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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-05-09 · 19 (9.5.1913) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
19 (9.5.1913)
Date
1913-05-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Br. 19 Jjljrjjnj sxx Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. Wim, 1 Mai 1913 : ErscDetnt je&en fteltag. : Brief-Adresse: Wien, ll/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch S Wochenschrift, Wien. o.ü- - - =öc p *rpr830^rr*t» N» VestrrrrUH: <- Halbjährig 8 Kronen: Etnzeleremvlare 56 Heller». Für s Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Sanzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die »algespa!» j tene Pettrzetle »8 Heller. C Q O - - —O o A. K. PoMpsrNalTensna Sleartng--Verkedr «r. Sl 0.976. Revattion unv Adrnrnistralton. Wir« ÖO 9 ll/i, Praterstraße 9 Telefon 14847 OG: =ÜO Inhalt: Leitartikel: Die Drahtzieher der Politik. — Die Entwicklung und bleibende Bedeutung der jüdischen Religion. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die jüdische Seelsorge im k. u. k. Heere. Die österreichische Länderbank unterstützt die Boykottierung jüdischer Arbeiter. Jüdische Bergarbeiter in österreichischen Bergwerken. Jacob H. Schiffs große Spenden für Kulturzwecke. Der Peffach der Einwanderer. Der Einfluß der Emigration auf die körperliche Entwicklung. Ehrungen Nathan Strauß' in Europa. Von den australischen Juden. Juden in der afrikanischen Oase Figuig. — „Sumpfpflanzen." Von Dr. Simon Mandl. — Die Beteiligung der Juden am Serischen Welthandel im Altertum. — Korrespondenzen: Brockensammlung für jüdische Arme. Verein der Sabbathfreunde „Schomre Schabbos". Wien. Zur Aktion der Prager Kantoren. Em „jüdisches" (?) Hotel. Franzensbad. Das Ende einer antisemitischen Gründung. D'e Anerkennung des Beth-din von Tripolis. Der Kampf gegen die jüdischen Publizisten in Rußland. Ein Werk über die Juden in der rufflschen Armee. Ein Sieg der reinen Hände. Ein Afchkenafi Parnaß einer fephardischen Gemeinde. Eine scharfe Kritik des Direktors der Kolonialbank. Ein Vortrag in der jüdischen Liga für Frauenstimmrecht. Die Gründer des Londoner University-College. — Vermischtes. Feuilleton: Stadt und Land. Die tausendjährige Synagoge zu Feodofia (Krim). — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Die Redaktion u. Administration der „Oesterreichischen Wochenschrift“ befindet sich von nun an Wien, II|t, Praterstrasse Nr. 9 Telephon 14.847. Die Drahtzieher der Politik. Während der letzten sechs Monate sind wir wiederholt vor dem Kriege gestanden. Es war nicht angängig, davon zu sprechen und Kritik zu üben in einer Zeit, in welcher die patriotische Einigkeit dem Auslande gegenüber zu einer moralischen Pflicht wurde. Jetzt aber sind die unmittelbaren Gefahren vorbei und es wurde möglich, die Ereignisse i.n einer Rückschau vorüberziehen zu lassen und ihre Geschichtsklitterung zu untersuchen. Wir wollen nun ganz davon absehen, daß die Erhaltung des Status qua, des allgemeinen Besitzstandes der Balkanvölker als europäisches Gesetz verkündet und den 'Feinden der Türkei vor Ausbruch der Streitigkeiten mit Donnerworten verkündet wurde, daß sie auch im Falle eines Sieges keinen Gebietszuwachs erh'alten würden. Diese Ankündigung war in ihrer lächerlichen Haltlosigkeit eine gesamte europäische Blamage und kann nicht einem einzelnen Staate angerechnet werden. Dagegen hat es ein paar spezielle österreichische Drohungen gegeben, welche einer Erinnerung und Untersuchung wert sind. Zuerst hat es geheißen. daß der Sandschak ein Gebiet wäre, in welches der Krieg unter gar keinen Umständen getragen werden dürfe. Dann kam es zu einer offenen Drohung gegen die Serben, wenn sie die Städte der albanischen Ebene, des Amselfeldes, besetzen würden, weil wir den Weg nach Saloniki unbedingt freihalten müßten. Schließlich gab es die Affäre des Konsuls Prochaska in Prizrend, die Besetzung des Hafens von Durazzo durch die Serben und zum Schlüsse die Skutariaffäre. Bei allen diesen Gelegenheiten stand ein starkes und kostspieliges Militäraufgebot unter den Waffen und von Fall zu Fall wurde versucht, die öffentliche Meinung zu einem Kriege aufzuwiegeln. Das gelang aber durchaus nicht, weil sich der gesund^ Menschenverstand gegen einen Krieg am Balkan heftig sträubte. Gin Eroberungskrieg am Balkan wäre der Krieg mit Rußland geworden und vielleicht der Weltkrieg. Rußland hatte auch schon mobilisiert, damit niemand den Balkanvölkern in den Rücken fallen könne. Da wäre es nun Sache der einfachsten Klugheit gewesen, statt der fortschreitenden, lächerlichen Feindseligkeiten der Diplomaten mit dem Balkanbund Frieden zu schließen, nachdem man auf Albanien Beschlag gelegt hatte, das einen Teil der adriatischen Küste bildet und auf das wir ein von allen Mächten zugestandenes Recht besitzen, weil wir in der Nähe von Triest und Dalmatien keinen neuen mächtigen Faktor dulden können. Hätten wir dieses Recht auf Albanien allein proklamiert und sofort scharf wahrgenommen, im übrigen dem Bund aber freie Hand gelassen, so würden wir von niemandem gestört worden sein, hätten sämtlichen Affären auf anderen Gebieten ausweichen und die wirtschaftliche Gehässigkeit am Balkan vermeiden können. Es hat sich ja auch gezeigt, daß wir in den rein albanischen Fragen die Unterstützung fast aller Großmächte haben, weil keine von ihnen will, daß sichvia Serbien Rußland in einem Teile des Mittelmeeres festsetzt. Man hatte aber immer den Eindruck, als sollte immer in unserer auswärtigen Politik ein Grund zum- Kriege stets mit Gewalt gesucht werden. Wir können dem Kaiser nicht genug dafür danken, daß er es hat zu diesem ganz unnötigen Unglück trotz allem Drängen nicht kommen lassen. Im besten Falle, im Falle des Sieges, hätten wir uns auf dem Balkan, in unserem einzigen wirtschaftlichen Absatzgebiet, eine tötliche Feindschaft auf Jahrzehnte hervorgerufen, die zum Teile durch die Kriegshetze geweckt worden ist. Warum also stets die gepanzerte Faust, da doch alle moderne Politik Freundschaft und offene Märkte sucht und alle politischen Weltspannungen auf Handelskonkurrenz zurückzuführen sind? Man wird die Antwort leicht finden, wenn man die

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