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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-04-25 · 17 (25.4.1913) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
17 (25.4.1913)
Date
1913-04-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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fl 17 Dr. Vkochs Wochenschrift. Seite 309 Eine Emigrantentragödie. Die Petersburger „Rjetsch" meldet den folgenden schrecklichen Fall einer Emigrantentragödie. Aus Belzi im beffarabischen Gouvernement beschloh eine Gruppe von Juden, die in ihrem Heimatstädtchen, in dem sie geboren und erzogen wurden, nicht mehr geduldet wurden, nach Amerika auszuwandern. Man duldete sie wohl nicht in ihrer Heimatstadt, aber man folgte ihnen auch ke'ne Auslandspässe aus, um legal dieses Land jüdischen Jammers verlassen zu können. So vertrauten sie sich denn einem der bekannten Einig rantenschwärzer an, der sie auf einem Voot über den Grenzfluh hinüberbringen sollte. Sie befanden sich mitten im Flusse, als der Grenzsoldat sie erblickte und ihnen zurief, umzukehren, weil er sonst schieben müsse. Auf dem Boote, das ohnedies mit der Last von 50 Emigranten schwer vorwärts kam, brach infolge der Drohung der Grenzwache furchtbare, Panik aus, die schließlich damit endete, dah das Boot umkippte und sämtliche Emigranten, bis auf zwei, d'e mit schwerer Mühe gerettet werden konnten, ertranken. Charakteristisch ist, dah der Grenzsoldat selbst auf die mit dem Tode ringenden Körper im Wasser schoß, weil er annahm, dah die Insassen des Bootes sich schwimmend ans andere Ufer reiten wollten. Ein merkwürdiger Selbstmord in Kiew. Auf merkwürdige Weise ist dieser Tage, wie aus Kiew gemeldet wird, ein Mann, den Brasul-Brufchkofskn in seinem Me!mörandum über den Beihliß-Prozeß als einen derjenigen aufgedeckt hat, der zusammen mit der berüchtigten Tscheberiakoba an der Ermordung Iuschtschinskys beteiligt war, ums Leben gekommen. Dieses Individuum namens Latischeff wurde mit mehreren Komplicen bei einem Einbrüche in ein grobes Manufakturgeschäft im jüdischen Stadtteil betreten. Er wurde verhaftet und soll nun, wie der Polizeibericht meldet, während des Verhörs, das im dritten Stockwerke stattgefunden hat. sich in einem unbewachten Momente vom Fenster in den Hof gestürzt haben. 'Einige Stunden später sei er seinen Verletzungen erlegen. Auf solche Weise verschwinden allmählich, alle diejenigen, die von einwand' freier Seite als die Beteiligten an der Ermordung des Knaben Juschtschinsky der Oeffentlichkeit bekanntgegeben wurden. Agitation gegen das Schächten in Schottland. Die schottländische Tierschutzgesellschaft veranstaltet, wie aus London berichtet wird, jetzt im ganzen Lande eine regelrechte Hetze gegen das rituelle Schächten. Sie hat es in den letzten Tagen in mehreren Städten dahin gebracht, dah der Schächter der betreffenden Gemeinde wegen' Tierquälerei, verübt durch rituelles Schächten, unter Anklage gestellt wurde. Auch in Halifax steht der dortige Schächter unter ähnlicher Anklage, und man ist gespannt, welchen Ausgang diese Aktion gegen das Schächten haben wird. Die jüdischen Gemeinden von Schottland sind jedenfalls entschlossen, mit allen Mitteln gegen den Versuch eines Schächtverbotes anzukämpfen. Massenauswersungen von Juden in Rußland. Wie dem „Berliner Tageblatt" aus Petersburg gemeldet wird, sind 200 jüdische Familien aus R'ga ausgewiesen worden. Hundert Familien haben die Stadt binnen sechs, die übrigen binnen zwei Monaten zu verlassen. Unter ihnen sind viele, die jahrzehntelang in Riga gelebt haben. Aus Warschau wird der „Vossischen Zeitung" gemeldet: Der Generalgouverneur von Kiew hat eine Verordnung erlassen, wonach 1700 jüdische Hörer der dortigen Handelsakademie ausgewiesen werden sollen, da. wie die Verordnung besagt, der Besuch der Vorlesungen ihnen kein Recht verleiht, außerhalb des den Juden zugewiesenen Ansiedlungsrayons zu wohnen. Baron Henri dr Rothschild in Tunis. Aus Paris wird uns berichtet: Baron Henri de Rothschild besuchte vor kurzem Tunis, um daselbst die Lage der dortigen Juden zu studieren. Er wurde von unserem Glaubensgenossen General Gabriel Valensi. Protokollchef am Hose des Vey von Tunis, empfangen. Baron Rothschild wurde zum Großofsizier des Micham Iftikhar-Ordens und die Baronin zum Offizier desselben Ordens ernannt. ” Die Russen versuchen auch in Amerika das Ritualmordmärchen. Im russisch-polnischen Einwanderungsvierlel von Philadelphia gab es dieser Tage große Aufregung, weil ein polnisches Mädchen sich aus dem Elternhause entfernt hatte und nicht zurückgekehrt war. Die Eltern und Verwandten des Mädchens scheinen von der amerikanischen Kultur noch nicht angekränkelt zu sein, denn sie begaben, sich, begleitet von anderen russischen Einwanderern. in die von Juden bewohnten Straßen und schrien, dah die Juden das verschwundene Mädchen anläßlich des herannahenden Passahfestes zu rituellen Zwecken ermordet hätten. Sie wüßten es noch von ihrer russischen Heimat her, daß die Juden Christenblut brauchen. In Amerika haben aber solche Lügen ein viel kürzeres Leben, als im Reiche des Väterchens „Zar", und so kam es. daß das angeblich ermordete Mädchen schon am nächsten Tage frisch und gesund als Dienstmädchen in einem großen' Restaurant ausfindig und den Eltern stellig gemacht wurde. Die durch die lärmende Demonstration der Russen sich in ihrer Ehre gekränkt fühlenden Juden haben die strenge Bestrafung der Ritualmordlügner gefordert, und diese wurden denn auch zur Rechenschaft gezogen. 25jähriges Jubiläum der Jewifh Publication Society of Amerika. Am 5. und 6. April fand in Philadelphia unter überaus großer Beteiligung aller literarischen Kreise von Amerika das 25jährige Jubiläum der Jewifh Publication Society of Amerika statt. Die zahlreichen Gäste versammelten sich im Festsaale des Dropsie College, einer jüdischen Anstalt, woselbst auch eine Ausstellung der von der Gesellschaft seit ihrem 25jährigen Bestände herausgegebenen Merke veranstaltet wurde. Nicht minder interessant war auch eine Galerie der Porträts aller jener berühmten jüdischen Gelehrten und Publizisten, die der Gesellschaft angehört hatten. Von auswärts kamen zahlreiche Glückwünsche, u. a. auch von Israel Zangwill, London, Dr. Israel Abrahams. Cambridge, Normann Bentwich, beim Justizministerium Cairv, I. L. Perez in Warschau u. a. Von europäischen jüdischen Anstalten und Organisationen waren durch amerikanische Gelehrte vertreten: die jüdische Zentralbibliothek in Jerusalem, die Alliance Jsraelite Universelle in Paris, Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, Berlin. Jewish Historical Society of England, Iews College London, die berühmte Mokkata-Bibliothek in London, der Verband der jüdischen Literaturgesellschaft von England, die Israelitisch-theologische Lehranstalt in Wien, das jüdisch-theologische Seminar in Breslau, das niederländische israelitische Seminar in Amsterdam, Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, das Budapester Landesrabbinerseminar und viele andere. Ein ausführlicher Bericht über den Verlauf des Jubiläums liegt noch nicht vor.

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