Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 14 (4.4.1913)
- Date
- 1913-04-04
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3022035-3022050--22018-3047142- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 14 Dr. Blochs Wochenschrfft Seite 348 20.—, Lina Lergenthal, Wien 6.—, Bernhard Krakauer, Göding 10.—, Dr. Moriz .Friedrich, Wien 20.—, Siegmund Zuckerbäcker, Wien 6.- , Jakob Feldsberg, Herrnbaumgarien 3. -, Dr. Gkogau, Wien 10.—, Eugen Baß, Wien 5.—, Joses Polenz, Mißlih 10.-, Karoline Böhm, Wien 8.—, Friedrich Krakauer, Wien 6.—, Dr. Richard Abeies, Wien 10.—, Therese Kann, Wien 20.—, Dr. David Feuchlwang, Rabbiner, Wien 6.—, Franz Lazar, Wien 6.—, Rabbiner Dr. S. Baß, Wien 6.— , Wilhelm Feldsberg^ Lundenburg 6.— . Allen den hochherzigen Gebern sagt herzlichen Dank die Leitung des Vereines. Oderberg (Bahnhof). (R a b b r n e r w a h I.) In der neu kreierten Kultusgemeinde für Oderberg-Baynhof und Umgebung wurde bei der am 31. März l. I. stattgefundenen Ausschußsitzung mit Stimmeneinheit Se. Eyrwürden Herr Dr. M. Friediger aus Pohrlitz (Mähren) zum Rabbiner gewählt. Herr Dr. Friediger hat es verstanden, durch seinen Probevortrag und sein Auftreten sich die Sympathie aller zu gewinnen. Stanislau. Am 22. März ist Herr Alexander Wittels hierselbst gestorben; der Verblichene, der sich in seiner Vaterstadt außerordentlicher Beliebtheit erfreute und wegen seines lauteren Charakters uneingeschränkte Hochachtung genoß, gehörte zu senen immer seltener werdenden Autodidakten, die sich durch unermüdlichen Fleiß und Ausdauer ein geradezu stupendes Wissen anzueignen verstehen; er war nicht nur ein anerkannt ausgezeichneter Hebraist, sondern er beherrschte auch in schwungreicher Form die deutsche und polnische Sprache. Das wichtigste Ereignis in seinem Leben, eine Palästinareise, gab ihm Gelegenheit, seine Empfindungen und Eindrücke in rührend schlichten Worten zum Ausdrucke zu bringen; in den hinterlassenen Aufzeichnungen spiegelt sich so recht seine innige, herzerfreuende Liebe zum Judentume und seiner reichen Geschichte wieder. Die Hinterbliebene Witwe, Frau Jeanette Wittels, ist die Tochter des erst kürzlich verstorbenen Kultusprüsidenten von Staaislau, Herrn K. Kiesler, ein Sohn, Herr Dr. Julius Wittels, ist Gemeindearzt und Direktor des jüdischen Spitales in Stanislau, eine Tochter Clara ist Gattin des Hof- und Gerichtsadookaten Dr. M. Pinel in Wien. Ernennungen und Auszeichnungen in Frankreich«. Das französische Amtsblatt veröffentlicht die nachfolgenden Ernennungen und Auszeichnungen: Albert Cahen, Inspektor der Akademie de Paris, wurde zum Generalinspektor für öffentlichen Unterricht ernannt. Dr. N. Glotz wurde zum Professor für griechische Geschichte an der Pariser Universität ernannt. Der an Stelle des verstorbenen Professors für ungarische Sprache und Literatur an der Pariser Universität ernannte Dozent Louis Eisenmann gehört einer angesehenen jüdischen Familie an. Er ist der Schwager des Mitgliedes der französischen Akademie der Wissenschaften und hervorragenden Juristen Lyon Caen und ein Enkel des verstorbenen Oberrabbiners von Straßburg, Arnaud Aron. Ernennung, m Italien. Infolge der von uns bereits gemeldeten Ernennung des jüdischen Politikers Giacomo Malvano zum Präsidenten des Staatsrates in Italien hat dieser die Präsidentenstelle in einer Sektion des Stadtrates niedergelegt. Nun wurde ein anderer Glaubensgenosse Gabriele Pincherle Grand Offizier des italienischen Kronenordens zu seinem Nachfolger an diese Stelle berufeil. Eduard Allatini gestorben. Der vor einigen Tagen in Paris verstorbene Komlnandeur des italienischen Kronenordens. Eduard Allatini, gehörte der weltberühmten gleichnamigen Saloniker jüdischen Familie an. Er besaß eine gediegene europäische Bildung, die ihn jedoch nicht abhielt, gerade in Saloniki auch in den niedersten jüdischen Arbeiterkreisen zu verkehren, um ihre Leiden und Wünsche kennen zu lernen und ihnen moralische und finanzielle Unterstützung angedeihen zu lassen. Feuilleton. Zum Kapitel unserer Jugendfürsorge. Abend war es, ein kalter, stürmischer Abend. Ich kam soeben aus der Versammlung des neu konstituierten Erziehungsrätes, wo ich so vieles von der leider oft verfehlten Erziehung unserer Kinder, von der Verderbtheit unserer Heranwachsenden Jugend gehört, wo auf Mittel und Wege gesonnen wurde, diese Schäden, diese Erziehungsfehler von der Jugend ferne zu halten, und wo ich den Entschluß faßte, mitzutun. initzudenken und zu handeln, wenn es gilt, unsere Jugend von den sie lockenden Irrwegen abin die richtige Bahn zu lenken. Forschend betrachtete ich jedes mir in den Weg kommende Geschöpf, suchte aus dessen Mienen zu er raten, ob es bereits das Opfer jener Erziehungsfehler geworden oder noch nicht unter diesem Banne stehe. Da kreuzte ein junges, einfach gekleidetes Mädchen von ungefähr vierzehn Jahren meinen Weg; in der einen Hand ein umfangreiches Paket, in der anderen einen Brief haltend, dessen Aufschrift es nur sehr schwer zu entziffern schien. ..Nun. liebes Kind, soll ich Dir lesen helfen? Was studierst Du denn da in Sturm «lnd Wetter, Du armes Ding?" sprach ich zu dem Mädchen. Erschreckt wendete es mir sein Köpfchen zu, sah mich dankerfüllten Blickes an und ineinte dann: ..Ach. Sie haben recht, liebe Dame, ich bin wohl ein armes Ding, bin fremd in dieser schönen, großen Stadt, wo ich erst seit einigen Wochen weile, mir wird oft recht bange, ich kenne keinen Weg. keine Straße, soll dieses Paket mit dem Briefe abgeben und weiß nicht wo: und zur bestimmten Stunde muß ich wieder beim Abendbrot, beim Abendgebet zuhause mit meinen vielen Schwestern Zusammentreffen. Wie soll ich es nur beginnen?" Und Tränen traten dem armen Mädchen in die Augen. Von Mitleid erfaßt, frug ich weiter: „Ja. woher kommst Du denn? Wie heißest Du? Wer sind Derne Eltern?" Und unter Schluchzen erzählte die Kleine: „Ach, meine Eltern! Ich habe weder Vater noch Mutter, beide hat ein böses Geschick mir entrissen; mein Vater verlor sein Leben durch einen Sturz in den Bergen und mein gutes Mütterchen starb aus Gram hierüber kurze Zeit darauf." In meinem Herzen tobte es. „Dieses Kind mußt Du schützen vor Verderben, mußt trachten, ihm alle bösen Einflüsse sernezuhalten. hier bietet sich Dir ein Objekt. Deine guten Vorsätze zu betätigen!" so rief es in meinem Innern. „Kind", sagte ich, „wo ist jetzt Dein Heim? Be' wem bist Du denn? Ich will Dich beschützen. Dir eine Unterkunft verschaffen, will für Dich sorgen." Da hellte sich das Antlitz der kleinen Dulderin am und mit zuversichtlicher, fester Stimme sprach sie: „Danke, danke vom Herzen, liebe Dame, für Ihre groß: Eü^e, aber ich darf nicht undankbar sein gegen unseren lieben Vater im Himmel, ich bin ja eigentlich mcht mehr so unglücklich, ich habe gute, edle Menschen gefunden. die ^m>ich aus meinem Elend befreiten, gute Menschen, die wie Sie. liebe Dame, zu mir sprachen und sich Vornahmen, mich glücklich zu machen und die für meine Zukunft sorgen wollen." Und immer zutraulicher werdend, erzählte die Kleine mir eine Geschichte, die wie ein Märchen klang und doch kein Märchen ist. sondern wahre, echte Wirklichkeit, die mich mit Erstaunen und Bewunderung erfüllte und mein Herz vor Freude hüpfen machte. „Erzähle mir Deine Geschichte, liebes Kind." bat ich, „ich will Dir mittlerweile den Weg zeigen, wohin d'eser Brief Dich weist und Dich dann nach Hause bringen." Wir schlugen nun den Weg nach der angegebenen Adresse ein, und unterwegs erzählte mir die Kleine: „Eine entfernte, recht arme Verwandte nahm sich in meinem großen Elende damals meiner an: sie brachte mich aus meinem Heimatorte, einem kleinen schlesischen Städtchen hieher in ein großes, schönes, einfach gebautes Haus, das in drei Stockwerken verteilt, viele große Räume: Speisesäle. Schlafsäle. 'Laderäume. Kran