Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 22 (30.5.1913)
- Date
- 1913-05-30
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3020846-3022035-3022058--22181-3047313- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 404 Dr. Btochs Wochenschrift: Nr. 22 krÄnbnt Albine, Schneiderin, geb. 19. September 1881 in Mähr.- Wannowitz, XX, Rauseberstrasse 17. Hirschl Karl, Kaufmann, geb. 1. Oktober 1884, Wien, Neubaugasse 66. Hoffmann Charlotte, Näherin, geb. 28. April 1869, Wien, VI.^ Mollardgas se 55. Oberländer David, Anstreichergehilfe, geb. 8. September 1871, Wien, XIV., Ortnergasse 3. Pakowsky, geb Singer Hedwig, geb, 3. Jänner 1882, Wien, XIII., Titlgasse 11. Sonnenield Rosa, Modistin, geb. 13. April 1888, Wien, XIV., Schweglerstrasse 10. Wahle Helene, Private, geb. 22.. Mai 1890 Wien, XVIII., Cottagegasse 18. Wegenstein Katharina, Hilfsarbeiterin, geb. 27. Juni 1897, Wien, XVI., Lorenz Mandlgasse 47. Wertheimer Lndwid, Zentraldirektor der Donau-Dampfschiffahrfs- Ges. geb. 7. Februar 1870 in Budapest, III., Hauptstrasse 60. Armin Freisinger, Oberkantor der isr>. Kultusgenteinpe Pilsen. . Zu feinem 40jährigen Dienstju-iläum am 6. Juni 1913. Wie in diesen Blättern bereits gemeldet wurde, sind es am 6. Juni 40 Jahre, daß Oberkantor Freisinger sein Amt in hiesiger Gemeinde angetreten hat. Der Jubilar wurde am 9. Oktober 1846 in Balassa Gyarmath (Ungarn) geboren und huldigje schon im zartesten Knabenalter dem traditionellen Cynagogengesange und der Musik. Auch der Vater Freisingersschlug die Zionsharfe so wundervoll, daß der Knabe schon im Elternhause Gelegenheit hatte, seine gefühlvolle Sopranstimme künstlerisch weiterzubilden. Seine musikalische Ausbildung erhielt er bei den Professoren Kawalczik und Stoll in Budapest. Sein strengreligiöser Sinn bestimmte ihn aber, der Synagoge treu zu bleiben, um seine Gesangsblüten als Kranz der Verherrlichung auf die Stirne des Judentums zu drücken. Am 6. Juni 1873 folgte er dem ehrenvollen Rufe der Kultusgemeinde in Pilsen, woselbst er auch außerhalb seiner Berufstätigkeit durch Friedfertigkeit, Leutseligkeit und durch seine gewinnenden llmgangsformen in den weitesten Kreisen sich Achtung und Wertschätzung erworben. Oberkantor Freisinger — der ewigjunge, glutvolle Sänger — besitzt ein mächtig aushallendes Organ, das durch seinen. melodischen Wohlklang und seine markige Fülle überwältigt und entzückt. Er versteht es meisterhaft, den althergebrachten Melodien ein musikalisch-künstlerisches Gepräge zu verleihen und durch die ideale Verschmelzung von Wort und Ton, von Tradition und Modernen ßn der Rezitation das Herz der Betenden zu erheben und erschüttern. Je höher er seine Stimme aufsteigen läßt, umso reiner und herrlicher schlägt er den Triller und umso ti-fer dringt er in die Seele der Betenden. Doch nicht allein durch seine Glanzleistungen, sondern auch kraft seiner musterhaften, religiösen Lebensführung ist er eine anerkannte Zierde seines Standes, und mit gerechtem Stolz nennen seine Berufsgenossen ihn als den Ihrigen, von dessen Ruhm und Glanz ein Widerschein auch aus sie fällt. Er hat den Kantorenstand zu Ehren gebracht und kann auf ihn das Wort rmserer Weisen angewendet werden, „nicht der Platz ehrt den Mann, sondern der Mann bringt den Platz zu Ehren". Möge der verehrte Jubilar, der seinen Platz noch heute, nach 40jähriger Amtstätigkeit, voll und ganz ausfüllt, diesen Platz noch lange zieren und Pilsen in den Tagen der Sefirah 5673 schmücken. Dr. Link. Göding. Montag, den 19. Mai l. I., verschied hier nach kurzem Leiden der pens. Religionslehrer und Matrikenführer Herr Moritz llllmann. Der Verblichene kam vor mehr als 40 Jahren aus Frauenberg in Böhmen an die damak hier bestehende isr. deutsche Volksschule als Lehrer, welche sich infolge eines Kompromisses mit der Stadtgemeinde einige Jahre später auflöste, um der städt. deutschen Simultan-Volksschule Platz zu machen, an welcher er als Religionslehrer nahezu 30 Jahre wirkte; auch an der deutschen Landes-Oberrealschule wirkte er mehrere Jahve in derselben Eigenschaft. Die allgemeine Beliebtheit, deren sich der Verstorbene bei jung und alt erfreute, kam bei dem am Mittwoch, den 21. d. M., stattgehabten Leichenbegängnisse zum Ausdruck. Die hervorragenden Eigenschaften des Verblichenen hob Herr Rabbiner Dr. Lazarus in seinem meisterhaften Nachruf hervor, worauf Herr Kultusvorsteher Dr. Körner in kurzen prägnanten Motten nochmals die Verdienste des Verstorbenen hervorhob und im Namen der Kultusgemeinde Abschied von demselben nahm, woraus die sterblichen Reste der Erde übergeben wurden. Kohljarwwitz. (Großer Brand.) Die jüdische Gemeinde in Kohljarwwitz, welche zu den ältesten jüdischen Gemeinden Böhmens zahlt, wurde am 23. Mai l. I. von einem schweren Unglücke heimgesucht. 15 Häuser, deren'Insassen zumeist Anden waren, nebst dem altettümlichen Tempel wurden eingeäschert. Unter diesen Gebäuden befand sich auch die im Jahre 1897 aufgelassene zweiklaffige deutscheMolksschM aus welcher Dank der pflichttreuen^ üi^ eifrigM'^d^M/'zu-denew durch 17 Jahre der nun in- Mähren^ alk^^tMe-Oberlehker I. Robitschek zählte, tüchtige Männer h'ervorgingeri,-welche nunmehr hervorragende Stellen einnehmen. Die ehemals, große und recht reiche jüdische. Gemeinde Kohljänowitz wird sich von diesem Unglücke schwer erholen, da die Objekte ziemlich gering versichert waren und die Gemeinde teils durch Aussterben, teils durch Uebersiedlung reicher Familien nach Prag im Laufe der Zeit verarmte und sich beträchtlich verkleinerte. Rasche Hilfe tut not. Bis dat, qui .cito dat. Aus CsäHtornya wird gemeldet: Donnerstag nachts verschied hier im 77. Lebensjahre der verdienstvolle Oberrabbiner Jakob Schwarz, der erst kürzlich anläßlich seines fünfzigjährigen DienstjUbiläums mit dem goldenen Verdienstkreuz mit der Krone ausgezeichnet wurde. Er entwickelte im Laufe von einundfünfzig Jahren eine segensreiche seelsorgerische Tätigkeit. Eine zahlreiche Verwandtschaft beklagt den Heimgang des allgemein geschätzten Mannes. Der Entdecker des Petroleums.*) Von Hermapn Blumenthal, Wien. Abraham Schreiners Hütterkagnn einer Talsenkung am Nordrande des Gebirges und in seinem Kelleiv versiegte die Erd Ölquelle ni em als. Von seinem Vater Hatte er das Geheimnis geerbt, dickflüssige Wagenschmiere zu erzeugen, indem man den Quellschlamm vor dem' Aufkochen mit feinem Sand vermischte. Da zu dieser Zeit die Wagenschmierindustrie in Boryslchw' sehr groß war und Schreiner für sein Erzeugnis einen besseren Preis als die anderen erzielte, erwarb er soviel, daß, er sichbescheiden ernähren konnte. Schreiner lwar in der Gegend der einzige, der eine schwarze Stiefelwichse herstellte, und für einen Scheinkreuzer konnte sich jeder bei ihm seine Stiefel schmieren. Auch schien der gereinigte Schlamm für Heilzwecke besonders geeignet, und die Bauern benützten ihn zum' Auflegen auf Wunden. Gegen Ende Oktober des Jahres achtzehnhundertdreiundfünfzig batte es zu schneien angefangen und es> war plötzlich Winter geworden. Als Schreiner eines Morgens erwachte, hatte der Wind von den Bergen den Schnee fohoch, vor seine Hütte geweht, daß, er nicht aus die Gasse hinaus konnte. Das Verhungern brauchte er nicht zu fürchten, denn in der Kammer lagen bereits die Vorräte für den Winter, bestehend aus einigen Säcken Mais, Kornmehl, Buchweizen, und Kartoffeln, und so war es nur das Fehlen eines Brennstoffes, das ihn zur Verzweiflung' trieb. Schreiner hatte als Knabe Talmud studiert und als er älter wurde, wußte er am Abend keine bessere Zerstreuung, als in den heiligen Büchern zu lesen. Schon am ersten Abend war das Oellämpchen ausgegangen und der junge Mann lag länge' auf der Ofenbank, ohne Schlaf finden zu können. Früh brach jetzt Pie Nacht herein, aber auch am Tage herrschte in der Stube durch die angehäusten Schneemassen eine trübe Dämmerungso, daß Schreiner *) Hermann Blumenthal, der Verfasser der Romantrilogie „Der Weg der Jugend" veröffentlicht soeben einen neuen Roman unter dem Titel „Der Weg zum Reichtum", (Verlag. Felix Lehmann, Berlin W. 35) in dem er uns das tragische Schicksal Abraham Schreiners, des Entdeckers des Petroleums, vorführt. Abraham Schreiner, der der Welt das Licht geschenkt hat, ist im Finstern gestorben. "