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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-03-28 · 13 (28.3.1913) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
13 (28.3.1913)
Date
1913-03-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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®r. 13 QpB Bloch’s I«hrs«ms rrx Zentralorgan für die gesamten Ilnteressen des Zudentums. Wim, 28. März 1913 Lrscdeint jeden FreLtsg. Brief-Adresse: Wien, ll/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift. Wien. Inhalt: L e i t a rt i k e l: Das Schicksal Salonikis. — Zam Rechtskan pf Leopold Hilsners. — Die Judenheit Böhmens und die »Oesterreichi'che Wochenschrift". — Berühmte Judengemeinten des osmamschen Reche«. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Antijüdischer Boykott der Griechen. Die Aussichtslosigkeit der rumänischen Juden. Zur Boykottbewegung in Galizien. Ein Ehrentribut für ungarisch-jüdische Gelehrte in England. Der Emir von Buchara für die ducharischen Inden. — Korrespondenzen: Für Seder-Abende. Kaiserlicher Rat Dr. Theodor Lieben. Eine Aktion der Prager Kantoren. Meran. Ein Pamphlet Polonyi's. Brief aus Triest. Die Pensionsversicherung des Rabbiners. Der russische Botschafter beim Großrabbiner der Türkei. Interessante Einzelheiten über den Empfang der jüdischen Deputation am Zarenhofe. Offizielle Erpreffnng an reichen Juden. Eine Tragödie des russischen ..Wohnrechtes". Die spanische Nationalhymne bei einer jüdischen Veranstaltung. Die Gemeinderatswahlen in Großlondon. Luigi Luzatti finanzieller Berater der chinesischen Regierung. London. Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina. Die Protestantenmission unter den Falleschen. — Vermischtes. — Feuilleton: Die beiden Rathenau. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz — Inserate. O G~- P Vrrugsprrts für Vestrrrrirh: Q Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 56 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 16 Kronen. Ganzjährig 26 Kronen. Anzeigen: Die nal gespaltene Petitzeile 4« Heller. C, OP . .. ' -rOD 0(7 O M. ft. PofisparftastrnLMt Slearlng-Verkrebr Mr. 610.976. Redaktion und Administration. Wien U/i, Praterstraße 9 Telefon 14847 vo OG: DO Die Redaktion u. Administration der „Oesterreichischen Wochenschrift" befindet sich von nun an Wien, II i, Praterstrasse Nr. 9 Telephon 14.847. Das Schicksal Salonikis. Wir erhalten folgende Zuschrift: Eine sehr bedauerliche Episode der blutigen und rücksichtslosen Kämpfe des letzten Balkanwinters bedeutete die Ermordung des Königs Georg von Griechenland in Saloniki. Daß diese Tat eines schwachsinnigen Strolches überall tiefes Bedauern und aufrichtige Teilnahme geweckt hat, ist wohl begreiflich. Der greise König war eine so durch und durch liebenswürdige menschenfreundliche Persönlichkeit, die absolut ungerignet war, irgendwie Empfindungen des Hasses auszulösen. Es war von vornherein klar, daß das abscheuliche Verbrechen nur von einem dem Wahnsinn verfallenen Individuum begangen werden konnte. Die Untersuchung hat denn auch dieses Resultat ergeben. Der wahnsinnige Attentäter ist ein Grieche; er hätte ebenso gut ein Bulgare, ein Türke oder Jude sein können. Psychopathisch belastete Individuen gibt es bei allen Völkern. Nun ist der Verbrecher zufällig griechischer Nationalität. Und doch konnte sich des Mobs von Saloniki, wie die Telegramme melden, eine furchtbare Erregung bemächtigen, die auflodernde Gier nach einer Lynchjustiz hat sich aber nicht etwa gegen Griechen gewendet, sondern eine wüste Horde demagogisch exaltierter Einwohner unter tatkräftiger Mithilfe und Teilnahme der Gendarmerie und des Militärs fiel über Juden und Türken her. über unschuldige harmlose Vorstadteinwohner, von denen in der Geschwindigkeit zwölf brutal ermordet und mehrere weitere Dutzend schwer verwundet wurden. Es war ein kleines Vorspiel für die Entwicklung der Dinge in Saloniki unter griechischer Administration. Das Traurigste an der Erscheinung, daß selbst unabhängige Preßorgane, die der gewiß betrüblichen Ermordung des König Georg, spaltenlange Artikel widmeten, dieser weit bedauernswerteren massenmörderischen Folgeerscheinung außer der trockenen Berichterstattung kaum ein einziges Wort des Protestes oder der Anklage gegen die hetzerischen Urheber dieses Verbrechens hinzuzufügen für nötig hielten. Dieses Verhalten der gesamten Presse Oesterreichs und Deutschlands angesichts der Greueltaten in Saloniki war tief betrübend und beschämend. Offenbar war das eine unwürdige Dienstleistung für das Griechentum. Und dessen ungeachtet hält der ..8 y 11 o g u e Commercial d’Atheues“ es für angebracht, in einem Zirkular aus Athen über die angeblich griechenfeindliche Haltung der österreichischen Presse Beschwerde zu erheben. Es wird mit einem Boykott österreichischer Waren gedroht, weil angeblich unsere Journale „systematisch Nachrichten bringen, die nachteilig für Griechenland lauten". Die bestialischen Juden- und Türkenmorde von Saloniki wurden in diesen Journalen kaum beachtet, die Telegramme mit wenigen Zeilen abgetan, an irgend einer kaum beachteten Stelle erledigt —: das alles ist den Herren in Athen noch immer nicht genug. Offenbar handelt es sich darum, jetzt gerade die Organe der Oeffentlichkeit einzuschüchtern und stumm zu machen. Als Kenner der Sachlage und der Verhältnisse in Saloniki erlaube ich mir deswegen die Aufmerksamkeit auf die Vorgänge zu lenken. Es wäre ein böses Verhängnis für Türken und Juden in Saloniki, sollten sie dazu verurteilt sein, unter griechischer Herrschaft zu bleiben. Pflicht der Oeffentlichkeit ist es, ohne auf die Einschüchterungsversuche aus Athen zu achten, darauf hinzuarbeiten, daß diese Stadt internationalisiert würde. Schon jetzt macht man die Erfahrung, daß Briese nach Saloniki ihre Bestimmung merkwürdigerweise verfehlen und die Adressaten beschweren sich, daß man ihnen keine Antwort gibt. Es liegt im Interesse des Weltverkehres und der Handelsbeziehungen aller Völker, daß Saloniki vor dem Mißgeschick gerettet werde, welches ihm unter griechischem Regime droht. Mit der Bitte um Veröffentlichung dieser Zeilen zeichne ich hochachtungsvoll Dr. K.

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