Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 16 (18.4.1913)
- Date
- 1913-04-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 288 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 16 schulbigung zu bitten, der Millionen seiner Glaubensbrüder unterdrückt und verfolgt. Einer solchen aufrechten Haltung mutzte schließlich! auch die griechische Behörde Rechnung tragen und hob das Verbot auf. Die g'^gen-L artige Stimmung in Saloniki. Von stets gut informierter Seite wird uns aus Saloniki geschrieben: Immer mehr dringt hier die lleberzeugung durch, datz Saloniki schließlich doch endgiltig an Griechenland fallen werde. Selbst in bulgarenfreundlkchen Kreisen, die über die Stimmung der Mächte gut informiert sind, macht man kein Hehl daraus, datz die Mächte die Idee der Internationalisierung von Saloniki endgiltig fallen gelassen haben und gegen den Zufall dieser wichtigen Hafenstadt an Griechenland nichts mehr einzuwenden hatten. Auch die jüdischen Kreise sind über dieses Stadium dieser für sie so wichtigen 'Frage genau unterrichtet und nehmen als Grundlage ihrer Entschlietzungen bereits Saloniki als griechische Stadt an. Bei diesen Entschließungen spielt die Befürchtung, datz die Griechen den Juden sowohl auf dem Gebiete des Handels wie auch als Taglöhner und Hilfsarbeiter zweifellos eine große und sicherlich nicht aussichtslose Konkurrenz bieten werden, eine nicht unwesentliche Rolle. In dieser Stimmung war es nur zu begreiflich, datz die Juden von Saloniki und mit ihnen auch viele Juden aus den von den Verbündeten okkupierten >Provinzstädten den Werbungen des Madrider Komitees zur Repatriierung der spaniolischen Juden nach Spanien leicht zugänglich wirren. Dieses Madrider Komitee hat in Saloniki eine sehr agile und, wie allgemein bekannt, erfolgreich tätige Trpositur. Nach authentischen Mititeilunaen sollen bei diesem Komitee bereits ungefähr 30.000 Anmeldungen von spaniolischen Juden erliegen, die den Wunsch haben, wieder nach Spanien transplantiert zu werden. Besonders erfolareich ist diese Repatriierungs-Propaganda seit dem Falle von Adrianovel. da viele Juden mit ihrem Entschlüsse Zögerten, in dw Hoffnung, datz Adrianopel türkisch bleiben und sie dabin übersiedeln werden. Nicht ohne Einfluß für diese Haltung der svaniolilchen Juden war auch der Umstand. datz auf türkischem Gebiete sich in der letzten Kei< die antisemitischen Ausschreitungen in auffallender Weise häuften und datz selbst das Gespenst der Ritualmordlüge wiederholt auftaucht und die jüdische Bevölkerung beunruhigt. Der Plan des Madrider Komitees ist die revatriierten Juden in Svanien so zu verteilen, daß sie nickt massiert in einer Stadt auitaucken. Die griechischen Behörden von Saloniki bemühen stch wohl, den Abzua der wirtschaftlich kräftigeren Juden aus Saloniki aufzuhalten, doch gelingt dies nur teilweise, da auch diesen vom Madrider Komitee schöne Aussichten für ein Proiverieren eventueller Unternehmungen in Spanien gemacht werden. Massenausweisung jüdischer Studenten. Aus Kiew wird gemeldet: Ueber Verordnung des Gouverneurs sollen in den nächsten Tagen 1700 jüdische soaenannte freie Hörer verschiedener Handelsschulen aus Kiew iausqewlesen werden. Die Verwaltung der von dieser Maßregel betroffenen Institute hat wohl' gegen diese Verfügung des Gouverneurs höheren Orts Schritte untr nommen, dock erklärt der Gouverneur, datz dieses Einschreiten der Direktion für den Ausweisungsbefehl' keine auss^ lebende Kraft besitze. Se-nutsr Rossi über den Antisemitismus. Aus Turin wird gemeldet Dieser Tage wurde liier zu Ehren des bekannten Philanthropen Giusevpe Moise Treues anlässlich seiner Ernennung zum Offizier des italienischen Kronenordens ein glänzendes Bankett veranstaltet. Im Verlaufe desselben ergriff auch der Bürgermeister der Stadt, Senator Graf Theophilo Rossi, das Wort zu einer grösseren Rede. Er gab seiner Freude Ausdruck, Gelegenheit zu finden, feine Anhänglichkeit und Hochachtung für das edle jüdische Volk bekunden zu können. Unter Hinweis auf die Feindseligkeiten, denen die Juden in manchen Ländern ausgesetzt s'.nd, gab Senator Rossi feiner Ueberzeugung Ausdruck, datz der Antisemitismus nicht vom Rassenhatz diktiert sei, sondern vom Neid, und zwar vom Neid wegen der Intelligenz, der Seelengute und des regsamen 'Fleitzes der. Juden. Die Juden von Shanghai für die Judrn der Türkei. Aus Konstantinopel wird berichtet: Von den Sammlungen unserer Glaubensbrüder im Auslande zugunsten der durch den Balkankcieg in Mitleidenschaft gezogenen türkischen Juden beansprucht die Sammlung der Juden in Shanghai besonderes Interesse. Sie haben 1413 Frcs. aufgebracht und diese Summe in Begleitung eines herzlichen Schreibens übersendet. Die Juden von Shanghai entbieten den Juden in der Türkei Worte des Trostes und versichern sie ihrer Anteilnahme. Eine traurige Statistik. In Rußland erscheinen jetzt sukzessive die statistischen Ausweise der einzelnen Gouvernements, welche für die gouvernementale Tätigkeit auf dem Gebiete der Iudenvertreibungen eine eigene Rubrik aufweisen. Man erhält einen Begriff von dem Umfange dieser schauderhaften Negierungslätigkeit, wenn man der Statistik des Gouvernements Wolhynien entnimmt, datz auf' diesem Gebiete allein im Jahre 1912 4000 Juden vertrieben wurden. Veriniscbles. Wien. Samstag den 19. April row ^4 Uhr nachmittags, hält Se. Ehrwürden Herr Rabbiner M. M a y e rs o h n in der Synagoge des Vereines „Beth Israel", II. Bezirk, Leopoldsqasse 29, eine NV-n. Wien. („Verein zur Hebung der Gewerbe.") Der Verein hält am Donnerstag den 24. April l. I., um 728 Uhr abends, seine 26. Generalversammlung in Khuner's Restaurant ab. — Tagesordnung: 1. Bericht des Präsidenten Herrn S. B r 0 d; 2. Kassabericht; 3. Wahl des Präsidenten; 4. Wahl des Vorstandes und Schiedsgerichtes; 5. Boxtrag des Vizepräsidenten des Kredit- und Vorschuß-Vereines über „Die Tätigkeit des Kredit- und Vorschuß-Vereines; 6. Interpellationen. Wien. (Trauung.) Dienstag den 15. April 1913, fand in Zolyom die Trauung des Fräulein Margit Tan dliäh mit Herrn Carl N e u m a n n, Oberkantor des Josefstädter Tempels, statt. Wien. Am 17. Oktober jedes Jahres gelangen die Zinsen des „Prediger Mannheimer-Vereines" zur Verteilung. Anspruch auf diese Unterstützung haben bedürftige Rabbinen, Prediger und Lehrer in Oesterreich-Ungarn, welche dienstunfähig geworden find, oder deren unversorgte und vermögenslose Witwen und Waisen. Die Bewerber müssen in einer Gemeinde durch eine Reihe von Jahren das Amt in würdiger Weise verwaltet haben. Die Würdigkeit und Bedürftigkeit, sowie die Dienstunfähigkeit sind nachzuweisen. Unbelegte oder mit Urkunden in fremden Sprachen belegte Gesuche tyxrden nicht berücksichtigt. Ungestempelte Gesuche find längstens bis am 30. Juni jedes Jahres unter der Adresse: „Vorstand des Prediger Mannheimer- Vereines" in Wien, I., Eßlinggasse 7, zu übersenden. Wien. („Ad aß Jeschurun", IX., Pfluggasse 5.) Am 21. April 1913. präzise 6V4' Uhr früh, findet im Vereinsbethause ein Sium statt.