Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 17 (25.4.1913)
- Date
- 1913-04-25
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 312 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 17 Spenden. Infolge des Aufrufes in der «Oesterr. Wochenschrift" Nr. 14 sind für die jüdischen Grenzsoldaten beim U-terzeichnctcn seit dem 13. d. M. folgende Spenden eingegangen: Herr Rabbiner S. Gründer« in Pisck: Sammlung der jüdischen Schulkinder in Prsek K 20 60; Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Sambor 20.—; Herr W. N. in Wien 10.—; Herr A F. in Wien 5.—; Herren Bloch & Birnbaum in Prag 10.—; Herren Jsak L Jakob Katzncr, Krakau 3.—; Sammlung des Herrn Moriz AbeleS in Saa; 126.21 (;ur Sammlung haben beigetragen: Chewra- Kadischa 20; M. A., Saaz 20; M. G. 10; Familie Reiß 10; Adolf Kellner 5; Edmund Stern 10; Lövl & Glaser 20; kais. Rat Sigm. Lederer 5.—; Fritz Kohn 4.—; Gustav Kohn 2.—; Leop. Mühlstein 2.—; Karl Löwy 1.—; Glück I.—; P. in Saar 2.—; Jos. Bondy 5 —; Otto Bondy 2.—; Eduard Fanta 4.—; Rabl 1.—; Hans Melzer 2 —; Fritz 2! Heller); Israel. Kultn^gemeind.-R p äseutanz in Prag 50.—; Israelitische Kultusgemeinde in Graz 25.—; Herr A. Plisch, Wien XVI. 2.—; Herr Johann Lampl in Neu Rrußnitz 2.—; Herr Eduard Gottlob in Neu-Naußnitz 2.-. Allen edelherzigen Spendern und Sammlern sei bestens gedankt. T u z l a, am 21. April 1913. Dr. S. Klein, Rabbiner. Verband der israelitischen Religionslehrer an den Mittelschulen Böhmens. Die VII. ordentliche Vollversammlung des Verbandes der israelitischen Religionslehrer an den Mittelschulen Böhmens findet Sonntag den 4. Mai 1913 im Jüdischen Rathause in Prag um 4 Uhr nachmittags statt. — Programm: 1. Verlesung des Protokolls der vorjährigen Vollversammlung. 2. Berichte: a) des Obmannes; b) des Kassiers; c) der Revisoren. 3. Wahlen. 4. Freie Anträge. Für die Jemeniten. Herr Chaim K a h a n aus Warschau spendete den Betrag von Frcs. 10.000.— für 10 Iemenitenhänser und Fr cs. 1000.— als Beitrag zum Erwerb von Boden in der Umgebung einer historischen Stätte in Palästina. Herr Kahan ließ außerdem seine Gemahlin in das Goldene Buch des Nationalfonds eintragen. Spenden für die Waisen in Tyrnau. Baden: Jakob Theumann: Kr. 5.—. Eger. (Leichenbegängnis.) Donnerstag nachmittags fand das Leichenbegängnis des am 15. d. M. in Komotau im Alter von 20 Jahren verstorbenen Sohnes des hiesigen Kaufmannes, Kultusvorstandsmitgliedes und Tempelvorstehers Herrn Edmund Kohn, Gustav Kohn, statt. Der Verstorbene war ungemein tüchtig und nahm trotz seiner Jugend bereits eine hervorragende Vertrauensstelle bei einem grotzindustriellen Unternehmen in England ein, das ihn in der letzten Zeit in einer Chamottefabrik in Krefeld beschäftigte und in nächster Zeit nach Spanien schicken wollte. Vor etwa 9 Monaten erkrankt, erlag der junge Mann den langen, qualvollen Leiden. Jung, liebenswürdig und beliebt bei Jedermann wurde er das Opfer eines grausamen Schicksals. Am Grabe sprach Herr Rabbiner Dr. Weih trostreiche Worte, die kantoralen Funktionen versah Herr Oberkantor Wilkowitsch, assistiert von Herrn Kantor Lederer. Das Attentat in Madrid und die spaniolischen Juden in Lausanne. Aus Anlaß des Attentates gegen Sr. Majestät den König von Spanien haben die spaniolischen Juden von Lausanne durch Herrn Samuel L 6 vy. Penfionsinhaber, Sr. Majestät dem König eine Glückwunschdepesche übersendet, worauf nach zwei Tagen an die Adrefie des Herrn S. L 6 v y eine Dankdepesche Seiner Majestät eintraf. _ Feuilleton. Girr Sederabend unter dem Grddoden. Aus dem Ungarischen des Robert T a b o r i von P h. Fischer. Es war vor Jahren, da ich zur Mitte des Frühlings Belgien bereiste und auf meiner Reise zu einem Berg- Werke kam. An den Direktor der Monser Bergwerke hatte ich ausgezeichnete Empfehlungen, itnd so erfüllte er bereitwilligst meinen Wunsch, mich durch einige Schluchten führen zu lassen. Als wir den Rückzug an traten, war es schon spät in der Nacht, und auf Schritt und Tritt trafen wir Bergarbeiter, die zur nächtlichen Arbeit herabgestiegen waren und uns mit dem üblichen „Glück auf" grüßten. Eben als wir, ich und mein Beigleiter, ein Ingenieur, in einen SeiteMvog einkehrten, da schlug mir ein eigentümlich g esangartiges Summen an die Ohren, welches mir wohl sehr bekannt war, das aber an dieser Stelle zu hören ich dennoch. nicht vermutete. In meinem Knabenalter hatte ich sie, die uralte Melodie, sehr oft gehört, auch in späteren Jahren mehrmals, — wie aber sie hierherkomme, einige hundert Klafter tief unter dem Erdboden, das konnte ich! nicht begreifen. Ich stand stille, gab besser acht. Ich hatte mich in Wirklichkeit nicht getäuscht. Eine kräftige Männerstimme Hub an und andere antworteten im Chor auf die Frage; — Echod mi jodea? — Ecliod ani jodea: Echod Elolienu schebaschomajim uvoorez! Der Ingenieur, der mein Staunen wohl merkte, gab mir lächelnd die Aufklärung. Einige unserer jüdischen Arbeiter feiern den Vorabend des Pessachfestes. Die Direktion hat es ihnen gestattet, daß sie ihren Seder Hier anrichten mögen. Wollen Sie ihn vielleicht sehen? Natürlich wollte ich es. Wir gingen neben einer sich immer mehr und mehr erhebenden Brettererhöhnng, bis wir in eine Nische eintraten, in der acht, mit Arbeitergewand bekleidete Männer einen mit weißenr Tuch bedeckten Tisch umfaßen. Mehrere Lampen spendeten Helles Licht, am Tisch, lagen Mazzah und Maror, auch standen mehrere Weinflaschen, an deren Seiten die Aufschrift ,.Jajiu scliel pessaclr4 zu lesen war. Ein eigentümliches Gefühl umfing mich!. Des Freiheitsfestes Melodien sprachen mir so zu Herzen, daß ich ihrem Zauber keinen Widerstand leisten konnte. 2m nächsten Augenblick saß auch ich unter ihnen am Tische und sagte mit ihnen die Hagadah, dieses wunderbarfr Epos der Befreiung aus Mizrajims Sklavenhaus. Und als selbst die.letzte Strophe des ühad-gadjo verklungen war, da begann in der eingetretenen Stille eine andere Stimme wie folgt: Brüder, vergessen wir nicht, daß der heutige Tag für uns ein Fest der doppelten Erinnerung ist. Vor vier Jahrtausenden bezeichnete diese Stunde die Befreiung unserer Ahnen von dem Joche der egyptischen Sklaverei, und heule sind es zehn Jahre, daß wir uns an dieser Stelle zusammenfanden und mit geängstigtem Gemüte die Ankunft des Malach-Hamoves erwarteten, des Todesengels, dessen Flügelschlag wir in der uns umgebenden schrecklichen Finsternis Tag und Nacht hindurch vernommen. Gerade eine Woche vor dieser Zeit war die große Bergkatastrophe geschehen, der zweihundertfünszig unserer Genossen zum Opfer fielen. Die Explosion hatte alle Ausgänge verschlossen, und so blieben von den 250. Arbeitern wir allein am Leben. Aber was für ein Leben war das! Und was für Schicksal wartete unser. Lebensmittel hatten wir nicht mitgenommen, der Trank ging bald aus, und schon am dritten Tage war kein Oel mehr in unseren Lampen. Uns umgab finstere Nacht, Verzweiflung schlich sich in unsere Herzen ein, wir hofften auf keine Morgendämmerung mehr, wir hofften nicht mehr, daß uns noch die Sonne, diese Spenderin alles Lebens, bestrahlen werde. . An diesem Platze hier drängten wir uns ^usani'- men, schweigsam, stumm verbrachten wir die mit unendlicher Langsamkeit vorübergehenden Minuten. Nur eins war gewiß: der Hungertod, alles übrige war nur täuschende, eitle Hoffnung. Die Tage hatten wir auf folgende Weise gezählt: wir sahen immer auf die Uhr, und