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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-04-18 · 16 (18.4.1913) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
16 (18.4.1913)
Date
1913-04-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 16 Qpa Bloch’s I«hrgans XXL Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums« -ccnD- Wien, 18. April 1913 : Brscbetnt jeden Lrettag. i Brief-Adreffe: Wie«, II/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wie». ou-.. - --o O p Brzugsprri» für Vrsterrrich: Q Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'» FknnUnrv: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die nal gespal» 2 lene Perirzeile 4« Heller. G oO -- - - -On OCF — -ÜO ». H. Poftlparhaatnamt Q CleartngslDerftebr •Kr. 810.976. Redaktion und Administration.? Virn H/i/ Praterstraße 9 ö Telefon 14847 pp - . -or Inhalt: Leitartikel: Schwarz ohne Rot und Gold. — Die Abstammung des Kolumbus. — Berühmte Judengemeinden des osmanischen Reiches. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Dr. Franz Oppenheimer über Nationaljudentum. Ein Familienkongretz der Eger. Bevorstehende Massenausweisung russischer Juden aus Oesterreich. Religiöse Vorträge für Frauen in Budapest. Der diesjährige Kongreß der italienischen Judengemeinden. Ein jüdischer Sektionschef im Kriegsministerium. Vom internationalen historischen Kongreß. Jüdische Offiziere als Kriegsgefangene. Minister Lucien L. Klotz. Die Juden in Preußen im Befreiungskriege des Jahres 1813. — Korrespondenzen: Gerüchte über Demissionsabsichten des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Jüdischterritorialistische Organisation „Jto". Jüdischer Verein „Einbeit". Die israelitischen Distriktsprasidenten beim Kultusminister. Landeskongreß der ungarländischen Jtoisten. Ein bemerkenswerter Zwischenfall in Saloniki. Die gegenwärtige Stimmung in Saloniki. Ausweisung jüdischer Studenten. Senator Rossi über den Antisemitismus. Die Juden von Shanghai für die Juden der Türkei. Eine traurige Statistik. — Vermischtes. — Feuilleton: Eine Episode vom Sederabend. Ein Glück aus Irrtum. — Literatm. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Die Redaktion u. Administration der „Oesterreichischen Wochenschrift“ befindet sich von nun an Wien, II|i, Praterstrasse Nr. 9 Telephon 14.847. Schwarz ohne gtat u«d Gold. Ms bei den letzten Wahlen in den Wiener Gemeinderat ein Bündnis Wischen den Deutschnationalen und Christlich-Sozialen zustande kam und eingehalten wurde, war man in der Oeffentlichjkeit überrascht und entsetzt. Man hatte denn bod* dem deutschnationalen Programm ein bißchen geglaubt. Deshalb hielt man es nicht für möglich, daß die Nationalen, die den stampf gegen Rom und den KlerikalisMüs aus ihre Fahne geschrieben haben, sich mit Haut und Haaren der schwärzesten und reaktionären Partei übergeben. Man glaubte nicht, daß die nationalen Kämpfer gegen die Korruption sich Politikern anschließen könnten, unter welchen jeden Tag ein neuer Hraba austauchen könnte, um eine fulminante Anklagerede gegen die unverschämteste Mißwirtschaft und die derbsten Unterschleife zu halten. Man erinnerte sich, daß die Nationalen von den Christlich? Sozialen mit jeder Art von Denunziation und wirtschaftlicher Unterdrückung verfolgt worden waren. Man hielt die Deutschen doch für Freunde eines gewissen Fortschritts und für unfähig, sich dem Spießertum in der; Politik zu opfern. Aus allen diesen Gründen nahm man das Bündnis für eine vorübergehende und einmalige Erscheinung, von der Eile und der augenblicklichen Laune hervorgebracht, und glaubte nicht an eine Wiederholung. Einsichtige allerdings vertraten gleich, anfangs die Meinung, daß sich die edlen Seelen der Christlich-Sozialen und Deutschnationalen für immer gefunden haben. Denn trotz allen Heilrufen und fortschrittlichem Getue ist der deutschnationale Verband im Parlament einer der reaktionärsten, dessen hauptsächliche Tätigkeit der Antisemitismus ist. Von seinen Mitgliedern stecken zwar viele die Judenfeindschaft in die Reisetasche, wenn sie sich in ihre Wahlbezirke begeben, um dort auch bei den Juden Geld und Stimmen zu holen. Aber wenn sie im Wiener Parlament beisammen sind, dann übertrifft niemand ihre germanische Tapferkeit bei der Verfolgung der Juden. Jeder soziale Fortschritt ist diesen Vertretern *der Fabrikanten und der Agrarier verhaßt. Die meisten von ihnen sind schließlich auch nach einem berühmt gewordenen Wort gegen jede Korruption, welche nicht an sie herantcitt. Wenn es sich um Portes euiNes und Stellen als Perwaltungsrat handelt, ist niemand rühriger als sie. Es ist kein Zweifel, daß sie in der Naturgeschichte der Politik in die erste Gruppe der Reaktionäre gehören und den Christlich-Sozialen nahe verwandt sind. Diese Aehnlichkeit und Sympathie des Blutes hat sich denn auch' in der letzten Zeit glänzend erwiesen. Anläßlich der Bezirksratswahlen im vierten Wiener Gemeindebezirk haben die Christlich-Sozialen und Deutschnationalen abermals ein Bündnis geschlossen und kein Geringerer als der ehemalige deutsche Landsmannminister Schreiner ist gekommen, um dem schönen Unternehmen seinen Segen zu geben und seinen Weiterbestand für die Zukunft dringend zu empfehlen. Die slawische und die' rote Gefahr ist für Herrn Schreiner das allein Maßgebende. Ein Jesuit ist ihm also lieber, als ein gebildeter Tscheche und der Vormärz unter feudal-klerikaler Führung passender, als ein Vordringen der Sozialdemokraten. Er sieht die Slawen schon in Wien und erhebt drohend seine Hand und Stimme. Glaubt er aber, daß neue Kirchen die richtigen Burgen gegen diesen Ansturm sind? Einen großen Feind sieht er in den tschechischjew Finanzinstituten. Er bergißt aber ganz, daß diese so vielen Landbesitz an sich bringen können, weil die Häuser und Güter von den strammen Deutschen wegen des schnöden Vorteils gerne verkauft werden. Nein — die Argumente des Herrn Schreiner zerflattern im Winde. Eine Richtschnur hätten für eine wirklich freiheitliche deutfchnationale Partei die Tatsachen gegeben, daß die Christlich-Sozialen die genügsam aus-

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