Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 17 (25.4.1913)
- Date
- 1913-04-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 17 Dr. Vkochs Wochenschrift. Seite 307 2. Obmann-Stellvertreter, Hugo Tugend hat Zum Schriftführer, Dr. Edmund Kornfeld zum Schriftführer-Stellvertreter. Dir. Wilhelm Kur zum Zahlmeister, Komm.-Rat S. Rosenzweig zum Zahlmelster- Stellvertreter. In den Engeren Ausschuß wurden aus der Vereinsleitung delegiert die Herren: Moriz Sonnenschein, Leopold Louriö. Gustav B r ü l l, Karl Kl emper er, Dr. Edmund Ko h n, Dr. Edmund Kornfeld, Joses I. Leinkauf, Josef Mandl. Richard Petschek, kais. Rat Adolf Pick, David Rotter, Komm.-Rat S. Rosenzweig, Alexander Schorr, Komm.-Rat Mar Schweiger und Hugo Tugendhat. Dem Tätigkeitsberichte für das Jahr 1912 entnehmen wir, daß der Hilfsverein in 25 Orten die Erzeugung von Häkelspitzen eingeführt hat und daß im letztverflossenen Jahre dahin 157.679.74 Kronen an Nettolöhnen ausbezahlt wurden. In 9 anderen Orten wird die Spitzenklöppelei, in 7 die Weißstickerei betrieben,- für Klöppelspitzen wurden 12.190.51 Kronen, für Weißstickerei 6523.88 Kronen von der Oesterceichischen Hausindustrie-Gesellschaft m. b. H. in Wien an Löhnen ausbezahlt. In diesen Summen jedoch erschöpft sich nicht die Wirkung der Tätigkeit des Hilfsvereines, da sie bloß jene Beträge enthalten, di: an die Arbeiterinnen von den ihm bekannten Abnehmern für solchg Waren ausbezahlt wurden, die unter Aufsicht seiner Organe hergestellt wurden; was aber dieselben oder auch andere, durch den Hilfsverein ausgebildete Arbeitskräfte für Privatpersonen und Geschäftsleute arbeiten und wieviel sie dabei verdienen; was ferner in der gegenwärtig nicht mehr unter seiner Aufsicht stehenden Haarnetzerei an die Arbeiterinnen an Löhnen ausbezahlt wird; was für ein Einkommen weiters jene galizischen Juden, die in der Haarnetzerei oder in der Spitzenklöppele' als selbständige Unternehmer oder Faktoren tätig sind, erzielen; was in der Kleid erkonf ek 1 io n, die sich in Tornow, nachdem sie von dem Hilfsverein auf eine bessere Grundlage gestellt worden war, weiter entwickelt, an Gehältern und Löhnen mehr als früher ausbezahlt wird und um wieviel höher sich nunmehr die Gewinste der in dieser Industrie tätigen Unternehmer belaufen: was sodann jene Handwerker, die der Hilfsverein in Genossenschaften vereinigt hat, mehr als vorher verdienen: wie hoch der Lohn, bezw. das'. Einkommen der von ihm der Handwerkslehre zugeführten und derzeit bereits freigesprochenen bezw. schon als Meister tätigen jungen Leute sich stellt usw.: Das alles läßt sich auch nicht annäherungsweise in Ziffern, darstellen. Außerdem ist zu berücksichtigen, daß die Summen, um die sich das Einkommen der jüdischen Bevölkerung in Galizien durch seine Tätigkeit vergrößert hat. zugleich den meist jüdischen, galizischen Geschäftsleuten zugute kommen, die mit Nahrungsmitteln und den sonstigen Artikeln des täglichen Gebrauches Handel treiben. Aber auch dann, wenn die Summen der Löhne und der sonstigen Verdienstbeträge, die durch den Hilfsverein der notleidenden jüdischen Bevölkerung in Galizien zugeführt werden, sich bis auf den letzten Heller genau angeben ließen, wäre damit die Wirkung seiner segensreichen Tätigkeit noch nicht im vollen Ilmfange dargestellt. Die Zuführung der Mädchen zur Arbeit ist das beste Mittel, die Prostitution einzudämmen und dem Mädchenhandel zum größten Teile die Möglichkeit seiner EXistenz zu entziehen. Die Arbeiten, denen die. Mädchen zugeführt werden, erfordern in der Regel größere oder sogar höchste Reinlichkeit und erziehen infolgedessen die Arbeiterinnen nach dieser Richtung auf das beste; der gesicherte Verdienst schafft ihnen aud) Gelegenheit zur besseren Pflege des Körpers und erweckt zu gleicher Zeit nicht selten den Trieb, sich auch geistig fortzubilden. Aus diese Weise wird die wirtschaftliche Tätigkeit des Hilfsvereines zu einer kulturellen im wertesten Sinne des Wortes. Uebrigens wurde sie im Berichtsjahre auch von maßgebendster Seite dadurch anerkannt, daß ihm das k. k. Ministerium für öffentliche Arbeiten mit dem Erlasse vom 23. November 1912 eine Subvention bis zu 2500 Kronen zugesagt hat. Die Redaktion kann nicht umhin, die Aufmerksamkeit der Leser auf das eminent wohltätige Wirken des Galizischen Hilfsvereines zu lenken. Nur dadurch, daß den 600.000 armen galizischen Juden Arbeit und Verdienst zugeführt wird, werden diese unsere Glaubensgenosten nicht nur auf ein besseres materielles, sondern zugleich auch auf ein höheres kulturelles und moralisches Niveau gebracht. Dieser großartige Gedanke, den der Galizische Hilfsverein in die Tat umzusetzen sich bestrebt, bedarf zu seiner Verwirklichung sowohl seiner fortgesetzten, unermüdlichen Tätigkeit, als auch der reichlichen Unterstützung der Juden in ganz Oesterreich. Wir bitten daher unsere Leser, ohne Unterschied des Geschlechtes, diesem Vereine als Mitglieder beizutreten und auf diese Weise dieses segensreiche Werk zu fördern. Ter nnndeste Mitgliedsbeitrag beträgt jährlich 4 Kronen; Beitrittserklärungen sind an die Adresse des Hilfsvereines, Wien, IX., Berggaste 4. zu richten. Wien. An jener historischen Stätte, an der Herzl zum erstenmale die Fahne des Zionismus öffentlich entfaltete, veranstaltete der junge Misrachiverein hier am 10. ds. sein eigentlich erstes Debüt. Lange vor Beginn des Vortrages war der große Festsaal des Hotel Continental bis auf das letzte Fleckchen von einem distinguierten Publikum besetzt. Nach einer kurzen Ansprache seitens des Vereins obmannes Herrn Isidor Austerlitz, in welcher er die Anwesenden zur aktiven Mitarbeit für unsere großen Ideale aufforderte, nahm Herr Rabb. Dr. MarG ru nwald, lebhaft begrüßt, zu seinem ,,Palästinajudentum" benannten Vorträge das Wort. Zunächst gab der Redner einen gedrängten Ueberblick über die Entwicklung des Iudentumes im letzten Jahrhundert bis zum Auflauchen des praktischen Palästinagedankens, worauf er zur Schilderung seiner Reiseeindrücke in unserem Palästinaneuland „Iischuw hachodosch" überging. In gewohnter fesselnder Darstellung entwarf der Redner ein Bild des gesund pulsierenden jüdischen Lebens in den Kolonien und — an Hand von Daten - der fortschreitenden materiellen und kulturellen Entwicklung des Landes. Einen erhebenden Eindruck machte namentlich der Hinweis auf den mächtigen Einfluß, den das Milieu und das Leben in Palästina auf die Hebung des ethischen, moralischen und religiösen Geistes der Bewohner ausübe, welcher Gedanke in dem schönen Bilde zum Ausdrucke gebracht wurde: So wie die Biene aus allem, was sie aufnimmt, nur Honig erzeugt, so erzeugt Palästina aus allem, was dort intellektuell sich betätigt. Religion. Diese Iudaisierungstendenz und Renaissance des jüdischen Geistes ist zum großen Teile der hebräischen Sprache zu danken, mit deren Einzug auch gutjüdischer Geist wieder wachgerufen wurde. Unser Streben nlüsse darum dahingehen, jener Renaistance ein Zentrum, eine Stätte der Reinkultur zu schaffen, um Hinweisen zu können: Sehet, so sieht das Judentum mit diesem Zentrum aus! Die Juden der Goluthländer sollen wieder von dort, in wohltätiger Wechselwirkung, neue Inspirationen aufnehmen und der Verwirklichung zuführen. Unsere Pflicht ist es aber auch, mit größtem Nachdruck für die Pflege der Kenntnis der hebr. Sprache zu wirken,