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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-04-11 · 15 (11.4.1913) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
15 (11.4.1913)
Date
1913-04-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Br. 15 Bloch’s Jahrgang xxx Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums. -omn- Wien, 11. April 1918 Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wie«, ll/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wie«. Inhalt: Leitarrikel: Doppelzüngige Politik. — Vierzigjähriges Jubiläum der Israelitischen Allianz zu Wien. — Neues über Josef Nassi, Herzog von Naxos. — Berühmte Judengemeinden des osmanischen Reiches. — Vom Jahrmarkt des LebenS: Die Tschechen beginnen sich der Ritualmordlüge zu schämen. Ein jüdischer Gesandter des Königreiches Italien in Kopenhagen. Der Undank der ungarischen Regierung. Tragikomisches von einer Ritualmordgeschichte. Claude Montefiore als Nachfolger des Herzogs von Wellington. Ministerpräsident Pasic über die serbischen Inden. Bedrohliche Lage der Juden auf der Insel Rhodes. Vortrag eines rusiischen Richters über die Ritualmordlüge. Hellenisch-Jüdische Gendarmen in Saloniki. Die jüdische Bevölkerung in Kanada. Mitterndorf in Steiermark will „judenrein" sein. Ein Stammbuchblatt Moses Mendelssohns. — Korrespondenzen: Eine Brockensammlung für jüdische Arme.'Wlen. Kaiserin Elisabeth-Institut für israelitische Krankenpflegerinnen. Wahlrechtspraktiken in der Kultusgemeinde Czernowitz. Berlin. Eine Entschuldigungsvisite des griechischen Patriarchen beim Großrabbiner der Türkei. Der Verband der italienischen Judengemeinden an Minister San Giuliano. Ein türkisches Gesetz gegen den Antisemitismus. Die finanzielle Krisis der Bezalelschule. Eine Kommission wegeü der künftigen Verwaltung von Tanger. Ein Aschkenasi Parnaß einer sephardischen Gemeinde. — Vermischtes. — Feuilleton: Randglossen zum Balkankriege. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. O (.r - ■ ■ ■■■ O C p Vrxugsprrt» für Vestrrrrich: Q Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'» «»»fand: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die nalgespal» 2 tene Pelikzeile Heller. C OP . —Or «. X PoNlparkslfrnarnt ^' Cleartng-Verkebr flr. 810.976. Redaktion und Administration. (? 9H:n H/i, Praterstrafie 9 Telefon 14847 nP ■ - -- Oo » ■ ii i - ... Die Redaktion u. Administration der „Oesterreichischen Wochenschrift“ befindet sich von nun an Wien, II|ij Praterstrasse Nr. 9 Telephon 14.847. Doppelzüngige Politik. Der Bürgermeister von Wien hat sich wieder einmal in die Brust geworfen. Nahe dieser Brust befindet sich eine Brieftasche mit dem Erträgnis sehr vieler Pensionen. Aber unbeschwert von diesem Geld und dem dazugehörigen Bewußtsein, hat Dr. Weiskirchner dem Auswärtigen Amte gesagt, daß es nicht so weiter gehe. Der Wiener Gewerbestand halte die Spannung und die materiellen Erfordernisse der gegenwärtigen Lage nicht mehr aus. Man müsse erklären, welches Interesse unsere Monarchie an Albanien habe und müsse es vertreten oder fallen lassen. „Entweder — oder" verlangte der Bürgermeister vom Grasen Berchthold unter dem stürmischen Beifall der Versammlung. Es ist nun sehr notwendig, die Berechtigung der Anklage des Stadtsianwaltes Weiskirchner und des Beifalls zu untersuchen. Es ist notwendig geworden, gegen das Auftreten und die gefährlichen Feindseligkeiten der Balkanstaaten kostspielige Vorbereitungen zu treffen und sich sogar gegen die Gefahren eines Weltkrieges zu wappnen. Diese Feindseligkeiten sind jedoch durchwegs neueren Datums. Man erinnere sich nur der vielgeschmähten Aera unter Golu chowski und der idyllischen Ruhe auf dem nördlichen Balkan, welche man fälschlich als Schläfrigkeit bezeichnete. Unser diplomatischer und in seiner Folge auch! unser kaufmännischer Verkehr mit Sofia, Belgrad und Cetinje hatte ausgesprochen freundschaftlichen Charakter. Nun kamen die russischen Umtriebe am Balkan und brachten eine ziemliche Unruhe hervor. Ein solcher Zustand war schon wiederholt dagewesen, aber man hatte ihn immer wieder durch Zugeständnisse nuszugleichen und zu überwinden verstanden. Plötzlich aber verließ mau diese Traditionen der Versöhnlichkeit bei uns und nahm eine drohende und strafende Haltung ein. Man sperrte in den neuen Handelsverträgen Serbien den österreichischen Markt ab, auf den es durch seine natürlichen Bedingungen und seine geographische Lage angewiesen war. Jetzt war dieses Land tatsächlich vom Meere abgeschnitten und von allen Seiten eingesperr!. und nun suchte es mit allen Mitteln seine ungünstige wirtschaftliche Lage zu verbessern, indem es sich ein Tor aufsprengte. Man geht wohl nicht fehl, wenn man hier nicht nur die Ursache des Balkankrieges selbst sucht, sondern auch den Grund seiner Wut und Wucht. Wenn die Wirklichen Lebensinteressen eines Volkes auf dem Spiele stehen, somuß man ihnen ein Ventil offnen, wie einem überhitzten Dampfkessel, sonst erfolgt eine Explosion. Wenn also unsere Diplomatie einen faktischen Fehler machte und eine falsche Methode ergriff',, so geschah das in dem Augenblick, in welchem man Serbien keine günstigen Handelsverträge gab. Das war aber kein Fehler unserer Diplomatie, sondern der Einfluß gewisser Kreise, welche unser Auswärtiges Amt bedrängten und im Staate eine erste Rolle spielten. Die Agrarier wollten unter keinen Umständen nachgeben und den serbischen Produkten einen leichteren Einlaß verschaffen. Ihre Diktatur in der Balkanfrage kam in den schönen Worten Hohenblums zum Ausdruck: „Die serbischen Ochsen sind gefährlicher, als die serbischen Soldaten." Dieses Programm wurde in unzähligen Versammlungen gepredigt, wurde der Regierung im Parlamente aufgezwungen, wurde als hinreichend erklärt, um seinetwegen einen Krieg zu beginnen. Man bemerke nur die furchtbare Frivolität dieser Forderungen! Damit unsere Agrarier an ihrem Vieh und Getreide ein paar Heller mehr verdienen. sollte ilnser Staat in die Gefahren eines Krieges gestürzt, unzählige Familien ihres Ernährers beraubt, die ohnehin überlasteten Finanzen vollends ruiniert werden. Da wagt es noch jemand, von jüdischem Geschäftsgeist zu sprechen. Wer waren aber diese tollen Vertreter des unbedingten

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