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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-05-23 · 21 (23.5.1913) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
21 (23.5.1913)
Date
1913-05-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 21 Dr. Bloch’s Jahrgang txy Zenttaloroan für die gesamten Interessen des Judentums O<7- A. fc. Pofisparkralsrnaml i)0 Sleartng-VerKebr «r. 810.976. Redaktion und Administration. < wir» H/i, Praterstraße 9 Xelefon 14847 o O ■ -—‘J o im, 23. Mai 1913 Lrscbetnt jeden LreLtag. Brief-Adresse: Wien» ll/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wie«. OCr " - " —t)Q O Vrprgsprri» für Vrsterrrirh: C Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 56 Heller. Für'« Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die nal gespal» 2 tene Petitzeile 48 Heller. OP - —Oo Inhalt: Leitartikel: Der Herd der Korruption. — Der neue Statthalter von Galizien. — Vom Jahrmarkt des Lebens« Die fortschreitende Demoralisation und Barberei. Aufruf! General v. Rennenkampf gegen die Wilnaer Juden. Wichtige Erklärungen eines bulgarischen Diplomaten über die Zukunft Albaniens. Der Führer der bulgarischen Zionisten über die Lage der Juden in Bulgarien. Eine Rede Lord Milners. Ausrüstung der österreichischen Landwehr- und Feldrabbiner. Die Eger-Familie. Die Regulierung der Einwanderung in Südafrika. Ehrung einer jüdischen Juristin. Altjüdische Musik in der russischen Oper. — Korrespondenzen: Generalversammlung der Chewra-Kadischa. Der Rechnungsabschluß der isr. Kultusgemeinde. Hilsner in der Strafanstalt Stein. Die Große Schiffgasse. Das Nachspiel zu der Koliner Ritualmordcffäre. Aus der „Agudas Jisroel"- Bewegung. Agudas Jisroel in Paris. Strafe für das rituelle Schächten. Der Rücktritt eines Kantonisten. Auszeichnung in Italien. Synagogenbrand in Jaffy. Juden in Kurplätzen und Sommerfrischen. Lieber eine Epidemie, als jüdische Aerzte. Oskar S. Strauß beim König von Italien. Ein jüdisches Knabenorchester bei einer Parlamentsschlußseier. Boykott gegen die Verunglimpfung von Juden auf der Bühne. Luigi Luzatti gegen Take Jonescu. — V ermi sch t es. — Feuilleton: Elegie an die Gaffe.— Literatur. — Briefkasten. — Inserate. vis Redaktion u. Administration der „Oesterreichischen Wochenschrift“ befindet sich von nun an Wien) II|i, Praterstrasse Nr. 9 Telephon. 14.847. Der Herd der Korruption. Jede Kriegsgefahr ist nun vorüber. Das albanische Geplänkel hat keinerlei Bedeutung und wird über ein Schachspiel der Diplomaten nicht hinauswachsen.. Aber hat es überhaupt eine Kriegsgefahr für Oesterreich gegeben? Darüber wird in der ganzen Oeffentlichkeit und im Parlamente eine heftige Debatte geführt. Es ist kein Zweifel darüber vorhanden, daß die Ankläger sehr viel Recht auf ihrer Seite haben. Sie behaupten, daß wiederholt aus nichtigen Ursachen und mit ,Vehauptung falscher Tatsachen von gewissen verantwortlichen Leuten unserer auswärtigen Politik Kriegsrummel erregt wurde, der dann in Nichts zerrann, und daß teuere und große Rüstungen ohne jeden zureichenden Grund gemacht worden sind. Das ist eine sehr schwerwiegende Anklage in einem konstitutionellen Staat. Man muß bedenken, daß bte militärischen Vorbereitungen riesige Suntmen gekostet haben, etwa vierhundert Millionen, daß das ganze wirtschaftliche Leben vernichtende Schläge erhielt und daß in unzähligen, mit Einberufungen heimgesuchten 'Familien Katastrophen hervorgerufen wurden. Das find riesige Schädigungen in einer armen, wirtschaftlich rückständigen Monarchie mit wachsender Reichsverdrossenheit unter den Nationalitäten. Wir hätten alle Ursache gehabt, uns mit den Völkern des Balkans gut zu stellen, der unser einziges Absatzgebiet ist, und es hätte vollauf genügt, w>enn wir unser wirklich bestehendjes Interesse an der albanischen Adriaküste als einzige Forderung aufgestellt und durch ein schwaches militärisches Aufgebot gedeckt hätten. Statt dessen hat man es versucht, künstlich einen Krieg zu erzeugen durch die Aufstachelung der Volksmeinung, welche man mit gefärbten Berichten und fortwährender Erregung traktierte. Man gab' es nacheinander für einen Kriegsfall,' aus, wenn der Status quo verletzt würde, wenn der Sandschak besetzt würde, wenn die Serben über das Amselfeld gingen. In allen diesen Fällen aber hat man ohneweiters nachgeben müssen, da die anderen Staaten des Dreibundes für eine Gewaltpolitik nicht zu haben waren. Man hätte sich aber vorher bei diesen genau informieren können, statt die sogenannte kriegerische Volksmeinung erzeugen zu wollen, von der man sich gerne in ein Losschlagen hätte drängen lassen. Diese Volksmeinung ließ sich aber durch die überlebten Scherze nicht fabrizieren. Kriegslust herrscht jetzt in keinem Staate der Welt und in unserem schon gar nicht, seit man die obenerwähnten Scherze erkannt hatte. Die Arrangeure halten nämlich für ihre Zwecke verlautbaren lassen, daß das Handschreiben des Kaisers an den Zaren wegen der gegenseitigen Abrüstung kernen Erfolg gehabt habe und daß der Konsul Prohaska in Prizrend ermordet worden sei. In beiden Fällen war aber das Gegenteil richtig, und nun hatte schon gar .niemand mehr Lust, wegen einer unaufrichtig geführten Politik auch nur einen einzigen Soldaten zu riskieren. Im Falle Durazzo und Skutari, wo wir wirklich im Rechte waren, weil es die albanischen Fragen sind, haben wir unser Recht auch erhallen, und zwar auf diplomatischem Wege, wie wir es zu Beginn des Krieges hätten haben können. Jetzt entsteht die Frage, wer die Schuldigen des verderblichen Treibens gewesen sind. Es hat natürlich eine Zentrale für die Fabrikation der öffentlichen Meinung gegeben, und das war das Preßbureau des Auswärtigen Amtes, wo die Zeitungen ihre Informationen erhalten. Es wäre jedoch vollständig verfehlt, bei dieser Instanz in der Verurteilung stehen zu bleiben. Im Preßbureau arbeiten recht viel Leute, welche die rein ungarischen, aus einen Balkankrieg abtzielenden Interessen vertreten. Auch machen sich aus natürlichen Grün-

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