Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 17 (25.4.1913)
- Date
- 1913-04-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Br. 17 Dr. Bloch’s Js,|r0ana Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums« -n~ ’ ~ ~d- Wim, 25. April 1913 Lrscdetnt jeden Fretlag. Brief-Adreffe: Wien» ll/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. Inhalt: Leitartikel: Die galizischen Bischöfe gegen den Staat. — Vierzigjähriges Jubiläum der „Israelitischen Allianz zu Wien". — »Qesterreichisch-Jsraelitische Union." — Vom Jahrmarkt des Lebens: Ausgezeichnete jüdische Offiziere in Italien. Amerikanische Minister Ehrengäste der B'nai B'ritb. Hohe jüdische Beamte in den französischen Ministerien. Der neue Präsident der französischen Gesellschaft für jüdische Wissenschaften. Die Juden als Beispiel für Reinheit. Zur Genealogie des Stammvaters der Familie Eger. Eine Beschwerde gegen die Veröffentlichung der Austrittslisten. Die Taufseuche in Rußland. — Vom Rechtsschutz der jüdischen Emigranten und deren Angehörigen. — Korrespondenzen: Galizischer Hilfsverein. Wien. Die Sistierung des Kultuswahlverfahrens in Czernowitz. Griechische Hetze gegen die Juden. Die jüdischen Soldaten der griechischen Armee. Eine Emigrantentragödie. Ein merkwürdiger Selbstmord in Kiew. Agitation gegen das Schächten in Schottland. Mafsenausweisungen der Juden in Rußland. Baron Henri de Rothschild in Tunis. Die Russen versuchen auch in Amerika das Ritualmordmärchen. 25 jähriges Jubiläum der Jewish Publication Society of Amerika. China. — Vermischtes. — Feuilleton: Ein Sederabend unter dem Erdboden. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. O Cr - ■ -Ü c p SrjngapxKi» JSr Vrstrrreilst: C Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'« Bitsbmd: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die malgespal» O tene Petitzeile 48 Heller. QJ o c> - ■ -. --Q o o ■ - - - o r ®. fc. Pofilparkastensrni C Slearlng-Verlr ebr «r. 810.976. Redaktion und Administration: wir» ll/i, Praterstraße 9 Telefon 14847 J o o ■ - -o o Die Redaktion u. Administration der „Oesterreichischen Wochenschrift1' befindet sich von nun an Wien, II|i, Praterstrasse Nr. 9 Telephon 14.847. Die galizischen Kischöfe gegen den Staat. Mit Ungeduld erwartet die ganze Welt, daß endlich der Friede gesichert werde und, nach dem schönen Bilde der Bibel, das Schwert wieder mit dem Hammer und der Pflugschar vertauscht werden kann. Unser niederliegendes Erwerbsleben hat es wahrlich nötig, daß jetzt die Arbeit auf allen Gebieten wieder aufgenommen wird, damit die Schäden der aufgeregten Zeiten wieder gutgemacht werden können. Da ist es in erster Linie notwendig, daß die Maschine der Gesetzgebung, das Parlament, wieder in Gang gebracht werde, um eine ganze Reihe wirtschaftlicher Vorlagen zu erledigen. Die Aussichten, daß es gelingen werde, waren bis vor wenigen Wochen ausgezeichnet. Die letzten Hindernisse, welche für die Ruhe und den inneren Frieden noch wegzuräumen waren, bestanden aus dem Ausgleich in Böhmen und dem in Galizien. Run war der Ausgleich fn Böhmen auf dem besten Wege. Die Regierung hatte sich entschlossen, endlich einmal eine feste Hand zu zeigen. Wollten die Deutschen in formalen Fragen durchaus nicht nachgeben, so hätte man den Landtag vertagt, den Tschechien für die dringendsten Bedürfnisse des Landes die nötigste finanzielle Hilfe geleistet und sie dadurch in den Stand gesetzt, nach Belieben zu warten, bis die Deutschen zur Besinnung kämen und lieber auf dem Wege von Verhandlungen gewisse Rechte sicherten, statt für die Zukunft alles zu verlieren. Es war nicht zu fürchten, daß diese Maßnahmen im Reichsrate eine nachhaltige Obstruktion der sudetenländischen Deutschen herbeiführen. Denn die Gründe des deutsch-böhmischen Streites sind so klein und sein Verlauf so langweilig, daß man gern über ihn endlich zur Tagesordnung übergehen möchte. Das hätte man auf deutscher Seite in Böhmen wahrscheinlich auch eingesehen, hätte eingelenkt und eine der tiefsten Wunden am Staatskörper endlich geschlossen. Jetzt aber hat man neuen Mut zu Zank und Streit bekommen und schüttelt die drohende Faust. Denn zum deutsch-böhmischen Streit ist jetzt ein neuer, leidenschaftlicher in Galizien gekommen, und wenn er nicht aus hört, so wird die deutsche Obstruktion im Reichsrat von einer ruthenischen unterstützt werden. Die Ruthrnen haben es natürlich satt bekommen, unter einer Landesordnung zu leiden, Welche an Mandaten und Einfluß für sie fast nichts übrig läßt und alles den Polen gibt. Ihre Erbitterung hat sich schon seit Jahren bei den verschiedensten Gelegenheiten Luft gemacht und hat endlich die polnischen Machthaber gezwungen, sich zu einem Vergleiche bereit zu erklären. Nach heftigen Stürmen wurden endlich die Punktationen festgesetzt, mit welchen die beiderseitigen Hauptparteien einverstanden waren. Bloß die Allpolen leisteten heftigen Widerstand, da aber ihr Stern im Niedergehen ist. so hätte man sie leicht überwunden. Da erhielten aber die Gegner der Versöhnung einen unerwarteten Beistand. Die galizischen Bischöfe vereinigten sich nämlich zu einer geharnischten und unerbittlichen Erklärung, in welcher sie das Scheitern des Ausgleichs als Glaubenssache erklärten. Zur Begründung führten sie an, daß durch den Ausgleich und die Wahlreform! die Juden in den Städten eine Anzahl von Mandaten erlangen würden. Die Juden aber hielten es mit den Sozialisten und dadurch würde die christliche Familie bedroht. Man ist starr über die Sophistik und lächerliche Anklage. Die Juden hielten es mit den Sozialisten! Das ist vor allem unwahr, wie sich aus der Anzahl der Juden und der von Juden gewählten Juden im Polenklub ergibt. Aber wenn auch von den Juden die radikalste Oppositionspartei im Lande unterstützt wurde und teilweise wird, wen dürfte das wundern? Es gibt kein