Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 20 (16.5.1913)
- Date
- 1913-05-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 20 Dr. Bloch’s Jabrnana uz Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums« Wien, 16. Mai 1913 LrsiLetnr jeden Freltsg. Brief-Adresse: Wien, N/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adrefse: Bloch'S Wochenschrift, Wie«. Inhalt: Leitartikel: Die »Große Schiffgassen". — Nobile par fratrum. — Die Entwicklung und bleibende Bedeutung der jüdischen Religion. — Die Wiener Vereinsrabbiner an den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Ein jüdischer Staatssekretär im ungarischen Justizministerium. Ein neuer jüdischer Richter in Irland. Jüdische Mitglieder des amerikanischen Senats. Warnung vor Masseneinwanderung nach Bulgarien. Die kanadische Regierung und die russische Paßfrage. Auch die Russen verlassen Rußland. Vereinigung der Familie Eger. Die Prager zionistische Auffassung der Mischehe. Seuchen und Seuchenbekämpfung in Jerusalem. — Die Beteiligung der Juden am Serischen Welthandel im Altertum. — Korrespondenzen: Aus der Plenarsitzung des Vorstandes der isr. Kultusgemeinde Wien am 7. Mai unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Oesterreichisches Seehospiz. Die siebente Generalversammlung des Hietzinger Frauenwohltätigkeitsvereines. Zur Aktion der Prager Kantoren. Ein Ritualmordmärchen. Prag. Eine Fälschung der „Nowoje Wremja". Lieber Juden als Getaufte. Hungersnot unter den Juden von Odessa. Zurückgewiesene Loyalität der Juden. Eine Emigrantentragödie. — Der jüdische Minister Samuel wiedergewählt. König Georg bei Leopold de Rothschild. Synagogenbrand in Jasiy. Brieflicher Religionsunterricht für Farmerkinder. Juden in Kurplätzen und Sommerfrischen. — Vermischtes. — Feuilleton: Ein verschollener Wundermann. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. O 0 --0 O p 9tpxgapvtte für ©*pt»rretn;: Q Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die malgespal. 2 tene Pelilzeile 48 Heller. C, OP _■ --■■■ — ■■ —Qo °Cr n> =00 «. ft. PwBlparftaflTmatnt Clearingverkehr •ftt. 810.976. Redaktion und Administration: i s n U/i, Praterstraße 9 ö Telefon 14847 nP ■ — --OÖ gg- ■■ ... ■■■ Die Redaktion u. Administration der „Oesterreichischen Wochenschrift" befindet sich von nun an Wien, II |i, Praterstrasse Nr. 9 Telephon 14.847. Nobile par fratrum. Auf dem Turm des Rathauses wehten zum Empfang des deutschen Schulvereins schwarz-rot-goldene Fahnen. Das ist wohl ein höchst merkwürdiger Schmuck für die Burg der Christlich-Sozialen. Die schwarz-rotgoldene Fahne erfreut sich nämlich gar keiner offiziellen Beliebtheit. So oft sie in einer der Provinzstädte weht, um einen harmlosen und trinkfesten Sängerverein zu begrüßen, werden ' die Bezirkshauptleute merkwürdig nervös und mancher von ihnen hat auch schon in übergroßem Eifer ein plötzliches Verbot gegen die demonstrativen Flaggen erlassen, um welche dann im Parlamente so hitzige Schlachten geschlagen wurden, als handle es sich um dise Fahne eines Regiments auf dem SchlachHelde. Die deutschnationale Tricolore steht nämlich im dringenden Verdacht, die Fahne des Hochverrats zu sein und von jenen Leuten geschwungen zu werden, welche den Anschluß an Preußen und das Deutsche Reich herbeiwÄnschen. Aus diesem Grunde wurde ihr denn auch von den Christlich-Sozialen seinerzeit der heilige Krieg erklärt und bei den großen ^chimpfduellen zwischen Lueger und Wolf im Reichsrat spielten die beiden Worte „Preußenseuchler" und „Stiefelwichspatriot" eine große Rolle. Ursprünglich zogen nämlich die Rathauschristen als die wahren und einzigen und patentierten Reisigen des Patriotismus in die Welt und sagten der Regierung, daß sie den Staat vor den Gefahren der vaterlandslosen Sozialdemokratie und den verräterischen deutschen Nationalismus retten würden. Damals brauchten sie nämlich die Unterstützung der Behörden gegen das Gesetz und unter dem Schatten der schwiarzgelben Flagge wuchsen sie gewaltig heran als erbitterte und erklärte Feinde der schwarz-rot-goldenen Fahne. Jetzt aber brauchen die Christlich-Sozialen die Behörden nicht mehr, von denen sie die wichtigsten bereits in der Hand haben. Jetzt brauchen sie Wähler, weil das Publikum langsam die Komödie verläßt, welche die Christlich-Sozialen der Bevölkerung so lange vorgespielt haben. Man hat genug von den Feinden der Korruption, welche selbst die ärgste Korruption getrieben haben, genug von den Ordensschleichern und Aemterjägern. Trotz aller Bramarbasreden würden sich bei einem Wahlgange unter allgemeinem Wahlrecht die vernichtenden Junitage wiederholen. Daher blickt man sich denn nach Bundesgenossen um. und zur heitersten Revanche und großen Verblüffung für die Regierungsprotektoren erscheint auf dem Rathaus die schwarz-rotgoldene Fahne und wird der Schulverein, der Vorkämpfer für die deutsche Freiheit, deutsches Empfinden etc. (siehe ..höchste Güter") zum erstenmale seit seinem Bestehen im Rathause empfangen, und zwar von einem Weiskirchner und einem Porzer. Was steht denn darüber im teutschen ..Scherer", der ebenso grimmig über die Juden wie über die Pfaffen herzufallen pflegte? Er wird doch nicht leugnen wollen, daß die Christlich-Sozialen eine Partei sind, welche mit. durch und für den Klerikalismus entstanden sind und die erbittertsten Feinde der Los von Rom-Bewegung sind. Man hat auch anfangs gar nicht glauben wollen, daß jene Mischpartei Zusammenkommen wird, welche der ehemalige deutsche Landsmannminister Schreiner befürwortet hat. Aber wir haben schon damals gesagt, daß das Erstaunen von den Tatsachen noch eine Vergrößerung zu erwarten hat. Wirklich mußte denn auch dev freiheitliche Abgeordnete Ganser den deutschen Nationalverband verlassen und bei den Bezirksratswahlen in Währing ist die christlichsozial-deutschnationale Kompagnie ganz nach Rathauskommando marschiert. Es war