Redl den Mangel an christlichem Bewußtsein im Offizierskorps beklagt, also eine kühne Verdrehung versucht. Alle Regimentsgeschichten kennen jüdische Heldentaten und kein Gerichtsbuch der Armee eine Klage gegen Juden. Von anderer Seite wird uns-geschrieben : Daß die Affäre des Verräters Redl alle Völker Oesterreichs Ln Aufregung erhält, ist begreiflich^ und der österreichische Generalstab erscheint in einem Licht, welches das Bedauern jedes Patrioten erwecken muß. Der Generalstabsoffizier Redl war einer der berufensten Führer für ernste Zeiten. So ein Korps-Generalstabschef ist doch, wenn nichts dazwischen kommt, ein künftiger Korps- oder gar Armeen kommandant. Und überhaupt: die vielen üblen Affären, die sich in den letzten Jahren geradje fm Generalstab oder doch in seinem hoffnungsvollsten Nachwuchs häuften! Da war der Oberleutnant Firbas, Kriegsschüler, zugeteilt dem Generalstabe, der wegen Spionage für Rußland sieben Jahre schweren Kerker erhielt. Ihm war von einem mitfühlenden Mitglied der llntersuchungskommission, wie man erzählt, knapp vor der Verhaftung ein Revolver auf den Tisch gelegt worden. Aber Firbas wollte den Wink nicht verstohlen. Dann war die Affäre Hofrichter, des Giftmörders, aus unbefriedigtem Eeneralstabsehrgeiz. Auch der Oberleutnant Jandritsch. der vor einigen Wochen von der Kriegsschule weg als ganz besonders' gefährlicher Spion verhaftet wurde, gehörte zu diesem Nachwuchs. Und alle diese Herren waren rassenreine Arier von gutchristlicher Gesinnung. Der österreichische Generalstab genießt das Privilegium, keine Juden und auch nicht getaufte Juden in seiner Mitte zu zählen. Man kann ruhig sagen, Verbrechen, wie sie Hofrichtchr und Redl begangen haben, sind bei einem jüdischen Generalstabsoffizier undenkbar. Die verlogene „Ostdeutsche Rundschau" möchte gerne den Generalstabsoberst Redl zum „Judenstämmling in dritter Generation" stempeln. Allein, daß das eine Lüge ist, weiß alle Welt. In dem deutsch-nationalen „Nordböhmischen Tagblatt" (Bodenbach) wird der Inhalt der biederen „Ostdeutschen Rundschau" prägnant charakterisiert: „Eine Fälschung reiht sich an die andere" — eine „Herabwürdigung, die die grämte deutschnationale Presse Oesterreichs durch dieses eine Blatt erfährt". Man lese im Retcliff nach, u. zw. den IV. Band seines Romanes, „Magenta und Solferino". War etwa der nach dem Friedensschlüsse von Villafranca aufgiehentte Generalstab^hauptmann, dem wir eben das unigLckliche Solferino verdankten, ein Jude? Nach einem vom Kriegsarchiv herausgegebenen Druckwerke „Stein" war im Unglücksjcchre 1.866 jeder preußische Offizier mit einer ausführlichen, dem österreichischen Generalstabe entnommenen Ordre de bataille beteilt, während noch die österreichischen Offiziere mit dieser Ordre nicht bedacht waren. Mehr als hundert Jahre dienen österreichische Juden als Offiziere in der österreichischen Armee und nicht einen einzigen Fall kennt die Geschichte, daß ein jüdischer Offizier der österreichischen Armee wegen Spionage oder Hochverrat auch nur angeklagt worden wäre. Nein, auch Redl war nicht nur kein Judenstämmling, sondern auch ein eifriger antisemitischer B-ekenner, er trug stets große Frömmigkeit zur Schau. Er war einer jener Generalstabsoffiziere. dir ostentativ jeden Sonntag mit dem Gebetbuche in die Messe gingen. Vor allem war er einer der Träger der antisemitischen Propaganda in der Armee, der heftigste Feind jüdischer Offiziere. Er trug den Judenhaß ostentativ zur Schau, schimpfte bei jeder Gelegenheit auf die Süden und verhinderte, so weit seine. Macht reichte, jedes Avancement eines jüdischen Offiziers. Auch die Familie Redl sind eslfrig's Antisemiten, was schon aus der Darstellung, welche das „Deutsche Volksblatt" am 31. Mai der Affäre gibt, klar hervorgeht. Unter der Ueberschrift „Zum Selbstmorde des Obersten Redl" findet sich eine Schilderung, aus der wir folgende zwei Sätze herausheben: „Es ist nicht zu leugnen, daß der Fall nach mancherlei Richtung bedauerlich ist." .„Redl, der gewiß nicht entschuldbar ist, hat das schwerste Verbrechen begangen, das ein Soldat begehen kann." So sanft wird der arische Verbrecher angefaßt, dessen Untat für die Monarchie ein schwerer entsetzlicher Unglückstag ist, eine Heimsuchung, welche als eine Demütigung vor hämischen Feinden, schlimmer als eine verlorene Schlacht, empfunden wird. Was aber wäre gewesen, wenn dieser Generalstabsoberst ein Jude gewesen wäre. Das ist gar nicht auszudenken. Wie.aber, in der judenrMen,. christlich-grisch/rn Gesellschaft es zugeht, welche KiMeraRchäftlichVeit, gegenseitige „christliche Nächstenliebe" in diesen Kreisen herrscht, ersieht man aus einer Notiz dieses „Deutschen Volksblatt", welche als Zuschrift eines Offiziers ausgegeben wird. Es heißt darin: ... Es hat sich auch diesmal gezeigt, welch verderbliche Folgen es hat, wenn ein hypernervöser Mensch, der heute nicht mehr weiß, was er gestern angeordnet hat, mit der Leitung eines Amtsblattes des Kriegsministeriums, als das die „Militärische Rundschau" gelten kann, betraut wird. Wir haben in unserem Generalstab wohl weitblickende, tüchtige Männer, so zum Beispiel — ohne Namen zu nennen — einen Herrn in der Stiftskaserne pder einen Herrn in der Dreihufeisengasse, die berufen wären, die Leitung des kriegsministeriellen Organs zu übernehmen, und diese hätten gewiß die Affäre Redl schon am Montag erledigt, während gegenwättig wahrscheinlich erst Frauen gefragt werden müssen, wie und wann eine amtliche Mitteilung in der „Militärischen Rundschau" erscheinen darf. Am Sonntag hat sich Oberst Redl erschossen, am Donnerstag mittag hat Landwehrhauptmann Viktor Hueber das Ergebnis der amtlichen Untersuchung der .„Neuen Freien Presse" mitgeteilt, woraus zu ersehen ist, welch intime Beziehungen zwischen ihm und der Alliance Israelin bestehen. Es wird also gegen .einen Offizier zu Gunsten eines anderen.Offiziers eine Mine gelegt. In militärischen Angelegenheiten muffen, so heißt es, zuerst Frauen gefragt werden. Ja, wer sind denn diese Frauen? Man hat gesehen, daß Frauen nöttg waren, wenn jemand vom Kriegsminister Auffenberg Gewehre oder Kleider kaufen wollte' und daß sie für nötig erachtet wurden, als ein Offizier beim Kriegsministerium die Versetzung nach Wien erreichen wollte — aber, daß jetzt Frauen noch immer entscheiden sollen, was das Ministerium zu tun habe, das ist doch sehr überraschend. So sehen die Zustänhe aus in der jüdenrenrin Gesellschaft, zu welcher den „Semiten" kein Zutritt gewährt wird. Wir haben nur Eine Mitte: Gott schütze Oesterreich! -