Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 17 (25.4.1913)
- Date
- 1913-04-25
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 314 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. n Reilie von Kaspis theologischen Abhandlungen bereichert, die den Titel: cn führen und hievon verdient eine Abhandlung, in weitesten Kreisen der jüdischen Leserwelt besondere Aufmerksamkeit. 'Wir wollen erst einiges über Wesen und Tendenz der ganzen Schrift zur Aufklärung mitt eilen. Die Schläft scheint eine Apologie der Lehre des Judentums zu sein. Wie wir wissen, hat Kaspi an der Disputation in Valencia zwischen christlichen Geistlichen und jüdischen Rabbinen teilgenommen. Vielleicht verdankt gar die ganze Schrift diesem Anlasse ihre Entstehung. Die Fragen, die darin behandelt werden, sind: Wie verhält es sich mit den Verheißungen in den heil. Schriften? Wie sind die dreizehn Eigenschaften Gottes zu deuten? Kennt das Judentum einen Gott der Liebe oder Rache? (Wie sind die Versuchungen und Prüfungen im menschlichen Leben zu erklären? Und schließlich: Welche Bewandtnis hat es mit den Zerstörungen des Tempels und mit der Wiederherstellung des jüdischen Staates? Alle diese Fragen bildeten die Kardinalpunkte der Polemik seit der Zeit der Kirchenväter. Die letzten zwei Punkte wurden jedoch besonders scharf und mit Nachdruck betont. Die Zerstörung des Tempels galt als Beweis für die Verwerfung des Judentums. Seit dem zweiten Jahrhundert begegnen wir diesem Argument in jeder Kirchengeschichte und bei den alten Schriftstellern der Kirche (s. meine Religionsgeschichtliche Studien, Heft 2, p. 114 ff). Die Rabbinen konnten dagegen nur sagen, um unserer Sünden willen wurde der Tempel zerstört (s. b. Sabbat 114 a)! Allein, welche Antwort konnte man auf die Angriffe geben, das Judentum hat keine Zukunft mehr! — dieser Angriff ist sogar heute noch aktuell — und es ist bereits tot? Da ist es von Interesse, Kaspis Ausführungen über diesen Punkt zu hören. Daß die diesbezüglichen Auseinandersetzungen Kaspis nicht bloße theoretische Grübeleien waren, ergibt sich aus seinen verzweifelten Bemerkungen: alle diese Plagen sind nur infolge unserer Disputationen mit den Geistlichen entstanden (S. 41). Viele — Nichtjuden — bestreiten uns dieses (S. 41). Kein Nichtjude kann mir das bestreiten! (S. 45.) Kaspis Hauptargument ist, daß kein vernünftiger Mensch eine M ö g 1 i c li k e it, wie die Wiederherstellung des jüdischen Staates, bestreiten oder ableugnen kann! Man scheint ihm geantwortet zu haben: Die Restauration, die Wiederherstellung sei eben keine Möglichkeit, sondern geradezu eine Unmöglichkeit! Daraufhin verweist Kaspi auf einige zeitgenössische, wichtige historische Umwälzungen. „Wer sieht es nicht, wie Fall und Sieg in der Geschichte wechseln? Sowohl unter den Ismaeliten selbst, wie auch unter den christlichen Herrschern ist solches zu beachten. In unseren Tagen erst haben die Ismaeliten die Stadt Akrim von den Christen genommen, vorher ganz Galilea und Syrien, hingegen nahmen die Christen Aragon und Maiorca von den Ismaeliten“2) Wer kann da einen Grund finden? Sieg und Niederlage wechseln, haben jedoch keinen Bezug auf das gute oder schlechte Verhältnis zu Gott. Abgesehen davon, wenn solche Umänderungen, die sich' vor unseren Augen vollziehen, möglich sind, warum sollte die Neubelebung des heil. Landes gar unmöglich sein? Kaspi fragt seine Widersacher ferner, woher sie die Gabe besitzen, in die Zukunft zu schauen, da niemand die Tragweite historischer Tatsachen voraussehen und den Erfolg historischer Unternehmungen Voraussagen kann? Als Beispiel führt Kaspi Begebenheiten aus seinem engeren Vaterlande und aus seiner Zeit an. Der König von Frankreich wollte einen Kriegszug gegen die Mohammedaner unternehmen, es ist ihm jedoch nicht gelungen, seinen Plan auszuführen. Gerade zur Zeit, als Kaspi diese Abhandlung schrieb, rüstete sich Charles de Valois, einen Kreuzzug zu arrangieren — wer kann da sagen, ob er ihn ausführen wird oder nicht? Ferner fragt Kaspi, wenn die einzige Ursache der Katastrophe der Juden ihre Hartnäckigkeit und ihr Unglaube (an Jesum nämlich) gewesen ist, warum waren die Eroberer nur verstockte Heiden (S. 43) und nicht rechtgläubige Christen? Schließlich — sagt Kaspi — spricht doch die Geschichte gegen diese Theorie mit beredten Worten! Warum ist das römische Reich so schmählich verfallen, nachdem es christlich geworden war? Das kann also weder auf der einen, noch auf der anderen Seite der Grund des Sieges oder des Verfalles gewesen sein. Also die Möglichkeit einer Erlösung ist keineswegs ausgeschlossen. Bei Kaspi finden wir den Gedanken, der in der Philosophie der jüdischen Geschichte einen breiten Raum einnimmt, daß der Gott Israels der Lenker und Beschützer Israels zu allen Ze|Lt_n gewesen ist. Geradezu begeisternd wird Kaspi, wenn er als Schlußfolgerung seiner Abwehr ausruft: Wer sagt es denn, daß der Gott Israels mehr keinen Mann wie Moses oder einen, der geringer ist, hervorbringen 2) In den Jahren 1228—35. kann, um Israels Erlösung lierbeizuführen! Er kann noch den Sinn eines Herrschers erwecken, wie zur Zeit des Kyrus. Warum soll es als ausgeschlossen betrachtet werden, daß Gott einen neuen Moses zum König von Egypten oder der Tataren schicken wird, oder es wird ein Herrscher entstehen, der die Herrschaft an sich reißt und den Juden freie Rückkehr in das Land ihrer Ahnen gewährt.“ (S. 44.) Es ist nicht unmöglich, daß Kaspi an den messianischen Hoffnungen, wie sie z. B. an den Unternehmungen seiner Zeitgenossen im Kreise Abraham Abul alias zum Ausdruck kommen, teilgenommen hat. (8. Graetz, Geschichte. Bd. 7, p. 195.) London, den 27. Februar 1913. Dr. A. Marmorstein. Die MsgNaH in griechischer Sprache. Die griechischen Blätter bringen jetzt die interessante Meldung, daß in der Synagoge von Prevesa, einer von den Griechen okkupierten türkischen Stadt, ain vergangenen Purim die Megillah in Anwesenheit der Vertreter aller Behörden und des gesamten Generalstabes in griechischer Sprache verlesen wurde. Bloß die ersten drei Verse und die letzten drei Sätze wurden in hebräischer Sprache verlesen. Sowohl die Verlesung des Buches Esther als auch die darauffolgende Liturgie hat auf die Anwesenden einen mächtigen Eindruck gentacht. Büro» K;n*l Puttkamer, früher Landrat im Kreise Mogilno. Die Misserfolge in der Polenpolitik. Verlag von Karl Curtius, Berlin W. 35. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden. Berlin G. 2, An der Spandauer Brücke 15. Schriftleitung Dr. Bruno Blau. 9. Jahrgang, Heft Nr. 4. April 1913. Inhalt: I. Abhandlungen: Dr. oec. publ. Jacob S e g a 11, Berlin: Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Württemberg von 1820 bis 1910. — Dr. S. Weissenberg, Elisabethgrad: Der Rückgang der Geburtenziffer bei den russischen Juden zu Ende des 17. Jahrhunderts. — B. Goldberg, Wilna: Pie jüdische Presse in Russland im Jahre 1912. — II. Statistisches Archiv: Ergebnis der schulstatistischen Erhebung von 1911 in Deutschland. — Hauptergebnisse der Erhebung über das niedere Schulwesen in Preussen 1911. — Statistische Notizen über die Zahl und Verteilung der Juden im ehemaligen Königreich Hannover. — Erwerb und Verlust der Staatsangehörigkeit von 1902 bis 1911 in Baden. — Zahl der Juden in den Städten mit über 8000 Einwohnern im Grossherzogtum Baden im Jahre 1910. — Selbstmordfälle im Königreich Württemberg.von 1901 bis 1910. — Die Berufsgliederung der osteuropäischen Juden in Paris. — Zahl der Juden in den neuen italienischen Besitzungen im Jahre 1911. Elieser ben Jehuda in Jerusalem. Gesamtwörterbuch der alt- und neuhebräisehep Sprache. Vol. IV, fase. 1—7. Langenscheidtsche Verlagsbuchhandlung (Prof. G. Langenscheidt), Berlin-Schöneberg, Bahnstrasse 29/30. Judaica. Festschrift zu Hermann Cohens siebzigstem Geburtstage. Berlin 1912. Verlag von Bruno Cassirer, Berlin W. Derflingerstrasse 15. Briefkasten. Sp. Wien. „Wegen ihrer Tätigkeit in den Komitees des Eucharistischen Kongresses" wurden wie dem Dr. Prinz Eduard Liechtenstein, so auch „dem Prokuristen der Länderbank, Fritz Spitzer", der Orden der Eisernen Krone III. Klasse verliehen. Fritz Spitzer ist einer jener Täuflinge, welche sich um den Eucharistischen Kongreß vielfach gemüht haben und besondere Eremplare unserer Eolusblüten bilden. Lub. Wien. Erzbischof Antonius von Wolhynien dementiert seine angebliche Enunziation gegen das Ritualmordmärchen. K. F. Nach der Volkszählung von 1910 ist die Zahl der Juden in Oesterreick) von 1900 bis 1910 von 1,224.899 auf 1,313.687, also um 88,788 gestiegen. In Galizien gibt es 871,895 (1900: 311,371), in der Bukowina 102,9l9 (1900: 96,150), in Niederösterreich 184,779 (157,278 im Jahre 1900), Böhmen mit 85,826. (1900: 92,745, demnach um 7000 weniger), Mähren mit 41.158 (1900: 44,745, also weniger um 3000), und Schlesien mit 13,112 Juden gegen 1900 mit 11,988, Triest mit 5498 (1900: 4954), Steiermark 2885 (2283), Tirol 1624 (1008), Oberösterreich 1215 (1280), Istrien 677 (285), Dalmatien 523 (334), Kärnten 341 (212), Eörz und Eradiska 338 (295), Salzburg 285 (199), Krain 146 (145) und Vorarlberg 126 (117). H. V. Herr Dr. Landsberger hat uns auf die Angriffe des Herrn Winz eine Erwiderung gesandt, deren Aufnahme uns der aggressiven Form wegen nicht opportun erschien. Denn dies Blatt ist nicht der Ort zum Austrag privater Streitigkeiten.