Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 21 (23.5.1913)
- Date
- 1913-05-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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2>fttc 386 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 21 Literatur. Das Jahrbuch LSLL der Ungarischen israelitischen Literaturgefellschaft. Mit den Schwalben und den ersten Frühlingswinden fliegen uns wie alljährlich die zwei Prachtbände: Jahrbuch und Beilage der ungarischen israelitischen Literaturgejellschaft zu; Prachtbände, nicht nur in ihrer äußeren, vornehmen Erscheinung und Ausstattung, sondern noch mehr, was Wort und Form des Inhaltes anbelangt. Besonders das vom Präparandiedirektor Dr. Josef Bänoczi redigierte Jahrbuch hat sich schon längst seinen Ehrenplatz an beiden Festtafeln, sowohl an der jüdischen, wie an der ungarischen, gesichert, denen es von Jahr zu Jahr neue, erquisite Leckerbissen bringt. Indem es das ungarische Publikum aufklärend und erziehend für jüdische Tradition und Vergangenheit begeistern will, zeigt es dem Ausiande mit Staunen, welche Gegenwartswerte diese Judenheit birgt, der ungarischen Literatur aber, das; sie die jüdischen Schriftsteller zu ihren Besten zäh.en kann und muß. Die bearbeiteten Themata rönnen wir in aktuelle, historische, literarische und belletristische cintetlen. Gleich an erster Stelle finden wir einen glänzenden Festartike! des Budapester Realschulprofessors Dr. B. Heller, der den Manen des seinerzeiligen 48er und 67er ungarischen Kultusministers Baron Josef Eötvös — anläßlich seines 100. Geburtsjubiläums — opfert. Durch eine Reihe seiner in Literatur und Politik geäußerten Gedanken, lleberzeugungen und in7-! Taten zeigt er uns, wie stolz nicht nur die ungarische Judenheit auf diesen edlen Lampen alles Fortschrittes sein kann, der wie bis heute kaum ein zweiter das Judentum kannte, anerkannte und deshalb schätzte. Aus ähnlichem Anlasse würdigt der bekannte Rabbiner von Nagykanizsa, Dr. E. Neumann, die Wirksamkeit seines großen Großvaters, Ludwig Ph'llppson. Während Rabbiner M. Rubinstein des im Vorjahre verstorbenen Distriktspräsidenten A. Leopold in kurzen, warmen Worten gedenkt, liefert uns Aier. Mezey eine geistvolle Charakteristik Adolf Agais, des Großmeisters der ungarischen Feuilletonistik und der jüdischen Satyre. Ein Lieblingsthema unserer neuzeitlichen, historischen Apologetik bildet die — ich will sagen, Popularisierung des Talmuds, mit dem sich zwei Arbeiten befassen. Prof. M. Guttmann, der tiefgelehrte Herausgeber des Miftach Hatalmud, schreibt über das Verhältnis des Talmuds zu den Andersgläubigen, um mit einer Polemik gegen das neueste Pamphlet Polonyis zu enden, Dr. A. Kecskemeti aber über eine scheinbar fremde Wissenschaft, die Astrologie im Talmud. Geschichtliche Untersuchungen aus den letzten Jahrhunderten bringen der verdienstvolle V. Mandel, der mit viel interessanten Details den Lebenslauf eines Arztes im XVIII. Jahrhundert, Dr. M. Markus, erzählt, der als Cohn des Preßburger Rabbiners R. Moses Charif nach Deutschland kommt, dort an der Bützower (heute Rostocker) Universität promoviert, aber den Missionsversuchen seiner besten Freunde nur schwer widerstehen kann. Rabbiner I. Goldberger zeigt uns auf Grund von Urkunden, wie es in seiner gewesenen Gemeinde S. Ujhely vor 100 Jahren ausgesehen haben mag, der Museumskustos B. Fabö aber skizziert uns den 1848er traurigen Pefsach in Preßburg, dessen lebhafte Schilderung wir neuerdings auch in dem interessanten Buche S. Mayers: Ein jüdischer Kaufmann (S. 139) vorfinden. Die jüngste Geschichte der Juden in Kroatien vor ihrer Rezeption, 1873 bis heute, schildert uns Rabbiner Julius Diamant recht ausführlich, während der bekannte Verwalter der Hirschschen Stiftungen in Paris, S. Sonnenfeld, uns eigentlich über dir Gegenwart noch hinausführt. Mit Anerkennung der palästinensischen Bestrebungen referiert er über die Kolonisation in Argentinien, wo ein Volk — wie er sich ausdrückt — zu neuer Arbeit und neuer Zukunft geboren wird. Literarisches Interesse beanspruchen der Artikel M. Bartas: Heber biblische Ausdrücke und Sprichwörter im Ungarischen, der wohl in manchem übers Ziel schießt und eher eine Zusammenstellung jener geflügelten Worte und Wendungen bietet, die aus dem reichen Schatz der» Bibel in die gemeinsame Sprache der Kulturvölker übergegangen sind. In konkreter Weise forscht St. Radö den jüdischen Beziehungen und Gestalten in den Werken des großen Gentrynovellisten, Koloman Mikszath nach, während den vom Oedenburger Rabbiner, Dr. A. Pollak gepflogenen eingehenden Untersuchungen über das Verhältnis des ungarischen Dichters und ref. Geistlichen, M. Tompa, zur Bibel ein eigener Band, die Mitgliederbeilage der Gesellschaft, gewidmet ist. Erwähnt sei noch die Abhandlung A. Harmos' über die Gebetbuchübersetzung der sogenannten Sabbatäer, deren Pechysches Psalterium durch die ungarische Akademie der Wissenschaften eben jetzt zur Ausgabe gelangt. — Im großen und ganzen also keine fachmännischen Spezialforschungen, wohl aber, ein echt wissenschaftliches Niveau im Inhalt, in der Form, stets anziehend und geistvoll, lesenswert und abwechslungsreich — das ist und bleibt die Losung des Jahrbuches. — Die zur Würze eingestreuten belletristischen Beiträge sind heuer etwas schwächer geraten, H. Lenkei, S. Feleki, Arnold Kiß, A. Szogö, M. Boigar, Ignatz Balla stellen mit ihren dichterischen und prosaischen Produkten, Frau Rabbiner Dr. Steinherz mit ihrem kurzen Dramolet trotzdem in Formgehalt, Stil und Sprache jedenfalls den ehrlichen, guten Konservativismus in der ungarischen Literatur dar. Im referierenden, amtlichen Teile des Jahrbuches finden wir unter den aufgezählten 2406 Mitgliedern der Gesellschaft bloß 4, sage vier Mitglieder aus der ziemlich großen Ungarngemeinde in Wien, aus ganz Oesterreich elf Mann. Vielleicht könnte diesenl Mangel an Interesse durch einen kurzen deutschen Jnhaltsanhang abgeholfen werden, falls die Statuten der Gesellschaft dies gestatten. Stuhlweißenburg. Dr. A. F ü r st. Dr. Leopold Stein, Rabbiner, Dresden. Rabbi Akiba und seine Zeit. Preis 1.80 M(. Berlin 1913. Verlag Louis Lamm, Berlin C. 2. Neue Friedrichstraße 61—63. Jung-Juda» Illustrierte Zeitschrift für unsere Jugend. XIV. Jahrgang, Nr. 10. Prag, den 16. Mai 1913 (9. Ijar 5673). Inhalt: L. Lädier: Boten. — Dr. Adolf Schmiedi: Das Sabbat- und Jubeljahr. — Heinrich Löwe: Eine Fahrt ins Geisterland (Forts.) — Micha Josef bin Gorion: Der Fuchs und das Wiesel. (Schluß.) — Ben Jehuda: Von der Eisenstädter Judengemeinde, (Mit Illustration.) — Ida Böck: Das Geburtstagsgeschenk. (Forts.) — Dr. Hans Gideion: Deutung. (Forts.) — Osias Deutsch Die Wohltätigkeit! — Guck in die Welt. — Rätsel. — Frage und Antwort. — Redaktion und Administration: Prag, II., Stefansgasse 629. Das Jerusalemer und palästinensische Kunstgewerbe. Eine systematisch zusammengestellte Spezial-Namen- und Preisliste seiner Haupterzeugnisse. Herausgegeben von Philipp Kieferndorf, Prediger a. D., Dozent in Jerusalem. Preis 20 Pf., 25 Cts. oder 25 Heller, Briefmarken aller Länder in Zahlung angenommen. Bei nachfolgenden Bestellungen Rückvergütung des betr. Betrags. Selbstverlag des Herausgebers Phil. Kieferndorf in Jerusalem. Rabbiner W. Reich, Baden bei Wien. Berühmte Judengemeinden des osmanischen Reiches. Sonder-Abdruck aus Dr. Bloch’s »Oesterreichische Wochenschrift«. Frankfurt a. M. 1913. Verlag von J. Kauffmann. Das am 15. Mai erschienene zweite Heft der „Freistatt“, alljüdische Revue, hat folgenden Inhalt: F. M. Kaufmann, Alljüdische Kritik, Dr. Nathan Birnbaum, Sprachadel, Schalom Asch, Jerusalem, Davis Trietsch, Der große und der kleine Zionismus, L. Chasanowitsch, Das jüdische Proletariat in Nordamerika, Dr. M. Mayer, Einführung in die hebräische Literatur, Gedichte von Else Lasker-Schüler, Nowonod, Ludwig Strauss, Yiddische Volkslieder, Glossen. Probenummern durch den Verlag der »Freistatt«, Eschweiler. Krieflmste«. R. V. Die Formel des Eides bei Uebertritten zur katholischen Religion haben wir einmal wohl zum Abdruck gebracht, doch können wir die betreffende Nummer nicht mehr eruieren und der Wortlaut ist uns nicht gegenwärtig. K. F. Es ist richtig: Einer der jüngst in Paris Hingerichteten Banditen, Monier, führte bekanntlich den Spitznamen „Simentoff". Nur in antisemitischen Blättern wurde daraus der Schluß gezogen, daß Monier angeblich von Juden stamme. Es hat aber die Strafverhandlung gegen ihn ergeben, daß er lange Zeit hindurch sich unter dem Decknamen Simentoff und versehen mit den Papieren auf diesen Namen lautend in Paris Herumtrieb. Es ist ohne Zweifel festgestellt worden, daß Monier einen orientalischen Juden, der den im Orient nicht seltenen Namen Simantoff führte, beraubt, vielleicht gar ermordet und sich in den Besitz seiner Dokumente gesetzt bat. Simantoff bedeutet bekanntlich in hebräischer Sprache gutes Omen, für Monier waren es die geraubten Papiere allerdings nicht. Im übrigen bewies das Verhaften des Banditen während seiner letzten Lebensstunden auch, daß er vom Judentum und seiner Morallehre nicht die geringste Ahnung hatte, denn in seinen letzten Verfügungen findet sich auch der Wunsch, daß sein Revolver einem Museum vermacht werde, nachdem in das Mordinstrument die Worte eingraviert worden sind : „Du sollst nicht morden". Monier nennt dieses Gebot des israelitischen Dekalogs „das erhabene Wort des grosten Märtyrers der Menschheit". Man sieht also, daß Monier nicht einmal wußte, daß die zehn Gebote, gegen welche er mit solch' kaltem Blute unzählige Male gesündigt hatte, von Moses und nicht vom Begründer der christlichen Religion stammen. CH. M. Haß. Die Sätze „Wer der Ehre nacheilt, den flieht sie und wer sie flieht', dem eilt sie nach!" „Wer sich erniedrigt, den erhöht Gott, aber wer sich erhebt, den erniedrigt er" finden sich Erubin 13.